Es bleibet täglich nach deinem Wort; denn es muß dir alles dienen. (Psalm 119:91)

Der Prophet Nahum

Das 1. Kapitel

1. Dies ist die Last über Ninive und das Buch der Weissagung Nahums
von Elkos.

2. Der HErr ist ein eifriger GOtt und ein Rächer, ja ein Rächer ist
der HErr und zornig; der HErr ist ein Rächer wider seine Widersacher,
und der es seinen Feinden nicht vergessen wird.

3. Der HErr ist geduldig und von großer Kraft, vor welchem niemand
unschuldig ist; er ist der HErr, des Wege im Wetter und Sturm sind und
unter seinen Füßen dicker Staub,

4. der das Meer schilt und trocken macht und alle Wasser vertrocknet.
Basan und Karmel verschmachten, und was auf dem Berge Libanon blühet,
verschmachtet.

5. Die Berge zittern vor ihm, und die Hügel zergehen; das Erdreich
bebet vor ihm, dazu der Weltkreis und alle, die drinnen wohnen.

6. Wer kann vor seinem Zorn stehen und wer kann vor seinem Grimm
bleiben? Sein Zorn brennet wie Feuer, und die Felsen zerspringen vor ihm.

7. Der HErr ist gütig und eine Feste zur Zeit der Not und kennet die,
so auf ihn trauen.

8. Wenn die Flut überher läuft, so macht er's mit derselbigen ein
Ende; aber seine Feinde verfolgt er mit Finsternis.

9. Was gedenket ihr wider den HErrn? Er wird's doch ein Ende machen;
es wird das Unglück nicht zweimal kommen.

10. Denn gleich als wenn die Dornen, so noch ineinanderwachsen und im
besten Saft sind, verbrannt werden, wie ganz dürr Stroh,

11. also wird sein der Schalksrat, der von dir kommt und Böses wider
den HErrn gedenket.

12. So spricht der HErr: Sie kommen so gerüstet und mächtig, als sie
wollen, sollen sie doch umgehauen werden und dahinfahren. Ich habe dich
gedemütiget; aber ich will dich nicht wiederum demütigen.

13. Alsdann will ich sein Joch, das du trägst, zerbrechen und deine
Bande zerreißen.

14. Aber wider dich hat der HErr geboten, daß deines Namens Same
keiner mehr soll bleiben. Vom Hause deines Gottes will ich dich
ausrotten, die Götzen und Bilder will ich dir zum Grabe machen; denn du
bist zunichte worden.

Kap. 2. V.1. Siehe, auf den Bergen kommen Füße eines guten Boten, der
da Frieden predigt: Halte deine Feiertage, Juda, und bezahle deine
Gelübde! Denn es wird der Schalk nicht mehr über dich kommen; er ist
gar ausgerottet.

Das 2. Kapitel

2. Es wird der Zerstreuer wider dich heraufziehen und die Feste
belagern. Aber ja, berenne die Straße wohl, niste dich aufs beste und
stärke dich aufs gewaltigste!

3. Denn der HErr wird die Hoffart Jakobs vergelten wie die Hoffart
Israels; denn die Ableser werden sie ablesen und ihre Feser verderben.

4. Die Schilde seiner Starken sind rot, sein Heeresvolk siehet wie
Purpur, seine Wagen leuchten wie Feuer, wenn er treffen will; ihre
Spieße beben.

5. Die Wagen rollen auf den Gassen und rasseln auf den Straßen; sie
blicken wie Fackeln und fahren untereinander her wie die Blitze.

6. Er aber wird an seine Gewaltigen gedenken; doch werden dieselbigen
fallen, wo sie hinaus wollen; und werden eilen zur Mauer und zu dem
Schirm, da sie sicher seien.

7. Aber die Tore an den Wassern werden doch geöffnet, und der Palast
wird untergehen.

8. Die Königin wird gefangen weggeführet werden; und ihre Jungfrauen
werden seufzen wie die Tauben und an ihre Brust schlagen.

9. Denn Ninive ist wie ein Teich voll Wassers; aber dasselbige wird
verfließen müssen. Stehet, stehet! (werden sie rufen); aber da wird
sich niemand umwenden.

10. So raubet nun Silber, raubet Gold! Denn hie ist der Schätze kein
Ende und die Menge aller köstlichen Kleinode.

11. Aber nun muß sie rein abgelesen und geplündert werden, daß ihr
Herz muß verzagen, die Kniee schlottern, alle Lenden zittern, und aller
Angesicht bleich sehen, wie ein Topf.

12. Wo ist nun die Wohnung der Löwen und die Weide der jungen Löwen,
da der Löwe und die Löwin mit den jungen Löwen wandelten, und niemand
durfte sie scheuchen?

13. Sondern der Löwe raubete genug für seine Jungen und würgete es
seinen Löwinnen; seine Höhlen füllete er mit Raub und seine Wohnung mit
dem, das er zerrissen hatte.

14. Siehe, ich will an dich, spricht der HErr Zebaoth, und deine Wagen
im Rauch anzünden; und das Schwert soll deine jungen Löwen fressen; und
will deines Raubens ein Ende machen auf Erden, daß man deiner Boten
Stimme nicht mehr hören soll.

Das 3. Kapitel

1. Wehe der mörderischen Stadt, die voll Lügen und Räuberei ist und
von ihrem Rauben nicht lassen will!

2. Denn da wird man hören die Geißeln klappen und die Räder rasseln
und die Rosse schreien und die Wagen rollen.

3. Er bringet Reiter herauf mit glänzenden Schwertern und mit
blitzenden Spießen. Da liegen viel Erschlagene und große Haufen
Leichname, daß derselbigen keine Zahl ist und man über ihre Leichname
fallen muß.

4. Das alles um der großen Hurerei willen der schönen lieben Hure, die
mit Zauberei umgehet, die mit ihrer Hurerei die Heiden und mit ihrer
Zauberei Land und Leute erworben hat.

5. Siehe, ich will an dich, spricht der HErr Zebaoth! Ich will dir
dein Gebräme aufdecken unter dein Angesicht und will den Heiden deine
Blöße und den Königreichen deine Schande zeigen.

6. Ich will dich ganz greulich machen und dich schänden und ein
Scheusal aus dir machen,

7. daß alle, die dich sehen, von dir fliehen und sagen sollen: Ninive
ist verstöret; wer will Mitleid mit ihr haben, und wo soll ich dir
Tröster suchen?

8. Meinest du, du seiest besser denn die Stadt No der Regenten, die da
lag an den Wassern und ringsumher Wasser hatte, welcher Mauern und
Feste war das Meer?

9. Mohren und Ägypten war ihre unzählige Macht, Put und Libyen waren
deine Hilfe.

10. Noch hat sie müssen vertrieben werden und gefangen wegziehen, und
sind ihre Kinder auf allen Gassen erschlagen worden; und um ihre Edlen
warf man das Los, und alle ihre Gewaltigen wurden in Ketten und Fesseln
gelegt.

11. Also mußt du auch trunken werden und dich verbergen und eine Feste
suchen vor dem Feinde.

12. Alle deine festen Städte sind wie Feigenbäume mit reifen Feigen,
wenn man sie schüttelt, daß sie dem ins Maul fallen, der sie essen will.

13. Siehe, dein Volk soll zu Weibern werden in dir, und die Tore
deines Landes sollen deinen Feinden geöffnet werden; und das Feuer soll
deine Riegel verzehren.

14. Schöpfe dir Wasser, denn du wirst belagert werden; bessere deine
Festen; gehe in den Ton und tritt den Leimen und mache starke Ziegel.

15. Aber das Feuer wird dich fressen und das Schwert töten; es wird
dich abfressen wie die Käfer, es wird dich überfallen wie Käfer, es
wird dich überfallen wie Heuschrecken;

16. Du hast mehr Händler, denn Sterne am Himmel sind; aber nun werden
sie sich ausbreiten wie Käfer und davonfliegen.

17. Deiner Herren ist so viel als der Heuschrecken und deiner
Hauptleute als der Käfer, die sich an die Zäune lagern in den kalten
Tagen; wenn aber die Sonne aufgehet, heben sie sich davon, daß man
nicht weiß, wo sie bleiben.

18. Deine Hirten werden schlafen, o König zu Assur, deine Mächtigen
werden sich legen und dein Volk wird auf den Bergen zerstreuet sein,
und niemand wird sie versammeln.

19. Niemand wird um deinen Schaden trauern, noch sich um deine Plage
kränken, sondern alle, die solches von dir hören, werden mit ihren
Händen über dich klappen. Denn über wen ist nicht deine Bosheit ohne
Unterlaß gegangen?