Eines der zentralen Dogmen einer der großen christlichen Kirchen ist die Lehre von der sogenannten "Jungfrauengeburt", die besagt, daß Maria vor, in und auch nach der Geburt Jesu Jungfrau war. Allerdings wurde die Richtigkeit dieses Dogmas seit langem auch in Frage gestellt. In dieser Studie wird anhand der Berichte in der Bibel erneut deutlich, wie absolut verläßlich und genau das Wort Gottes in allen seinen Aussagen ist und wie eine sorgfältige Studie der Schrift eine klare und eindeutige Antwort bietet.
Eine der am weitesten verbreiteten und von vielen Christen geglaubten Lehrsätze der großen
christlichen Amtskirchen ist das Dogma von der jungfräulichen Geburt Jesu. Maria, die Mutter Jesu, wurde dadurch
zur "heiligen Jungfrau", und sie erhielt nicht zuletzt aufgrund solcher Lehren schließlich auch den Status einer
"Mutter Gottes". Diese Lehren werden als göttliche Lehre aus der Bibel hingestellt, und sie müssen daher
nach Meinung der sie vertretenden Amtskirchen auch geglaubt werden, wenn sie nicht unbedingt logischen
Überlegungen oder vernunftmäßigen Kriterien zu genügen scheinen. Die Lehre von der
jungfräulichen Geburt Jesu wird andererseits von vielen Menschen, die sich mit den natürlichen Gegebenheiten
und der Physiologie des Menschen beschäftigen, aus sicherlich einleuchtenden Gründen als völlig
unmöglich abgelehnt. Es ist verständlich, daß dann gerade solche Lehrsätze zum Ansatzpunkt
heftigster Kritik an der Glaubwürdigkeit der Bibel werden.
Wir wollen uns sorgfältig betrachten, was
über dieses Thema in der Bibel berichtet wird. Wenn der Bibel schon solche scheinbar unmöglichen Dinge
zugesprochen werden, sollte man sich diese Dinge auch in der Bibel selbst ansehen. Es könnte immerhin sein,
daß einige Punkte, die später zu Lehrsätzen wurden, in der Bibel gar nicht auftauchen, bzw. daß
sich manche Behauptungen im Vergleich mit dem genauen Wortlaut der Bibel als absichtlich gefälscht erweisen.
Normalerweise ist das Wort Gottes absolut logisch und in Übereinstimmung mit anderen ebenfalls von Gott, dem
Schöpfer, aufgestellten Naturgesetzen und anderen Ordnungen, die in der Schöpfung gelten.
Was versteht man eigentlich unter "Jungfrauengeburt"? Bevor wir den biblischen Bericht untersuchen, sei kurz erwähnt, was der Artikel in Band 11 der Brockhaus Enzyklopädie 1 enthält.
Jungfrauengeburt, Parthenogenese, die in vielen Kulturen anzutreffende Vorstellung, daß
Götter oder außerordentl. Menschen (Heroen, Könige, Heilige) auf übernatürl. Weise, ohne
vorhergehende geschlechtl. Zeugung, geboren werden. Oft ist damit eine Idealisierung der Jungfräulichkeit
verbunden, und die Unversehrtheit der Gebärenden auch während und nach der Geburt wird betont. Nach einer
Überlieferung ging Buddha in Gestalt eines weißen Elefanten in den Leib der Maya ein, aus ihrer Seite wieder
aus; nach ägypt. Vorstellung wurden die Pharaonen durch Vereinigung des Gottes Amun-Re mit der Königin
gezeugt; Alexander d.Gr. galt als durch einen Blitzstrahl empfangen. Die Vorstellung einer sowohl vater- als auch
mutterlosen Zeugung findet sich in der griech. Religion für Dionysos, Pallas Athene und Aphrodite.-
Im
Christentum erhielt die Vorstellung einer J. in der Person der Mutter Jesu, Maria, eine besondere Bedeutung. Das
Prädikat der Jungfräulichkeit bezeichnet nach den Glaubensbekenntnissen der Frühkirche die Zeit vor, in
und nach der Geburt und bezieht sich auf die Kindheitsgeschichten Jesu. Die neuere Theologie versteht die Aussagen
über Jungfräulichkeit nicht mehr als eine organisch-physische Zustandsbeschreibung, sondern primär
heilsgeschichtlich-christologisch als Legitimierung der Gottessohnschaft Jesu.
Dieser Artikel erwähnt einige Punkte, die wir bei unserer Studie im Auge behalten sollten: (1) Das Konzept der Jungfrauengeburt war offenbar bereits lange vor der Geburt Jesu Christi bei Völkern im Alten Orient Teil ihrer Religion; es hat also auf keinen Fall seinen Ursprung in dem Bericht über die Geburt Jesu. (2) Hinsichtlich der Bedeutung im Christentum ist ein interessanter Meinungswechsel unter den Theologen zu verzeichnen, denn die neuere Theologie will angesichts der vernünftigen und für viele Menschen verständlichen Argumente hinsichtlich des organisch-physischen Zustands einer Frau insbesondere in und nach der Geburt eines Kindes nicht als dumm dastehen, und sie hat sich nun darauf verlegt, der Sache einen anderen, wenn auch leicht nebulösen, Anstrich zu geben. Es scheint aber auch weiterhin nicht möglich zu sein, ein solches Kirchendogma grundsätzlich zu überdenken und im Lichte von Gottes Wort neu zu beurteilen.
Nun gilt es, sich mit den biblischen Berichten über die Geburt bzw. Empfängnis Jesu Christi zu beschäftigen, um zu sehen, wie die Bibel zu dieser Frage steht.
Matthäus 1,18 - 25:
Die Geburt Jesu Christi geschah aber so: Als Maria, seine Mutter, dem
Josef vertraut war, fand es sich, ehe er sie heimholte, daß sie schwanger war von dem heiligen Geist.
Josef aber, ihr Mann, war fromm und wollte sie nicht in Schande bringen, gedachte aber, sie heimlich zu
verlassen.
Als er das noch bedachte, siehe, da erschien ihm der Engel des Herrn im Traum und sprach: Josef,
du Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria, deine Frau, zu dir zu nehmen; denn was sie empfangen hat, das ist von
dem heiligen Geist.
Und sie wird einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben, denn er wird
sein Volk retten von ihren Sünden.
Das ist aber alles geschehen, damit erfüllt würde, was der
Herr durch den Propheten gesagt hat, der da spricht:
»Siehe, eine Jungfrau wird schwanger sein und
einen Sohn gebären, und sie werden ihm den Namen Immanuel geben«, das heißt übersetzt: Gott mit
uns.
Als nun Josef vom Schlaf erwachte, tat er, wie ihm der Engel des Herrn befohlen hatte, und nahm seine
Frau zu sich.
Und er berührte sie nicht, bis sie einen Sohn gebar; und er gab ihm den Namen
Jesus.
Dieser Abschnitt aus Matthäus 1 berichtet über die Empfängnis und Geburt Jesu, und genau diese
Verse werden von den Vertretern der Lehre der Jungfrauengeburt als positiver Beweis angeführt. Ist aber in diesen
Versen denn von einer Jungfrauengeburt die Rede?
Dieser Abschnitt der Schrift berichtet eigentlich leicht
verständlich einige klare Punkte: (1) Eindeutig klar ist, daß diese Verse die göttliche Empfängnis
lehren, denn Jesus wurde in Maria nicht von Josef empfangen, sondern von Gott empfangen "von dem heiligen
Geist". (2) Eindeutig klar ist auch, daß Maria zum Zeitpunkt der Empfängnis eine Jungfrau war. (3) Eindeutig
klar ist ebenfalls, daß Maria Josefs Frau und Josef Marias Mann war, und daß Josef seine Frau "zu sich
nahm", sie aber "nicht berührte, bis sie einen Sohn gebar".
Man kann nun sicherlich nicht einfach einige
dieser Wahrheiten beiseite schieben, um aus denen, die übrigbleiben, ein Dogma aufzubauen, das dann Gottes
Wahrheit sein soll. Eine korrekte Beurteilung des gesamten Themas ist nur möglich, wenn man die im Wort Gottes
erwähnten Einzelheiten genau beachtet und sich unter Berücksichtigung der Bräuche zu jener Zeit in den
biblischen Landen und durch Vergleichen mit anderen Teilen der Schrift um ein biblisches Verständnis
bemüht.
Bevor wir diesen Abschnitt in Matthäus 1 näher untersuchen, wollen wir zunächst einige Informationen aus dem Evangelium nach Lukas über die Empfängnis Jesu Christi in unsere Überlegungen einbeziehen.
Lukas 1,26 und 27:
Und im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott gesandt in eine Stadt
in Galiläa, die heißt Nazareth,
zu einer Jungfrau, die vertraut war einem Mann mit Namen Josef
vom Hause David; und die Jungfrau hieß Maria.
Der "sechste Monat" nimmt Bezug auf die im Abschnitt davor berichtete Schwangerschaft der Elisabeth. Im
sechsten Monat von Elisabeths Schwangerschaft wurde der Engel Gabriel, der in Gottes Wort immer wieder als Gottes Bote
in besonderen und wichtigen Situationen erwähnt wird, von Gott zu einer "Jungfrau" nach Nazareth gesandt. Diese
Jungfrau Maria war zu dem Zeitpunkt einem Manne namens Josef "vertraut".
Begriffe wie "Jungfrau" und "vertraut
sein", wie auch andere in den biblischen Berichten im Zusammenhang mit der Empfängnis Jesu geschilderte
Begebenheiten, sind immer wieder mit möglicherweise ähnlichen Bräuchen unserer verschiedenen
abendländischen Kulturen gleichgesetzt worden, was aber dem wahren biblischen Verständnis großen
Schaden zugefügt hat. Die Bibel ist ein Buch, das nicht unserem abendländischen Kulturkreis entstammt und das
nicht auf Gegebenheiten unserer Zeit Bezug nimmt; wenn Ereignisse geschildert werden, müssen diese unbedingt im
Licht von Land und Zeit der Bibel verstanden werden, wenn man Gottes Wort recht austeilen und am Ende seiner
Bemühungen eine wahre Auslegung haben will.
"Jungfrau" bedeutet zunächst einfach "junge Frau", wobei es
in biblischen Zeiten jedoch selbstverständlich war, daß eine junge unverheiratete bzw. einem Mann vertraute
Frau auch "Jungfrau" im heute allgemein bekannten Sinne war, denn die Unberührtheit der jungen Frau vor der Ehe
spielte eine besondere Rolle im Volk Israel. Das Wort "Jungfrau" wird biblisch zunächst aber im Sinne von "junge
Frau" benutzt, und an verschiedenen Stellen auch für eine junge Frau, die offensichtlich bereits sexuellen Verkehr
mit einem Mann hatte.2
"Einem Manne vertraut sein" bedeutete weit mehr, als man heutzutage in
unserer Gesellschaft etwa unter einer Verlobung versteht. Wenn eine Frau einem Manne vertraut war, so war das fast
gleichbedeutend mit unserer heutigen Eheschließung. Die Eltern beider Partner hatten bereits alles arrangiert,
auch der Brautpreis war vereinbart und die Ehe von all diesen Gesichtspunkten her bereits geschlossen. Oft wurde ein
"vertrautes" Paar bereits als "Mann und Frau" bezeichnet. Es fehlte lediglich die eigentliche Hochzeitsfeier und das
anschließende Vollziehen der ehelichen Gemeinschaft, wenn beide an einem vorbestimmten Tag nach der
Hochzeitsfeier zum ersten Geschlechtsverkehr "zusammenkamen".3
Maria war dem Josef vertraut,
aber die eigentliche Hochzeitsfeier mit dem anschließenden Zusammenkommen hatte noch nicht stattgefunden. Sie
hatten daher zu diesem Zeitpunkt noch keine sexuellen Beziehungen zueinander aufgenommen. Marias Entgegnung auf des
Engels Worte bestätigen dies ebenfalls.
Lukas 1,28 - 35:
Und der Engel kam zu ihr hinein und sprach: Sei gegrüßt, du
Begnadete! Der Herr ist mit dir!
Sie aber erschrak über die Rede und dachte: Welch ein Gruß ist
das?
Und der Engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria, du hast Gnade bei Gott gefunden.
Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Jesus geben.
Der wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden; und Gott der Herr wird ihm den Thron seines
Vaters David geben,
und er wird König sein über das Haus Jakob in Ewigkeit, und sein Reich wird
kein Ende haben.
Da sprach Maria zu dem Engel: Wie soll das zugehen, da ich doch von keinem Mann
weiß?
Der Engel antwortete und sprach zu ihr: Der heilige Geist wird über dich kommen, und die
Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum wird auch das Heilige, das geboren wird, Gottes Sohn genannt
werden.
Der Bericht über das Gespräch zwischen Gabriel und Maria gibt uns außerdem weitere bedeutsame
Informationen, um genauer zu bestimmen, was sich zutrug. Gabriel verkündete Maria, daß sie schwanger werden
und einen Sohn gebären würde; er teilte ihr weiterhin einige andere Informationen über ihren Sohn mit,
wobei für unsere Studie wichtig ist, daß es um Jesus ging, und daß dieser "der Sohn des Höchsten"
genannt würde.
Die Bezeichnung "Sohn des Höchsten" weist darauf hin, daß diese Schwangerschaft
nicht durch einen Mann, sondern von Gott selbst herbeigeführt würde. In dieser Sache würde von
menschlicher Seite lediglich Maria beteiligt sein. Das war rein menschlich kaum oder nicht zu verstehen
normalerweise sind ein Mann und eine Frau zur Zeugung eines Nachkommens erforderlich. Maria war sich dessen sofort
bewußt, wie ihre Frage an Gabriel aufzeigte: "Wie soll das zugehen, da ich doch von keinem Mann weiß?"
Maria redete nicht davon, daß sie keine Männer kannte oder nichts über Männer wußte; der
Zusammenhang dieser Stelle weist darauf hin, daß "von einem Manne wissen" etwas mit einer sexuellen Beziehung zu
einem Mann zu tun haben muß. Dieser Gebrauch des Wortes "wissen" ist zunächst eine in den semitischen
Sprachen typische Ausdrucksweise, die sich später auch in der griechischen Sprache einbürgerte. "Wissen" bzw.
"erkennen" bezeichnet unter Einbeziehung der Redefigur Euphemismus "Geschlechtsverkehr mit daraus resultierender
Schwangerschaft". Diese Ausdrücke kommen z.B. im Alten Testament an einigen Stellen vor, aus denen sich die hier
gegebene Bedeutung leicht ableiten läßt.
Marias Entgegnung auf die Ankündigung Gabriels ist noch in
anderer Weise bemerkenswert. Maria stellte die an sie gerichteten Worte des Engels nicht in Frage, sie bezeichnete
dessen Botschaft auch nicht als unmöglich; sie erkundigte sich nur weiter, wie denn das Gesagte in ihrer
Situation geschehen könnte und sollte.4 Gabriel wiederholte in leicht abgewandelter Form seine
Botschaft, und er erklärte Maria, daß der heilige Geist, daß also Gott selbst, dafür sorgen
würde, daß dies geschehen könne. Sie würde durch die Kraft des Höchsten schwanger werden,
weshalb ihr Sohn auch "Gottes Sohn" genannt würde.
Dann verwies der Engel noch auf eine Maria bekannte
Situation, die ihr zeigen sollte, daß Gott auch in scheinbar unmöglichen Dingen wirken kann.
Lukas 1,36 - 38:
Und siehe, Elisabeth, deine Verwandte, ist auch schwanger mit einem Sohn, in
ihrem Alter, und ist jetzt im sechsten Monat, von der man sagt, daß sie unfruchtbar sei.
Denn bei Gott
ist kein Ding unmöglich.
Maria aber sprach: Siehe, ich bin des Herrn Magd; mir geschehe, wie du gesagt hast.
Und der Engel schied von ihr.
Um Maria zu verdeutlichen, daß auch "menschlich unmöglich" erscheinende Dinge durch Gottes
Eingreifen durchaus geschehen können, erinnerte er sie daran, was mit Elisabeth, einer von Marias Verwandten,
geschehen war. Eine Unfruchtbare war schwanger das war in etwa so unmöglich wie die Schwangerschaft einer
Frau ohne Zutun eines Mannes. Und doch stand zweifelsfrei fest, daß Elisabeth schwanger war, und das im sechsten
Monat! Daraus wurde deutlich, daß Gott Seine Verheißungen zustandebringen kann.
Vers 37 wird oft aus
dem Zusammenhang gerissen, um dann zu behaupten, Gott könne und würde einfach willkürlich alles tun,
weil Ihm nichts unmöglich sei. "Denn bei Gott ist kein Ding unmöglich" ist wörtlich aus dem griechischen
Text: "Denn nicht kraftlos wird sein von Gott jedes Wort [kein Wort von Gott wird kraftlos sein]."5
Es geht also bei "kein Ding" um das, was Gott zugesagt bzw. was Er verheißen hat.
Nach dieser weiteren
Zusicherung Gabriels erklärte sich Maria einverstanden mit dieser Sache.6 Was wohl in ihrem
Herzen vor sich ging? Eine solche Sache auf sich zu nehmen, war für Maria direkt mit gewaltigen Schwierigkeiten
verbunden, ganz zu schweigen von den Gedanken, die bereits ein wenig weiter über das zu jener Zeit vor ihr
liegende Geschehen blickten.
Einige der Schwierigkeiten, die auf Maria zukamen, werden aus dem Bericht in Matthäus deutlich, den wir nun genauer untersuchen wollen.
Matthäus 1,18:
Die Geburt Jesu Christi geschah aber so: Als Maria, seine Mutter, dem Josef
vertraut war, fand es sich, ehe er sie heimholte, daß sie schwanger war von dem heiligen Geist.
Vers 18 schildert uns, wie die "Geburt Jesu Christi" geschah. Die alles entscheidende Aussage steht am Ende des
Verses: Maria war schwanger "von dem heiligen Geist". Bereits hier wird kategorisch festgestellt, daß Jesus
Christus durch den heiligen Geist, durch Gott gezeugt wurde. Maria war nicht schwanger von Josef, sie war schwanger
"von dem heiligen Geist".
In diesem Vers könnte auch eine Parenthese vorliegen, wodurch dieser Punkt noch
stärker betont würde, denn dann würde der Vers lauten:
Aber die Geburt Jesu Christi geschah (als Maria, seine Mutter, dem Josef vertraut war, fand es sich, ehe er sie heimholte, daß sie schwanger war) von dem heiligen Geist.
Der Hauptsatz würde die großartige Wahrheit ausdrücken, daß die Geburt Jesu Christi von
dem heiligen Geist war. Durch diesen parenthetischen Einschub würde hervorgehoben, daß dies geschah, bevor
Josef mit seiner Frau Maria eheliche Beziehungen aufgenommen hatte.
Das Wort "Geburt" wird übersetzt aus dem
griechischen Text von dem Wort genesis, was in diesem Falle besser mit "Zeugung" bzw. "Empfängnis"
übersetzt werden sollte. Es ist klar, daß diese Stelle hier von der Zeugung handelt, nicht von der Geburt.
In den Versen davor wird ein mit dem Wort genesis verwandtes griechisches Wort jedesmal mit "zeugte"
übersetzt.
Daß Jesus nicht durch einen Menschen gezeugt wurde, wird noch weiter durch den Gebrauch des
Wortes "aber" betont, wodurch Vers 18 in Gegensatz zu den vorangehenden Versen gestellt wird. Der Gegensatz besteht
darin, daß alle in dem in den Versen davor aufgeführten Stammbaum enthaltenen Männer durch einen
irdischen Vater "gezeugt" wurden, Jesus Christus dagegen durch den heiligen Geist gezeugt wurde.
Zu diesen
kategorischen Aussagen kommen weitere Angaben, die uns verdeutlichen, daß Josef nichts mit Marias Schwangerschaft
zu tun hatte. Ein wichtiger Punkt wird deutlich aus der Aussage, daß Maria schwanger war, "ehe er [Josef] sie
heimholte". Dieses Heimholen bezieht sich auf den Zeitpunkt des ersten sexuellen Verkehrs zwischen den beiden Ehegatten
zu dem zuvor festgesetzten Termin kurz nach der eigentlichen Hochzeitsfeier. Dieser Zeitpunkt wird meist von den
Priestern und Eltern bestimmt, wobei verschiedene Dinge berücksichtigt werden, um einen möglichst
günstigen Zeitpunkt für eine Schwangerschaft zu erhalten. Maria und Josef hatten mittlerweile ihre
Hochzeitsfeier hinter sich, aber sie waren noch nicht in ehelicher Beziehung zusammengekommen, als Maria bereits mit
Jesus schwanger war.
Die nachfolgenden Verse machen das ebenfalls deutlich.
Matthäus 1,19:
Josef aber, ihr Mann, war fromm und wollte sie nicht in Schande bringen,
gedachte aber, sie heimlich zu verlassen.
Die Situation war nicht nur für Maria schwierig. Josef befand sich ebenfalls in einem Dilemma, denn diese Situation war nicht ganz einfach zu handhaben. Das Gesetz kannte bestimmte Vorschriften für den Fall, daß eine junge Frau vor der Ehe schwanger wurde, und es wurde darin auch geregelt, welche Möglichkeiten dem Mann in diesem Fall blieben. Wenn es hier heißt, Josef "gedachte aber, sie heimlich zu verlassen", so ist damit nicht gemeint, daß er sie stillschweigend einfach zurücklassen wollte. Dieser Ausdruck nimmt Bezug auf eine Regelung aus dem Gesetz.
5. Mose 24,1:
Wenn jemand eine Frau zur Ehe nimmt und sie nicht Gnade findet vor seinen Augen,
weil er etwas Schändliches an ihr gefunden hat, und er einen Scheidebrief schreibt und ihr in die Hand gibt und
sie aus seinem Hause entläßt
Dieser Vers umschreibt in etwa die Situation Josefs. Er war dabei, die hier erwähnte Sache zu erwägen. Während er noch schweren Herzens über seine Möglichkeiten nachdachte, erschien ihm der Engel des Herrn mit einer Botschaft.
Matthäus 1,20 - 23:
Als er das noch bedachte, siehe, da erschien ihm der Engel des Herrn
im Traum und sprach: Josef, du Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria, deine Frau, zu dir zu nehmen; denn was sie
empfangen hat, das ist von dem heiligen Geist.
Und sie wird einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen
Jesus geben, denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden.
Das ist aber alles geschehen, damit
erfüllt würde, was der Herr durch den Propheten gesagt hat, der da spricht:
»Siehe, eine
Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn gebären, und sie werden ihm den Namen Immanuel geben«, das
heißt übersetzt: Gott mit uns.
Welch eine Offenbarung dies für Josef gewesen sein muß! Der Engel verkündete Josef die
beruhigende Nachricht, daß Maria nicht von einem anderen Mann schwanger war, sondern daß sich nun vielmehr
das ereignete, was Jahrhunderte zuvor in einer Weissagung des Propheten Jesaja vorausgesagt worden war. Die Zeit
für die Ankunft des Messias war gekommen! Josef wurde auch von dem Engel in die Ereignisse mit einbezogen. Er
sollte dem Jungen den Namen "Jesus" geben, wodurch Josefs große Aufgabe angedeutet wird, denn durch die
Namengebung würde Josef entsprechende Verantwortung gemäß dem Gesetz für die Erziehung des Knaben
übernehmen.
Nun folgen zwei erstaunliche und für unsere Studie äußerst bedeutsame Verse.
Matthäus 1,24 und 25:
Als nun Josef vom Schlaf erwachte, tat er, wie ihm der Engel des
Herrn befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich.
Und er berührte sie nicht, bis sie einen Sohn
gebar; und er gab ihm den Namen Jesus.
In jener Nacht, als der Engel dem Josef erschien, "nahm Josef seine Frau zu sich", genau wie der Engel befohlen
hatte. Das bedeutet, daß Josef und Maria zu jenem Zeitpunkt sexuelle Beziehungen aufnahmen. Der Zusammenhang
läßt keine anderen Schlüsse zu, die wirklich einen Sinn ergäben.
Maria war zu dem Zeitpunkt
etwa 3 Monate schwanger. Dies läßt sich errechnen, wenn man den Bericht in Lukas zur Hand nimmt, wo
dargelegt wurde, daß der Engel Gabriel im 6. Monat der Schwangerschaft Elisabeths zu Maria kam, um ihr die Geburt
Jesu anzukündigen. Danach verbrachte Maria etwa 3 Monate bei Elisabeth, bevor sie wieder nach Hause
zurückkehrte. Kurz nach ihrer Rückkehr muß ihre Hochzeit mit Josef stattgefunden haben, und die hier
berichtete Begebenheit dürfte nicht lange danach anzusetzen sein. Dies stellt auch sicher fest, daß Maria
auf keinen Fall mehr durch Josef schwanger geworden sein kann7.
Dieser Punkt wird zudem noch
durch die Aussage in Vers 25 bestätigt, wo es heißt: "
er berührte sie nicht, bis sie einen Sohn
gebar
". Die Worte "er berührte sie nicht" sind im griechischen Text wörtlich "er erkannte sie nicht".
Wenn in einem solchen Zusammenhang ein Mann "eine Frau erkennt" bzw. eine Frau "von einem Mann weiß", bedeutet
dies soviel wie "Geschlechtsverkehr haben, aus dem eine Schwangerschaft resultiert". Dies wurde zuvor bereits kurz
erwähnt und soll hier ausführlicher dargelegt werden. Diese Bedeutung ist leicht ersichtlich, wenn man einige
der Stellen aus dem Alten Testament berücksichtigt, wo diese Ausdrücke vorkommen.
1. Mose 4,1:
Und Adam erkannte sein Weib Eva, und sie ward schwanger und gebar den Kain 1. Mose
4,17:
Und Kain erkannte sein Weib; die ward schwanger und gebar den Henoch 1. Mose 4,25:
Adam erkannte abermals
sein Weib, und sie gebar einen Sohn 1. Mose 19,8 und 14:
Siehe, ich habe zwei Töchter, die wissen noch
von keinem Manne; die will ich herausgeben unter euch
Da ging Lot hinaus und redete mit den Männern,
die seine Töchter heiraten sollten [wörtlich: "
und er redete zu seinen
Schwiegersöhnen"]
1. Mose 24,16:
Und das Mädchen war sehr schön von Angesicht, eine Jungfrau, die noch
von keinem Manne wußte 1. Samuel 1,19 und 20:
Und am andern Morgen machten sie sich früh auf. Und als
sie angebetet hatten vor dem Herrn, kehrten sie wieder um und kamen heim nach Rama. Und Elkana erkannte Hanna, seine
Frau, und der Herr gedachte an sie.
Und Hanna ward schwanger; und als die Tage um waren, gebar sie einen
Sohn
Diese Verse erläutern eindeutig, worum es geht. Es kann nicht nur von sexuellen Beziehungen die Rede sein, sondern es handelt es sich jeweils um Geschlechtsverkehr mit daraus resultierender Schwangerschaft. Besonders das Beispiel Hannas und Elkanas bezeugt dies, denn beide unterhielten selbstverständlich auch zuvor eheliche Beziehungen; aber erst als Elkana seine Frau "erkannte", wurde Hanna schwanger.
Eine sorgfältige Studie dieser zwei Berichte über die Empfängnis und die Zeit bis zur Geburt
Jesu Christi aus Lukas und Matthäus zeigt, daß von einer "Jungfrauengeburt" absolut
nicht die Rede sein kann. Maria war zur Zeit der Empfängnis Jesu durch den heiligen Geist
eine Jungfrau; sie hatte aber nach ihrer etwa drei Monate späteren Hochzeit mit Josef selbstverständlich
ehelichen Verkehr mit ihrem Mann. Allerdings wurde sie nicht von ihm schwanger bis nach der Geburt Jesu Christi.
Matthäus 1,25 weist darauf hin, daß Jesus Marias erstgeborener Sohn war. Der letzte Teil dieses Verses
lautet wörtlich: "
bis sie einen Sohn, ihren Erstgeborenen, gebar." Hieraus geht hervor, daß Josef und
Maria nach der Geburt Jesu auch gemeinsame Kinder hatten. Nur so ist es zu verstehen, daß so betont dargelegt
wird, daß Josef seine Frau nicht erkannte, bis nach der Geburt Jesu.
Eine Stelle in Matthäus 13
gibt uns weitere Auskunft über diese Sache.
Matthäus 13,55 und 56:
Ist er nicht der Sohn des Zimmermanns? Heißt nicht seine
Mutter Maria? und seine Brüder Jakobus und Josef und Simon und Judas?
Und seine Schwestern, sind sie
nicht alle bei uns? Woher kommt ihm denn das alles?
Aus den Äußerungen dieser Kritiker in Nazareth geht hervor, daß Jesus nicht als Einzelkind im
Hause Josefs und Marias in Nazareth aufwuchs. Josef und Maria hatten vier weitere Söhne, die hier sogar namentlich
genannt werden, dazu höchstwahrscheinlich mehr als zwei Töchter, da hier nicht nur von "beiden", sondern von
"allen" Schwestern die Rede ist. Diese Tatsache bestätigt ebenfalls, daß Maria keineswegs immer Jungfrau war
und blieb.
Diese Schriftstellen vermitteln uns ein wahres und mit allen Gesetzen der verschiedenen Wissenschaften
übereinstimmendes Bild über die Empfängnis Jesu und die Situation mit seiner Mutter Maria. Keine
merkwürdigen oder unerklärlichen Dinge verunsichern den, der sich mit wachsamem Auge die wunderbare
Offenbarung Gottes hinsichtlich dieses Themas ansieht. Die hier geschilderten Wahrheiten genügen völlig, um
ein umfassendes Bild über Maria und die Geschehnisse bei der Empfängnis und Geburt Jesu zu erlangen.
Die
von manchen verbreiteten Lehren über Maria und ihre andauernde Jungfräulichkeit als notwendiger Beweis
dafür, daß Jesus Gottes Sohn war, sind biblisch gar nicht erforderlich, um Jesu Anspruch auf seine
Gottessohnschaft zu beweisen. Einzig notwendig für diesen Anspruch ist, daß Jesus von dem heiligen Geist
empfangen wurde und daß Maria zu der Zeit Jungfrau war beides ist klar und deutlich aus dem biblischen
Bericht ersichtlich. Alles andere zu diesem Thema "Jungfrauengeburt" ist eigentlich absolut irrelevant und biblisch
absolut nicht nachzuvollziehen.
Möge das Licht der Wahrheit nicht nur in dieser Sache wiederum heller
erstrahlen! Eine ganze Reihe ähnlicher Irrtümer und "sonderbarer Geschichten" im Zusammenhang mit Christi
Geburt könnten auf die gleiche Art und Weise aus dem Wort Gottes erläutert und in einfacher Form für
einen jeden einleuchtend dargelegt werden, dessen Herz darauf gerichtet ist, die Wahrheit des Wortes Gottes zu
erforschen und zu erkennen.
(1) Brockhaus Enzyklopädie, Bd. 11. Mannheim: F.A. Brockhaus, 1990.
(2) .Vgl. dazu 1. Mose 24,16; 34,1-4; 5. Mose 22,19; Ester 2,17.19; Joel 1,8.
(3) Viele Einzelheiten zu diesen Aspekten werden behandelt in: Wierwille, Victor Paul: Jesus Christ Our Promised Seed. New Knoxville, Ohio: American Christian Press, 1982.
(4) Vgl. dazu die Worte von Zacharias (Lukas 1,18), aus denen Zweifel an Gottes Verheißung spricht.
(5) Vgl. dazu Das Neue Testament, Interlinearübersetzung Griechisch-Deutsch / übers. von E. Dietzfelbinger. Neuhausen-Stuttgart: Hänssler, 1986.
(6) Auch dies ist ein bemerkenswertes Beispiel dafür, daß der wahre Gott nie den freien Willen eines Menschen übertritt und einen Menschen besessen hält.
(7) In seltenen Fällen soll es medizinisch möglich und auch vorgekommen sein, daß eine Frau während der ganz frühen Phase einer Schwangerschaft nochmals mit einem zweiten Kind schwanger werden kann.