Nun, in 2. Petrus 3,8 findet sich die Stelle, wo dieser Wortlaut vorkommt. Wir sollten uns diese Stelle genauer ansehen und dabei vor allem auf den Kontext achten, um korrekt zu verstehen, wovon Petrus gesprochen hat.

2Pe 3,8
Eins aber sei euch nicht verborgen, ihr Lieben, daß ein Tag vor dem Herrn wie tausend Jahre ist und tausend Jahre wie ein Tag.

Die Frage ist nun: Was bedeutet diese Aussage? Ist hier die Rede davon, dass bei Gott eine andere Zeitrechnung gilt als bei den Menschen? Geht es Petrus darum, mittels figurativer Sprache eine Qualität Gottes auszudrücken? Wovon handelt die Aussage? Man kann nicht einfach nur Stellen lesen und dann anderen Leuten an den Kopf werfen, ohne zu erläutern, wie man die Stelle versteht und was die Stelle im Kontext bedeutet.

Nun, wovon handelt der Kontext? Petrus schreibt an die Gläubigen aus den Juden in der Diaspora und ermutigt sie, treu zu bleiben angesichts von Anfechtungen und Spott einiger, die das verheissene Kommen des Herrn in Frage stellen. Die Gläubigen erdulden bereits das "Feuer der Versuchung und Anfechtung und sind der Versuchung ausgesetzt, ihren Glauben aufzugeben. Wie viele Jahrhunderte zuvor einige eine Rückkehr nach Ägypten propagierten, so gibt es nun einige, die eine Rückkehr zum Judentum propagieren. Sie sind anscheinend der Meinung, Gott habe sie unter den Heiden zerstreut, damit sie dort sterben sollten und meinen, Er habe seine Verheissungen vergessen.

Petrus nun bestärkt sie, indem er auf die Treue Gottes verweist. Petrus argumentiert, dass es gleich ist, ob die verheissene Erfüllung einer Verheissung Gottes nahe (1 Tag in der Zukunft) oder ferne (1000 Jahre in der Zukunft) ist. Eine Sache steht fest: Gott ist treu, und Er wird vollbringen, was Er verheißen hat und für wann Er es verheissen hat. Gott kommt nicht zu spät!

Es geht Petrus in dieser Aussage nicht darum zu zeigen, dass bei Gott kein Unterschied besteht zwischen einem Tag und 1000 Jahren, oder dass Gott nicht an Zeit gebunden ist und 1 Tag gleich tausend Jahre sind, usw. Wenn Gott Seinem Volk Dinge mitteilt, in denen Zeit eine Rolle spielt, dann sind diese Zeitangaben immer mit der Bedeutung gebraucht, die dem Menschen verständlich und bekannt sind.

Der Kontext macht deutlich, worum es in dieser Stelle geht. Die Gläubigen im 1. Jahrhundert erwarteten aufgrund der Worte Jesu und der Lehren seiner Apostel das Kommen des Herrn in ihrer Generation. Diese Generation neigte sich zur Zeit der Niederschrift dieses Briefes langsam ihrem Ende zu und es ist nun verständlich, dass solche zweifelnden bzw spöttische Fragen bzgl. des verheissenen Kommens des Herrn wirklich den Glauben einiger ins Schwanken bringen könnte. Solcher Spott wäre 3-4 Jahre nach der Auferstehung des Herrn nicht sonderlich wirksam gewesen, da ja noch viele jener Generation am Leben waren. Als nun aber die Jahre fortschritten und immer mehr aus jener Generation starben, wurde natürlich auch die Frage nach dem Ausbleiben des Kommen des Herrn immer bedeutender und eine stetig größere Versuchung, am Kommen des Herrn zu zweifeln. Hätte Petrus gedacht, das Kommen des Herrn sei noch Tausende von Jahren in der Zukunft, hätte er sicherlich nicht auf die Art und Weise auf diesen Spott reagiert, wie wir es hier in 2Pe 3 lesen.

Petrus macht klar, dass es bei Gott keine Verspätung bzgl. Seiner Verheissungen gibt. Das Kommen des Herrn war für jene Generation vorausgesagt und es würde sich in jener Generation ereignen. Seine Ermahnung an die Christen aus den Juden ist: Gebt die Hoffnung nicht auf! Der Herr hat verheissen in dieser Generation zu kommen, Er wird in dieser Generation kommen! Noch ist Gottes Zeit für die Generation nicht abgelaufen. Es ist bisher noch nicht geschehen, weil Gott Barmherzigkeit walten lässt und auch dem letzten die Gelegenheit zur Umkehr gibt. Aber die Zeit wird schon bald ablaufen, denn Gott ist treu und steht zu Seinen Verheissungen.

Das Problem vieler Christen heute ist, dass sie das Wesen des Kommens des Herrn auf eine bestimmte Art und Weise verstehen und dann versuchen, Schriftstellen so auszulegen, dass sie das vorhandene Verständnis scheinbar stützen. So kommen dann Theorien zustande, als würde Petrus hier in diesen Versen eine Zeitgleichung 1 Tag = 1000 Jahre aufstellen, die man dann benutzen kann, um aus dem "nahe" und "bald" in den Stellen über das Kommen des Herrn in den NT Schriften 2000 Jahre erklären zu können. Diese Vorgehensweise aber führt nicht zu einem rechten Verständnis dessen, was Petrus geschrieben hat, weil der Kontext nicht beachtet wird.

Petrus bestärkt die Judenchristen darin, treu an der Verheissung des baldigen Kommens des Herrn festzuhalten und sich nicht vom Gerede der Spötter irremachen zu lassen. Was Gott verheissen hat, das wird Er auch halten.

 

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