In dieser Studie steht die Erbauung der Gemeinde des Leibes Christi im Vordergrund, und es soll aus der Schrift aufgezeigt werden, wie dieser Leib sich selbst auferbaut, indem jedes Glied an diesem Leib, jeder Gläubige innerhalb der Gemeinde eine Aufgabe dabei hat und diese erfüllen soll. In einer anderen Studie wurde aufgezeigt, daß jedes Glied der Gemeinde eine solche Aufgabe innehat in Gottes Plan der Gemeinde, wobei Schriftstellen mit Begriffen wie „untereinander", „einer dem andern" und „füreinander" hilfreiche Wegweiser sind. Aus diesen Beobachtungen wird klar, daß nicht nur der Älteste oder der Vorsteher einer Gemeinde allein die Aufgabe hat, für die Gemeinde zu sorgen und sie zu ermahnen, zu ermutigen und zu lieben, sondern daß jedem einzelnen in der Gemeinde solches aufgetragen ist.

Eine genauere Untersuchung einiger Verse in Epheser 4 und auch in 1. Korinther 12 bildet das Fundament, unser Verständnis zu vertiefen und noch klarer zu sehen, daß es um ein Unterstützen und Zusammenwirken aller Glieder geht, wenn die Gemeinde erbaut werden soll in der Liebe.

Epheser 4 enthält die vielleichst bedeutsamste Aussage zu dieser Wahrheit.

Epheser 4,15 und 16:
Laßt uns aber wahrhaftig sein in der Liebe und wachsen in allen Stücken zu dem hin, der das Haupt ist, Christus,
von dem aus der ganze Leib zusammengefügt ist und ein Glied am andern hängt durch alle Gelenke, wodurch jedes Glied das andere unterstützt nach dem Maß seiner Kraft und macht, daß der Leib wächst und sich selbst aufbaut in der Liebe.

Dieser Abschnitt der Schrift erwähnt das Bild des Leibes für die Gemeinde.1 Das große Thema ist, daß der Leib wächst und aufgebaut wird. Darum dreht sich alles. Hier wird auch gesagt, wie das geschehen kann und soll.

In Vers 15 heißt es, wir sollen „wahrhaftig sein in der Liebe und wachsen". Bereits hier kommt das Wort „wachsen" vor, denn wir sollen „wachsen in allen Stücken". Nicht nur ein Wachstum in manchen Stücken wird erwähnt, sondern „wachsen in allen Stücken". Darauf folgt, wohin denn dieses Wachstum zielt — „zu dem hin, der das Haupt ist, Christus." Zu ihm hin gilt es zu wachsen, ihm sollen wir immer ähnlicher werden, er soll in uns Gestalt gewinnen. Das ist der Sinn, das Ziel des Wachsens. Wir haben mit der Wiedergeburt heiligen Geist in uns, wurden ausgestattet mit Kraft aus der Höhe, es ist „Christus in euch". Nun sollen wir als Gemeinde wachsen zu dem Haupt hin.

Epheser 4,16:
von dem aus der ganze Leib … macht
[oder bewirkt oder vollbringt das Wachstum des Leibes zu seiner eigenen Auferbauung], daß der Leib wächst und sich selbst aufbaut in der Liebe.

In Vers 16 gibt es einen erläuternden Einschub, wobei der eigentliche Hauptgedanke wie hier dargelegt vom Anfang des Satzes am Ende weitergeführt wird. Der „ganze Leib" trägt zum Wachstum bei. Es ist nicht ein einzelner allein, nicht ein paar wenige Gläubige, sondern der ganze Leib hat Anteil und muß zusammenwirken.

Wie dieses Zusammenwirken geschieht und was sich dabei zuträgt, wird in dem Einschub näher beschrieben.

Epheser 4,16:
… zusammengefügt ist …

Eigentlich lautet das: „zusammengefügt seiend" oder „zusammengefügt werdend". Ich stelle mir das Bild eines Puzzles vor, wo die einzelnen Teile zusammengefügt werden. Die Teile kommen aneinander, und dann gibt es keine Löcher und Unebenheiten mehr, denn sie fügen sich fast nahtlos aneinander und bilden auf der Ebene ein Ganzes. Wenn die richtigen Teile passend aneinander liegen, passen selbst die „ungeradesten" Linien haargenau zueinander, fügen sich zusammen und ergeben gemeinsam das Gesamtbild. Das beschreibt das „zusammengefügt seiend".

Dann heißt es weiter: „hängt". Das ist wörtlich eher „zusammengebracht werdend". Das vertieft die Sache, wie die Glieder zueinander stehen noch etwas, sie sind zusammengefügt und auch „zusammengebracht". Die einzelnen Glieder in der Gemeinde hängen aneinander, sind miteinander in einer bestimmten Weise verbunden. Am besten funktionieren sie, wenn sie richtig zusammengebracht sind. Wir haben möglicherweise Beispiele gesehen, wenn zwei Dinge ordentlich bzw. nicht sehr gut miteinander verbunden sind. Wenn z.B. ein Fingerglied, etwa durch einen Unfall, mehr vom restlichen Finger abgetrennt als mit ihm verbunden ist, so hängt das zwar auch noch am Leib, aber es gibt gewaltige Schwierigkeiten sowohl für das eine Glied als auch für den Leib. Die Möglichkeiten, einander zu helfen und zu unterstützen, sind äußerst gering bzw. nicht mehr vorhanden. Eine solche Art der Verbindung ist nicht wünschenswert, vielmehr gehen alle Bemühungen dahin, eine Verbindung zu haben, wie sie richtig sein sollte, wo ein entsprechender Austausch in allen Richtungen funktionieren kann. Es soll nicht nur jedes Glied zusammengefügt sein, sondern richtig „zusammengebracht sein", in voll funktionsfähiger Art und Weise.

Darauf folgt der Hinweis auf „alle Gelenke" und „wodurch jedes Glied das andere unterstützt nach dem Maß seiner Kraft". Jedes Glied ist mit einem anderen in diesem Leib verbunden. Dabei sollte man nun achthaben, daß, wie im physischen Leib ja auch, nicht alle Glieder mit allen anderen Gliedern direkt und unmittelbar verbunden sind. Die Analogie des Leibes lehrt uns, daß die Spitze des kleinen Fingers zwar auch mit der Fußsohle verbunden ist, aber natürlich nur indirekt und über eine große Strecke. Zunächst ist das Glied verbunden mit dem nächsten Fingerglied, dann mit dem ganzen Finger, dann mit der Hand, dann mit dem Arm, usw. Wo wird also die größte Unterstützung sein für das Glied sein? In den Gliedern, mit denen es direkt verbunden ist. Andere Unterstützung wird nur sehr indirekt von anderen Gliedern gewährt. So verhält es sich auch in der Gemeinde.

Manche Gläubige werden irritiert durch einige Lehrer, die davon reden, man solle den Leib Christi unbedingt immer als Ganzes sehen und sich nicht von anderen Christen abkapseln. Dann heißt es, die Christen müssen sich zusammenschließen, alle Christen müssen zusammenwirken, wenn sie wirklich das vollbringen wollen, wozu Gott sie als Leib Christi berufen hat. Vor allem bei Evangelisationen in jüngster Vergangenheit im deutschsprachigen Raum wurde solches propagiert. Dabei werden unter dem Deckmantel des „einen Leibes" Versuche gestartet, so manche Gemeinde mit Lehren zu unterwandern, die unbiblisch und das Werk verführerischer Geister sind.

Solches Zusammenwirken des ganzen Leibes Christi ist schlicht und einfach unmöglich! Alle Christen seit der ursprünglichen Ausgießung heiligen Geistes zu Pfingsten bis jetzt bilden zusammen die Gemeinde des Leibes Christi. Dieser Leib umfaßt Glieder, die wir heute auf keinen Fall unterstützen können, wie etwa den Apostel Paulus. Er gehört zum Leib Christi, aber welche Erbauung können wir ihm heute zukommen lassen? Keine, er ist längst entschlafen. Dann gibt es Glieder dieses Leibes an den unterschiedlichsten Orten dieser Welt, mit denen wir nie in Kontakt kommen und von denen wir möglicherweise bis zur Rückkehr Christi nie etwas wissen. Wie soll man denen bitte Erbauung zukommen lassen? Es geht gar nicht darum, daß der ganze Leib Christi zusammenwirkt, denn wie gerade belegt, ist das unmöglich. Man muß schon den Leib Christi im Lichte der biblischen Aussagen sehen und nicht die Wahrheiten aus Gottes Wort verdrehen. Im 1. Korintherbrief wird die Gemeinde zu Korinth als „der Leib Christi" bezeichnet.2

Wir sind in der Hauptsache mit den Gliedern des Leibes in Kontakt, die da sind, wo wir sind, wo wir leben, wo wir wirken. Die örtliche Gemeinde, in der wir Gottes Wort lernen und leben, der wir uns angeschlossen haben, ist für uns sicher das Hauptfeld, wo sich unsere Unterstützung entfaltet und wo wir umgekehrt auch Unterstützung empfangen. Darüber hinaus ergeben sich dann weitere Möglichkeiten, je nachdem, mit welchen anderen Gliedern des Leibes Kontakt besteht und gemeinsame Unterstützung gegeben bzw. erhalten werden kann.

Das Hauptaugenmerk richtet sich auf die Gemeinschaft der Glieder, die eine örtliche Gemeinde bilden. Darüber hinaus kommen Gemeinden zusammen, wirken zusammen oder unterhalten anderweitig Verbindung zueinander. Man kann nicht einfach von einem universalen Bild des gesamten Leibes reden mit dem Resultat, daß am Ende doch nichts geschieht, weil man die eigentliche Perspektive aus den Augen verloren hat. Die Erbauung der Gemeinde beginnt mit der eigenen Familie, daran schließt sich die Gemeinschaft der örtlichen Gemeinde an, dann folgen weitere Gemeinschaften in dem Maße, wie sie Beziehungen zueinander haben.

Alle Glieder sind miteinander verbunden durch alle Gelenke, und ein jedes Glied unterstützt das andere nach dem Maß seiner Kraft. Von dem Maß wurde in Vers 7 kurz berichtet.

Epheser 4,7:
Einem jeden aber von uns ist die Gnade gegeben nach dem Maß der Gabe Christi.

Das Unterstützen (in Vers 16) geschieht „nach dem Maß seiner Kraft". Die Anstrengungen zielen darauf, daß der Leib wächst und sich selbst aufbaut in der Liebe. Dieser Leib besteht aus einzelnen Gliedern, aus Menschen, die Christus in sich haben, aus wiedergeborenen Gläubigen. Die Auferbauung des Leibes steht im Vordergrund, nicht die Auferbauung der einzelnen Glieder, der einzelnen Personen. Es geht daher auch nicht um materielle Dinge oder um weltliche Angelegenheiten und Bedürfnisse eines einzelnen, sondern es geht um das Aufbauen des Leibes, die Erbauung der Gemeinschaft der Gläubigen in der Liebe.

Es mag auch Handreichungen geben, um einem Glied in irgendeiner Hinsicht zu helfen, um mitzuwirken an einem Projekt. Das sind aber Auswirkungen dessen, wo die eigentliche Auferbauung stattfindet. Die Gemeinde ist nicht eine Gruppe von Leuten, die sich einmal trifft, und für die Dauer des Treffens eine Gemeinde ist. Die Gemeinde ist nicht nur eine Versammlung oder eine Gemeinschaft während einer gewissen Zeit. Nein, sie ist viel mehr, sie ist ein Organismus. Der Leib ist ein lebendiger Organismus, in dem die Glieder ständig zusammenhängen. Der kleine Finger, wenn er im Moment keine besondere Aufgabe zu erfüllen hat, gehört auch weiterhin zum Leib.

Bei der Gemeinde ist das wesentliche Element nicht das Treffen, sondern die Beziehungen zwischen den Gliedern. Wir sind in die Gemeinde des Leibes Christi hineingeboren, und wir haben eine Beziehung zu den andern Gliedern. Es ist nun eine Frage, wie diese Beziehungen aufgebaut sind, wie gut sie sind. Wenn Beziehungen entwickelt sind und funktionieren, ist ein Austausch möglich und Unterstützung kann gewährt und in Empfang genommen werden. Wenn nur ein Zusammenkommen von Körpern in vier Wänden für eine gewiße Zeit stattfindet, aber keine wirkliche Beziehung vorhanden ist, treffen sich ein paar Einzelkämpfer, aber keine Gemeinde im biblischen Sinn. Die Gläubigen hängen zwar immer noch irgendwie aneinander, aber es ist so wie bei fünf Abgeschnittenen, die sehr wenig füreinander tun würden oder tun könnten.

Das Hauptgewicht des Gemeindelebens liegt nicht auf dem Treffen, sondern ob die Glieder untereinander eine Beziehung auf der gemeinsamen Basis des ihnen in Christus geschenkten Heils kultiviert haben. Wenn die einzelnen Glieder mit anderen zusammengefügt sind, ist ein Handreichen und gegenseitige Unterstützung überhaupt erst möglich. Dann kann der Leib wachsen und auch Auferbauung in der Liebe erfahren.

1. Korinther 12 enthält in einem etwas anderen Zusammenhang – dort handelt der Zusammenhang insgesamt von geistlichen Angelegenheiten – ebenfalls die Illustration des einen Leibes. Dennoch bietet dieser Abschnitt große Wahrheiten für unsere Studie.

1. Korinther 12,12:
Denn wie der Leib einer ist und doch viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber, obwohl sie viele sind, doch ein Leib sind: so auch Christus.

Der Leib hier ist „Christus" — es ist die Gemeinde Gottes. Die Gläubigen an Christus bilden nun die Gemeinde des Leibes Christi. Dabei wird die grundsätzliche Wahrheit betont: Obwohl es viele Glieder gibt, bilden diese dennoch nur einen Leib.

1. Korinther 12,13:
Denn wir sind durch einen Geist alle zu einem Leib getauft, wir seien Juden oder Griechen, Sklaven oder Freie, und sind alle mit einem Geist getränkt.

Die einzelnen Glieder gehören zu einem Leib, weil sie den gleichen Geist Gottes haben — für alle Glieder gilt, es ist „Christus in euch". Wir gehören nicht zu diesem Leib, weil wir an Schach als Freizeitaktivität interessiert sind; nicht, weil wir uns in gleicher Weise für schöne Kleider interessieren; nicht, weil wir vielleicht beruflich das gleiche Handwerk ausüben oder in der gleichen Branche arbeiten. Diese Dinge sind nicht, was uns zu Gliedern dieses Leibes macht. Wir haben den gleichen heiligen Geist.

In Vers 13 kommt sofort zum Ausdruck, daß äußerliche Dinge keinen Einfluß haben. Die hier erwähnten Gruppen hatten sozial gesehen nichts miteinander zu tun, man pflegte keinen sozialen Kontakt. All das ist überwunden durch einen Geist.

„Sklaven" und „Freie" hatten eine gewisse Beziehung zueinander, aber auch diese Unterschiede sind überwunden. Wir haben einen Geist empfangen, Gottes Geist ist nun in uns.

1. Korinther 12,14:
Denn auch der Leib ist nicht ein Glied, sondern viele.

Der Leib ist ein Organismus, der aus vielen Gliedern besteht. Wenn man den Leib betrachtet und will, daß er auferbaut wird, geht das nur, wenn möglichst viele bzw. alle Glieder einbezogen sind.Der Leib besteht nicht nur aus einem Glied.

1. Korinther 12,15 und 16:
Wenn aber der Fuß spräche: Ich bin keine Hand, darum bin ich nicht Glied des Leibes, sollte er deshalb nicht Glied des Leibes sein?
Und wenn das Ohr spräche: Ich bin kein Auge, darum bin ich nicht Glied des Leibes, sollte es deshalb nicht Glied des Leibes sein?

Das wäre vielleicht eine „interessante" Idee, wie auch wir sie manchmal haben, so nach dem Motto: „Ich bin ja nichts wert, ich kann dies und das nicht tun. Ich kann diese oder jene Aufgabe nicht erfüllen, deswegen gehöre ich gar nicht zu der Gemeinde." Das ist ein falsches Argument, denn man gehört trotzdem noch zum Leib. Es ist völlig irrelevant, wenn ein Glied solche Argumente vorbringt, denn sie sind falsch. Zu sagen: „Weil ich nicht der andere bin, gehöre ich nicht dazu" ist falsche Logik, die unbedingt behoben werden muß.

1. Korinther 12,17:
Wenn der ganze Leib Auge wäre, wo bliebe das Gehör? Wenn er ganz Gehör wäre, wo bliebe der Geruch?

Das wäre auch eine unerfreuliche Situation, und die Kette könnte man fortsetzen, wobei immer etwas anderes fehlen würde.

1. Korinther 12,18:
Nun aber hat Gott die Glieder eingesetzt, ein jedes von ihnen im Leib, so wie er gewollt hat.

Das ist trifft auch für den physischen Leib zu. Gott hat den Menschen so gestaltet, und jedes Glied hat von Gott her seine ganz bestimmte Aufgabe: Die Ohren sind zum Hören da, die Augen zum Sehen, die Nase zum Riechen, die Füße haben ihre Aufgabe, die Hände eine andere, usw. So ist es und kein Mensch nach Adam hat bisher etwas Besseres zu bieten, denn so funktioniert der Leib. Alle Ideen des Menschen, dieses System zu verbessern, haben nichts gebracht.

Ähnlich ist es mit der Gemeinde. Auch da, im übertragenen Sinne, sind wir Glieder eines Leibes. Jedes Glied hat seine bestimmte Funktion und Aufgabe und steuert bei, was es kann und tut dies da, wo es ist.

1. Korinther 12,19 und 20:
Wenn aber alle Glieder ein Glied wären, wo bliebe der Leib?
Nun aber sind es viele Glieder, aber der Leib ist einer.

Wie wäre es mit der Logik, daß alle Glieder ein Glied wären? Auch das würde zu Problemen führen, denn es gäbe keinen Leib mehr.

1. Korinther 12,21:
Das Auge kann nicht sagen zu der Hand: Ich brauche dich nicht; oder auch das Haupt zu den Füßen: Ich brauche euch nicht.

Hier sehen wir eine wichtige Wahrheit. Selbst zwei ganz entgegengesetzte Teile – Haupt und Füße – können nicht behaupten, sie bräuchten einander nicht.

1. Korinther 12,22–25:
Vielmehr sind die Glieder des Leibes, die uns die schwächsten zu sein scheinen, die nötigsten;
und die uns am wenigsten ehrbar zu sein scheinen, die umkleiden wir mit besonderer Ehre; und bei den unanständigen achten wir besonders auf Anstand;
denn die anständigen brauchen's nicht. Aber Gott hat den Leib zusammengefügt und dem geringeren Glied höhere Ehre gegeben,
damit im Leib keine Spaltung sei, sondern die Glieder in gleicher Weise füreinander sorgen.

Es ist schon bemerkenswert, wie Menschen manchmal in ihren Beurteilungen völlig daneben liegen.

Gott hat den Leib zusammengefügt und ihn so eingerichtet, daß Spaltungen vorgebeugt wird, indem dem geringeren Glied größere Ehre zukommt und alle Glieder die Möglichkeit haben, in gleicher Weise füreinander zu sorgen.

1. Korinther 12,26 und 27:
Und wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit, und wenn ein Glied geehrt wird, so freuen sich alle Glieder mit.
Ihr aber seid der Leib Christi und jeder von euch ein Glied.

Der „Leib Christi" bezeichnet hier offensichtlich nicht die Gesamtheit aller Gläubigen der Gemeinde Gottes zu allen Zeiten an allen Orten. Vielmehr wird die örtliche Gemeinde in Korinth als „der Leib Christi" bezeichnet. Diese Gemeinde hat viele Glieder, obwohl sie einen Leib darstellt.

Die örtliche Gemeinde in einem Hause, ein Teil der universellen Gemeinde des Leibes Christi, ist Leib Christi. Die Glieder, die diese Gemeinde bilden, sollen füreinander sorgen und jeder in gleicher Weise etwas beitragen. Glieder können nicht endlos aufeinander warten, daß irgendwer etwas macht. Was passiert, wenn zehn solche Glieder eine Gemeinschaft bilden? Keiner will etwas beitragen, alle hätten aber gerne von den anderen Unterstützung. Das geht nicht. Erst wenn einer anfängt zu unterstützen, beginnt etwas in Bewegung zu kommen. Wenn fünf der zehn Glieder aus ihrer Lethargie erwachen und etwas beizusteuern, sieht die Gemeinde wesentlich lebendiger aus. Je mehr der Glieder in einer Gemeinde etwas geben, um so lebendiger ist die Gemeinde. Dann gibt es Beziehungen untereinander, wo etwas beigesteuert wird. Die vorher nur herumsaßen und warteten, daß jemand etwas bringt, brauchen gar nicht mehr da zu sitzen und zu warten. Ihnen wird soviel gebracht, daß sie Schwierigkeiten haben, alles anzunehmen. So ist der Leib lebendig und baut sich selbst auf in der Liebe.

Es kommt noch der Aspekt der Verbreitung von Gottes Wort hinzu, über den sich viele Gedanken machen. Es wird evangelisiert, man redet Gottes Wort, versucht irgendwie außerhalb der Gemeinde etwas in Bewegung zu setzen. Aber oft passiert nichts, weil innerhalb der Gemeinde nicht alle gemeinsam daran arbeiten.

Ein Magnet mag als gute Illustration dienen. Ein Magnet ist ein Stück Eisen, aber solange die einzelnen Teilchen in diesem Eisen noch nicht in entsprechender Weise geordnet sind, passiert gar nichts. Dann hat man ein Stück Eisen, aber keinen Magneten. Bevor das Stück Eisen Anziehungskraft entwickelt, muß in dem Stück Eisen etwas passieren. Die Teilchen müssen sich je nach ihrem Maß ordnen und entsprechend ausgerichtet werden. Wenn das geschehen ist, wirken sie zusammen als Magnet. Je mehr sich zusammengetan haben, um so stärker ist die Kraft.

Wenn im Leib der Gemeinde ein Glied in eine Richtung zieht und ein anderes in die entgegengesetzte, heben sich ihre Kräfte gegenseitig auf. Sie bemühen sich, aber sie produzieren insgesamt nichts. Kräfte sind vorhanden, aber sie kommen nicht zur Geltung. Voll zur Geltung kommen sie erst, wenn die Glieder in die absolut gleiche Richtung ziehen.

So ist es beim Magneten. Außerhalb seiner selbst tut der Magnet gar nichts, er hat lediglich ein Magnetfeld um sich gebildet. Was auch immer in dieses Magnetfeld hineinkommt, spürt die Anziehungskraft. In dem Magneten ist Kraft am Wirken, von ihm geht Kraft aus, die andere anzieht. Das erinnert an eine Aussage in Römer: Die Güte Gottes zieht einen Sünder zur Buße.

Wenn in der Gemeinde die vorgesehene Auferbauung existiert, wird sie wie ein Magnet nach außen hin ihre Wirkung entfalten. Umgekehrt gilt aber auch, daß missionarische Bemühungen fruchtlos sind, wenn man zwei sich abstoßende Pole hat. Nur wenn die entsprechende Kraft vorhanden und das Zusammenwirken da ist, werden andere sich zur Gemeinde hingezogen fühlen und bleiben.

Alle äußerlichen Aktivitäten führen erst zu größerem Erfolg, wenn die einzelnen Glieder verstehen, daß sie eine spezifische Aufgabe haben und dann beginnen, etwas nach dem Maß ihrer Kraft zu tun und der Gemeinde ihre Unterstützung gewähren. Dazu ist es nötig, daß sie füreinander da sind, füreinander sorgen, so daß eine segensreiche Beziehung unter den Gliedern vorhanden ist. In der Gemeinde hängen wir ein Glied am anderen wie in einem Leib. Wir müssen Unterstützung gewähren. Es geht nicht darum zu warten, daß ein anderer etwas tut. Wir fangen an, etwas zu tun, Unterstützung zu geben und so dafür zu sorgen, daß der Leib insgesamt sich selbst aufbaut.

Es geht dabei auch nicht um die rein natürlichen bzw. handwerklichen Fähigkeiten, die ein Glied hat. Es ist großartig, wenn ich einem anderen Glied in der Gemeinde mit eben diesen Fertigkeiten etwa bei der Autoreparatur helfen kann. Die Erbauung der Gemeinde bewegt sich aber noch auf einer ganz anderen Ebene. Es geht dabei um die Person, nicht um sein Auto. Wir haben in der Gemeinde den gleichen Christus in uns, und in dem Maß dieser Kraft können wir geben, was zur Erbauung der Gemeinde in der Liebe beiträgt.

Ein jedes Glied hat eine Funktion und ist absolut notwendig. Es ist wahr, daß manche Glieder besondere Funktionen, besondere Aufgaben haben, die vielleicht über das hinausgehen, was andere Glieder haben. Älteste, Bischöfe und Diakone werden im Wort Gottes erwähnt, die in besonderer Weise Dienst leisten, der der Gemeinde und den Gliedern in der Gemeinde zugute kommt. Auch ihr Dienst ist auf die Erbauung des Leibes ausgerichtet.

Epheser 4,11 und 12:
Und er hat einige als Apostel eingesetzt, einige als Propheten, einige als Evangelisten, einige als Hirten und Lehrer,
damit die Heiligen zugerüstet werden zum Werk des Dienstes. Dadurch soll der Leib Christi erbaut werden,

In diesem Leib hängt ein Glied am andern. Aus dieser Bindung kann sich keiner verabschieden. Das Beste, was wir tun können, ist anerkennen, was Gott gemacht und geplant hat und dann unsere Aufgabe, die uns zukommt, mit all unser Kraft und allem Einsatz zu erfüllen. Es ist klar, daß ein Finger nicht in gleicher Weise beisteuern kann, was einem Fuß zukommt. Jedes Teil hat seine bestimmten Aufgabe zur Erbauung der Gemeinde.

Wir meinen vielleicht manchmal, die größte Genugtuung für uns bestände darin, still zu sitzen und nichts weiter zu tun, etwa nach dem Motto: „Wenn möglichst viele mir etwas Gutes tun, dann ist das am allerbesten." Dabei sind wir aber einem großen Irrtum erlegen, denn das ist nicht wahr. Gerade das Gegenteil ist der Fall.

Ein jeder von uns hat eine große von Gott gegebene Aufgabe, und Gott wirkt in uns das Wollen und das Vollbringen!


(1) An anderen Stellen werden auch andere Bilder benutzt, um die Gemeinde zu beschreiben, wie etwa Ackerfeld, Bau, usw.

(2) Vgl. dazu 1. Korinther 12,25.

 

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