Einleitung

Manchmal wird dieser Abschnitt aus 1. Timotheus 6 benutzt, um "zu beweisen", dass Jesus Gott sei. Ist das aber, was Paulus in diesem Abschnitt sagt?

1. Timotheus 6,13-16
Ich gebiete dir vor Gott, der alle Dinge lebendig macht, und vor Christus Jesus, der unter Pontius Pilatus bezeugt hat das gute Bekenntnis,
daß du das Gebot unbefleckt, untadelig haltest bis zur Erscheinung unseres Herrn Jesus Christus,
welche uns zeigen wird zu seiner Zeit der Selige und allein Gewaltige, der König aller Könige und Herr aller Herren,
der allein Unsterblichkeit hat, der da wohnt in einem Licht, zu dem niemand kommen kann, den kein Mensch gesehen hat noch sehen kann. Dem sei Ehre und ewige Macht! Amen.

Manche Leute behaupten, dass hier Jesus Christus auch als Gott beschrieben würde, u.a. auch durch die Verwendung solcher Titel wie "König aller Könige und Herr aller Herren" und dann weiter "der allein Gewaltige", "der da wohnt in einem Licht, zu dem niemand kommen kann", usw. Setzt Paulus aber in diesem Abschnitt Jesus mit Gott gleich? Oder ist eigentlich genau das Gegenteil der Fall, dass nämlich Gott und Jesus deutlich voneinander getrennt und unterschieden werden?

Was sagt diese Stelle eigentlich?

Wenn wir uns diese Stelle einmal etwas genauer anschauen, stellen wir schnell fest, dass Paulus hier sehr deutlich zwischen Gott und Jesus Christus unterscheidet, und diese in keiner Weise als ein und dasselbe "Wesen / Lebewesen" betrachtet. An vielen anderen Stellen in der Bibel wird Jesus klar und deutlich von dem Titel "Gott" ausgeschlossen, und dieser Abschnitt hier sagt dies ebenfalls mit großer Deutlichekit.

Ich will verschiedene Wahrheiten, die in diesem Abschnitt Erwähnung finden, zusammentragen und ihre Bedeutung für eine Antwort auf die Frage, ob Jesus Gott ist, hier kurz auflisten.

Die hier beschriebene Person hat kein Mensch gesehen, noch kann ein Mensch sie sehen

Was Jesus Christus angeht, so wurde er nicht nur nach seiner Geburt bis hin zu seinem Tode von Leuten gesehen, und konnte jederzeit gesehen werden, sondern auch nach seiner Auferstehung wurde er von den Aposteln gesehen (vgl. etwa Joh 20, Mat 28, Lk 24), und selbst nach seiner Aufnahme in den Himmel wurde er in Visionen gesehen (vgl. Stephanus - Apg 7,56, oder Paulus).

Die Person, von der hier die Rede ist, kann also unmöglich Jesus Christus sein; es handelt sich vielmehr um Jesu Vater, den einen und allein wahren Gott, der Geist ist, und den in der Tat noch kein Mensch gesehen hat, noch sehen kann.

Johannes 1,18 (Luther 1912)
Niemand hat Gott je gesehen; der eingeborene Sohn der in des Vaters Schoß ist, der hat es uns verkündigt.

Johannes 5,37
Und der Vater, der mich gesandt hat, hat von mir Zeugnis gegeben. Ihr habt niemals seine Stimme gehört noch seine Gestalt gesehen,

Johannes 6,46
Nicht als ob jemand den Vater gesehen hätte außer dem, der von Gott gekommen ist; der hat den Vater gesehen.

1. Johannes 4,12-14
Niemand hat Gott jemals gesehen. Wenn wir uns untereinander lieben, so bleibt Gott in uns, und seine Liebe ist in uns vollkommen.
Daran erkennen wir, daß wir in ihm bleiben und er in uns, daß er uns von seinem Geist gegeben hat.
Und wir haben gesehen und bezeugen, daß der Vater den Sohn gesandt hat als Heiland der Welt.

Kolosser 1,15
Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene vor aller Schöpfung.

1. Timotheus 1,17
Aber Gott, dem ewigen König, dem Unvergänglichen und Unsichtbaren, der allein Gott ist, sei Ehre und Preis in Ewigkeit! Amen.

Diese Person allein hat Unsterblichkeit

Auch diese Eigenschaft trifft allein auf den Vater Jesu Christi zu. Jesus Christus ist ja gestorben, wurde begraben und dann von Gott drei Tage und drei Nächte später von den Toten auferweckt!

1. Timotheus 6,13.16
Ich gebiete dir vor Gott, der alle Dinge lebendig macht ...
...
der allein Unsterblichkeit hat, der da wohnt in einem Licht, zu dem niemand kommen kann, den kein Mensch gesehen hat noch sehen kann. Dem sei Ehre und ewige Macht! Amen.

Im Vergleich hierzu lesen wir über Jesus Christus folgende Wahrheit:

Römer 6,9-10
und wissen, daß Christus, von den Toten erweckt, hinfort nicht stirbt; der Tod kann hinfort über ihn nicht herrschen.
Denn was er gestorben ist, das ist er der Sünde gestorben ein für allemal; was er aber lebt, das lebt er Gott.

Es ist offensichtlich, dass Jesus Christus nicht die Person sein kann, von der hier in 1 Timotheus 6 die Rede ist als Gott. Dieser Gott allein hat Unsterblichkeit, Jesus aber ist gestorben, war also offensichtlich "sterblich". Jesus wurde nach seinem Tod und drei Tagen im Totenreich durch Gott von den Toten auferweckt, und nunmehr wird er hinfort nicht mehr sterben und der Tod kann hinfort nicht über ihn herrschen.

Weiterhin sehen wir auch in 1 Timotheus 6,16, dass kein Mensch diesen Gott gesehen hat oder sehen kann; Jesus Christus aber wurde von vielen Menschen gesehen, vor seinem Tod und auch nach seiner Auferstehung! Auch dies ein weiteres Zeugnis dafür, dass Jesus nicht der in 1Ti 6 erwähnte Gott sein kann.

Was ist aber mit "König aller Könige und Herr aller Herren"?

Viele werden aus den bisher dargelegten und offensichtlichen Punkten aus den klaren Aussagen der Schrift erkennen, dass der Abschnitt in 1Ti 6,13ff von Jesu Vater, dem allein wahren Gott, handelt. Eine Sache, die vielleicht nun noch Fragen aufwirft, ist die Verwendung des Ausdrucks "König aller Könige und Herr aller Herren", denn dieser Ausdruck und Titel findet sich auch an anderer Schriftstelle, wo er für Jesus Christus verwendet wird.

Offenbarung 19:11-16
Und ich sah den Himmel aufgetan; und siehe, ein weißes Pferd. Und der darauf saß, hieß: Treu und Wahrhaftig, und er richtet und kämpft mit Gerechtigkeit.
Und seine Augen sind wie eine Feuerflamme, und auf seinem Haupt sind viele Kronen; und er trug einen Namen geschrieben, den niemand kannte als er selbst.
Und er war angetan mit einem Gewand, das mit Blut getränkt war, und sein Name ist: Das Wort Gottes.
Und ihm folgte das Heer des Himmels auf weißen Pferden, angetan mit weißem, reinem Leinen.
Und aus seinem Munde ging ein scharfes Schwert, daß er damit die Völker schlage; und er wird sie regieren mit eisernem Stabe; und er tritt die Kelter, voll vom Wein des grimmigen Zornes Gottes, des Allmächtigen,
und trägt einen Namen geschrieben auf seinem Gewand und auf seiner Hüfte: König aller Könige und Herr aller Herren.

In dieser Vision trägt der beschriebene Reiter auf seinem Gewand den Namen "König aller Könige und Herr aller Herren", weil er ja als Repräsentant des allmächtigen Gottes agiert. Ja, er ist in diesem Sinne "König aller Könige und Herr aller Herren", der mit entsprechender Vollmacht ausgestattete oberste Herrscher.

Der Schlüssel zu einem korrekten Verständnis liegt darin, dass man beachtet, dass sowohl der allein wahre Gott, YHWH, Jesu Vater, als auch Jesus, als der von dem wahren Gott mit Vollmacht ausgestattete Herrscher, diesen Titel "König aller Könige und Herr aller Herren" führen! Mit anderen Worten, es sind ZWEI (und nicht nur Einer), die diesen Titel tragen.

Dass mehrere den gleichen Titel oder Namen haben, macht diese ja nicht zu Einem. Man erinnere sich an den Bericht im Alten Testament über Josef in Ägypten, der vom Pharao als absoluter Herrscher über Ägypten eingesetzt wurde und dem alle in Ägypten untergeordnet waren, und der an Pharaos Statt über Ägypten regierte. Josef war in gewisser Hinsicht der oberste Herrscher über Ägypten, er hatte den Siegelring des Pharao, absolute Autorität über das Land. Allerdings gab es natürlich eine Ausnahme im Hinblick auf Josefs Macht, nämlich den Pharao selbst, der ihm ja diese Vollmacht erteilt hatte.

So verhält es sich auch mit dem Vater Jesu Christi, dem höchsten "König aller Könige und Herrn aller Herren", der allein der wahre Gott ist, und mit Jesus Christus, dem "König aller Könige und Herrn aller Herren", den Gott mit Vollmacht ausgestattet und über alle anderen gesetzt hat.

Matthäus 28,18
Und Jesus trat herzu und sprach zu ihnen: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.

Philipper 2,9-11
Darum hat ihn auch Gott erhöht und hat ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist,
daß in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind,
und alle Zungen bekennen sollen, daß Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters.

Offensichtlich sollte sein, dass natürlich Gott selbst, der Jesus diese Vollmacht gegeben hat, die Ausnahme bildet und natürlich nicht Jesus als Herrn bekennt und Jesus untertan ist, sondern dass es sich umgekehrt verhält.

1. Korinther 15,27
Denn alles hat er unter seine Füße getan«. Wenn es aber heißt, alles sei ihm unterworfen, so ist offenbar, daß der ausgenommen ist, der ihm alles unterworfen hat.

Schlussfolgerung

Der Titel "König aller Könige und Herr aller Herren" wird in der Bibel sowohl für Gott selbst, den Vater des Herrn Jesus Christus, als auch für Jesus Christus, dem von Gott entsprechende Vollmacht erteilt wurde, benutzt. Dies bedeutet aber absolut nicht, dass damit Jesus zu einem gleichwertigen Gott gemacht wird oder es etwa eine Mehr-Personen-Gottheit gibt.

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