Thessalonich ist vielen Christenvon den zwei Briefen des Apostels Paulus an die Gemeinde dort bekannt. Wie diese Briefe zeigen, war die Gemeinde in Thessalonich eine sehr erfolgreiche Gemeinde im Hinblick auf die Verbreitung der Botschaft Jesu Christi. Diese Studie widmet sich den Berichten über die Entstehung dieser Gemeinde und legt einige der bedeutsamen Prinzipien dar, die zu der freudigen Aufnahme des Evangeliums in Thessalonich beitrugen.

Unter den sogenannten Gemeinde- bzw. Paulusbriefen in der Bibel sind auch zwei Briefe an die Gemeinde in Thessalonich. Diese Gemeinde war eine der lebendigsten und fruchtbarsten Gemeinden zur Zeit des 1. Jahrhunderts, insbesondere während der Wirkungszeit des Apostels Paulus. Paulus war auf seiner zweiten größeren Reise erstmals nach Thessalonich gekommen und hatte dort das Wort Gottes gepredigt. Apostelgeschichte 17 enthält den Bericht über dieses Geschehen.

Apostelgeschichte 17,1:
Nachdem sie aber durch Amphipolis und Apollonia gereist waren, kamen sie nach Thessalonich; da war eine Synagoge der Juden.

Paulus kam zusammen mit Silas und Timotheus von Philippi her nach Thessalonich. Paulus hatte sich mit Silas von Antiochia in Syrien aufgemacht, Timotheus hatte er dann unterwegs mitgenommen, und siewaren zunächst auf etwas abenteuerlichem Wege durch Kleinasien gereist, ohne dort Gottes Wort predigen zu können. Schließlich kamen sie nach Troas, und dort hatte Paulus eine Erscheinung, aufgrund der sie sich sofort aufmachten, um mit dem Schiff nach Mazedonien überzusetzen.

Die erste größere Stadt, in der sie schließlich das Wort predigten, war Philippi. Nach einigem Aufruhr und schmachvoller Behandlung und einer erlebnisreichen Nacht im dortigen Gefängnis, reisten sie auf der Via Egnatia, der berühmten römischen Straße vom Bosporus bis zur Adria, in westlicher Richtung weiter, bis sie nach Thessalonich kamen. Auf ihrem Wege kamen sie nochdurch zwei kleinere Städte Mazedoniens, Amphipolis und Apollonia, wo sie offenbar nur durchreisten, ohne dort zu predigen.

Thessalonich war ihre nächste Station. Diese Stadt war rechtbedeutend, war Hauptstadt eines Bezirks von Mazedonien, lag sehr verkehrsgünstig an wichtigen Handelsrouten, hatte dazu einen bedeutenden Hafen, und profitierte daher sehr vom Handel. Eine größere jüdische Bevölkerungsgruppe hatte sich in der Stadt angesiedelt, und wie in vielen Städten des Römischen Reiches gab es auch hier eine Synagoge der Juden. Diese Synagoge war des Paulus erstes Ziel in seinen Bemühungen, das Evangelium zu verkünden.

Apostelgeschichte 17,2 und 3:
Wie nun Paulus gewohnt war, ging er zu ihnen hinein und redete mit ihnen an drei Sabbaten von der Schrift,
tat sie ihnen auf und legte ihnen dar, daß Christus leiden mußte und von den Toten auferstehen und daß dieser Jesus, den ich - so sprach er - euch verkündige, der Christus ist.

Paulus hatte es sich zur Gewohnheit gemacht, die Synagogen als erste Station zur Verkündigung des Wortes aufzusuchen. Dort bot sich ihm oftmals die Gelegenheit, nach der Lesung des Gesetzes und der Propheten selbst zu den Anwesenden erläuternde Worte zu sagen.

Er redete mit ihnen "von der Schrift", was anzeigt, daß er immer wieder das Alte Testament, das Gesetz und die Propheten, heranzog, um den Anwesenden anhand der Schrift darzulegen, daß sich diese Weissagungen in Christus erfüllt hatten. Für die Juden war sicherlich am schwierigsten zu verstehen, daß der Christus, Gottes Gesalbter, leiden und sogar sterben mußte und dann aber von den Toten auferweckt werden würde. Paulus griff in seinen Ausführungen gerade diese Punkte aus der Schrift auf und legte seinen Zuhörern dar, daß dieser Jesus tatsächlich der Christus, der verheißene Messias Gottes, war.
In Thessalonich ging Paulus zunächst an drei Sabbaten zur Synagoge. Daraus läßt sich ableiten, daß wahrscheinlich nur wenige Wochen für diese erste Zeit des Wirkens in Thessalonich, über die hier berichtet wird, anzusetzen sind.1 Paulus nutzte die sich ihm bietenden Gelegenheiten zum Reden in der Synagoge, um seinen Zuhörern aus der Schrift darzutun, daß Jesus der Christus war. Das war der entscheidende Inhalt seiner Predigt – Jesus ist der Christus! Zwei absolut notwendige Aspekte zu diesem Punkt werden ebenfalls erwähnt: Jesus Christus mußte zuerst leiden und sterben, dann aber hat Gott ihn von den Toten auferweckt.

Apostelgeschichte 17,4:
Einige von ihnen ließen sich überzeugen und schlossen sich Paulus und Silas an, auch eine große Menge von gottesfürchtigen Griechen
[Heiden], dazu nicht wenige von den angesehensten Frauen.

In knappen Worten beschreibt Gottes Wort den Erfolg dieser Verkündigung durch Paulus. Als erstes heißt es, daß nicht alle, sondern nur einige von den Juden sich überzeugen ließen. Bei der Aussage "ließen sich überzeugen …"dürfen wir nicht an Verkaufspsychologie und Redekünste denken, durch die Paulus Leute gegen ihren Willen von seiner Sache überzeugt hätte. Paulus hat niemanden gegen dessen Willen von Christus überzeugt, er hat aus der Schrift gepredigt, und einige der Juden haben seinen Ausführungen mit Überzeugung zugestimmt. Sie haben seine Worte für wahr gehalten und waren daher von der Predigt überzeugt.

Weiter heißt es: "… und [sie] schlossen sich Paulus und Silas an." Diese kurze Aussage enthält eine bedeutsame Wahrheit zur Bildung der neuen Gemeinde in Thessalonich. Die überzeugten Hörer schlossen sich Paulus und Silas an. Paulus und Silas hängten sich nicht an sie, sie rekrutierten sie auch nicht, sie warben auch nicht um Mitglieder für ihre Gruppe. Die Zuhörer folgten Paulus und Silas, sie schlossen sich den beiden aus freien Stücken an. Neben einigen Juden gab es "eine große Menge von gottesfürchtigen Griechen, dazu nicht wenige [d.h. viele, eine ganze Reihe2] von den angesehensten Frauen". Diese Frauen waren in erster Linie deswegen angesehen in der Stadt, weil ihre Männer offensichtlich einflußreich bzw. Persönlichkeiten von hohem Rang in Thessalonich waren. Das Wort Gottes erreichte Leute aus allen Volksschichten.

Apostelgeschichte 17,5:
Aber die Juden ereiferten sich und holten sich einige üble Männer aus dem Pöbel, rotteten sich zusammen und richteten einen Aufruhr in der Stadt an und zogen vor das Haus Jasons und suchten sie, um sie vor das Volk zu führen.

Auch in Thessalonich ließ die Ablehnung des Evangeliums durch die ungläubigen Juden nicht lange auf sich warten. Auch hier spielten Eifersucht und Neid eine wichtige Rolle, denn die Juden "ereiferten sich", wahrscheinlich auch aus Angst darüber, einige der Synagogenmitglieder zu verlieren. Bemerkenswert ist in dieser Situation, daß sich die Juden nun nicht direkt an die vornehmen und angesehenen Leute wandten, wie es zuvor an anderen Orten geschehen war, sondern sich zum Abschaum des Volkes hingezogen fühlten. Solche Gruppen hatten eigentlich nicht unbedingt etwas mit gottesfürchtigen Juden zu tun. Üble Männer aus dem Pöbel bildeten den Kern der Rotte, die anschließend einen Aufruhr in der ganzen Stadt anrichtete. Allerdings diente auch das letztendlich dazu, die Aufmerksamkeit der Oberen der Stadt zu erregen, um mit deren Hilfe der Predigt von Gottes Wort in Thessalonich ein Ende zu bereiten. Paulus und seine Mitarbeiter hatten keinen Aufruhr angerichtet, und auch die Gläubigen der jungen Gemeinde hatten keinerlei Aktivitäten dieser Art geplant und auch nicht ausgeführt.

Apostelgeschichte 17,6 - 9:
Sie fanden sie aber nicht. Da schleiften sie Jason und einige Brüder vor die Oberen der Stadt und schrien: Diese, die den ganzen Weltkreis erregen, sind jetzt auch hierher gekommen;
die beherbergt Jason. Und diese alle handeln gegen des Kaisers Gebote und sagen, ein anderer sei König, nämlich Jesus.
So brachten sie das Volk auf und die Oberen der Stadt, die das hörten.
Und erst nachdem ihnen von Jason und den andern Bürgschaft geleistet war, ließen sie sie frei.

In diesen Versen werden die Aktivitäten des Pöbels geschildert, wenn auch nur teilweise und in kompakter Form. Hier sehen wir das Gegenteil von dem, was zuvor über die gesagt worden war, die gläubig wurden und sich Paulus anschlossen. Diese Männer hier dachten nicht daran, sich Paulus anzuschließen, sie unternahmen Schritte, um dieser Bewegung entgegenzuwirken. Ihre Worte und ihre Maßnahmen waren in keiner Weise ehrbar, ordentlich oder aufrichtig. Die im biblischen Text benutzten Begriffe „üble Männer“, „Pöbel“, „zusammenrotten“, „Aufruhr“, „[jemanden vor andere] schleifen“ sprechen eine laute und deutliche Sprache.

Außerdem wurden falsche Anschuldigungen erhoben. Sie hatten bei Jason zwar niemanden gefunden, behaupteten aber dennoch, er würde die andern beherbergen. Angesichts des entstandenen Aufruhrs in Thessalonich wurden nun Paulus und Silas von diesen Männern gar als Leute bezeichnet, die den ganzen Weltkreis erregen würden. Dem folgte sofort die Anschuldigung, sie würden gegen des Kaisers Gebote handeln – eine Anklage, die bereits von den Juden in Jerusalem seinerzeit gegen Jesus erhoben worden war. Solche Behauptungen stimmten selbstverständlich nicht und waren haltlos. Paulus hatte bestimmt nicht gegen des Kaisers Gebote gehandelt. Er hatte in seiner Predigt von Jesus als dem Christus, ganz sicher auch erwähnt, daß Jesus ein König ist und als solcher zurückkommen wird, denn er ist der „König aller Könige und Herr aller Herren“! Diese große Wahrheit wurde hier ordentlich verdreht und gegen die Anhänger des Paulus vorgebracht.

Immerhin erreichten die Juden mit ihren Machenschaften zum Teil ihr Ziel: „So brachten sie das Volk auf und die Oberen der Stadt, die das hörten.“ Die Römer ließen sich anscheinend nicht sonderlich von diesem Gehabe beeindrucken, aber „das Volk“ und dazu die „Oberen der Stadt“ wurden aufgewiegelt. Da mögen einige Herren dabei gewesen sein, deren Frauen vorher zu den Nachfolgern des Paulus gehört hatten. Schließlich wurde eine Bürgschaft angeordnet, und erst nach Leistung dieser Bürgschaft konnten Jason und die anderen wieder gehen.3 Paulus und Silas war es aber unmöglich geworden, weiter in der Stadt zu bleiben.

Apostelgeschichte 17,10:
Die Brüder aber schickten noch in derselben Nacht Paulus und Silas nach Beröa …

Beröa war eine kleine Stadt westlich von Thessalonich, ebenfalls an der berühmten Römerstraße Via Egnatia gelegen. Paulus und Silas verließen Thessalonich sehr bald und unter eher widrigen Umständen. Wie es scheint, wurden sie von den Brüdern dazu ermutigt und auch auf ihrem Weg geleitet.

Obwohl das Thema dieser Studie eigentlich nur die Aufnahme des Wortes in Thessalonich ist, wollen wir uns doch kurz anschauen, was sich in Beröa ereignete.

Apostelgeschichte 17,10 - 13:
… Als sie dahin kamen, gingen sie in die Synagoge der Juden.
Diese aber waren freundlicher als die in Thessalonich; sie nahmen das Wort bereitwillig auf und forschten täglich in der Schrift, ob sich's so verhielte.
So glaubten nun viele von ihnen, darunter nicht wenige von den vornehmen griechischen Frauen und Männern.
Als aber die Juden von Thessalonich erfuhren, daß auch in Beröa das Wort Gottes von Paulus verkündigt wurde, kamen sie und erregten Unruhe und verwirrten auch dort das Volk.

Paulus und Silas ließen sich durch die Vorkommnisse in Thessalonich nicht von ihrer Gewohnheit abbringen, denn in Beröa gingen sie wie zuvor in Thessalonich auch in die Synagoge. Auch in Beröa stellte sich sofort Erfolg ein, denn es glaubten viele, auch eine ganze Reihe von vornehmen griechischen Frauen und Männern. Von den Juden in der Synagoge in Beröa wird gesagt, sie seien freundlicher als die in Thessalonich gewesen, da sie das Wort bereitwillig aufnahmen und selbst täglich in der Schrift forschten, um sich von dem gepredigten Wort Gottes zu überzeugen.

Die Juden aus Thessalonich ließen jedoch nicht locker, sondern dehnten ihre boshaften Aktivitäten auch auf diese Nachbarstadt aus. Sie hatten Paulus vorgeworfen, er würde den ganzen Erdkreis erregen; das Wort Gottes berichtet uns, daß nicht Paulus, sondern die Juden etwas erregten – nämlich Unruhe in Beröa. Das Volk war schließlich verwirrt, aber nicht durch Paulus, sondern durch die Juden von Thessalonich. Wie in Thessalonich, so war es auch hier in Beröa: Paulus und Silas stifteten keine Unruhe an, die Unruhe rührte von denen, die dem Wort Gottes nicht glaubten und dann Anstoß daran nahmen, daß einige bzw. viele sich der neu gegründeten Gemeinde anschlossen.

Weitere Einsicht aus 1. Thessalonicher

Neben dem Bericht in der Apostelgeschichte gibt uns vor allem 1. Thessalonicher weitere Einsicht in das, was sich ereignete, als Paulus während seiner zweiten Reise mit seinen Gehilfen zum erstenmal nach Thessalonich kam und dort das Wort verkündete.

1. Thessalonicher 1,4 und 5:
Liebe Brüder, von Gott geliebt, wir wissen, daß ihr erwählt seid;
denn unsere Predigt des Evangeliums kam zu euch nicht allein im Wort, sondern auch in der Kraft und in dem heiligen Geist und in großer Gewißheit. Ihr wißt ja, wie wir uns unter euch verhalten haben um euretwillen.

Paulus, Silas und Timotheus hatten sich so verhalten, daß sie nicht auf das eigene Wohl, sondern auf das Wohl der anderen bedacht waren. Was sie taten, taten sie um der Thessalonicher willen, um die sie bemüht waren. Dies ist ein weiterer wesentlicher Punkt für die Verkündigung des Wortes, wenn sie von Erfolg gekrönt sein soll. Die Verkündigung, die Predigt des Evangeliums, kann nicht um unsrer selbst willen geschehen, sondern der Verkünder der frohen Botschaft richtet seinen Lebenswandel bei den anderen so ein, daß er auf sie bedacht ist, daß er alles um ihretwillen tut.

Paulus und seine Mitarbeiter hatten in Thessalonich das Evangelium gepredigt. Sie verkündeten Gottes frohe Botschaft, sie hielten keine Kurse in positiverem Denken oder andere weltlich orientierte Erfolgskurse ab. Es ging um das Evangelium von Christus – „daß Jesus der Christus ist“. Diese Predigt des Evangeliums geschieht in erster Linie zunächst einmal durch das „Wort“. Damit endet die Predigt allerdings nicht, damit fängt sie vielmehr erst richtig an! Die Predigt in Thessalonich, wie an allen Orten, geschah „nicht allein im Wort, sondern auch in der Kraft und in dem heiligen Geist und in großer Gewißheit“. Die gepredigten Worte waren begleitet von Auswirkungen der Kraft Gottes und Auswirkungen heiligen Geistes.

Damit ist in erster Linie sicherlich gemeint, daß die Predigt dazu führte, daß die, die glaubten, durch Gottes Kraft gerettet, wiedergeboren wurden und damit heiligen Geist und ewiges Leben empfingen. Hinzu kam, daß in den Gemeindeversammlungen, wie auch im Leben der einzelnen Gläubigen, Erweise von Gottes Kraft und heiligem Geist sichtbar waren. Die Gläubigen redeten ganz sicher in Zungen, so wie es an anderen Stellen im Wort Gottes berichtet wird. In den Gemeindeversammlungen gab es Zungenrede mit Auslegung und Weissagung. Es geschahen auch Zeichen und Wunder, Heilungen traten ein, die durch Gottes Kraft, heiligen Geist, gewirkt wurden. Gerade durch diese Auswirkungen des Geistes wurde bewirkt, daß die Predigt große Gewißheit unter den Gläubigen erzeugte.

1. Thessalonicher 1,6 und 7:
Und ihr seid unserm Beispiel gefolgt und dem des Herrn und habt das Wort aufgenommen in großer Bedrängnis mit Freuden im heiligen Geist,
so daß ihr ein Vorbild geworden seid für alle Gläubigen in Mazedonien und Achaja.

Wir haben zuvor bereits von dem Verhalten des Paulus und seiner Mitarbeiter gelesen. Hier erfahren wir, daß Paulus und Silas und Timotheus der Gemeinde ein Beispiel gaben. Sie waren nicht nur auf das Predigen bedacht, sie hatten ihr Augenmerk darauf gerichtet, daß ihr ganzes Verhalten den anderen als Beispiel, als Vorbild, dienen konnte. Das war in besonderer Hinsicht bedeutsam, denn gerade ihr Vorbild ermöglichte es dann den Gläubigen, dem Vorbild des Herrn zu folgen. Indem die Gemeinde ihrem Vorbild folgte, folgten sie dem Vorbild des Herrn, denn am Beispiel des Herrn richteten sich Paulus und seine Mitarbeiter aus.4

Aus Vers 6 wird deutlich, daß die Situation für die Thessalonicher keineswegs einfach war, als ihnen das Wort gepredigt wurde. Sie hatten „das Wort aufgenommen in großer Bedrängnis“; einiges über diese Bedrängnis wird in Apostelgeschichte 17 berichtet.

Dieser Vers macht auch deutlich, daß einem das Wort Gottes nicht einfach aufgezwungen werden kann, man muß es vielmehr aufnehmen. Alle Bemühungen eines Predigers werden bei einem Menschen, der seine Ohren und sein Herz verschlossen hält, nichts bewirken. Der Hörer ist letztendlich für die Aufnahme des Wortes verantwortlich.

Ein weiterer wichtiger Punkt, den wir aus dieser Sache lernen können, besteht darin, zu erkennen, daß das Wort Gottes nicht nur unter günstigen Umständen aufgenommen werden kann, sondern auch in großer Bedrängnis. Die Umstände an sich sind nicht so maßgebend; die Bereitwilligkeit und das Verlangen aufseiten des Hörers sind die wirklich entscheidenden Faktoren. Wenn wir uns beim Zuhören der Predigt des Wortes als gute Hörer erweisen, kann das Wort in unserem Leben Frucht tragen.5 Selbst in großer Bedrängnis kann das Wort aufgenommen werden, wie dieses Beispiel der Predigt des Evangeliums in Thessalonich zeigt.

Am Ende von Vers 6 steht ein großartiger Ausdruck, in dem wiederum in nur wenigen Worten unwahrscheinlich viel ausgesagt wird: „… [habt das Wort aufgenommen in großer Bedrängnis] mit Freuden im heiligen Geist“. Die äußeren Umstände waren widrig und ungünstig, es gab sogar Feindseligkeiten und handgreifliche Übergriffe. Trotzdem nahmen die Thessalonicher das Wort auf „mit Freuden im heiligen Geist“. Hier, wie auch an anderen Stellen in der Apostelgeschichte, wird Freude in besonderer Weise mit heiligem Geist in Verbindung gebracht. Freude ist nicht von äußerlichen Umständen abhängig; die hier angesprochene Freude ist eine Angelegenheit des heiligen Geistes, der uns in der Wiedergeburt geschenkt ist, und von dem wir dann in unserem Lebenswandel zu unserem Nutzen Gebrauch machen können. Freude ist eine Frucht des Geistes.6 Freude in unserem Leben ist die Frucht heiligen Geistes, des neuen Menschen, der neuen Schöpfung in uns.

Die große Bedrängnis hatte sicherlich keine Freude bereitet, die Gemeinde dort hatte keine Freude daran, daß ein ordentlicher Aufruhr in der Stadt entstanden war, daß man einigen von ihnen eine Bürgschaft über eine größere Summe Geld abverlangt hatte – nein! Sie hatten Freude durch die Predigt des Wortes Gottes, Freude an dem, was ihnen selbst in großer Bedrängnis an Auswirkungen von Gottes Kraft und heiligem Geist als Segen zugeflossen war. Die große Bedrängnis, in die sie von außen wegen des Wortes gebracht wurden, konnte nicht verhindern, daß die Gläubigen dennoch in ihrem Innern große Freude hatten.

Was all das bewirkt hatte, wird dann in Vers 7 weiter ausgeführt. Sie waren nicht nur dem ihnen gegebenen Beispiel gefolgt, sondern sie waren selbst zum Vorbild geworden für alle Gläubigen in Mazedonien und Achaja. Thessalonich und Philippi waren die größten Städte in der Provinz Mazedonien, südlich davon lag die Provinz Achaja mit den Städten Athen und Korinth. Die Gläubigen in der Gemeinde zu Thessalonich hatten in recht kurzer Zeit7 einen großen Schritt in ihrem christlichen Lebenswandel getan. Sie folgten nicht nur einem Vorbild, sie waren selbst wiederum ein Vorbild für andere geworden. Sie hatten das Wort Gottes nicht nur für sich angenommen und in ihrem eigenen Leben angewandt, sie hatten Einfluß auf andere genommen und ihnen das gleiche Evangelium verkündet, das ihnen gepredigt worden war.

1. Thessalonicher 1,8:
Denn von euch aus ist das Wort des Herrn erschollen nicht allein in Mazedonien und Achaja, sondern an allen Orten ist euer Glaube an Gott bekannt geworden, so daß wir es nicht nötig haben, etwas darüber zu sagen.

Von den Gläubigen in Thessalonich aus erschallte das Wort des Herrn „nicht allein in Mazedonien und Achaja, sondern an allen Orten.“ Hier wird ihr Einflußbereich erwähnt, er umfaßte sogar mehr als nur die zwei großen römischen Provinzen in Griechenland. Thessalonich war eine einflußreiche Hafenstadt, und die Stadt war eine Art Verkehrsknotenpunkt mit Verbindungen in alle Himmelsrichtungen. Leute kamen von überall her und gingen nach überall hin. Die Gläubigen nutzten offenbar jede sich bietende Möglichkeit, das Evangelium zu predigen; sie selbst predigten überall, wo sie hinkamen und in Thessalonich erreichten sie offenbar auch viele Menschen aus anderen Städten, Provinzen und Ländern mit dem Wort Gottes. In dieser Weise waren sie zum Vorbild geworden.

Das Wort für „erschallen“ im griechischen Text erinnert ein wenig an unser Wort „Echo“. Wenn man z.B. in den Bergen einen Laut von sich gibt, so schallt er als Echo wieder zurück, bei einem guten Echo oft sogar mehrfach. Einen anderen Vergleich kann man mit einem elektronischen Verstärker ziehen, der ein Tonsignal empfängt und es dann über mehrere angeschlossene Lautsprecher wieder ausgibt. Dabei handelt es sich zwar nicht um ein Echo, aber das ist doch vergleichbar mit dem, was sich hier zutrug. Paulus, Silas und Timotheus waren nach Thessalonich gekommen und hatten dort das Wort Gottes verkündet. Die Gläubigen hatten es mit Freuden im heiligen Geist unter viel Bedrängnis aufgenommen, und von ihnen war es dann wieder erschollen in Mazedonien und Achaja und sogar darüber hinaus. Hier haben wir das Modell schlechthin für die Verbreitung des Wortes – es wird verkündet, und die es hören, tragen es dann auch weiter!

Die Thessalonicher ließen das Wort des Herrn erschallen, aber auch ihre Verkündigung war mehr als bloße Worte, wie ersichtlich wird aus der Aussage: „… an allen Orten ist euer Glaube an Gott bekannt geworden“. Das Wort des Herrn war verbunden mit Glauben an Gott! Sie hatten das Wort nicht als „Theologie bzw. Philosophie“ rein intellektuell aufgenommen, es hatte in ihnen zu „Glauben an Gott“ geführt.

Als Paulus und seine Mitarbeiter einige Gläubige trafen, die durch das Wirken der Thessalonicher für den Herrn gewonnen worden waren, erkannten sie, wie völlig diese bereits unterwiesen waren, denn sie brauchten nichts zusätzlich darüber zu sagen. Paulus erlebte es sogar, daß einige ihm berichteten, was er und seine Mitarbeiter in Thessalonich erreicht hatten.

1. Thessalonicher 1,9 und 10:
Denn sie selbst berichten von uns, welchen Eingang wir bei euch gefunden haben und wie ihr euch bekehrt habt zu Gott von den Abgöttern, zu dienen dem lebendigen und wahren Gott
und zu warten auf seinen Sohn vom Himmel, den er auferweckt hat von den Toten, Jesus, der uns von dem zukünftigen Zorn errettet.

Die freudige Aufnahme des Wortes in Thessalonich hatte bei den Gläubigen bemerkenswerte Dinge bewirkt. Hier wird gesagt, daß sie sich bekehrt hatten zu Gott von den Abgöttern. Viele waren Heiden gewesen und hatten Götzen gedient. Die griechische Götterwelt war schon damals umfangreich und stand in voller Blüte, aber die Gläubigen hatten sich, als das Wort Gottes dort verkündet wurde, von den Abgöttern abgewandt und zu dem wahren Gott bekehrt.

Ihrer Hinwendung zu dem wahren Gott folgte ein weiterer Schritt, sie beließen es nicht bei dieser Bekehrung, sondern es heißt weiter: „… zu dienen dem lebendigen und wahren Gott und zu warten auf seinen Sohn vom Himmel, der er auferweckt hat von den Toten, Jesus, der uns von dem zukünftigen Zorn errettet.“ Als Bekehrte begannen sie, Gott zu dienen, indem sie sich aktiv an der Verbreitung und der Verkündigung des Wortes beteiligten. Dazu kam weiter, daß ihr Leben von der freudigen Erwartung der Wiederkunft Jesu vom Himmel geprägt war. Sie warteten auf Gottes Sohn vom Himmel, den auferweckten Herrn, der alle, die an ihn glauben, von dem kommenden Zorngericht errettet hat.

In diesen Versen werden somit die drei großen bleibenden Dinge im Leben eines christlichen Gläubigen erwähnt: Glaube, Liebe und Hoffnung.8 Glaube ist zu sehen in „wie ihr euch bekehrt habt zu Gott von den Abgöttern“; die Liebe kommt zum Ausdruck in „zu dienen dem lebendigen und wahren Gott“; Hoffnung schließlich wird deutlich in „zu warten auf seinen Sohn vom Himmel ... der uns von dem zukünftigen Zorn errettet“.

Dieser Bericht aus Apostelgeschichte 17 und 1. Thessalonicher zeigt, daß selbst in schwierigen Situationen eine großartige Verbreitung von Gottes Wort stattfinden kann. In Thessalonich gab es Aufruhr, gab es Leute, die mit übelsten Machenschaften etliche Störversuche unternahmen, und doch konnte das nicht verhindern, daß ausgerechnet diese Gläubigen zu einem Vorbild für viele andere wurden. Wir sind vielleicht gewohnt zu denken, daß eine Sache erst besonders gut gedeiht, wenn das gesamte Umfeld günstig ist. Aber wenn man auf die idealen Umstände warten will, um das Wort Gottes zu verbreiten, wird kaum etwas geschehen.

Paulus wartete nicht lange, er hat sich möglicherweise nicht einmal erkundigt, ob die Umstände für die Verbreitung des Wortes Gottes günstig waren oder nicht. Für ihn bestand auch hier nur eine günstige Situation – denn Menschen brauchten Heil, und er konnte es ihnen durch die Predigt des Evangeliums vermitteln. Er folgte einer guten Gewohnheit, die er sich zu eigen gemacht hatte: Er ging in die Synagoge und nutzte die sich dort bietende Gelegenheit, etwas zu sagen. Er führte seine Zuhörer dabei nicht lange um irgend welche Themen herum, sondern er kam sehr bald auf sein Thema zu sprechen – Jesus Christus. Außerdem hat er sicherlich auch außerhalb der Synagoge geredet, denn es wurden auch viele Heiden gläubig, die ja nicht zur Synagoge gingen.

Als nach kurzer Zeit Widerstand und Verfolgung einsetzten, traten er und seine Mitarbeiter, wie auch die anderen Gläubigen der Gemeinde in Thessalonich, nicht kürzer, um erst einmal Ruhe einkehren zu lassen und bis nach dem Sturm zu warten. Wenn ihnen der Wind auch heftig ins Gesicht blies, so stützten sie sich um so mehr auf heiligen Geist, auf Gottes Kraft, und sie fanden darin Freude inmitten großer Bedrängnis. Das ließ sie auch weiterhin das Wort des Herrn verkünden, so daß an allen Orten ihr Glaube an Gott bekannt wurde.

Kapitel 2 in diesem Brief enthält weitere Informationen darüber, wie Paulus und seine Mitarbeiter ursprünglich nach Thessalonich kamen und wie sie sich dort verhielten.

1. Thessalonicher 2,1 und 2:
Denn ihr wißt selbst, liebe Brüder, wie wir Eingang gefunden haben bei euch: Es war nicht vergeblich; denn obgleich wir zuvor in Philippi gelitten hatten
und mißhandelt worden waren, wie ihr wißt, fanden wir dennoch in unserm Gott den Mut
[Freimut], bei euch das Evangelium Gottes zu sagen unter viel Kampf.

Der Eingang des Paulus, Silas und Timotheus in Thessalonich war keineswegs von einer guten Vorgeschichte begünstigt gewesen. Sie hatten in Philippi bereits mit großen Problemen zu kämpfen gehabt und waren dort sogar mißhandelt worden. Das war ganz sicher keine Ermutigung, mit Freuden das Evangelium weiter zu verkünden, im Gegenteil! Aber sie schauten auf andere Dinge, sie fanden neuen Mut und Freimut in ihrem Gott, und das gab ihnen die Kraft, auch in Thessalonich das Evangelium zu predigen. Das gab ihnen selbst die innere Freude, sich auch weiterhin in den Dienst ihres Herrn zu stellen und sich darin zu bewähren.

1. Thessalonicher 2,3 und 4:
Denn unsre Ermahnung kam nicht aus betrügerischem oder unlauterem Sinn, noch geschah sie mit List,
sondern weil Gott uns für wert geachtet hat, uns das Evangelium anzuvertrauen, darum reden wir, nicht, als wollten wir den Menschen gefallen, sondern Gott, der unsere Herzen prüft.

Welch eine erstaunliche Aussage über Paulus und seine Mitarbeiter! Wir erhalten einen Einblick in ihr Herz und sehen ihre Einstellung. Hier wird noch deutlicher, welchem Beispiel die Gläubigen gefolgt waren. Sie fanden inmitten von Bedrängnis in ihrem Gott wieder Mut, das Evangelium weiter zu sagen, weil sie nicht Menschen gefallen wollten, sondern Gott. Sie hätten schnell den aufrührerischen Juden gefallen können, indem sie nichts mehr predigten; damit hätten sie einigen Menschen sehr schnell sehr gut gefallen. Es ging aber nicht darum, Menschen zu gefallen. Sie wollten Gott gefallen, denn Er hatte sie für wert geachtet, ihnen das Evangelium anzuvertrauen. Deshalb redeten sie mit Freuden im heiligen Geist inmitten größter Bedrängnis. Diesem Beispiel waren die Thessalonicher gefolgt, und wir können jetzt noch besser verstehen, warum es von ihnen heißt, daß sie das Wort aufnahmen mit Freuden in großer Bedrängnis.


(1) "Drei Sabbate" können auch "drei Wochen" bedeuten, denn "Sabbat" wurde auch als Begriff für "Woche" benutzt. Einige andere Stellen in der Schrift lassen darauf schließen, daß Paulus bei seinem ersten Aufenthalt in Thessalonich insgesamt länger als nur diese wenigen Wochen wirkte, bevor er dann seine Reise fortsetzte.

(2) Bei dem Ausdruck "nicht wenige" handelt es sich um die Redefigur Tapeinosis, durch die betont wird, daß es sich um "eine ganze Reihe, viele" handelte.

(3) Diese Bürgschaft wurde vermutlich geleistet, um sicherzustellen, daß Paulus nicht wieder in die Stadt kommen würde. Falls das Geld gezahlt werden mußte, war das natürlich eine etwas merkwürdige und schlaue Art und Weise, um diese sicher beträchtliche Summe für länger einzubehalten. Möglicherweise bestand die Bürgschaft zunächst nur aus einer entsprechenden Zusage, und die Summe wurde erst bei Verletzung der gegebenen Bürgschaft fällig.

(4) Vgl. dazu 1. Korinther 11,1: „Folgt meinem Beispiel, wie ich dem Beispiel Christi!“

(5) Vgl. dazu 1. Thessalonicher 2,13: „Und darum danken wir auch Gott ohne Unterlaß dafür, daß ihr das Wort der göttlichen Predigt, das ihr von uns empfangen habt, nicht als Menschenwort aufgenommen habt, sondern als das, was es in Wahrheit ist, als Gottes Wort, das in euch wirkt, die ihr glaubt.“

(6) Vgl. dazu Galater 5,22 und 23: „Die Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Keuschheit …“

(7) Ein Vergleich der Berichte in Apostelgeschichte 17 und 18 mit dem Bericht in 1. Thessalonicher zeigt, daß wahrscheinlich nur einige Monate vergingen zwischen dem ersten Aufenthalt des Paulus in Thessalonich und dem Zeitpunkt, als er ihnen diesen ersten Brief von Korinth aus schrieb.

(8) Vgl. dazu 1. Korinther 13,13: „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“

 

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