Es bleibet täglich nach deinem Wort; denn es muß dir alles dienen. (Psalm 119:91)

Evangelium des Matthäus

Das 1. Kapitel

1. Dies ist das Buch von der Geburt JEsu Christi, der da ist ein Sohn
Davids, des Sohnes Abrahams.

2. Abraham zeugete Isaak. Isaak zeugete Jakob. Jakob zeugete Juda und
seine Brüder.

3. Juda zeugete Pharez und Saram von der Thamar. Pharez zeugete
Hezron. Hezron zeugete Ram.

4. Ram zeugete Aminadab. Aminadab zeugete Nahasson. Nahasson zeugete
Salma.

5. Salma zeugete Boas von der Rahab. Boas zeugete Obed von der Ruth.
Obed zeugete Jesse.

6. Jesse zeugete den König David. Der König David zeugete Salomo von
dem Weibe des Uria.

7. Salomo zeugete Roboam. Roboam zeugete Abia. Abia zeugete Assa.

8. Assa zeugete Josaphat. Josaphat zeugete Joram. Joram zeugte Osia.

9. Osia zeugete Jotham. Jotham zeugete Achas. Achas zeugete Ezechia.

10. Ezechia zeugete Manasse. Manasse zeugete Amon. Amon zeugete Josia.

11. Josia zeugete Jechonia und seine Brüder um die Zeit der
babylonischen Gefangenschaft.

12. Nach der babylonischen Gefangenschaft zeugete Jechonia Sealthiel.
Sealthiel zeugete Zorobabel.

13. Zorobabel zeugete Abiud. Abiud zeugete Eliachim. Eliachim zeugete
Asor.

14. Asor zeugete Zadoch. Zadoch zeugete Achin. Achin zeugete Eliud.

15. Eliud zeugete Eleasar. Eleasar zeugete Matthan. Matthan zeugete
Jakob.

16. Jakob zeugete Joseph, den Mann Marias, von welcher ist geboren
JEsus, der da heißet Christus.

17. Alle Glieder von Abraham bis auf David sind vierzehn Glieder. Von
David bis auf die babylonische Gefangenschaft sind vierzehn Glieder.
Von der babylonischen Gefangenschaft bis auf Christum sind vierzehn
Glieder.

18. Die Geburt Christi war aber also getan. Als Maria, seine Mutter,
dem Joseph vertrauet war, ehe er sie heimholete, erfand sich's, daß sie
schwanger war von dem Heiligen Geist.

19. Joseph aber, ihr Mann, war fromm und wollte sie nicht rügen,
gedachte aber sie heimlich zu verlassen.

20. Indem er aber also gedachte, siehe, da erschien ihm ein Engel des
HErrn im Traum und sprach: Joseph, du Sohn Davids fürchte dich nicht,
Maria, dein Gemahl, zu dir zu nehmen; denn das in ihr geboren ist, das
ist von dem Heiligen Geist.

21. Und sie wird einen Sohn gebären, des Namen sollst du JEsus heißen;
denn er wird sein Volk selig machen von ihren Sünden.

22. Das ist aber alles geschehen, auf daß erfüllet würde, was der HErr
durch den Propheten gesagt hat, der da spricht:

23. Siehe, eine Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn gebären,
und sie werden seinen Namen Emanuel heißen, das ist verdolmetschet,
GOtt mit uns.

24. Da nun Joseph vom Schlaf erwachte, tat er, wie ihm des HErrn Engel
befohlen hatte, und nahm sein Gemahl zu sich.

25. Und erkannte sie nicht, bis sie ihren ersten Sohn gebar, und hieß
seinen Namen JEsus.

Das 2. Kapitel

1. Da JEsus geboren war zu Bethlehem im jüdischen Lande, zur Zeit des
Königs Herodes; siehe, da kamen die Weisen vom Morgenland gen Jerusalem
und sprachen:

2. Wo ist der neugeborne König der Juden? Wir haben seinen Stern
gesehen im Morgenland und sind kommen, ihn anzubeten.

3. Da das der König Herodes hörete, erschrak er und mit ihm das ganze
Jerusalem.

4. Und ließ versammeln alle Hohenpriester und Schriftgelehrten unter
dem Volk und erforschete von ihnen, wo Christus sollte geboren werden.

5. Und sie sagten ihm: Zu Bethlehem im jüdischen Lande. Denn also
stehet geschrieben durch den Propheten:.

6. Und du Bethlehem im jüdischen Lande bist mitnichten die kleinste
unter den Fürsten Judas; denn aus dir soll mir kommen der Herzog, der
über mein Volk Israel ein HErr sei.

7. Da berief Herodes die Weisen heimlich und erlernete mit Fleiß von
ihnen, wann der Stern erschienen wäre,

8. und weisete sie gen Bethlehem und sprach: Ziehet hin und forschet
fleißig nach dem Kindlein; und wenn ihr's findet, so saget mir's
wieder, daß ich auch komme und es anbete.

9. Als sie nun den König gehört hatten, zogen sie hin. Und siehe, der
Stern, den sie im Morgenland gesehen hatten, ging vor ihnen hin, bis
daß er kam und stund oben über, da das Kindlein war.

10. Da sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut

11. und gingen in das Haus und fanden das Kindlein mit Maria, seiner
Mutter, und fielen nieder und beteten es an und taten ihre Schätze auf
und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhen.

12. Und GOtt befahl ihnen im Traum, daß sie sich nicht sollten wieder
zu Herodes lenken. Und zogen durch einen andern Weg wieder in ihr Land.

13. Da sie aber hinweggezogen waren, siehe, da erschien der Engel des
HErrn dem Joseph im Traum und sprach: Stehe auf und nimm das Kindlein
und seine Mutter zu dir und flieh nach Ägyptenland und bleibe allda,
bis ich dir sage; denn es ist vorhanden, daß Herodes das Kindlein
suche, dasselbe umzubringen.

14. Und er stund auf und nahm das Kindlein und seine Mutter zu sich
bei der Nacht und entwich nach Ägyptenland.

15. Und blieb allda bis nach dem Tod des Herodes, auf daß erfüllet
würde, das der HErr durch den Propheten gesagt hat, der da spricht: Aus
Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.

16. Da Herodes nun sah, daß er von den Weisen betrogen war, ward er
sehr zornig und schickte aus und ließ alle Kinder zu Bethlehem töten
und an ihren ganzen Grenzen, die da zweijährig und drunter waren, nach
der Zeit, die er mit Fleiß von den Weisen erlernet hatte.

17. Da ist erfüllet, was gesagt ist von dem Propheten Jeremia, der da
spricht:

18. Auf dem Gebirge hat man ein Geschrei gehöret, viel Klagens,
Weinens und Heulens; Rahel beweinete ihre Kinder und wollte sich nicht
trösten lassen denn es war aus mit ihnen.

19. Da aber Herodes gestorben war, siehe, da erschien der Engel des
HErrn Joseph im Traum in Ägyptenland

20. und sprach:. Stehe auf und nimm das Kindlein und seine Mutter zu
dir und zieh hin in das Land Israel; sie sind gestorben, die dem Kinde
nach dem Leben stunden.

21. Und er stund auf und nahm das Kindlein und seine Mutter zu sich
und kam in das Land Israel.

22. Da er aber hörete, daß Archelaus im jüdischen Lande König war
anstatt seines Vaters Herodes, fürchtete er sich, dahin zu kommen. Und
im Traum empfing er Befehl von GOtt und zog in die Örter des
galiläischen Landes

23. und kam und wohnete in der Stadt, die da heißt Nazareth, auf daß
erfüllet würde, was da gesagt ist durch die Propheten: Er soll
Nazarenus heißen.

Das 3. Kapitel

1. Zu der Zeit kam Johannes der Täufer und predigte in der Wüste des
jüdischen Landes

2. und sprach: Tut Buße; das Himmelreich ist nahe herbeikommen!

3. Und er ist der, von dem der Prophet Jesaja gesagt hat und
gesprochen: Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Bereitet
dem HErrn den Weg und machet richtig seine Steige!

4. Er aber, Johannes, hatte ein Kleid von Kamelhaaren und einen
ledernen Gürtel um seine Lenden; seine Speise aber war Heuschrecken und
wilder Honig.

5. Da ging zu ihm hinaus die Stadt Jerusalem und das ganze jüdische
Land und alle Länder an dem Jordan

6. und ließen sich taufen von ihm im Jordan und bekannten ihre Sünden.

7. Da er nun viel Pharisäer und Sadduzäer sah zu seiner Taufe kommen,
sprach er zu ihnen: Ihr Otterngezüchte, wer hat denn euch geweiset, daß
ihr dem künftigen Zorn entrinnen werdet?

8. Sehet zu, tut rechtschaffene Früchte der Buße!

9. Denket nur nicht, daß ihr bei euch wollt sagen: Wir haben Abraham
zum Vater. Ich sage euch: GOtt vermag dem Abraham aus diesen Steinen
Kinder zu erwecken.

10. Es ist schon die Axt den Bäumen an die Wurzel gelegt. Darum,
welcher Baum nicht gute Früchte bringet, wird abgehauen und ins Feuer
geworfen.

11. Ich taufe euch mit Wasser zur Buße; der aber nach mir kommt, ist
stärker denn ich, dem ich auch nicht genugsam bin, seine Schuhe zu
tragen; der wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.

12. Und er hat seine Worfschaufel in der Hand; er wird seine Tenne
fegen und den Weizen in seine Scheune sammeln; aber die Spreu wird er
verbrennen mit ewigem Feuer

13. Zu der Zeit kam JEsus aus Galiläa an den Jordan zu Johannes, daß
er sich von ihm taufen ließe.

14. Aber Johannes wehrete ihm und sprach: Ich bedarf wohl, daß ich von
dir getauft werde, und du kommest zu mir?

15. JEsus aber antwortete und sprach zu ihm: Laß jetzt also sein; also
gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen. Da ließ er's ihm zu.

16. Und da JEsus getauft war, stieg er bald herauf aus dem Wasser; und
siehe, da tat sich der Himmel auf über ihm. Und Johannes sah den Geist
GOttes gleich als eine Taube herabfahren und über ihn kommen.

17. Und siehe, eine Stimme vom Himmel herab sprach: Dies ist mein
lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe.

Das 4. Kapitel

1. Da ward JEsus vom Geist in die Wüste geführt, auf daß er von dem
Teufel versucht würde.

2. Und da er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte
ihn.

3. Und der Versucher trat zu ihm und sprach: Bist du GOttes Sohn, so
sprich, daß diese Steine Brot werden.

4. Und er antwortete und sprach: Es stehet geschrieben: Der Mensch
lebet nicht vom Brot alleine, sondern von einem jeglichen Wort, das
durch den Mund GOttes gehet.

5. Da führete ihn der Teufel mit sich in die heilige Stadt und
stellete ihn auf die Zinne des Tempels

6. und sprach zu ihm: Bist du GOttes Sohn, so laß dich hinab; denn es
stehet geschrieben: Er wird seinen Engeln über dir Befehl tun, und sie
werden dich auf den Händen tragen, auf daß du deinen Fuß nicht an einen
Stein stoßest.

7. Da sprach JEsus zu ihm: Wiederum stehet auch geschrieben: Du sollst
GOtt, deinen HErrn, nicht versuchen.

8. Wiederum führete ihn der Teufel mit sich auf einen sehr hohen Berg
und zeigete ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit

9. und sprach zu ihm: Das alles will ich dir geben, so du niederfällst
und mich anbetest.

10. Da sprach JEsus zu ihm: Heb' dich weg von mir, Satan! Denn es
stehet geschrieben: Du sollst anbeten GOtt, deinen HErrn, und ihm
allein dienen.

11. Da verließ ihn der Teufel; und siehe, da traten die Engel zu ihm
und dieneten ihm.

12. Da nun JEsus hörete, daß Johannes überantwortet war, zog er in das
galiläische Land.

13. und verließ die Stadt Nazareth, kam und wohnete zu Kapernaum, die
da liegt am Meer, an den Grenzen Zabulons und Nephthalims,

14. auf daß erfüllet würde, was da gesagt ist durch den Propheten
Jesaja, der da spricht:

15. Das Land Zabulon und das Land Nephtalim am Wege des Meers, jenseit
des Jordans, und das heidnische Galiläa,

16. das Volk, das in Finsternis saß, hat ein großes Licht gesehen, und
die da saßen am Ort und Schatten des Todes, denen ist ein Licht
aufgegangen.

17. Von der Zeit an fing JEsus an zu predigen und zu sagen: Tut Buße;
das Himmelreich ist nahe herbeikommen!

18. Als nun JEsus an dem Galiläischen Meer ging, sah er zween Brüder,
Simon, der da heißt Petrus, und Andreas, seinen Bruder, die warfen ihre
Netze ins Meer; denn sie waren Fischer.

19. Und er sprach zu ihnen: Folget mir nach; sich will euch zu
Menschenfischern machen.

20. Bald verließen sie ihre Netze und folgeten ihm nach.

21. Und da er von dannen fürbaß ging, sah er zween andere Brüder,
Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und Johannes, seinen Bruder, im Schiff,
mit ihrem Vater Zebedäus, daß sie ihre Netze flickten; und er rief sie.

22. Bald verließen sie das Schiff und ihren Vater und folgten ihm nach.

23. Und JEsus ging umher im ganzen galiläischen Lande, lehrete in
ihren Schulen und predigte das Evangelium von dem Reich und heilete
allerlei Seuche und Krankheit im Volk.

24. Und sein Gerücht erscholl in das ganze Syrienland. Und sie
brachten zu ihm allerlei Kranke, mit mancherlei Seuchen und Qual
behaftet, die Besessenen die Mondsüchtigen und die Gichtbrüchigen; und
er machte sie alle gesund.

25. Und es folgete ihm nach viel Volks aus Galiläa, aus den zehn
Städten, von Jerusalem, aus dem jüdischen Lande und von jenseit des
Jordans.

Das 5. Kapitel

1. Da er aber das Volk sah, ging er auf einen Berg und setzte sich,
und seine Jünger traten zu ihm.

2. Und er tat seinen Mund auf, lehrete sie und sprach:

3. Selig sind, die da geistlich arm sind; denn das Himmelreich ist ihr.

4. Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden.

5. Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen.

6. Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn
sie sollen satt werden.

7. Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.

8. Selig sind, die reines Herzens sind; denn sie werden GOtt schauen.

9. Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden GOttes Kinder heißen.

10. Selig sind, die um Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn das
Himmelreich ist ihr.

11. Selig seid ihr, wenn euch die Menschen um meinetwillen schmähen
und verfolgen und reden allerlei Übles wider euch, so sie daran lügen.

12. Seid fröhlich und getrost, es wird euch im Himmel wohl belohnt
werden! Denn also haben sie verfolget die Propheten, die vor euch
gewesen sind.

13. ihr seid das Salz der Erde. Wo nun das Salz dumm wird, womit soll
man salzen? Es ist zu nichts hinfort nütze, denn daß man es
hinausschütte und lasse es die Leute zertreten.

14. Ihr seid das Licht der Welt. Es mag die Stadt, die auf einem Berge
liegt, nicht verborgen sein.

15. Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen
Scheffel, sondern auf einen Leuchter, so leuchtet es denen allen, die
im Hause sind.

16. Also lasset euer Licht leuchten vor den Leuten, daß sie eure guten
Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.

17. Ihr sollt nicht wähnen, daß ich kommen bin, das Gesetz oder die
Propheten aufzulösen. Ich bin nicht kommen aufzulösen, sondern zu
erfüllen.

18. Denn ich sage euch: Wahrlich, bis daß Himmel und Erde vergehe,
wird nicht vergehen der kleinste Buchstabe noch ein Tüttel vom Gesetz,
bis daß es alles geschehe.

19. Wer nun eins von diesen kleinsten Geboten auflöset und lehret die
Leute also, der wird der Kleinste heißen im Himmelreich; wer es aber
tut und lehret, der wird groß heißen im Himmelreich.

20. Denn ich sage euch: Es sei denn eure Gerechtigkeit besser denn der
Schriftgelehrten und Pharisäer, so werdet ihr nicht in das Himmelreich
kommen.

21. Ihr habt gehöret, daß zu den Alten gesagt ist: Du sollst nicht
töten; wer aber tötet, der soll des Gerichts schuldig sein.

22. Ich aber sage euch: Wer mit seinem Bruder zürnet, der ist des
Gerichts schuldig; wer aber zu seinem Bruder sagt: Racha! der ist des
Rats schuldig; wer aber sagt: Du Narr! der ist des höllischen Feuers
schuldig.

23. Darum wenn du deine Gabe auf dem Altar opferst und wirst allda
eindenken, daß dein Bruder etwas wider dich habe,

24. so laß allda vor dem Altar deine Gabe und gehe zuvor hin und
versöhne dich mit deinem Bruder und alsdann komm und opfere deine Gabe.

25. Sei willfertig deinem Widersacher bald, dieweil du noch bei ihm
auf dem Wege bist, auf daß dich der Widersacher nicht dermaleinst
überantworte dem Richter, und der Richter überantworte dich dem Diener,
und werdest in den Kerker geworfen.

26. Ich sage dir: Wahrlich, du wirst nicht von dannen herauskommen,
bis du auch den letzten Heller bezahlest.

27. Ihr habt gehöret, daß zu den Alten gesagt ist: Du sollst nicht
ehebrechen.

28. Ich aber sage euch: Wer ein Weib ansiehet, ihrer zu begehren, der
hat schon mit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen.

29. Ärgert dich aber dein rechtes Auge; so reiß es aus und wirf's von
dir. Es ist dir besser, daß eins deiner Glieder verderbe, und nicht der
ganze Leib in die Hölle geworfen werde.

30. Ärgert dich deine rechte Hand, so haue sie ab, und wirf sie von
dir. Es ist dir besser, daß eins deiner Glieder verderbe, und nicht der
ganze Leib in die Hölle geworfen werde.

31. Es ist auch gesagt: Wer sich von seinem Weibe scheidet, der soll
ihr geben einen Scheidebrief.

32. Ich aber sage euch: Wer sich von seinem Weibe scheidet (es sei
denn um Ehebruch), der macht, daß sie die Ehe bricht; und wer eine
Abgeschiedene freiet, der bricht die Ehe.

33. Ihr habt weiter gehört, daß zu den Alten gesagt ist: Du sollst
keinen falschen Eid tun und sollst GOtt deinen Eid halten.

34. Ich aber sage euch, daß ihr allerdinge nicht schwören sollt, weder
bei dem Himmel, denn er ist GOttes Stuhl;

35. noch bei der Erde, denn sie ist seiner Füße Schemel; noch bei
Jerusalem, denn sie ist eines großen Königs Stadt.

36. Auch sollst du nicht bei deinem Haupt schwören; denn du vermagst
nicht ein einiges Haar weiß oder schwarz zu machen.

37. Eure Rede aber sei: Ja, ja; nein, nein; was darüber ist, das ist
vom Übel.

38. Ihr habt gehört, daß da gesagt ist: Auge um Auge, Zahn um Zahn.

39. Ich aber sage euch, daß ihr nicht widerstreben sollt dem Übel,
sondern so dir jemand einen Streich gibt auf deinen rechten Backen, dem
biete den andern auch dar.

40. Und so jemand mit dir rechten will und deinen Rock nehmen, dem laß
auch den Mantel.

41. Und so dich jemand nötiget eine Meile, so gehe mit ihm zwo.

42. Gib dem, der dich bittet, und wende dich nicht von dem, der dir
abborgen will.

43. Ihr habt gehört, daß gesagt ist: Du sollst deinen Nächsten lieben
und deinen Feind hassen.

44. Ich aber sage euch: Liebet eure Feinde, segnet, die euch fluchen,
tut wohl denen, die euch hassen, bittet für die, so euch beleidigen und
verfolgen,

45. auf daß ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel Denn er läßt seine
Sonne aufgehen über die Bösen und über die Guten und lässet regnen über
Gerechte und Ungerechte.

46. Denn so ihr liebet, die euch lieben, was werdet ihr für Lohn
haben? Tun nicht dasselbe auch die Zöllner?

47. Und so ihr euch nur zu euren Brüdern freundlich tut, was tut ihr
Sonderliches? Tun nicht die Zöllner auch also?

48. Darum sollt ihr vollkommen sein, gleichwie euer Vater im Himmel
vollkommen ist.

Das 6. Kapitel

1. Habt acht auf eure Almosen, daß ihr die nicht gebet vor den Leuten,
daß ihr von ihnen gesehen werdet; ihr habt anders keinen Lohn bei eurem
Vater im Himmel.

2. Wenn du nun Almosen gibst, sollst du nicht lassen vor dir posaunen,
wie die Heuchler tun in den Schulen und auf den Gassen, auf daß sie von
den Leuten gepreiset werden. Wahrlich, ich sage euch, sie haben ihren
Lohn dahin.

3. Wenn du aber Almosen gibst, so laß deine linke Hand nicht wissen,
was die rechte tut,

4. auf daß dein Almosen verborgen, sei; und dein Vater, der in das
Verborgene siehet, wird dir's vergelten öffentlich.

5. Und wenn du betest, sollst du nicht sein wie die Heuchler, die da
gerne stehen und beten in den Schulen und an den Ecken auf den Gassen,
auf daß sie von den Leuten gesehen werden. Wahrlich, ich sage euch, sie
haben ihren Lohn dahin.

6. Wenn du aber betest, so gehe in dein Kämmerlein und schließe die
Tür zu und bete zu deinem Vater im Verborgenen; und dein Vater, der in
das Verborgene siehet, wird dir's vergelten öffentlich.

7. Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden;
denn sie meinen, sie werden erhöret, wenn sie viel Worte machen.

8. Darum sollt ihr euch ihnen nicht gleichen. Euer Vater weiß, was ihr
bedürfet, ehe denn ihr ihn bittet.

9. Darum sollt ihr also beten: Unser Vater in dem Himmel! Dein Name
werde geheiliget.

10. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe auf Erden wie im Himmel.

11. Unser täglich Brot gib uns heute.

12. Und vergib uns unsere Schulden, wie wir unsern Schuldigern vergeben.

13. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem
Übel. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in
Ewigkeit. Amen.

14. Denn so ihr den Menschen ihre Fehle vergebet, so wird euch euer
himmlischer Vater auch vergeben.

15. Wo ihr aber den Menschen ihre Fehle nicht vergebet, so wird euch
euer Vater eure Fehle auch nicht vergeben.

16. Wenn ihr fastet, sollt' ihr nicht sauer sehen wie die Heuchler;
denn sie verstellen ihre Angesichte, auf daß sie vor den Leuten
scheinen mit ihrem Fasten. Wahrlich, ich sage euch, sie haben ihren
Lohn dahin.

17. Wenn du aber fastest, so salbe dein Haupt und wasche dein Angesicht,

18. auf daß du nicht scheinest vor den Leuten mit deinem Fasten,
sondern vor deinem Vater, welcher verborgen ist; und dein Vater, der in
das Verborgene siehet, wird dir's Vergelten öffentlich.

19. Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, da sie die Motten
und der Rost fressen, und da die Diebe nach graben und stehlen.

20. Sammelt euch aber Schätze im Himmel, da sie weder Motten noch Rost
fressen, und da die Diebe nicht nach graben noch stehlen.

21. Denn wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz.

22. Das Auge ist des Leibes Licht. Wenn dein Auge einfältig ist, so
wird dein ganzer Leib licht sein.

23. Wenn aber dein Auge ein Schalk ist, so wird dein ganzer Leib
finster sein. Wenn aber das Licht, das in dir ist, Finsternis ist, wie
groß wird dann die Finsternis selber sein!

24. Niemand kann zweien Herren dienen. Entweder er wird einen hassen
und den andern lieben, oder wird einem anhangen und den andern
verachten. Ihr könnt nicht GOtt dienen und dem Mammon.

25. Darum sage ich euch: Sorget nicht für euer Leben, was ihr essen
und trinken werdet, auch nicht für euren Leib, was ihr anziehen werdet.
Ist nicht das Leben mehr denn die Speise und der Leib mehr denn die
Kleidung?

26. Sehet die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten
nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater
nähret sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr denn sie?

27. Wer ist unter euch, der seiner Länge eine Eile zusetzen möge, ob
er gleich darum sorget?

28. Und warum sorget ihr für die Kleidung? Schauet die Lilien auf dem
Felde, wie sie wachsen! Sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht.

29. Ich sage euch, daß auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht
bekleidet gewesen ist als derselbigen eins.

30. So denn GOtt das Gras auf dem Felde also kleidet, das doch heute
stehet und morgen in den Ofen geworfen wird, sollte er das nicht viel
mehr euch tun, o ihr Kleingläubigen?

31. Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen, was
werden wir trinken, womit werden wir uns kleiden?

32. Nach solchem allem trachten die Heiden. Denn euer himmlischer
Vater weiß, daß ihr des alles bedürfet.

33. Trachtet am ersten nach dem Reich GOttes und nach seiner
Gerechtigkeit, so wird euch solches alles zufallen.

34. Darum sorget nicht für den andern Morgen; denn der morgende Tag
wird für das Seine sorgen. Es ist genug, daß ein jeglicher Tag seine
eigene Plage habe.

Das 7. Kapitel

1. Richtet nicht, auf daß ihr nicht gerichtet werdet!

2. Denn mit welcherlei Gerichte ihr richtet, werdet ihr gerichtet
werden, und mit welcherlei Maß ihr messet, wird euch gemessen werden.

3. Was siehest du aber den Splitter in deines Bruders Auge und wirst
nicht gewahr des Balkens in deinem Auge?

4. Oder wie darfst du sagen zu deinem Bruder: Halt, ich will dir den
Splitter aus deinem Auge ziehen! und siehe, ein Balken ist in deinem
Auge?

5. Du Heuchler, zieh am ersten den Balken aus deinem Auge; danach
besiehe, wie du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehest!

6. Ihr sollt das Heiligtum nicht den Hunden geben und eure Perlen
sollt ihr nicht vor die Säue werfen, auf daß sie dieselbigen nicht
zertreten mit ihren Füßen und sich wenden und euch zerreißen.

7. Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet
an, so wird euch aufgetan.

8. Denn wer da bittet, der empfängt, und wer da suchet, der findet,
und wer da anklopft, dem wird aufgetan.

9. Welcher ist unter euch Menschen, so ihn sein Sohn bittet ums Brot,
der ihm einen Stein biete?

10. Oder so er ihn bittet um einen Fisch, der ihm eine Schlange biete?

11. So denn ihr, die ihr doch arg seid, könnt dennoch euren
Kindern gute Gaben geben, wieviel mehr wird euer Vater im Himmel Gutes
geben denen, die ihn bitten!

12. Alles nun, was ihr wollet, daß euch die Leute tun sollen, das tut
ihr ihnen; das ist das Gesetz und die Propheten.

13. Gehet ein durch die enge Pforte! Denn die Pforte ist weit, und der
Weg ist breit, der zur Verdammnis abführet; und ihrer sind viel, die
darauf wandeln.

14. Und die Pforte ist enge, und der Weg ist schmal, der zum Leben
führet; und wenig ist ihrer, die ihn finden.

15. Sehet euch vor vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern
zu euch kommen! Inwendig aber sind sie reißende Wölfe.

16. An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Kann man auch Trauben
lesen von den Dornen oder Feigen von den Disteln?

17. Also ein jeglicher guter Baum bringet gute Früchte; aber ein
fauler Baum bringet arge Früchte.

18. Ein guter Baum kann nicht arge Früchte bringen, und ein fauler
Baum kann nicht gute Früchte bringen.

19. Ein jeglicher Baum, der nicht gute Früchte bringet, wird abgehauen
und ins Feuer geworfen.

20. Darum an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.

21. Es werden nicht alle, die zu mir sagen: HErr, HErr! in das
Himmelreich kommen, sondern die den Willen tun meines Vaters im Himmel

22. Es werden viele zu mir sagen an jenem Tage: HErr, HErr, haben wir
nicht in deinem Namen geweissaget, haben wir nicht in deinem Namen
Teufel ausgetrieben, haben wir nicht in Namen viel Taten getan?

23. Dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch noch nie erkannt;
weichet alle von mir, ihr Übeltäter!

24. Darum wer diese meine Rede höret und tut sie, den vergleiche ich
einem klugen Mann, der sein Haus auf einen Felsen bauete.

25. Da nun ein Platzregen fiel, und ein Gewässer kam, und weheten die
Winde und stießen an das Haus, fiel es doch nicht; denn es war auf
einen Felsen gegründet.

26. Und wer diese meine Rede höret und tut sie nicht, der ist einem
törichten Mann gleich, der sein Haus auf den Sand bauete.

27. Da nun ein Platzregen fiel, und kam ein Gewässer, und weheten die
Winde und stießen an das Haus, da fiel es und tat einen großen Fall.

28. Und es begab sich, da Jesus diese Rede vollendet hatte, entsetzte
sich das Volk über seine Lehre.29. Denn er predigte gewaltig und nicht
wie die Schriftgelehrten.

Das 8. Kapitel

1. Da er aber vom Berge herabging, folgete ihm viel Volks nach.

2. Und siehe, ein Aussätziger kam und betete ihn an und sprach: HErr,
so du willst, kannst du mich wohl reinigen.

3. Und JEsus streckte seine Hand aus, rührete ihn an und sprach: Ich
will's tun; sei gereiniget! Und alsbald ward er von seinem Aussatz rein.

4. Und JEsus sprach zu ihm: Siehe zu, sag's niemand, sondern gehe hin
und zeige dich dem Priester und opfere die Gabe, die Mose befohlen hat,
zu einem Zeugnis über sie.

5. Da aber JEsus einging zu Kapernaum, trat ein Hauptmann zu ihm, der
bat ihn

6. und sprach: HErr, mein Knecht liegt zu Hause und ist gichtbrüchig
und hat große Qual.

7. JEsus sprach zu ihm: Ich will kommen und ihn gesund machen.

8. Der Hauptmann antwortete und sprach: HErr, ich bin nicht wert, daß
du unter mein Dach gehest, sondern sprich nur ein Wort, so wird mein
Knecht gesund.

9. Denn ich bin ein Mensch, dazu der Obrigkeit untertan, und habe
unter mir Kriegsknechte; noch wenn ich sage zu einem: Gehe hin! so
gehet er, und zum andern: Komm her! so kommt er, und zu meinem Knecht:
Tue das! so tut er's.

10. Da das JEsus hörete, verwunderte er sich und sprach zu denen, die
ihm nachfolgeten: Wahrlich, ich sage euch, solchen Glauben habe ich in
Israel nicht funden.

11. Aber ich sage euch: Viele werden kommen vom Morgen und vom Abend
und mit Abraham und Isaak und Jakob im Himmelreich sitzen.

12. Aber die Kinder des Reichs werden ausgestoßen in die äußerste
Finsternis hinaus, da wird sein Heulen und Zähneklappen.

13. Und JEsus sprach zu dem Hauptmann: Gehe hin; dir geschehe, wie du
geglaubt hast! Und sein Knecht ward gesund zu derselbigen Stunde.

14. Und JEsus kam in des Petrus Haus und sah, daß seine Schwieger lag
und hatte das Fieber.

15. Da griff er ihre Hand an, und das Fieber verließ sie. Und sie
stund auf und dienete ihnen.

16. Am Abend aber brachten sie viel Besessene zu ihm; und er trieb die
Geister aus mit Worten und machte allerlei Kranke gesund,

17. auf daß erfüllet würde, was gesagt ist durch den Propheten Jesaja,
der da spricht: Er hat unsere Schwachheit auf sich, genommen und unsere
Seuche hat er getragen.

18. Und da JEsus viel Volks um sich sah, hieß er hinüber jenseit des
Meeres fahren.

19. Und es trat zu ihm ein Schriftgelehrter, der sprach zu ihm:
Meister, ich will dir folgen, wo du hingehest.

20. JEsus sagte zu ihm: Die Füchse haben Gruben, und die Vögel unter
dem Himmel haben Nester; aber des Menschen Sohn hat nicht, da er sein
Haupt hinlege.

21. Und ein anderer unter seinen Jüngern sprach zu ihm: HErr, erlaube
mir, daß ich hingehe und zuvor meinen Vater begrabe.

22. Aber JEsus sprach zu ihm: Folge du mir und laß die Toten ihre
Toten begraben!

23. Und er trat in das Schiff, und seine Jünger folgeten ihm.

24. Und siehe, da erhub sich ein groß Ungestüm im Meer, also daß auch
das Schifflein mit Wellen bedeckt ward; und er schlief.

25. Und die Jünger traten zu ihm und weckten ihn auf und sprachen:
HERR, hilf uns, wir verderben!

26. Da sagte er zu ihnen: Ihr Kleingläubigen, warum seid ihr so
furchtsam? Und stund auf und bedräuete den Wind und das Meer; da ward
es ganz stille.

27. Die Menschen aber verwunderten sich und sprachen: Was ist das für
ein Mann, daß ihm Wind und Meer gehorsam ist?

28. Und er kam jenseit des Meeres in die Gegend der Gergesener. Da
liefen ihm entgegen zween Besessene, die kamen aus den Totengräbern und
waren sehr grimmig, also daß niemand dieselbige Straße wandeln konnte.

29. Und siehe, sie schrieen und sprachen: Ach JESU, du Sohn GOTTES,
was haben wir mit dir zu tun? Bist du herkommen, uns zu quälen, ehe
denn es Zeit ist?

30. Es war aber ferne von ihnen eine große Herde Säue an der Weide.

31. Da baten ihn die Teufel und sprachen: Willst du uns austreiben, so
erlaube uns, in die Herde Säue zu fahren.

32. Und er sprach: Fahret hin! Da fuhren sie aus und fuhren in die
Herde Säue. Und siehe, die ganze Herde Säue stürzete sich mit einem
Sturm ins Meer und ersoffen im Wasser.

33. Und die Hirten flohen und gingen hin in die Stadt und sagten das
alles, und wie es mit den Besessenen ergangen war.

34. Und siehe, da ging die ganze Stadt heraus JESU entgegen. Und da
sie ihn sahen, baten sie ihn, daß er von ihrer Grenze weichen wollte.

Das 9. Kapitel

1. Da trat er in das Schiff und fuhr wieder herüber und kam in seine
Stadt.

2. Und siehe, da brachten sie zu ihm einen Gichtbrüchigen, der lag auf
einem Bette. Da nun JEsus ihren Glauben sah, sprach er zu dem
Gichtbrüchigen: Sei getrost, mein Sohn; deine Sünden sind dir vergeben.

3. Und siehe, etliche unter den Schriftgelehrten sprachen bei sich
selbst: Dieser lästert GOtt.

4. Da aber JEsus ihre Gedanken sah, sprach er: Warum denket ihr so
Arges in euren Herzen?

5. Welches ist leichter zu sagen: Dir sind deine Sünden vergeben, oder
zu sagen: Stehe auf und wandele?

6. Auf daß ihr aber wisset, daß des Menschen Sohn Macht habe auf
Erden, die Sünden zu vergeben, sprach er zu dem Gichtbrüchigen: Stehe
auf, heb' dein Bett auf und gehe heim!

7. Und er stund auf und ging heim.

8. Da das Volk das sah, verwunderte es sich und preisete GOtt, der
solche Macht den Menschen gegeben hat.

9. Und da JEsus von dannen ging, sah er einen Menschen am Zoll sitzen,
der hieß Matthäus, und sprach zu ihm: Folge mir! Und er stund auf und
folgete ihm.

10. Und es begab sich, da er zu Tische saß im Hause, siehe, da kamen
viel Zöllner und Sünder und saßen zu Tische mit JEsu und seinen Jüngern.

11. Da das die Pharisäer sahen, sprachen sie zu seinen Jüngern: Warum
isset euer Meister mit den Zöllnern und Sündern?

12. Da das JEsus hörete, sprach er zu ihnen: Die Starken bedürfen des
Arztes nicht, sondern die Kranken.

13. Gehet aber hin und lernet, was das sei: Ich habe Wohlgefallen an
Barmherzigkeit und nicht am Opfer. Ich bin kommen, die Sünder zur Buße
zu rufen und nicht die Frommen.

14. Indes kamen die Jünger Johannes zu ihm und sprachen: Warum fasten
wir und die Pharisäer so viel, und deine Jünger fasten nicht?

15. JEsus sprach zu ihnen: Wie können die Hochzeitleute Leid tragen,
solange der Bräutigam bei ihnen ist? Es wird aber die Zeit kommen, daß
der Bräutigam von ihnen genommen wird; alsdann werden sie fasten.

16. Niemand flickt ein alt Kleid mit einem Lappen von neuem Tuch; denn
der Lappen reißet doch wieder vom Kleid, und der Riß wird ärger.

17. Man fasset auch nicht Most in alte Schläuche; anders die Schläuche
zerreißen, und der Most wird verschüttet, und die Schläuche kommen um.
Sondern man fasset Most in neue Schläuche, so werden sie beide
miteinander behalten.

18. Da er solches mit ihnen redete, siehe, da kam der Obersten einer
und fiel vor ihm nieder und sprach: HErr, meine Tochter ist jetzt
gestorben; aber komm und lege deine Hand auf sie, so wird sie lebendig.

19. Und JEsus stund auf und folgete ihm nach und seine Jünger.

20. Und siehe, ein Weib, das zwölf Jahre den Blutgang gehabt, trat von
hinten zu ihm und rührete seines Kleides Saum an.

21. Denn sie sprach bei sich selbst: Möcht' ich nur sein Kleid
anrühren, so würde ich gesund.

22. Da wandte sich JEsus um und sah sie und sprach: Sei getrost, meine
Tochter; dein Glaube hat dir geholfen. Und das Weib ward gesund zu
derselbigen Stunde.

23. Und als er in des Obersten Haus kam und sah die Pfeifer und das
Getümmel des Volks,

24. sprach er zu ihnen: Weichet! denn das Mägdlein ist nicht tot,
sondern es schläft. Und sie verlachten ihn.

25. Als aber das Volk ausgetrieben war, ging er hinein und ergriff sie
bei der Hand. Da stund das Mägdlein auf.

26. Und dies Gerücht erscholl in dasselbige ganze Land.

27. Und da JEsus von dannen fürbaß ging, folgeten ihm zween Blinde
nach, die schrieen und sprachen: Ach, du Sohn Davids, erbarme dich unser!

28. Und da er heimkam, traten die Blinden zu ihm. Und JEsus sprach zu
ihnen: Glaubet ihr, daß ich euch solches tun kann? Da sprachen sie zu
ihm: HErr, ja.

29. Da rührete er ihre Augen an und sprach: Euch geschehe nach eurem
Glauben.

30. Und ihre Augen wurden geöffnet. Und JEsus bedräuete sie und
sprach: Sehet zu, daß es niemand erfahre!

31. Aber sie gingen aus und machten ihn ruchbar im selbigen ganzen
Lande.

32. Da nun diese waren hinauskommen, siehe, da brachten sie zu ihm
einen Menschen, der war stumm und besessen.

33. Und da der Teufel war ausgetrieben, redete der Stumme. Und das
Volk verwunderte sich und sprach: Solches ist noch nie in Israel
gesehen worden.

34. Aber die Pharisäer sprachen: Er treibt die Teufel aus durch der
Teufel Obersten.

35. Und JEsus ging umher in alle Städte und Märkte, lehrete in ihren
Schulen und predigte das Evangelium von dem Reich und heilete allerlei
Seuche und allerlei Krankheit im Volke.

36. Und da er das Volk sah, jammerte ihn desselbigen; denn sie waren
verschmachtet und zerstreuet wie die Schafe, die keinen Hirten haben.

37. Da sprach er zu seinen Jüngern: Die Ernte ist groß; aber wenig
sind der Arbeiter.

38. Darum bittet den HErrn der Ernte, daß er Arbeiter in seine Ernte
sende!

Das 10. Kapitel

1. Und er rief seine zwölf Jünger zu sich und gab ihnen Macht über die
unsauber Geister, daß sie dieselbigen austrieben und heileten allerlei
Seuche und allerlei Krankheit.

2. Die Namen aber der zwölf Apostel sind diese: Der erste Simon,
genannt Petrus, und Andreas, sein Bruder; Jakobus, des Zebedäus Sohn,
und Johannes, sein Bruder;

3. Philippus und Bartholomäus; Thomas und Matthäus, der Zöllner;
Jakobus, des Alphäus Sohn; Lebbäus mit dem Zunamen Thaddäus;

4. Simon von Kana und Judas Ischariot, welcher ihn verriet.

5. Diese zwölf sandte JEsus, gebot ihnen und sprach: Gehet nicht auf
der Heiden Straße und ziehet nicht in der Samariter Städte,

6. sondern gehet hin zu den verloren Schafen aus dem Hause Israel.

7. Gehet aber und prediget und sprecht: Das Himmelreich ist nahe
herbeikommen.

8. Machet die Kranken gesund, reiniget die Aussätzigen, wecket die
Toten auf, treibet die Teufel aus! Umsonst habt ihr's empfangen,
umsonst gebet es auch.

9. Ihr sollt nicht Gold noch Silber noch Erz in euren Gürteln haben,

10. auch keine Tasche zur Wegfährt, auch nicht zween Röcke, keine
Schuhe, auch keinen Stecken. Denn ein Arbeiter ist seiner Speise wert.

11. Wo ihr aber in eine Stadt oder Markt gehet, da erkundiget euch, ob
jemand darinnen sei, der es wert ist; und bei demselben bleibet, bis
ihr von dannen ziehet.

12. Wo ihr aber in ein Haus gehet, so grüßet dasselbige.

13. Und so es dasselbige Haus wert ist, wird euer Friede auf sie
kommen. Ist es aber nicht wert, so wird sich euer Friede wieder zu euch
wenden.

14. Und wo euch jemand nicht annehmen wird noch eure Rede hören, so
gehet heraus von demselbigen Hause oder Stadt und schüttelt den Staub
von euren Füßen.

15. Wahrlich, ich sage euch, dem Lande der Sodomer und Gomorrer wird
es erträglicher ergehen am Jüngsten Gericht denn solcher Stadt.

16. Siehe, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe; darum
seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben!

17. Hütet euch aber vor den Menschen! Denn sie werden euch
überantworten vor ihre Rathäuser und werden euch geißeln in ihren
Schulen.

18. Und man wird euch vor Fürsten und Könige führen um meinetwillen
zum Zeugnis über sie und über die Heiden.

19. Wenn sie euch nun überantworten werden, so sorget nicht, wie oder
was ihr reden sollt; denn es soll euch zu der Stunde gegeben werden,
was ihr reden sollt.

20. Denn ihr seid es nicht, die da reden, sondern eures Vaters Geist
ist es, der durch euch redet.

21. Es wird aber ein Bruder den andern zum Tod überantworten und der
Vater den Sohn, und die Kinder werden sich empören wider ihre Eltern
und ihnen zum Tode helfen.

22. Und müsset gehasset werden von jedermann um meines Namens willen.
Wer aber bis an das Ende beharret, der wird selig.

23. Wenn sie euch aber in einer Stadt verfolgen, so fliehet in eine
andere. Wahrlich, ich sage euch, ihr werdet die Städte Israels nicht
ausrichten, bis des Menschen Sohn kommt.

24. Der Jünger ist nicht über seinen Meister noch der Knecht über den
Herrn.

25. Es ist dem Jünger genug, daß er sei wie sein Meister und der
Knecht wie sein Herr. Haben sie den Hausvater Beelzebub geheißen,
wieviel mehr werden sie seine Hausgenossen also heißen!

26. Darum fürchtet euch nicht vor ihnen! Es ist nichts verborgen, das
nicht offenbar werde, und ist nichts heimlich, das man nicht wissen
werde.

27. Was ich euch sage in Finsternis, das redet im Licht, und was ihr
höret in das Ohr, das prediget auf den Dächern.

28. Und fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten und die
Seele nicht mögen töten. Fürchtet euch aber vielmehr vor dem, der Leib
und Seele verderben mag in die Hölle.

29. Kauft man nicht zween Sperlinge um einen Pfennig? Noch fällt
derselbigen keiner auf die Erde ohne euren Vater.

30. Nun aber sind auch eure Haare auf dem Haupt alle gezählet.

31. Darum fürchtet euch nicht; ihr seid besser denn viele Sperlinge.

32. Darum, wer mich bekennet vor den Menschen, den will ich bekennen
vor meinem himmlischen Vater.

33. Wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den will ich auch
verleugnen vor meinem himmlischen Vater.

34. Ihr sollt nicht wähnen, daß ich kommen sei, Frieden zu senden auf
Erden. Ich bin nicht kommen, Frieden zu senden, sondern das Schwert.

35. Denn ich bin kommen, den Menschen zu erregen wider seinen Vater
und die Tochter wider ihre Mutter und die Schnur wider ihre Schwieger.

36. Und des Menschen Feinde werden seine eigenen Hausgenossen sein.

37. Wer Vater oder Mutter mehr liebet denn mich, der ist mein nicht
wert; und wer Sohn oder Tochter mehr liebt denn mich, der ist mein
nicht wert.

38. Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und folget mir nach, der
ist mein nicht wert.

39. Wer 'sein Leben findet, der wird's verlieren; und wer sein Leben
verlieret um meinetwillen, der wird's finden.

40. Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf; und wer mich aufnimmt, der
nimmt den auf, der mich gesandt hat.

41. Wer einen Propheten aufnimmt in eines Propheten Namen, der wird
eines Propheten Lohn empfahen. Wer einen Gerechten aufnimmt in eines
Gerechten Namen, der wird eines Gerechten Lohn empfahen.

42. Und wer dieser Geringsten einen nur mit einem Becher kalten
Wassers tränket in eines Jüngers Namen, wahrlich, ich sage euch, es
wird ihm nicht unbelohnet bleiben!

Das 11. Kapitel

1. Und es begab sich, da JEsus solch Gebot zu seinen zwölf Jüngern
vollendet hatte, ging er von dannen fürbaß, zu lehren und zu predigen
in ihren Städten.

2. Da aber Johannes im Gefängnis die Werke Christi hörete, sandte er
seiner Jünger zween.

3. und ließ ihm sagen: Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir
eines andern warten?

4. JEsus antwortete und sprach zu ihnen: Gehet hin und saget Johannes
wieder, was ihr sehet und höret:

5. Die Blinden sehen, und die Lahmen gehen; die Aussätzigen werden
rein, und die Tauben hören; die Toten stehen auf, und den Armen wird
das Evangelium geprediget;

6. und selig ist, der sich nicht an mir ärgert.

7. Da die hingingen, fing JEsus an zu reden zu dem Volk von Johannes:
Was seid ihr hinausgegangen in die Wüste zu sehen? Wolltet ihr ein Rohr
sehen, das der Wind hin und her webt?

8. Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Wolltet ihr einen
Menschen in weichen Kleidern sehen? Siehe, die da weiche Kleider
tragen, sind in der Könige Häusern.

9. Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Wolltet ihr einen
Propheten sehen? Ja, ich sage euch, der auch mehr ist denn ein Prophet.

10. Denn dieser ist's, von dem geschrieben stehet: Siehe, ich sende
meinen Engel vor dir her, der deinen Weg vor dir bereiten soll.

11. Wahrlich, ich sage euch, unter allen, die von Weihern geboren
sind, ist nicht aufkommen, der größer sei denn Johannes der Täufer; der
aber der Kleinste ist im Himmelreich, ist größer denn er.

12. Aber von den Tagen Johannes des Täufers bis hieher leidet das
Himmelreich Gewalt, und die Gewalt tun, die reißen es zu sich.

13. Denn alle Propheten und das Gesetz haben geweissaget bis auf
Johannes.

14. Und (so ihr's wollt annehmen) er ist Elias, der da soll zukünftig
sein.

15. Wer Ohren hat zu hören, der höre!

16. Wem soll ich aber dies Geschlecht vergleichen? Es ist den Kindlein
gleich, die an dem Markt sitzen und rufen gegen ihre Gesellen

17. und sprechen: Wir haben euch gepfiffen, und ihr wolltet nicht
tanzen; wir haben euch geklaget, und ihr wolltet nicht weinen.

18. Johannes ist kommen, aß nicht und trank nicht; so sagen sie: Er
hat den Teufel.

19. Des: Menschen Sohn ist kommen, isset und trinket; so sagen sie:
Siehe, wie ist der Mensch ein Fresser und ein Weinsäufer, der Zöllner
und der Sünder Geselle! Und die Weisheit muß sich rechtfertigen lassen
von ihren Kindern.

20. Da fing er an die Städte zu schelten, in welchen am meisten seiner
Taten geschehen waren, und hatten sich doch nicht gebessert:

21. Wehe dir, Chorazin! Wehe dir, Bethsaida! Wären solche Taten zu
Tyrus und Sidon geschehen, wie bei euch geschehen sind, sie hätten
vorzeiten im Sack und in der Asche Buße getan.

22. Doch ich sage euch: Es wird Tyrus und Sidon erträglicher ergehen
am Jüngsten Gerichte denn euch.

23. Und du, Kapernaum, die du bist erhoben bis an den Himmel, du wirst
bis in die Hölle hinuntergestoßen werden. Denn so zu Sodom die Taten
geschehen wären, die bei dir geschehen sind, sie stünde noch
heutigestages.

24. Doch ich sage euch: Es wird der Sodomer Land erträglicher ergehen
am Jüngsten Gerichte denn dir.

25. Zu derselbigen Zeit antwortete JEsus und sprach: Ich preise dich,
Vater und HErr Himmels und der Erde, daß du solches den Weisen und
Klugen verborgen hast und hast es den Unmündigen offenbaret.

26. Ja, Vater, denn es ist also wohlgefällig gewesen vor dir.

27. Alle Dinge sind mir übergeben von meinem Vater. Und niemand kennet
den Sohn denn nur der Vater; und niemand kennet den Vater denn nur der
Sohn, und wem es der Sohn will offenbaren.

28. Kommet her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich
will euch erquicken!

29. Nehmet auf euch mein Joch und lernet von mir; denn ich bin
sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure
Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.

Das 12. Kapitel

1. Zu der Zeit ging JEsus durch die Saat am Sabbat; und seine Jünger
waren hungrig, fingen an, Ähren auszuraufen, und aßen.

2. Da das die Pharisäer sahen, sprachen sie zu ihm: Siehe, deine
Jünger tun, was sich nicht ziemt, am Sabbat zu tun.

3. Er aber sprach zu ihnen: Habt ihr nicht gelesen, was David tat, da
ihn und die mit ihm waren, hungerte,

4. wie er in das Gotteshaus ging und aß die Schaubrote, die ihm doch
nicht ziemten zu essen, noch denen, die mit ihm waren, sondern allein
den Priestern?

5. Oder habt ihr nicht gelesen im Gesetz, wie die Priester am Sabbat
im Tempel den Sabbat brechen und sind doch ohne Schuld?

6. Ich sage aber euch, daß hier der ist, der auch größer ist denn der
Tempel.

7. Wenn ihr aber wüßtet, was' das sei: Ich habe Wohlgefallen an der
Barmherzigkeit und nicht am Opfer, hättet ihr die Unschuldigen nicht
verdammt.

8. Des Menschen Sohn ist ein HErr auch über den Sabbat.

9. Und er ging von dannen fürbaß und kam in ihre Schule.

10. Und siehe, da war ein Mensch, der hatte eine verdorrete Hand. Und
sie fragten ihn und sprachen: Ist's auch recht am Sabbat heilen? auf
daß sie eine Sache wider ihn hätten.

11. Aber er sprach zu ihnen: Welcher ist unter euch, so er ein Schaf
hat, das ihm am Sabbat in eine Grube fällt, der es nicht ergreife und
aufhebe?

12. Wieviel besser ist nun ein Mensch denn ein Schaf! Darum mag man
wohl am Sabbat Gutes tun.

13. Da sprach er zu dem Menschen: Strecke deine Hand aus! Und er
streckte sie aus; und sie ward ihm wieder gesund gleichwie die andere.

14. Da gingen die Pharisäer hinaus und hielten einen Rat über ihn, wie
sie ihn umbrächten.

15. Aber da JEsus das erfuhr, wich er von dannen. Und ihm folgte viel
Volks nach, und er heilete sie alle.

16. und bedräuete sie, daß sie ihn nicht meldeten,

17. auf daß erfüllet würde, was gesagt ist durch den Propheten Jesaja,
der da spricht:

18. Siehe, das ist mein Knecht, den ich erwählet habe, und mein
Liebster, an dem meine Seele Wohlgefallen hat; ich will meinen Geist
auf ihn legen, und er soll den Heiden das Gericht verkündigen.

19. Er wird nicht zanken noch schreien, und man wird sein Geschrei
nicht hören auf den Gassen.

20. Das zerstoßene Rohr wird er nicht zerbrechen und den glimmenden
Docht wird er nicht auslöschen, bis daß er ausführe das Gericht zum Sieg.

21. Und die Heiden werden auf seinen Namen hoffen.

22. Da ward ein Besessener zu ihm gebracht, der war blind und stumm;
und er heilete ihn also, daß der Blinde und Stumme beides, redete und
sah.

23. Und alles Volk entsetzte sich und sprach: Ist dieser nicht Davids
Sohn?

24. Aber die Pharisäer, da sie es höreten, sprachen sie: Er treibet
die Teufel nicht anders aus als durch Beelzebub, der Teufel Obersten.

25. JEsus vernahm aber ihre Gedanken und sprach zu ihnen: Ein jeglich
Reich, so es mit sich selbst uneins wird, das wird wüste, und eine
jegliche Stadt oder Haus, so es mit sich selbst uneins wird, mag's
nicht bestehen.

26. So denn ein Satan den andern austreibt, so muß er mit sich selbst
uneins sein; wie mag denn sein Reich bestehen?

27. So ich aber die Teufel durch Beelzebub austreibe, durch wen
treiben sie eure Kinder aus? Darum werden sie eure Richter sein.

28. So ich aber die Teufel durch den Geist GOttes austreibe, so ist je
das Reich GOttes zu euch kommen. Oder wie kann jemand in eines Starken
Haus gehen und ihm seinen Hausrat rauben, es sei denn, daß er zuvor den
Starken binde und alsdann ihm sein Haus beraube?

30. Wer nicht mit mir ist, der ist wider mich, und wer nicht mit mir
sammelt, der zerstreuet.

31. Darum sage ich euch: Alle Sünde und Lästerung wird den Menschen
vergeben, aber die Lästerung wider den Geist wird den Menschen nicht
vergeben.

32. Und wer etwas redet wider des Menschen Sohn, dem wird es vergeben;
aber wer etwas redet wider den Heiligen Geist, dem wird's nicht
vergeben, weder in dieser noch in jener Welt.

33. Setzet entweder einen guten Baum, so wird die Frucht gut; oder
setzet einen faulen Baum, so wird die Frucht faul; denn an der Frucht
erkennet man den Baum.

34. Ihr Otterngezüchte, wie könnet ihr Gutes reden, dieweil ihr böse
seid? Wes das Herz voll ist, des gehet der Mund über.

35. Ein guter Mensch bringet Gutes hervor aus seinem guten Schatz des
Herzens, und ein böser Mensch bringet Böses hervor aus seinem bösen
Schatz.

36. Ich sage euch aber, daß die Menschen müssen Rechenschaft geben am
Jüngsten Gericht von einem jeglichen unnützen Wort, das sie geredet
haben.

37. Aus deinen Worten wirst du gerechtfertiget werden und aus deinen
Worten wirst du verdammt werden.

38. Da antworteten etliche unter den Schriftgelehrten und Pharisäern
und sprachen: Meister, wir wollten gerne ein Zeichen von dir sehen.

39. Und er antwortete und sprach zu ihnen: Die böse und
ehebrecherische Art sucht ein Zeichen, und es wird ihr kein Zeichen
gegeben werden denn das Zeichen des Propheten Jona.

40. Denn gleichwie Jona war drei Tage und drei Nächte in des
Walfisches Bauch, also wird des Menschen Sohn drei Tage und drei Nächte
mitten in der Erde sein.

41. Die Leute von Ninive werden auftreten am Jüngsten Gerichte mit
diesem Geschlechte und werden es verdammen; denn sie taten Buße nach
der Predigt des Jona. Und siehe, hier ist mehr denn Jona.

42. Die Königin von Mittag wird auftreten am Jüngsten Gerichte mit
diesem Geschlecht und wird es verdammen; denn sie kam vom Ende der
Erde, Salomos Weisheit zu hören. Und siehe, hier ist mehr denn Salomo.

43. Wenn der unsaubere Geist von dem Menschen ausgefahren ist, so
durchwandelt er dürre Stätten, suchet Ruhe und findet sie nicht.

44. Da spricht er denn: Ich will wieder umkehren in mein Haus, daraus
ich gegangen bin. Und wenn er kommt, so findet er's müßig, gekehret und
geschmückt.

45. So gehet er hin und nimmt zu sich sieben andere Geister, die ärger
sind denn er selbst; und wenn sie hineinkommen, wohnen sie allda, und
wird mit demselben Menschen hernach ärger, denn es vorhin war. Also
wird's auch diesem argen Geschlecht gehen.

46. Da er noch also zu dem Volk redete, siehe, da stunden seine Mutter
und seine Brüder draußen, die wollten mit ihm reden.

47. Da sprach einer zu ihm: Siehe, deine Mutter und deine Brüder
stehen draußen und wollen mit dir reden.

48. Er antwortete aber und sprach zu dem, der es ihm ansagte: Wer ist
meine Mutter, und wer sind meine Brüder?

49. Und reckte die Hand aus über seine Jünger und sprach: Siehe da,
das ist meine Mutter und meine Brüder.

50. Denn wer den Willen tut meines Vaters im Himmel, derselbige ist
mein Bruder, Schwester und Mutter.

Das 13. Kapitel

1. An demselbigen Tage ging JEsus aus dem Hause und setzte sich an das
Meer.

2. Und es versammelte sich viel Volks zu ihm, also daß er in das
Schiff trat und saß. Und alles Volk stund am Ufer.

3. Und er redete zu ihnen mancherlei durch Gleichnisse und sprach:
Siehe, es ging ein Sämann aus zu säen.

4. Und indem er säete, fiel etliches an den Weg; da kamen die Vögel
und fraßen's auf.

5. Etliches fiel in das Steinige; da es nicht viel Erde hatte, und
ging bald auf, darum daß es nicht tiefe Erde hatte.

6. Als aber die Sonne aufging, verwelkte es, und dieweil es nicht
Wurzel hatte, ward es dürr.

7. Etliches fiel unter die Dornen; und die Dornen wuchsen auf und
erstickten's.

8. Etliches fiel auf ein gut Land und trug Frucht, etliches
hundertfältig, etliches sechzigfältig, etliches dreißigfältig.

9. Wer Ohren hat zu hören, der höre!

10. Und die Jünger traten zu ihm und sprachen: Warum redest du zu
ihnen durch Gleichnisse?

11. Er antwortete und sprach: Euch ist's gegeben, daß ihr, das
Geheimnis des Himmelreichs vernehmet; diesen aber ist's nicht gegeben.

12. Denn wer da hat, dem wird gegeben, daß er die Fülle habe; wer aber
nicht hat, von dem wird auch genommen, was er hat.

13. Darum rede ich zu ihnen durch Gleichnisse. Denn mit sehenden Augen
sehen sie nicht und mit hörenden Ohren hören sie nicht; denn sie
verstehen es nicht.

14. Und über ihnen wird die Weissagung Jesajas erfüllet, die da sagt:
Mit den Ohren werdet ihr hören und werdet es nicht verstehen, und mit
sehenden Augen werdet ihr sehen und werdet es nicht vernehmen.

15. Denn dieses Volkes Herz ist verstockt, und ihre Ohren hören übel,
und ihre Augen schlummern, auf daß sie nicht dermaleinst mit den Augen
sehen und mit den Ohren hören und mit dem Herzen verstehen und sich
bekehren, daß ich ihnen hülfe.

16. Aber selig sind eure Augen, daß sie sehen, und eure Ohren, daß sie
hören.

17. Wahrlich, ich sage euch: Viel Propheten und Gerechte haben begehrt
zu sehen, was ihr sehet, und haben's nicht gesehen, und zu hören, was
ihr höret, und haben's nicht gehöret.

18. So höret nun ihr dieses Gleichnis von dem Sämann!

19. Wenn jemand das Wort von dem Reich höret und nicht verstehet, so
kommt der Arge und reißet es hin, was da gesäet ist in sein Herz; und
der ist's, der am Wege gesäet ist.

20. Der aber auf das Steinige gesäet ist, der ist's, wenn jemand das
Wort höret und dasselbige bald aufnimmt mit Freuden.

21. Aber er hat nicht Wurzel in ihm, sondern er ist wetterwendisch;
wenn sich Trübsal und Verfolgung erhebt um des Worts willen, so ärgert
er sich bald.

22. Der aber unter die Dornen gesäet ist, der ist's, wenn jemand das
Wort höret und die Sorge dieser Welt und Betrug des Reichtums erstickt
das Wort und bringet nicht Frucht.

23. Der aber in das gute Land gesäet ist, der ist's, wenn jemand das
Wort höret und verstehet es und dann auch Frucht bringet; und etlichen
trägt hundertfältig, etlicher aber sechzigfältig, etlicher dreißigfältig.

24. Er legte ihnen ein ander Gleichnis vor und sprach: Das Himmelreich
ist gleich einem Menschen, der guten Samen auf seinen Acker säete.

25. Da aber die Leute schliefen, kam sein Feind und säete Unkraut
zwischen den Weizen und ging davon.

26. Da nun das Kraut wuchs und Frucht brachte, da fand sich auch das
Unkraut.

27. Da traten die Knechte zu dem Hausvater und sprachen: Herr, hast du
nicht guten Samen auf deinen Acker gesäet? Woher hat er denn das Unkraut?

28. Er sprach zu ihnen: Das hat der Feind getan. Da sprachen die
Knechte: Willst du denn, daß wir hingehen und es ausjäten?

29. Er aber sprach: Nein, auf daß ihr nicht zugleich den Weizen mit
ausraufet, so ihr das Unkraut ausjätet.

30. Lasset beides miteinander wachsen bis zur Ernte; und um der Ernte
Zeit will ich zu den Schnittern sagen: Sammelt zuvor das Unkraut und
bindet es in Bündlein, daß man es verbrenne; aber den Weizen sammelt
mir in meine Scheuern.

31. Ein ander Gleichnis legte er ihnen vor und sprach: Das Himmelreich
ist gleich einem Senfkorn, das ein Mensch nahm und säete auf seinen
Acker,

32. welches das kleinste ist unter allem Samen; wenn es aber erwächst,
so ist es das größte unter dem Kohl und wird ein Baum, daß die Vögel
unter dem Himmel kommen und wohnen unter seinen Zweigen.

33. Ein ander Gleichnis redete er zu ihnen: Das Himmelreich ist einem
Sauerteig gleich, den ein Weib nahm und vermengete ihn unter drei
Scheffel Mehl, bis daß es gar durchsäuert ward.

34. Solches alles redete JEsus durch Gleichnisse zu dem Volk und ohne
Gleichnisse redete er nicht zu ihnen,

35. auf daß erfüllet würde, was gesagt ist durch den Propheten, der da
spricht: Ich will meinen Mund auftun in Gleichnissen und will
aussprechen die Heimlichkeiten von Anfang der Welt.

36. Da ließ JEsus das Volk von sich und kam heim. Und seine Jünger
traten zu ihm und sprachen: Deute uns dieses Gleichnis vom Unkraut auf
dem Acker!

37. Er antwortete und sprach zu ihnen: Des Menschen Sohn ist's, der da
guten Samen säet.

38. Der Acker ist die Welt. Der gute Same sind die Kinder des Reichs.
Das Unkraut sind die Kinder der Bosheit.

39. Der Feind, der sie säet, ist der Teufel. Die Ernte ist das Ende
der Welt. Die Schnitter sind die Engel.

40. Gleichwie man nun das Unkraut ausjätet und mit Feuer verbrennet,
so wird's auch am Ende dieser Welt gehen.

41. Des Menschen Sohn wird seine Engel senden, und sie werden sammeln
aus seinem Reich alle Ärgernisse und die da Unrecht tun,

42. und werden sie in den Feuerofen werfen; da wird sein Heulen und
Zähneklappen.

43. Dann werden die Gerechten leuchten wie die Sonne in ihres Vaters
Reich. Wer Ohren hat zu hören, der höre!

44. Abermal ist gleich das Himmelreich einem verborgenen Schatz im
Acker, welchen ein Mensch fand und verbarg ihn und ging hin vor Freuden
über denselbigen und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte den Acker.

45. Abermal ist gleich das Himmelreich einem Kaufmann, der gute Perlen
suchte.

46. Und da er eine köstliche Perle fand, ging er hin und verkaufte
alles, was er hatte, und kaufte dieselbige.

47. Abermal ist gleich das Himmelreich einem Netz, das ins Meer
geworfen ist, damit man allerlei Gattung fänget.

48. Wenn es aber voll ist, so ziehen sie es heraus an das Ufer, sitzen
und lesen die guten in ein Gefäß zusammen; aber die faulen werfen sie
weg.

49. Also wird es auch am Ende der Welt gehen. Die Engel werden
ausgehen und die Bösen von den Gerechten scheiden

50. und werden sie in den Feuerofen werfen; da wird Heulen und
Zähneklappen sein.

51. Und JEsus sprach zu ihnen: Habt ihr das alles verstanden? Sie
sprachen: Ja, HErr.

52. Da sprach er: Darum, ein jeglicher Schriftgelehrter, zum
Himmelreich gelehrt, ist gleich einem Hausvater, der aus seinem Schatz
Neues und Altes hervorträgt.

53. Und es begab sich da JEsus diese Gleichnisse vollendet hatte, ging
er von dannen

54. und kam in sein Vaterland und lehrete sie in ihren Schulen, also
auch, daß sie sich entsetzten und sprachen: Woher kommt diesem solche
Weisheit und Taten?

55. Ist er nicht eines Zimmermanns Sohn? Heißt nicht seine Mutter
Maria und seine Brüder Jakob und Joses und Simon und Judas?

56. Und seine Schwestern, sind sie nicht alle bei uns? Woher kommt ihm
denn das alles?

57. Und ärgerten sich an ihm. JEsus aber sprach zu ihnen: Ein Prophet
gilt nirgend weniger denn in seinem Vaterlande und in seinem Hause.

58. Und er tat daselbst nicht viel Zeichen um ihres Unglaubens willen.

Das 14. Kapitel

1. Zu der Zeit kam das Gerücht von JEsu vor den Vierfürsten Herodes.

2. Und er sprach zu seinen Knechten: Dieser ist Johannes der Täufer;
er ist von den Toten auferstanden, darum tut er solche Taten.

3. Denn Herodes hatte Johannes gegriffen, gebunden und in das
Gefängnis gelegt von wegen der Herodias, seines Bruders Philippus Weib.

4. Denn Johannes hatte zu ihm gesagt: Es ist nicht recht, daß du sie
habest.

5. Und er hätte ihn gerne getötet, fürchtete sich aber vor dem Volk;
denn sie hielten ihn für einen Propheten.

6. Da aber Herodes seinen Jahrestag beging, da tanzte die Tochter der
Herodias vor ihnen. Das gefiel Herodes wohl.

7. Darum verhieß er ihr mit einem Eide, er wollte ihr geben, was sie
fordern würde.

8. Und als sie zuvor von ihrer Mutter zugerichtet war, sprach sie: Gib
mir her auf einer Schüssel das Haupt Johannes des Täufers!

9. Und der König ward traurig; doch um des Eides willen und derer, die
mit ihm zu Tische saßen, befahl er's ihr zu geben.

10. Und schickte hin und enthauptete Johannes im Gefängnis.

11. Und sein Haupt ward hergetragen in einer Schüssel und dem Mägdlein
gegeben; und sie brachte es ihrer Mutter.

12. Da kamen seine Jünger und nahmen seinen Leib und begruben ihn und
kamen und verkündigten das JEsu.

13. Da das JEsus hörete, wich er von dannen auf einem Schiff in eine
Wüste allein. Und da das Volk das hörete, folgte es ihm nach zu Fuß aus
den Städten.

14. Und JEsus ging hervor und sah das große Volk; und es jammerte ihn
derselbigen und heilete ihre Kranken.

15. Am Abend aber traten seine Jünger zu ihm und sprachen: Dies ist
eine Wüste, und die Nacht fällt daher; laß das Volk von dir, daß sie
hin in die Märkte gehen und ihnen Speise kaufen.

16. Aber JEsus sprach zu ihnen: Es ist nicht not, daß sie hingehen;
gebt ihr ihnen zu essen!

17. Sie sprachen: Wir haben hier nichts denn fünf Brote und zween
Fische.

18. Und er sprach: Bringet mir sie her!

19. Und er hieß das Volk sich lagern auf das Gras und nahm die fünf
Brote und die zween Fische, sah auf gen Himmel und dankte und brach's
und gab die Brote den Jüngern, und die Jünger gaben sie dem Volk.

20. Und sie aßen alle und wurden satt und huben auf, was übrigblieb
von Brocken, zwölf Körbe voll. —21. Die aber gegessen hatten, der waren
bei fünftausend Mann ohne Weiber und Kinder.

22. Und alsbald trieb JEsus seine Jünger, daß sie in das Schiff traten
und vor ihm herüberfuhren, bis er das Volk von sich ließe.

23. Und da er das Volk von sich gelassen hatte, stieg er auf einen
Berg alleine, daß er betete. Und am Abend war er alleine daselbst.

24. Und das Schiff war schon mitten, auf dem Meer und litt Not von den
Wellen; denn der Wind war ihnen wider.

25. Aber in der vierten Nachtwache kam JEsus zu ihnen und ging auf dem
Meer.

26. Und da ihn die Jünger sahen auf dem Meer gehen, erschraken sie und
sprachen: Es ist ein Gespenst! und schrieen vor Furcht.

27. Und alsbald redete JEsus mit ihnen und sprach: Seid getrost, ich
bin's; fürchtet euch nicht!

28. Petrus aber antwortete ihm und sprach: HErr, bist du es, so heiß
mich zu dir kommen auf dem Wasser.

29. Und er sprach: Komm her! Und Petrus trat aus dem Schiff und ging
auf dem Wasser, daß er zu JEsu käme.

30. Er sah aber einen starken Wind. Da erschrak er und hub an zu
sinken, schrie und sprach: HErr, hilf mir!

31. JEsus aber reckte bald die Hand aus und ergriff ihn und sprach zu
ihm: O du Kleingläubiger, warum zweifeltest du?

32. Und sie traten in das Schiff, und der Wind legte sich.

33. Die aber im Schiff waren, kamen und fielen vor ihm nieder und
sprachen: Du bist wahrlich GOttes Sohn.

34. Und sie schifften hinüber und kämen in das Land Genezareth.

35. Und da die Leute am selbigen Ort sein gewahr wurden, schickten sie
aus in das ganze Land umher und brachten allerlei Ungesunde zu ihm

36. und baten ihn, daß sie nur seines Kleides Saum anrühreten. Und
alle, die da anrühreten, wurden gesund.

Das 15. Kapitel

1. Da kamen zu ihm die Schriftgelehrten und Pharisäer von Jerusalem
und sprachen:

2. Warum übertreten deine Jünger der Ältesten Aufsätze? Sie waschen
ihre Hände nicht, wenn sie Brot essen.

3. Er antwortete und sprach zu ihnen: Warum übertretet denn ihr GOttes
Gebot um eurer Aufsätze willen?

4. GOtt hat geboten: Du sollst Vater und Mutter ehren; wer aber Vater
und Mutter flucht, der soll des Todes sterben.

5. Aber ihr lehret: Wer zum Vater oder zur Mutter spricht: Wenn ich's
opfere, so ist's dir viel nützer, der tut wohl.

6. Damit geschiehet es, daß niemand hinfort seinen Vater oder seine
Mutter ehret; und habt also GOttes Gebot aufgehoben um eurer Aufsätze
willen.

7. Ihr Heuchler, es hat wohl Jesaja von euch geweissaget und gesprochen:

8. Dies Volk nahet sich zu mir mit seinem Munde und ehret mich mit
seinen Lippen, aber ihr Herz ist ferne von mir.

9. Aber vergeblich dienen sie mir, dieweil sie lehren solche Lehren,
die nichts denn Menschengebot sind.

10. Und er rief das Volk zu sich und sprach zu ihnen: Höret zu und
vernehmet's!

11. Was zum Munde eingehet, das verunreiniget den Menschen nicht,
sondern was zum Munde ausgehet, das verunreiniget den Menschen.

12. Da traten seine Jünger zu ihm und sprachen: Weißt du auch, daß
sich die Pharisäer ärgerten, da sie das Wort höreten?

13. Aber er antwortete und sprach: Alle Pflanzen, die mein himmlischen
Vater nicht gepflanzet, die werden ausgereutet.

14. Lasset sie fahren! Sie sind blind und Blindenleiter. Wenn aber ein
Blinder den andern leitet, so fallen sie beide in die Grube.

15. Da antwortete Petrus und sprach zu ihm: Deute uns dies Gleichnis!

16. Und JEsus sprach zu ihnen: Seid ihr denn auch noch unverständig?

17. Merket ihr noch nicht, daß alles, was zum Munde eingehet, das
gehet in den Bauch und wird durch den natürlichen Gang ausgeworfen?

18. Was aber zum Munde herausgehet, das kommt aus dem Herzen, und das
verunreiniget den Menschen.

19. Denn aus dem Herzen kommen arge Gedanken: Mord, Ehebruch, Hurerei,
Dieberei, falsche Zeugnisse, Lästerung.

20. Das sind die Stücke, die den Menschen verunreinigen. Aber mit
ungewaschenen Händen essen verunreiniget den Menschen nicht.

21. Und JEsus ging aus von dannen und entwich in die Gegend von Tyrus
und Sidon.

22. Und siehe, ein kanaanäisch Weib ging aus derselbigen Grenze und
schrie ihm nach und sprach: Ach HErr, du Sohn Davids, erbarme dich
mein! Meine Tochter wird vom Teufel übel geplaget.

23. Und er antwortete ihr kein Wort. Da traten zu ihm seine Jünger,
bäten ihn und sprachen: Laß sie doch von dir; denn sie schreiet uns nach.

24. Er antwortete aber und sprach: Ich bin nicht gesandt, denn nur zu
den verlornen Schafen von dem Hause Israel.

25. Sie kam aber und fiel vor ihm nieder und sprach: HErr, hilf mir!

26. Aber er antwortete und sprach: Es ist nicht fein, daß man den
Kindern ihr Brot nehme und werfe es vor die Hunde.

27. Sie sprach: Ja, HErr; aber doch essen die Hündlein von den
Brosamen, die von ihrer Herren Tisch fallen.

28. Da antwortete JEsus und sprach zu ihr:O Weib, dein Glaube ist
groß; dir geschehe, wie du willst! Und ihre Tochter ward gesund zu
derselbigen Stunde.

29. Und JEsus ging von dannen fürbaß und kam an das galiläischen Meer
und ging auf einen Berg und setzte sich allda.

30. Und es kam zu ihm viel Volks die hatten mit sich Lahme, Blinde,
Stumme, Krüppel und viel andere und warfen sie JEsu vor die Füße; und
er heilete sie,

31. daß sich das Volk verwunderte, da sie sahen, daß die Stummen
redeten, die Krüppel gesund waren, die Lahmen gingen, die Blinden
sahen, und preiseten den GOtt Israels.

32. Und JEsus rief seine Jünger zu sich und sprach: Es jammert mich
des Volks; denn sie beharren nun wohl drei Tage bei mir und haben
nichts zu essen; und ich will sie nicht ungegessen von mir lassen, auf
daß sie nicht verschmachten auf dem Wege.

33. Da sprachen zu ihm seine Jünger: Woher mögen wir so viel Brots
nehmen in der Wüste, daß wir so viel Volks sättigen?

34. Und JEsus sprach zu ihnen: Wieviel Brots habt ihr? Sie sprachen:
Sieben und ein wenig Fischlein.

35. Und er hieß das Volk sich lagern auf die Erde.

36. Und nahm die sieben Brote und die Fische, dankete, brach sie und
gab sie seinen Jüngern, und die Jünger gaben sie dem Volk.

37. Und sie aßen alle und wurden satt und huben auf, was überblieb von
Brocken, sieben Körbe voll.

38. Und die da gegessen hatten, der waren viertausend Mann,
ausgenommen Weiber und Kinder.

39. Und da er das Volk hatte von sich gelassen, trat er in ein Schiff
und kam in die Grenze Magdala.

Das 16. Kapitel

1. Da traten die Pharisäer und Sadduzäer zu ihm, die versuchten ihn
und forderten, daß er sie ein Zeichen vom Himmel sehen ließe.

2. Aber er antwortete und sprach: Des Abends sprechet ihr: Es wird ein
schöner Tag werden, denn der Himmel ist rot;

3. und des Morgens sprechet ihr: Es wird heute Ungewitter sein, denn
der Himmel ist rot und trübe. Ihr Heuchler! Des Himmels Gestalt könnet
ihr urteilen; könnet ihr denn nicht auch die Zeichen dieser Zeit
urteilen?

4. Diese böse und ehebrecherische Art sucht ein Zeichen, und soll ihr
kein Zeichen gegeben werden denn das Zeichen des Propheten Jona. Und er
ließ sie und ging davon.

5. Und da seine Jünger waren hinübergefahren, hatten sie vergessen,
Brot mit sich zu nehmen.

6. JEsus aber sprach zu ihnen: Sehet zu und hütet euch vor dem
Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer!

7. Da dachten sie bei sich selbst und sprachen: Das wird's sein, daß
wir nicht haben Brot mit uns genommen.

8. Da das JEsus vernahm, sprach er zu ihnen: Ihr Kleingläubigen, was
bekümmert ihr euch doch, daß ihr nicht habt Brot mit euch genommen?

9. Vernehmet ihr noch nichts? Gedenket ihr nicht an die fünf Brote
unter die Fünftausend und wieviel Körbe ihr da aufhubet?

10. Auch nicht an die sieben Brote unter die Viertausend, und wieviel
Körbe ihr da aufhubet?

11. Wie verstehet ihr denn nicht, daß ich euch nicht sage vom Brot,
wenn ich sage: Hütet euch vor dem Sauerteige der Pharisäer und Sadduzäer?

12. Da verstunden sie, daß er nicht gesagt hatte, daß sie sich hüten
sollten vor dem Sauerteige des Brots, sondern vor der Lehre der
Pharisäer und Sadduzäer.

13. Da kam JEsus in die Gegend der Stadt Cäsarea Philippi und fragte
seine Jünger und sprach: Wer sagen die Leute, daß des Menschen Sohn sei?

14. Sie sprachen: Etliche sagen, du seiest Johannes der Täufer; die
andern, du seiest Elia; etliche, du seiest Jeremia oder der Propheten
einer.

15. Er sprach zu ihnen: Wer sagt denn ihr, daß ich sei?

16. Da antwortete Simon Petrus und sprach: Du bist Christus, des
lebendigen GOttes Sohn.

17. Und JEsus antwortete und sprach zu ihm: Selig bist du, Simon,
Jonas Sohn; denn Fleisch und Blut hat dir das nicht offenbart, sondern
mein Vater im Himmel.

18. Und ich sage dir auch: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will
ich bauen meine Gemeinde, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht
überwältigen.

19. Und will dir des Himmelreichs Schlüssel geben. Alles, was du auf
Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und alles, was
du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel los sein.

20. Da verbot er seinen Jüngern, daß sie niemand sagen sollten, daß er
JEsus, der Christ, wäre.

21. Von der Zeit an fing JEsus an und zeigte seinen Jüngern, wie er
müßte hin gen Jerusalem gehen und viel leiden von den Ältesten und
Hohenpriestern und Schriftgelehrten und getötet werden und am dritten
Tage auferstehen.

22. Und Petrus nahm ihn zu sich, fuhr ihn an und sprach: HErr, schone
dein selbst; das widerfahre dir nur nicht!

23. Aber er wandte sich um und sprach zu Petrus: Heb dich, Satan, von
mir! Du bist mir ärgerlich; denn du meinest nicht, was göttlich,
sondern was menschlich ist.

24. Da sprach JEsus zu seinen Jüngern: Will mir jemand nachfolgen, der
verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir.

25. Denn wer sein Leben erhalten will, der wird's verlieren; wer aber
sein Leben verlieret um meinetwillen, der wird's finden.

26. Was hülfe es dem Menschen, so er die ganze Welt gewönne und nähme
doch Schaden an seiner Seele? Oder was kann der Mensch geben, damit er
seine Seele wieder löse?

27. Denn es wird je geschehen, daß des Menschen Sohn komme in der
Herrlichkeit seines Vaters mit seinen Engeln; und alsdann wird er einem
jeglichen vergelten nach seinen Werken.

28. Wahrlich, ich sage euch, es stehen etliche hier, die nicht
schmecken werden den Tod, bis daß sie des Menschen Sohn kommen sehen in
seinem Reich.

Das 17. Kapitel

1. Und nach sechs Tagen nahm JEsus zu sich Petrus und Jakobus und
Johannes, seinen Bruder, und führete sie beiseits auf einen hohen Berg.

2. Und ward verkläret vor ihnen, und sein Angesicht leuchtete wie die
Sonne, und seine Kleider wurden weiß als ein Licht.

3. Und siehe, da erschienen ihnen Mose und Elia, die redeten mit ihm.

4. Petrus aber antwortete und sprach zu JEsu: HErr, hier ist gut sein;
willst du, so wollen wir hier drei Hütten machen, dir eine, Mose eine
und Elia eine.

5. Da er noch also redete, siehe, da überschattete sie eine lichte
Wolke. Und siehe, eine Stimme aus der Wolke sprach: Dies ist mein
lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören.

6. Da das die Jünger höreten, fielen sie auf ihr Angesicht und
erschraken sehr.

7. JEsus aber trat zu ihnen, rührete sie an und sprach: Stehet auf und
fürchtet euch nicht!

8. Da sie aber ihre Augen aufhuben, sahen sie niemand denn JEsus
alleine.

9. Und da sie vom Berge herabgingen, gebot ihnen JEsus und sprach: Ihr
sollt dies Gesicht niemand sagen, bis des Menschen Sohn von den Toten
auferstanden ist.

10. Und seine Jünger fragten ihn und sprachen: Was sagen denn die
Schriftgelehrten, Elia müsse zuvor kommen?

11. JEsus antwortete und sprach zu ihnen: Elia soll ja zuvor kommen
und alles zurechtbringen.

12. Doch ich sage euch: Es ist Elia schon kommen, und sie haben ihn
nicht erkannt, sondern haben an ihm getan, was sie wollten. Also wird
auch des Menschen Sohn leiden müssen von ihnen.

13. Da verstunden die Jünger, daß er von Johannes dem Täufer zu ihnen
geredet hatte.

14. Und da sie zu dem Volk kamen, trat zu ihm ein Mensch und fiel ihm
zu Füßen

15. und sprach: HErr, erbarme dich über meinen Sohn; denn er ist
mondsüchtig und hat ein schweres Leiden; er fällt oft ins Feuer und oft
ins Wasser.

16. Und ich habe ihn zu deinen Jüngern gebracht, und sie konnten ihm
nicht helfen.

17. JEsus aber antwortete und sprach:O du ungläubige und verkehrte
Art, wie lange soll ich bei euch sein? Wie lange soll ich euch dulden?
Bringet mir ihn hieher!

18. Und JEsus bedräuete ihn; und der Teufel fuhr aus von ihm, und der
Knabe ward gesund zu derselbigen Stunde.

19. Da traten zu ihm seine Jünger besonders und sprachen: Warum
konnten wir ihn nicht austreiben?

20. JEsus aber antwortete und sprach zu ihnen: Um eures Unglaubens
willen. Denn ich sage euch: Wahrlich, so ihr Glauben habt wie ein
Senfkorn, so möget ihr sagen zu diesem Berge: Heb' dich von hinnen
dorthin! so wird er sich heben, und euch wird nichts unmöglich sein.

21. Aber diese Art fährt nicht aus denn durch Beten und Fasten.

22. Da sie aber ihr Wesen hatten in Galiläa, sprach JEsus zu ihnen: Es
ist zukünftig, daß des Menschen Sohn überantwortet werde in der
Menschen Hände.

23. Und sie werden ihn töten; und am dritten Tage wird er auferstehen.
Und sie wurden sehr betrübt.

24. Da sie nun gen Kapernaum kamen, gingen zu Petrus, die den
Zinsgroschen einnahmen, und sprachen: Pflegt euer Meister nicht den
Zinsgroschen zu geben?

25. Er sprach: Ja. Und als er heimkam, kam ihm JEsus zuvor und sprach:
Was dünkt dich, Simon? Von wem nehmen die Könige auf Erden den Zoll
oder Zins,

von ihren Kindern oder von den Fremden?

26. Da sprach zu ihm Petrus: Von den Fremden. JEsus sprach zu ihm: So
sind die Kinder frei.

27. Auf daß aber wir sie nicht ärgern, so gehe hin an das Meer und
wirf die Angel, und den ersten Fisch, der herauffährt, den nimm; und
wenn du seinen Mund auftust, wirst du einen Stater finden. Denselbigen
nimm und gib ihn für mich und dich.

Das 18. Kapitel

1. Zu derselbigen Stunde traten die Jünger zu JEsus und sprachen: Wer
ist doch der Größte im Himmelreich?

2. JEsus rief ein Kind zu sich und stellete das mitten unter sie

3. und sprach: Wahrlich, ich sage euch, es sei denn, daß ihr euch
umkehret und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich
kommen.

4. Wer nun sich selbst niedriget wie dies Kind, der ist der Größte im
Himmelreich.

5. Und wer ein solches Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich
auf.

6. Wer aber ärgert dieser Geringsten einen, die an mich glauben, dem
wäre besser, daß ein Mühlstein an seinen Hals gehänget, und er ersäuft
würde im Meer, da es am tiefsten ist.

7. Wehe der Welt der Ärgernisse halben! Es muß ja Ärgernis kommen;
doch wehe dem Menschen, durch welchen Ärgernis kommt!

8. So aber deine Hand oder dein Fuß dich ärgert, so haue ihn ab und
wirf ihn von dir. Es ist dir besser, daß du zum Leben lahm oder als ein
Krüppel eingehest, denn daß du zwo Hände oder zween Füße habest und
werdest in das ewige Feuer geworfen.

9. Und so dich dein Auge ärgert, reiß es aus und wirf's von dir. Es
ist dir besser, daß du einäugig zum Leben eingehest, denn daß du zwei
Augen habest und werdest in das höllische Feuer geworfen.

10. Sehet zu, daß ihr nicht jemand von diesen Kleinen verachtet! Denn
ich sage euch: Ihre Engel im Himmel sehen allezeit das Angesicht meines
Vaters im Himmel.

11. Denn des Menschen Sohn ist kommen, selig zu machen, was verloren
ist.

12. Was dünket euch? Wenn irgendein Mensch hundert Schafe hätte, und
eins unter denselbigen sich verirrete, läßt er nicht die neunundneunzig
auf den Bergen, gehet hin und suchet das verirrte?

13. Und so sich's begibt, daß er's findet, wahrlich, ich sage euch, er
freuet sich darüber mehr denn über die neunundneunzig, die nicht
verirret sind.

14. Also auch ist's vor eurem Vater im Himmel nicht der Wille, daß
jemand von diesen Kleinen verloren werde

15. Sündiget aber dein Bruder an dir, so gehe hin und strafe ihn
zwischen dir und ihm allein. Höret er dich, so hast du deinen Bruder
gewonnen.

16. Höret er dich nicht, so nimm noch einen oder zween zu dir, auf daß
alle Sache bestehe auf zweier oder dreier Zeugen Mund.

17. Höret er die nicht, so sage es der Gemeinde. Höret er die Gemeinde
nicht, so halt ihn als einen Heiden und Zöllner.

18. Wahrlich, ich sage euch: Was ihr auf Erden binden werdet, soll
auch im Himmel gebunden sein, und was ihr auf Erden lösen werdet, soll
auch im Himmel los sein.

19. Weiter sage ich euch: Wo zween unter euch eins werden auf Erden,
warum es ist, das sie bitten wollen, das soll ihnen widerfahren von
meinem Vater im Himmel.

20. Denn wo zween oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin
ich mitten unter ihnen.

21. Da trat Petrus zu ihm und sprach: HErr, wie oft muß ich denn
meinem Bruder, der an mir sündiget, vergeben? Ist's genug siebenmal?

22. JEsus sprach zu ihm: Ich sage dir, nicht siebenmal, sondern
siebenzigmal siebenmal.

23. Darum ist das Himmelreich gleich einem Könige, der mit seinen
Knechten rechnen wollte.

24. Und als er anfing zu rechnen, kam ihm einer vor, der war ihm
zehntausend Pfund schuldig.

25. Da er's nun nicht hatte zu bezahlen, hieß der Herr verkaufen ihn
und sein Weib und seine Kinder und alles, was er hatte, und bezahlen.

26. Da fiel der Knecht nieder und betete ihn an und sprach: Herr, habe
Geduld mit mir! Ich will dir's alles bezahlen.

27. Da jammerte den Herrn desselbigen Knechts und ließ ihn los, und
die Schuld erließ er ihm auch.

28. Da ging derselbige Knecht hinaus und fand einen seiner Mitknechte,
der war ihm hundert Groschen schuldig. Und er griff ihn an und würgete
ihn und sprach: Bezahle mir, was du mir schuldig bist!

29. Da fiel sein Mitknecht nieder und bat ihn und sprach: Habe Geduld
mit mir! Ich will dir's alles bezahlen.

30. Er wollte aber nicht, sondern ging hin und warf ihn ins Gefängnis,
bis daß er bezahlete, was er schuldig war.

31. Da aber seine Mitknechte solches sahen, wurden sie sehr betrübt
und kamen und brachten vor ihren Herrn alles, was sich begeben hatte.

32. Da forderte ihn sein Herr vor sich und sprach zu ihm: Du
Schalksknecht! Alle diese Schuld habe ich dir erlassen, dieweil du mich
batest;

33. solltest du denn dich nicht auch erbarmen über deinen Mitknecht,
wie ich mich über dich erbarmet habe?

34. Und sein Herr ward zornig und überantwortete ihn den Peiniger, bis
daß er bezahlete alles, was er ihm schuldig war.

35. Also wird euch mein himmlischer Vater auch tun, so ihr nicht
vergebet von eurem Herzen, ein jeglicher seinem Bruder seine Fehle.

Das 19. Kapitel

1. Und es begab sich, da JEsus diese Rede vollendet hatte, erhub er
sich aus Galiläa und kam in die Grenzen des jüdischen Landes jenseit
des Jordans.

2. Und es folgete ihm viel Volks nach; und er heilete sie daselbst.

3. Da traten zu ihm die Pharisäer, versuchten ihn und sprachen zu ihm:
Ist's auch recht, daß sich ein Mann scheide von seinem Weibe um
irgendeine Ursache?

4. Er antwortete aber und sprach zu ihnen: Habt ihr nicht gelesen,
daß, der im Anfang den Menschen gemacht hat, der machte, daß ein Mann
und Weib sein sollte,

5. und sprach: Darum wird ein Mensch Vater und Mutter verlassen und an
seinem Weibe hangen, und werden die zwei ein Fleisch sein?

6. So sind sie nun nicht zwei, sondern ein Fleisch. Was nun GOtt
zusammengefüget hat, das soll der Mensch nicht scheiden.

7. Da sprachen sie: Warum hat denn Mose geboten; einen Scheidebrief zu
geben und sich von ihr zu scheiden?

8. Er sprach zu ihnen: Mose hat euch erlaubt, zu scheiden von euren
Weibern, von eures Herzens Härtigkeit wegen; von Anbeginn aber ist's
nicht also gewesen.

9. Ich sage aber euch: Wer sich von seinem Weibe scheidet (es sei denn
um der Hurerei willen) und freiet eine andere, der bricht die Ehe. Und
wer die Abgeschiedene freiet, der bricht auch die Ehe.

10. Da sprachen die Jünger zu ihm: Stehet die Sache eines Mannes mit
seinem Weibe also, so ist's nicht gut ehelich werden.

11. Er sprach aber zu ihnen: Das Wort fasset nicht jedermann, sondern
denen es gegeben ist.

12. Denn es sind etliche verschnitten, die sind aus Mutterleibe also
geboren, und sind etliche verschnitten, die von Menschen verschnitten
sind, und sind etliche verschnitten, die sich selbst verschnitten haben
um des Himmelreichs willen. Wer es fassen mag, der fasse es.

13. Da wurden Kindlein zu ihm gebracht, daß er die Hände auf sie legte
und betete. Die Jünger aber fuhren sie an.

14. Aber JEsus sprach: Lasset die Kindlein und wehret ihnen nicht, zu
mir zu kommen; denn solcher ist das Himmelreich.

15. Und legte die Hände auf sie und zog von dannen.

16. Und siehe, einer trat zu ihm und sprach: Guter Meister, was soll
ich Gutes tun, daß ich das ewige Leben möge haben?

17. Er aber sprach zu ihm: Was heißest du mich gut? Niemand ist gut
denn der einige GOtt. Willst du aber zum Leben eingehen, so halte die
Gebote.

18. Da sprach er zu ihm: Welche? JEsus aber sprach: Du sollst nicht
töten; du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht stehlen; du sollst
nicht falsch Zeugnis geben;

19. ehre Vater und Mutter, und: Du sollst deinen Nächsten lieben wie
dich selbst.

20. Da sprach der Jüngling zu ihm: Das habe ich alles gehalten von
meiner Jugend auf; was fehlet mir noch?

21. JEsus sprach zu ihm: Willst du vollkommen sein, so gehe hin,
verkaufe, was du hast, und gib's den Armen, so wirst du einen Schatz im
Himmel haben; und komm und folge mir nach.

22. Da der Jüngling das Wort hörete, ging er betrübt von ihm; denn er
hatte viel Güter.

23. JEsus aber sprach zu seinen Jüngern: Wahrlich, ich sage euch, ein
Reicher wird schwerlich ins Himmelreich kommen.

24. Und weiter sage ich euch: Es ist leichter, daß ein Kamel durch ein
Nadelöhr gehe, denn daß ein Reicher ins Reich GOttes komme.

25. Da das seine Jünger höreten, entsetzten sie sich sehr und
sprachen: Je, wer kann denn selig werden?

26. JEsus aber sah sie an und sprach zu ihnen: Bei den Menschen ist's
unmöglich, aber bei GOtt sind alle Dinge möglich.

27. Da antwortete Petrus und sprach zu ihm: Siehe, wir haben alles
verlassen und sind dir nachgefolget; was wird uns dafür?

28. JEsus aber sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch, daß ihr, die
ihr mir seid nachgefolget, in der Wiedergeburt, da des Menschen Sohn
wird sitzen auf dem Stuhl seiner Herrlichkeit, werdet ihr auch sitzen
auf zwölf Stühlen und richten die zwölf Geschlechter Israels.

29. Und wer verläßt Häuser oder Brüder oder Schwestern oder Vater oder
Mutter oder Weib oder Kinder oder Äcker um meines Namens willen, der
wird's hundertfältig nehmen und das ewige Leben ererben.

30. Aber viele, die da sind die Ersten, werden die Letzten, und die
Letzten werden die Ersten sein.

Das 20. Kapitel

1. Das Himmelreich ist gleich einem Hausvater, der am Morgen ausging,
Arbeiter zu mieten in seinen Weinberg.

2. Und da er mit den Arbeitern eins ward um einen Groschen zum
Taglohn, sandte er sie in seinen Weinberg.

3. Und ging aus um die dritte Stunde und sah andere an dem Markt müßig
stehen

4. und sprach zu ihnen: Gehet ihr auch hin in den Weinberg; ich will
euch geben, was recht ist.

5. Und sie gingen hin. Abermal ging er aus um die sechste und neunte
Stunde und tat gleich also.

6. Um die elfte Stunde aber ging er aus und fand andere müßig stehen
und sprach zu ihnen: Was stehet ihr hier den ganzen Tag müßig?

7. Sie sprachen zu ihm: Es hat uns niemand gedinget. Er sprach zu
ihnen: Gehet ihr auch hin in den Weinberg, und was recht sein wird,
soll euch werden.

8. Da es nun Abend ward, sprach der Herr des Weinbergs zu seinem
Schaffner: Rufe die Arbeiter und gib ihnen den Lohn und hebe an an den
letzten bis zu den ersten.

9. Da kamen, die um die elfte Stunde gedinget waren, und empfing ein
jeglicher seinen Groschen.

10. Da aber die ersten kamen, meineten sie, sie würden mehr empfahen;
und sie empfingen auch ein jeglicher seinen Groschen.

11. Und da sie den empfingen, murreten sie wider den Hausvater

12. und sprachen: Diese letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, und
du hast sie uns gleich gemacht, die wir des Tages Last und Hitze
getragen haben.

13. Er antwortete aber und sagte zu einem unter ihnen: Mein Freund,
ich tue dir nicht unrecht. Bist du nicht mit mir eins worden um einen
Groschen?

14. Nimm, was dein ist, und gehe hin! Ich will aber diesem letzten
geben gleichwie dir.

15. Oder habe ich nicht Macht zu tun, was ich will, mit dem Meinen?
Siehest du darum scheel, daß ich so gütig bin?

16. Also werden die Letzten die Ersten, und die Ersten die Letzten
sein. Denn viele sind berufen, aber wenige sind auserwählet.

17. Und er zog hinauf gen Jerusalem und nahm zu sich die zwölf Jünger
besonders auf dem Wege und sprach zu ihnen:

18. Siehe, wir ziehen hinauf gen Jerusalem, und des Menschen Sohn wird
den Hohenpriestern und Schriftgelehrten überantwortet werden, und sie
werden ihn verdammen zum Tode.

19. Und werden ihn überantworten den Heiden, zu verspotten und zu
geißeln und zu kreuzigen. Und am dritten Tage wird er wieder auferstehen.

20. Da trat zu ihm die Mutter der Kinder des Zebedäus mit ihren
Söhnen, fiel vor ihm nieder und bat etwas von ihm.

21. Und er sprach zu ihr: Was willst du? Sie sprach zu ihm: Laß diese
meine zween Söhne sitzen in deinem Reiche, einen zu deiner Rechten und
den andern zu deiner Linken.

22. Aber JEsus antwortete und sprach: Ihr wisset nicht, was ihr
bittet. Könnet ihr den Kelch trinken, den ich trinken werde, und euch
taufen lassen mit der Taufe, da ich mit getauft werde? Sie sprachen zu
ihm: Jawohl.

23. Und er sprach zu ihnen: Meinen Kelch sollt ihr zwar trinken und
mit der Taufe, da ich mit getauft werde, sollt ihr getauft werden, aber
das Sitzen zu meiner Rechten und Linken zu geben, stehet mir nicht zu,
sondern denen es bereitet ist von meinem Vater.

24. Da das die Zehn höreten, wurden sie unwillig über die zween Brüder.

25. Aber JEsus rief sie zu sich und sprach: Ihr wisset, daß die
weltlichen Fürsten herrschen, und die Oberherren haben Gewalt.

26. So soll es nicht sein unter euch, sondern so jemand will unter
euch gewaltig sein, der sei euer Diener;

27. und wer da will der Vornehmste sein, der sei euer Knecht,

28. gleichwie des Menschen Sohn ist nicht kommen, daß er ihm dienen
lasse, sondern daß er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für
viele.

29. Und da sie von Jericho auszogen, folgte ihm viel Volks nach.

30. Und siehe, zween Blinde saßen am Wege; und da sie höreten, daß
JEsus vorüberging, schrieen sie und sprachen: Ach HErr, du Sohn Davids,
erbarme dich unser!

31. Aber das Volk bedräuete sie, daß sie schweigen sollten. Aber sie
schrieen viel mehr und sprachen: Ach HErr, du Sohn Davids, erbarme dich
unser!

32. JEsus aber stund stille und rief sie und sprach: Was wollt ihr,
daß ich euch tun soll?

33. Sie sprachen zu ihm: HErr, daß unsere Augen aufgetan werden. Und
es jammerte JEsum und rührete ihre Augen an. Und alsbald wurden ihre
Augen wieder sehend, und sie folgten ihm nach.

Das 21. Kapitel

1. Da sie nun nahe an Jerusalem kamen gen Bethphage an den Ölberg,
sandte JEsus seiner Jünger zween

2. und sprach zu ihnen: Gehet hin in den Flecken, der vor euch liegt,
und bald werdet ihr eine Eselin finden angebunden und ein Füllen bei
ihr. Löset sie auf und führet sie zu mir!

3. Und so euch jemand etwas wird sagen, so sprechet: Der HErr bedarf
ihrer; sobald wird er sie euch lassen.

4. Das geschah aber alles, auf daß erfüllet würde, was gesagt ist
durch den Propheten, der da spricht:

5. Saget der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir sanftmütig
und reitet auf einem Esel und auf einem Füllen der lastbaren Eselin.

6. Die Jünger gingen hin und taten, wie ihnen JEsus befohlen hatte,

7. und brachten die Eselin und das Füllen und legten ihre Kleider
darauf und setzten ihn darauf.

8. Aber viel Volks breitete die Kleider auf den Weg; die andern hieben
Zweige von den Bäumen und streueten sie auf den Weg.

9. Das Volk aber, das vorging und nachfolgete, schrie und sprach:
Hosianna dem Sohn Davids! Gelobet sei, der da kommt in dem Namen des
HErrn! Hosianna in der Höhe!

10. Und als er zu Jerusalem einzog, erregte sich die ganze Stadt und
sprach: Wer ist der?

11. Das Volk aber sprach: Das ist der JEsus, der Prophet von Nazareth
aus Galiläa.

12. Und Jesus ging zum Tempel GOttes hinein und trieb heraus alle
Verkäufer und Käufer im Tempel und stieß um der Wechsler Tische und die
Stühle der Taubenkrämer.

13. Und sprach zu ihnen: Es stehet geschrieben: Mein Haus soll ein
Bethaus heißen. Ihr aber habt eine Mördergrube daraus gemacht.

14. Und es gingen zu ihm Blinde und Lahme im Tempel, und er heilete sie.

15. Da aber die Hohenpriester und Schriftgelehrten sahen die Wunder,
die er tat, und die Kinder im Tempel schreien und sagen: Hosianna dem
Sohn Davids! wurden sie entrüstet

16. und sprachen zu ihm: Hörst du auch, was diese sagen? JEsus sprach
zu ihnen: Ja! Habt ihr nie gelesen: Aus dem Munde der Unmündigen und
Säuglinge hast du Lob zugerichtet?

17. Und er ließ sie da und ging zur Stadt hinaus gen Bethanien und
blieb daselbst.

18. Als er aber des Morgens wieder in die Stadt ging, hungerte ihn.

19. Und er sah einen Feigenbaum an dem Wege und ging hinzu und fand
nichts daran denn allein Blätter. Und sprach zu ihm: Nun wachse auf dir
hinfort nimmermehr keine Frucht! Und der Feigenbaum verdorrete alsbald.

20. Und da das die Jünger sahen, verwunderten sie sich und sprachen:
Wie ist der Feigenbaum sobald verdorret?

21. JEsus aber antwortete und sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage
euch, so ihr Glauben habt und nicht zweifelt, so werdet ihr nicht
allein solches mit dem Feigenbaum tun, sondern so ihr werdet sagen zu
diesem Berge: Heb' dich auf und wirf dich ins Meer! so wird's geschehen.

22. Und alles, was ihr bittet im Gebet, so ihr glaubet, so werdet
ihr's empfahen.

23. Und als er in den Tempel kam, traten zu ihm, als er lehrete, die
Hohenpriester und die Ältesten im Volk und sprachen: Aus was für Macht
tust du das, und wer hat dir die Macht gegeben?

24. JEsus aber antwortete und sprach zu ihnen: Ich will euch auch ein
Wort fragen; so ihr mir das saget, will ich euch auch sagen, aus was
für Macht ich das tue.

25. Woher war die Taufe Johannes? War sie vom Himmel oder von den
Menschen? Da gedachten sie bei sich selbst und sprachen: Sagen wir, sie
sei vom Himmel gewesen, so wird er zu uns sagen: Warum glaubtet ihr ihm
denn nicht?

26. Sagen wir aber, sie sei von Menschen gewesen, so müssen wir uns
vor dem Volk fürchten; denn sie hielten alle Johannes für einen
Propheten.

27. Und sie antworteten JEsu und sprachen: Wir wissen's nicht. Da
sprach er zu ihnen: So sage ich euch auch nicht, aus was für Macht ich
das tue.

28. Was dünket euch aber? Es hatte ein Mann zween Söhne und ging zu
dem ersten und sprach: Mein Sohn, gehe hin und arbeite heute in meinem
Weinberge.

29. Er antwortete aber und sprach: Ich will's nicht tun. Danach reuete
es ihn und ging hin.

30. Und er ging zum andern und sprach gleich also. Er antwortete aber
und sprach: Herr, ja! und ging nicht hin.

31. Welcher unter den zweien hat des Vaters Willen getan? Sie sprachen
zu ihm: Der erste. JEsus sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch, die
Zöllner und Huren mögen wohl eher ins Himmelreich kommen denn ihr.

32. Johannes kam zu euch und lehrete euch den rechten Weg, und ihr
glaubtet ihm nicht; aber die Zöllner und Huren glaubten ihm. Und ob
ihr's wohl sahet, tatet ihr dennoch nicht Buße, daß ihr ihm danach auch
geglaubt hättet.

33. Höret ein ander Gleichnis! Es war ein Hausvater, der pflanzete
einen Weinberg und führete einen Zaun darum und grub eine Kelter
darinnen und bauete einen Turm und tat ihn den Weingärtnern aus und zog
über Land.

34. Da nun herbeikam die Zeit der Früchte, sandte er seine Knechte zu
den Weingärtnern, daß sie seine Früchte empfingen.

35. Da nahmen die Weingärtner seine Knechte; einen stäupten sie, den
andern töteten sie, den dritten steinigten sie.

36. Abermal sandte er andere Knechte, mehr denn der ersten waren; und
sie taten ihnen gleich also.

37. Danach sandte er seinen Sohn zu ihnen und sprach: Sie werden sich
vor meinem Sohn scheuen.

38. Da aber die Weingärtner den Sohn sahen, sprachen sie
untereinander: Das ist der Erbe; kommt, laßt uns ihn töten und sein
Erbgut an uns bringen!

39. Und sie nahmen ihn und stießen ihn zum Weinberge hinaus und
töteten ihn.

40. Wenn nun der Herr des Weinbergs kommen wird, was wird er diesen
Weingärtnern tun?

41. Sie sprachen zu ihm: Er wird die Bösewichte übel umbringen und
seinen Weinberg andern Weingärtnern austun, die ihm die Früchte zu
rechter Zeit geben.

42. JEsus sprach zu ihnen: Habt ihr nie gelesen in der Schrift: Der
Stein, den die Bauleute verworfen haben, der ist zum Eckstein worden;
von dem HErrn ist das geschehen, und es ist wunderbarlich vor unsern
Augen?

43. Darum sage ich euch: Das Reich GOttes wird von euch genommen und
den Heiden gegeben werden, die seine Früchte bringen.

44. Und wer auf diesen Stein fällt, der wird zerschellen; auf welchen
er aber fällt, den wird er zermalmen.

45. Und da die Hohenpriester und Pharisäer seine Gleichnisse höreten,
vernahmen sie, daß er von ihnen redete.

46. Und sie trachteten danach; wie sie ihn griffen; aber sie
fürchteten sich vor dem Volk; denn es hielt ihn für einen Propheten.

Das 22. Kapitel

1. Und JEsus antwortete und redete abermal durch Gleichnisse zu ihnen
und sprach:

2. Das Himmelreich ist gleich einem Könige, der seinem Sohne Hochzeit
machte.

3. Und sandte seine Knechte aus, daß sie die Gäste zur Hochzeit
riefen; und sie wollten nicht kommen.

4. Abermal sandte er andere Knechte aus und sprach: Saget den Gästen:
Siehe, meine Mahlzeit habe ich bereitet, meine Ochsen und mein Mastvieh
ist geschlachtet und alles bereit; kommet zur Hochzeit!

5. Aber sie verachteten das und gingen hin, einer auf seinen Acker,
der andere zu seiner Hantierung.

6. Etliche aber griffen seine Knechte, höhneten und töteten sie.

7. Da das der König hörete, ward er zornig und schickte seine Heere
aus und brachte diese Mörder um und zündete ihre Stadt an.

8. Da sprach er zu seinen Knechten: Die Hochzeit ist zwar bereit, aber
die Gäste waren s nicht wert.

9. Darum gehet hin auf die Straßen und ladet zur Hochzeit, wen ihr
findet.

10. Und die Knechte gingen aus auf die Straßen und brachten zusammen,
wen sie fanden, Böse und Gute. Und die Tische wurden alle voll.

11. Da ging der König hinein, die Gäste zu besehen, und sah allda
einen Menschen, der hatte kein hochzeitlich Kleid an,

12. und sprach zu ihm: Freund, wie bist du hereinkommen und hast doch
kein hochzeitlich Kleid an? Er aber verstummete.

13. Da sprach der König zu seinen Dienern: Bindet ihm Hände und Füße
und werfet ihn in die äußerste Finsternis hinaus; da wird sein Heulen
und Zähneklappen;

14. denn viele sind berufen, aber wenige sind auserwählet.

15. Da gingen die Pharisäer hin und hielten einen Rat, wie sie ihn
fingen in seiner Rede.

16. Und sandten zu ihm ihre Jünger samt des Herodes Dienern und
sprachen: Meister, wir wissen, daß du wahrhaftig bist und lehrest den
Weg GOttes recht und fragest nach niemand; denn du achtest nicht das
Ansehen der Menschen.

17. Darum sage uns, was dünket dich? Ist's recht, daß man dem Kaiser
Zins gebe, oder nicht?

18. Da nun JEsus merkte ihre Schalkheit, sprach er: Ihr Heuchler, was
versuchet ihr mich?

19. Weiset mir die Zinsmünze! Und sie reichten ihm einen Groschen dar.

20. Und er sprach zu ihnen: Wes ist das Bild und die Überschrift?

21. Sie sprachen zu ihm: Des Kaisers. Da sprach er zu ihnen: So gebet
dem Kaiser, was des Kaisers ist, und GOtt, was GOttes ist.

22. Da sie das höreten, verwunderten sie sich und ließen ihn und
gingen davon.

23. An demselbigen Tage traten, zu ihm die Sadduzäer, die da halten,
es sei kein Auferstehen, und fragten ihn

24. und sprachen: Meister, Mose hat gesagt: So einer stirbt und hat
nicht Kinder, so soll sein Bruder sein Weib freien und seinem Bruder
Samen erwecken.

25. Nun sind bei uns gewesen sieben Brüder. Der erste freiete und
starb, und dieweil er nicht Samen hatte, ließ er sein Weib seinem Bruder.

26. Desselbengleichen der andere und der dritte bis an den siebenten.

27. Zuletzt nach allen starb auch das Weib.

28. Nun in der Auferstehung, wessen Weib wird sie sein unter den
sieben? Sie haben sie ja alle gehabt.

29. JEsus aber antwortete und sprach zu ihnen: Ihr irret und wisset
die Schrift nicht noch die Kraft GOttes.

30. In der Auferstehung werden sie weder freien noch sich freien
lassen, sondern sie sind gleich wie die Engel GOttes im Himmel.

31. Habt ihr aber nicht gelesen von der Toten Auferstehung, das euch
gesagt ist von GOtt, da er spricht:

32. Ich bin der GOtt Abrahams und der GOtt Isaaks und der GOtt Jakobs?
GOtt aber ist nicht ein GOtt der Toten, sondern der Lebendigen.

33. Und da solches das Volk hörete, entsetzten sie sich über seine
Lehre.

34. Da aber die Pharisäer höreten, daß er den Sadduzäern das Maul
gestopft hatte, versammelten sie sich.

35. Und einer unter ihnen, ein Schriftgelehrter, versuchte ihn und
sprach:

36. Meister, welches ist das vornehmste Gebot im Gesetz?

37. JEsus aber sprach zu ihm: Du sollst lieben GOtt, deinen HErrn, von
ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt.

38. Dies ist das vornehmste und größte Gebot.

39. Das andere aber ist dem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben
wie dich selbst.

40. In diesen zweien Geboten hanget das ganze Gesetz und die Propheten.

41. Da nun die Pharisäer beieinander waren, fragte sie JEsus

42. und sprach: Wie dünket euch um Christus? Wes Sohn ist er? Sie
sprachen: Davids.

43. Er sprach zu ihnen: Wie nennet ihn denn David im Geist einen
HErrn, da er sagt:

44. Der HErr hat gesagt zu meinem HErrn: Setze dich zu meiner Rechten,
bis daß ich lege deine Feinde zum Schemel deiner Füße.

45. So nun David ihn einen HErrn nennet, wie ist er denn sein Sohn?

46. Und niemand konnte ihm ein Wort antworten, und durfte auch niemand
von dem Tage an hinfort ihn fragen.

Das 22. Kapitel

1. Und JEsus antwortete und redete abermal durch Gleichnisse zu ihnen
und sprach:

2. Das Himmelreich ist gleich einem Könige, der seinem Sohne Hochzeit
machte.

3. Und sandte seine Knechte aus, daß sie die Gäste zur Hochzeit
riefen; und sie wollten nicht kommen.

4. Abermal sandte er andere Knechte aus und sprach: Saget den Gästen:
Siehe, meine Mahlzeit habe ich bereitet, meine Ochsen und mein Mastvieh
ist geschlachtet und alles bereit; kommet zur Hochzeit!

5. Aber sie verachteten das und gingen hin, einer auf seinen Acker,
der andere zu seiner Hantierung.

6. Etliche aber griffen seine Knechte, höhneten und töteten sie.

7. Da das der König hörete, ward er zornig und schickte seine Heere
aus und brachte diese Mörder um und zündete ihre Stadt an.

8. Da sprach er zu seinen Knechten: Die Hochzeit ist zwar bereit, aber
die Gäste waren s nicht wert.

9. Darum gehet hin auf die Straßen und ladet zur Hochzeit, wen ihr
findet.

10. Und die Knechte gingen aus auf die Straßen und brachten zusammen,
wen sie fanden, Böse und Gute. Und die Tische wurden alle voll.

11. Da ging der König hinein, die Gäste zu besehen, und sah allda
einen Menschen, der hatte kein hochzeitlich Kleid an,

12. und sprach zu ihm: Freund, wie bist du hereinkommen und hast doch
kein hochzeitlich Kleid an? Er aber verstummte.

13. Da sprach der König zu seinen Dienern: Bindet ihm Hände und Füße
und werfet ihn in die äußerste Finsternis hinaus; da wird sein Heulen
und Zähneklappen;

14. denn viele sind berufen, aber wenige sind auserwählet.

15. Da gingen die Pharisäer hin und hielten einen Rat, wie sie ihn
fingen in seiner Rede.

16. Und sandten zu ihm ihre Jünger samt des Herodes Dienern und
sprachen: Meister, wir wissen, daß du wahrhaftig bist und lehrest den
Weg GOttes recht und fragest nach niemand; denn du achtest nicht das
Ansehen der Menschen.

17. Darum sage uns, was dünket dich? Ist's recht, daß man dem Kaiser
Zins gebe, oder nicht?

18. Da nun JEsus merkte ihre Schalkheit, sprach er: Ihr Heuchler, was
versuchet ihr mich?

19. Weiset mir die Zinsmünze! Und sie reichten ihm einen Groschen dar.

20. Und er sprach zu ihnen: Wes ist das Bild und die Überschrift?

21. Sie sprachen zu ihm: Des Kaisers. Da sprach er zu ihnen: So gebet
dem Kaiser, was des Kaisers ist, und GOtt, was GOttes ist.

22. Da sie das höreten, verwunderten sie sich und ließen ihn und
gingen davon.

23. An demselbigen Tage traten, zu ihm die Sadduzäer, die da halten,
es sei kein Auferstehen, und fragten ihn

24. und sprachen: Meister, Mose hat gesagt: So einer stirbt und hat
nicht Kinder, so soll sein Bruder sein Weib freien und seinem Bruder
Samen erwecken.

25. Nun sind bei uns gewesen sieben Brüder. Der erste freiete und
starb, und dieweil er nicht Samen hatte, ließ er sein Weib seinem Bruder.

26. Desselbengleichen der andere und der dritte bis an den siebenten.

27. Zuletzt nach allen starb auch das Weib.

28. Nun in der Auferstehung, wessen Weib wird sie sein unter den
sieben? Sie haben sie ja alle gehabt.

29. JEsus aber antwortete und sprach zu ihnen: Ihr irret und wisset
die Schrift nicht noch die Kraft GOttes.

30. In der Auferstehung werden sie weder freien noch sich freien
lassen, sondern sie sind gleich wie die Engel GOttes im Himmel.

31. Habt ihr aber nicht gelesen von der Toten Auferstehung, das euch
gesagt ist von GOtt, da er spricht:

32. Ich bin der GOtt Abrahams und der GOtt Isaaks und der GOtt Jakobs?
GOtt aber ist nicht ein GOtt der Toten, sondern der Lebendigen.

33. Und da solches das Volk hörete, entsetzten sie sich über seine
Lehre.

34. Da aber die Pharisäer höreten, daß er den Sadduzäern das Maul
gestopft hatte, versammelten sie sich.

35. Und einer unter ihnen, ein Schriftgelehrter, versuchte ihn und
sprach:

36. Meister, welches ist das vornehmste Gebot im Gesetz?

37. JEsus aber sprach zu ihm: Du sollst lieben GOtt, deinen HErrn, von
ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt.

38. Dies ist das vornehmste und größte Gebot.

39. Das andere aber ist dem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben
wie dich selbst.

40. In diesen zweien Geboten hanget das ganze Gesetz und die Propheten.

41. Da nun die Pharisäer beieinander waren, fragte sie JEsus

42. und sprach: Wie dünket euch um Christus? Wes Sohn ist er? Sie
sprachen: Davids.

43. Er sprach zu ihnen: Wie nennet ihn denn David im Geist einen
HErrn, da er sagt:

44. Der HErr hat gesagt zu meinem HErrn: Setze dich zu meiner Rechten,
bis daß ich lege deine Feinde zum Schemel deiner Füße.

45. So nun David ihn einen HErrn nennet, wie ist er denn sein Sohn?

46. Und niemand konnte ihm ein Wort antworten, und durfte auch niemand
von dem Tage an hinfort ihn fragen.

Das 23. Kapitel

1. Da redete JEsus zu dem Volk und zu seinen Jüngern

2. und sprach: Auf Moses Stuhl sitzen die Schriftgelehrten und
Pharisäer.

3. Alles nun, was sie euch sagen, daß ihr halten sollet, das haltet
und tut's; aber nach ihren Werken sollt ihr nicht tun. Sie sagen's wohl
und tun's nicht.

4. Sie binden aber schwere und unerträgliche Bürden und legen sie den
Menschen auf den Hals; aber sie wollen dieselben nicht mit einem Finger
regen.

5. Alle ihre Werke aber tun sie, daß sie von den Leuten gesehen
werden. Sie machen ihre Denkzettel breit und die Säume an ihren
Kleidern groß.

6. Sie sitzen gern obenan über Tisch und in den Schulen

7. und haben's gerne, daß sie gegrüßet werden auf dem Markt und von
den Menschen Rabbi genannt werden.

8. Aber ihr sollt euch nicht Rabbi nennen lassen; denn einer, ist euer
Meister, Christus; ihr aber seid alle Brüder.

9. Und sollet niemand Vater heißen auf Erden; denn einer ist euer
Vater, der im Himmel ist.

10. und ihr sollt euch nicht lassen Meister nennen; denn einer ist
euer Meister, Christus.

11. Der Größte unter euch soll euer Diener sein.

12. Denn wer sich selbst erhöhet, der wird erniedriget, und wer sich
selbst erniedriget, der wird erhöhet.

13. Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr
das Himmelreich zuschließt vor den Menschen! Ihr kommet nicht hinein,
und die hinein wollen, lasset ihr nicht hineingehen.

14. Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr
der Witwen Häuser fresset und wendet lange Gebete vor! Darum werdet ihr
desto mehr Verdammnis empfahen.

15. Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr
Land und Wasser umziehet, daß ihr einen Judengenossen machet! Und wenn
er's worden ist, macht ihr aus ihm ein Kind der Hölle, zwiefältig mehr,
denn ihr seid.

16. Wehe euch, verblendete Leiter, die ihr saget: Wer da schwöret bei
dem Tempel, das ist nichts; wer aber schwöret bei dem Golde am Tempel,
der ist schuldig.

17. Ihr Narren und Blinden, was ist größer, das Gold oder der Tempel,
der das Gold heiliget?

18. Wer da schwöret bei dem Altar; das ist nichts; wer aber schwöret
bei dem Opfer, das droben ist, der ist schuldig.

19. Ihr Narren und Blinden, was ist größer, das Opfer oder der Altar,
der das Opfer heiliget?

20. Darum, wer da schwöret bei dem Altar, der schwöret bei demselben
und bei allem, was droben ist.

21. Und wer da schwöret bei dem Tempel, der schwöret bei demselbigen
und bei dem, der drinnen wohnet.

22. Und wer da schwöret bei dem Himmel, der schwöret bei dem Stuhl
GOttes und bei dem, der darauf sitzt.

23. Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr
verzehntet die Minze, Till und Kümmel und lasset dahinten das Schwerste
im Gesetz, nämlich das Gericht, die Barmherzigkeit und den Glauben.
Dies sollte man tun und jenes nicht lassen.

24. Ihr verblendete Leiter, die ihr Mücken seihet und Kamele
verschlucket!

25. Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr
die Becher und Schüsseln auswendig reinlich haltet, inwendig aber ist's
voll Raubes und Fraßes.

26. Du blinder Pharisäer, reinige zum ersten das Inwendige am Becher
und Schüssel, auf daß auch das Auswendige rein werde!

27. Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr
gleich seid wie die übertünchten Gräber, welche auswendig hübsch
scheinen, aber inwendig sind sie voller Totenbeine und alles Unflats.

28. Also auch ihr; von außen scheinet ihr vor den Menschen fromm, aber
inwendig seid ihr voller Heuchelei und Untugend.

29. Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr
der Propheten Gräber bauet und schmücket der Gerechten Gräber

30. und sprechet: Wären wir zu unserer Väter Zeiten gewesen, so
wollten wir nicht teilhaftig sein mit ihnen an der Propheten Blut.

31. So gebt ihr zwar über euch selbst Zeugnis, daß ihr Kinder seid
derer die, die Propheten getötet haben.

32. Wohlan, erfüllet auch ihr das Maß eurer Väter!

33. Ihr Schlangen, ihr Otterngezüchte, wie wollt ihr der höllischen
Verdammnis entrinnen?

34. Darum siehe, ich sende zu euch Propheten und Weise und
Schriftgelehrte; und derselbigen werdet ihr etliche töten und kreuzigen
und etliche werdet ihr geißeln in euren Schulen und werdet sie
verfolgen von einer Stadt zu der andern,

35. auf daß über euch komme alles das gerechte Blut, das vergossen ist
auf Erden, von dem Blut an des gerechten Abels bis aufs Blut Zacharias,
Barachias Sohn, welchen ihr getötet habt zwischen dem Tempel und Altar.

36. Wahrlich, ich sage euch, daß solches alles wird über dies
Geschlecht kommen.

37. Jerusalem, Jerusalem, die du tötest die Propheten und steinigest,
die zu dir gesandt sind, wie oft habe ich deine Kinder versammeln
wollen, wie eine Henne versammelt ihre Küchlein unter ihre Flügel; und
ihr habt nicht gewollt!

38. Siehe, euer Haus soll euch wüste gelassen werden.

39. Denn ich sage euch: Ihr werdet mich von jetzt an nicht sehen, bis
ihr sprechet: Gelobet sei, der da kommt im Namen des HErrn!

Das 24. Kapitel

1. Und JEsus ging hinweg von dem Tempel, und seine Jünger traten zu
ihm, daß sie ihm zeigeten des Tempels Gebäu.

2. JEsus aber sprach zu ihnen: Sehet ihr nicht das alles? Wahrlich,
ich sage euch, es wird hier nicht ein Stein auf dem andern bleiben, der
nicht zerbrochen werde.

3. Und als er auf dem Ölberge saß, traten zu ihm seine Jünger
besonders und sprachen: Sage uns, wann wird das geschehen, und welches
wird das Zeichen sein deiner Zukunft und der Welt Ende?

4. JEsus aber antwortete und sprach zu ihnen: Sehet zu, daß euch nicht
jemand verführe!

5. Denn es werden viele kommen unter meinem Namen und sagen: Ich bin
Christus! und werden viele verführen.

6. Ihr werdet hören Kriege und Geschrei von Kriegen; sehet zu und
erschrecket nicht! Das muß zum ersten alles geschehen; aber es ist noch
nicht das Ende da.

7. Denn es wird sich empören ein Volk über das andere und ein
Königreich über das andere, und werden sein Pestilenz und teure Zeit
und Erdbeben hin und wieder.

8. Da wird sich allererst die Not anheben.

9. Alsdann werden sie euch überantworten in Trübsal und werden euch
töten. Und ihr müsset gehasset werden um meines Namens willen von allen
Völkern.

10. Dann werden sich viele ärgern und werden sich untereinander
verraten und werden sich untereinander hassen.

11. Und es werden sich viel falsche Propheten erheben und werden viele
verführen.

12. Und dieweil die Ungerechtigkeit wird überhandnehmen, wird die
Liebe in vielen erkalten.

13. Wer aber beharret bis ans Ende, der wird selig.

14. Und es wird geprediget werden das Evangelium vom Reich in der
ganzen Welt zu einem Zeugnis über alle Völker; und dann wird das Ende
kommen.

15. Wenn ihr nun sehen werdet den Greuel der Verwüstung, davon gesagt
ist durch den Propheten Daniel, daß er stehet an der heiligen Stätte
(wer das lieset, der merke darauf!),

16. alsdann fliehe auf die Berge, wer im jüdischen Lande ist;

17. und wer auf dem Dach ist, der steige nicht hernieder, etwas aus
seinem Hause zu holen;

18. und wer auf dem Felde ist, der kehre nicht um, seine Kleider zu
holen.

19. Wehe aber den Schwangern und Säugerinnen zu der Zeit!

20. Bittet aber, daß eure Flucht nicht geschehe im Winter oder am
Sabbat,

21. Denn es wird alsdann eine große Trübsal sein, als nicht gewesen
ist von Anfang der Welt bisher und als auch nicht werden wird.

22. Und wo diese Tage nicht würden verkürzt, so würde kein Mensch
selig; aber um der Auserwählten willen werden die Tage verkürzt.

23. So alsdann jemand zu euch wird sagen: Siehe, hier ist Christus
oder da! so sollt ihr's nicht glauben.

24. Denn es werden falsche Christi und falsche Propheten aufstehen und
große Zeichen und Wunder tun, daß verführet werden in den Irrtum (wo es
möglich wäre) auch die Auserwählten.

25. Siehe, ich hab's euch zuvor gesagt!

26. Darum wenn sie zu euch sagen werden: Siehe, er ist in der Wüste!
so gehet nicht hinaus; siehe, er ist in der Kammer! so glaubt nicht.

27. Denn gleichwie der Blitz ausgehet vom Aufgang und scheinet bis zum
Niedergang, also wird auch sein die Zukunft des Menschensohnes.

28. Wo aber ein Aas ist, da sammeln sich die Adler.

29. Bald aber nach der Trübsal derselbigen Zeit werden Sonne und Mond
den Schein verlieren, und die Sterne werden vom Himmel fallen, und die
Kräfte der Himmel werden sich bewegen.

30. Und alsdann wird erscheinen das Zeichen des Menschensohnes am
Himmel. Und alsdann werden heulen alle Geschlechter auf Erden und
werden sehen kommen des Menschen Sohn in den Wolken des Himmels mit
großer Kraft und Herrlichkeit.

31. Und er wird senden seine Engel mit hellen Posaunen, und sie werden
sammeln seine Auserwählten von den vier Winden, von einem Ende des
Himmels zu dem andern.

32. An dem Feigenbaum lernet ein Gleichnis. Wenn sein Zweig jetzt
saftig wird und Blätter gewinnet, so wisset ihr, daß der Sommer nahe ist.

33. Also auch, wenn ihr das alles sehet, so wisset, daß es nahe vor
der Tür ist.

34. Wahrlich, ich sage euch, dies Geschlecht wird nicht vergehen, bis
daß dieses alles geschehe.

35. Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht
vergehen.

36. Von dem Tage aber und von der Stunde weiß niemand, auch die Engel
nicht im Himmel, sondern allein mein Vater.

37. Gleich aber wie es zu der Zeit Noahs war, also wird auch sein die
Zukunft des Menschensohnes.

38. Denn gleichwie sie waren in den Tagen vor der Sintflut: sie aßen,
sie tranken, sie freieten und ließen sich freien bis an den Tag, da
Noah zu der Arche einging,

39. und sie achteten's nicht, bis die Sintflut kam und nahm sie alle
dahin: also wird auch sein die Zukunft des Menschensohnes.

40. Dann werden zween auf dem Felde sein; einer wird angenommen und
der andere wird verlassen werden.

41. Zwo werden mahlen auf der Mühle; eine wird angenommen und die
andere wird verlassen werden.

42. Darum wachet! Denn ihr wisset nicht, welche Stunde euer HErr
kommen wird.

43. Das sollt ihr aber wissen: Wenn ein Hausvater wüßte, welche Stunde
der Dieb kommen wollte, so würde er ja wachen und nicht in sein Haus
brechen lassen.

44. Darum seid ihr auch bereit; denn des Menschen Sohn wird kommen zu
einer Stunde, da ihr nicht meinet.

45. Welcher ist aber nun ein treuer und kluger Knecht, den sein Herr
gesetzt hat über sein Gesinde, daß er ihnen zu rechter Zeit Speise gebe?

46. Selig ist der Knecht, wenn sein Herr kommt und findet ihn also tun!

47. Wahrlich, ich sage euch, er wird ihn über alle seine Güter setzen.

48. So aber jener, der böse Knecht, wird in seinem Herzen sagen: Mein
Herr kommt noch lange nicht,

49. und fähet an zu schlagen seine Mitknechte, isset und trinket mit
den Trunkenen:

50. so wird der Herr desselbigen Knechts kommen an dem Tage, des er
sich nicht versiehet, und zu der Stunde, die er nicht meinet,

51. und wird ihn zerscheitern und wird ihm seinen Lohn geben mit den
Heuchlern. Da wird sein Heulen und Zähneklappen.

Das 25. Kapitel

1. Dann wird das Himmelreich gleich sein zehn Jungfrauen, die ihre
Lampen nahmen und gingen aus dem Bräutigam entgegen.

2. Aber fünf unter ihnen waren töricht, und fünf waren klug.

3. Die törichten nahmen ihre Lampen, aber sie nahmen nicht Öl mit sich.

4. Die klugen aber nahmen Öl in ihren Gefäßen samt ihren Lampen.

5. Da nun der Bräutigam verzog, wurden sie alle schläfrig und
entschliefen.

6. Zur Mitternacht aber ward ein Geschrei: Siehe, der Bräutigam kommt;
gehet aus ihm entgegen!

7. Da stunden diese Jungfrauen alle auf und schmückten ihre Lampen.

8. Die törichten aber sprachen zu den klugen: Gebt uns von eurem Öle;
denn unsere Lampen verlöschen!

9. Da antworteten die klugen und sprachen: Nicht also, auf daß nicht
uns und euch gebreche. Gehet aber hin zu den Krämern und kaufet für
euch selbst!

10. Und da sie hingingen zu kaufen, kam der Bräutigam; und welche
bereit waren, gingen mit ihm hinein zur Hochzeit. Und die Tür ward
verschlossen.

11. Zuletzt kamen auch die andern Jungfrauen und sprachen: Herr, Herr,
tu uns auf!

12. Er antwortete aber und sprach: Wahrlich, ich sage euch, ich kenne
euer nicht.

13. Darum wachet! Denn ihr wisset weder Tag noch Stunde, in welcher
des Menschen Sohn kommen wird.

14. Gleichwie ein Mensch, der über Land zog, rief seinen Knechten und
tat ihnen seine Güter ein.

15. Und einem gab er fünf Zentner, dem andern zween, dem dritten
einen, einem jeden nach seinem Vermögen, und zog bald hinweg.

16. Da ging der hin, der fünf Zentner empfangen hatte, und handelte
mit denselbigen und gewann andere fünf Zentner.

17. Desgleichen auch, der zween Zentner empfangen hatte, gewann auch
zween andere.

18. Der aber einen empfangen hatte, ging hin und machte eine Grube in
die Erde und verbarg seines Herrn Geld.

19. Über eine lange Zeit kam der Herr dieser Knechte und hielt
Rechenschaft mit ihnen.

20. Da trat herzu, der fünf Zentner empfangen hatte, und legte andere
fünf Zentner dar und sprach: Herr, du hast mir fünf Zentner getan;
siehe da, ich habe damit andere fünf Zentner gewonnen.

21. Da sprach sein Herr zu ihm: Ei, du frommer und getreuer Knecht, du
bist über wenigem getreu gewesen; ich will dich über viel setzen. Gehe
ein zu deines Herrn Freude!

22. Da trat auch herzu, der zween Zentner empfangen hatte, und sprach:
Herr, du hast mir zween Zentner getan; siehe da, ich habe mit denselben
zween andere gewonnen.

23. Sein Herr sprach zu ihm: Ei, du frommer und getreuer Knecht, du
bist über wenigem getreu gewesen; ich will dich über viel setzen. Gehe
ein zu deines Herrn Freude!

24. Da trat auch herzu, der einen Zentner empfangen hatte, und sprach:
Herr, ich wußte, daß du ein harter Mann bist: du schneidest, wo du
nicht gesäet hast, und sammelst, da du nicht gestreuet hast.

25. Und fürchtete mich, ging hin und verbarg deinen Zentner in die
Erde. Siehe, da hast du das Deine.

26. Sein Herr aber antwortete und sprach zu ihm: Du Schalk und fauler
Knecht! Wußtest du, daß ich schneide, da ich nicht gesäet habe, und
sammle, da ich nicht gestreuet habe,

27. so solltest du mein Geld zu den Wechslern getan haben, und wenn
ich kommen wäre, hätte ich das Meine zu mir genommen mit Wucher.

28. Darum nehmet von ihm den Zentner und gebet's dem, der zehn Zentner
hat!

29. Denn wer da hat, dem wird gegeben werden, und wird die Fülle
haben; wer aber nicht hat, dem wird auch, was er hat, genommen werden.

30. Und den unnützen Knecht werft in die äußerste Finsternis hinaus;
da wird sein Heulen und Zähneklappen.

31. Wenn aber des Menschen Sohn kommen wird in seiner Herrlichkeit und
alle heiligen Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Stuhl seiner
Herrlichkeit.

32. Und werden vor ihm alle Völker versammelt werden. Und er wird sie
voneinander scheiden, gleich als ein Hirte die Schafe von den Böcken
scheidet.

33. Und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und die Böcke zur
Linken.

34. Da wird denn der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt
her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbet das Reich, das euch bereitet
ist von Anbeginn der Welt!

35. Denn ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich gespeiset. Ich bin
durstig gewesen, und ihr habt mich getränket. Ich bin ein Gast gewesen,
und ihr habt mich beherberget.

36. Ich bin nackend gewesen, und ihr habt mich bekleidet. Ich bin
krank gewesen, und ihr habt mich besuchet. Ich bin gefangen gewesen,
und ihr seid zu mir kommen.

37. Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: HErr, wann
haben wir dich hungrig gesehen und haben dich gespeiset, oder durstig
und haben dich getränket?

38. Wann haben wir dich einen Gast gesehen und beherberget, oder
nackend und haben dich bekleidet?

39. Wann haben wir dich krank oder gefangen gesehen und sind zu dir
kommen?

40. Und der König wird antworten und sagen zu ihnen: Wahrlich, ich
sage euch: Was ihr getan habt einem unter diesen meinen geringsten
Brüdern, das habt ihr mir getan.

41. Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken: Gehet hin von mir,
ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und
seinen Engeln!

42. Ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich nicht gespeiset. Ich
bin durstig gewesen, und ihr habt mich nicht getränket.

43. Ich bin ein Gast gewesen, und ihr habt mich nicht beherberget. Ich
bin nackend gewesen, und ihr habt mich nicht bekleidet. Ich bin krank
und gefangen gewesen, und ihr habt mich nicht besuchet.

44. Da werden sie ihm auch antworten und sagen: HErr, wann haben wir
dich gesehen hungrig oder durstig oder einen Gast oder nackend oder
krank oder gefangen und haben dir nicht gedienet?

45. Dann wird er ihnen antworten und sagen: Wahrlich, ich sage euch:
Was ihr nicht getan habt einem unter diesen Geringsten, das habt ihr
mir auch nicht getan.

46. Und sie werden in die ewige Pein gehen, aber die Gerechten in das
ewige Leben.

Das 26. Kapitel

1. Und es begab sich, da JEsus alle diese Reden vollendet hatte,
sprach er zu seinen Jüngern:

2. Ihr wisset, daß nach zween Tagen Ostern wird, und des Menschen Sohn
wird überantwortet werden, daß er gekreuziget werde.

3. Da versammelten sich die Hohenpriester und Schriftgelehrten und die
Ältesten im Volk in dem Palast des Hohenpriesters, der da hieß Kaiphas,

4. und hielten Rat, wie sie JEsum mit List griffen und töteten.

5. Sie sprachen aber: Ja nicht auf das Fest, auf daß nicht ein Aufruhr
werde im Volk!

6. Da nun JEsus war zu Bethanien im Hause Simons des Aussätzigen,

7. trat zu ihm ein Weib, das hatte ein Glas mit köstlichem Wasser und
goß es auf sein Haupt, da er zu Tisch saß.

8. Da das seine Jünger sahen, wurden sie unwillig und sprachen: Wozu
dient dieser Unrat?

9. Dieses Wasser hätte mögen teuer verkauft und den Armen gegeben
werden.

10. Da das JEsus merkete, sprach er zu ihnen: Was bekümmert ihr das
Weib? Sie hat ein gut Werk an mir getan.

11. Ihr habt allezeit Arme bei euch; mich aber habt ihr nicht allezeit.

12. Daß sie dies Wasser hat auf meinen Leib gegossen, hat sie getan,
daß man mich begraben wird.

13. Wahrlich, ich sage euch, wo dies Evangelium geprediget wird in der
ganzen Welt, da wird man auch sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie getan
hat.

14. Da ging hin der Zwölfen einer, mit Namen Judas Ischariot, zu den
Hohenpriestern

15. und sprach: Was wollt ihr mir geben? Ich will ihn euch verraten.
Und sie boten ihm dreißig Silberlinge.

16. Und von dem an suchte er Gelegenheit, daß er ihn verriete.

17. Aber am ersten Tage der süßen Brote traten die Jünger zu JEsu und
sprachen zu ihm: Wo willst du, daß wir dir bereiten, das Osterlamm zu
essen?

18. Er sprach: Gehet hin in die Stadt zu einem und sprechet zu ihm:
Der Meister läßt dir sagen: Meine Zeit ist hier; ich will bei dir die
Ostern halten mit meinen Jüngern.

19. Und die Jünger taten, wie ihnen JEsus befohlen hatte, und
bereiteten das Osterlamm.

20. Und am Abend setzte er sich zu Tische mit den Zwölfen.

21. Und da sie aßen, sprach er: Wahrlich, ich sage euch, einer unter
euch wird mich verraten.

22. Und sie wurden sehr betrübt und huben an, ein jeglicher unter
ihnen, und sagten zu ihm: HErr, bin ich's?

23. Er antwortete und sprach: Der mit der Hand mit mir in die Schüssel
tauchet, der wird mich verraten.

24. Des Menschen Sohn gehet zwar dahin, wie von ihm geschrieben
stehet; doch wehe dem Menschen, durch welchen des Menschen Sohn
verraten wird! Es wäre ihm besser, daß derselbige Mensch noch nie
geboren wäre.

25. Da antwortete Judas, der ihn verriet, und sprach: Bin ich's,
Rabbi? Er sprach zu ihm: Du sagst es.

26. Da sie aber aßen, nahm JEsus das Brot, dankete und brach's und
gab's den Jüngern und sprach: Nehmet, esset; das ist mein Leib.

27. Und er nahm den Kelch und dankete, gab ihnen den und sprach:
Trinket alle daraus!

28. Das ist mein Blut des Neuen Testaments, welches vergossen wird für
viele zur Vergebung der Sünden.

29. Ich sage euch: Ich werde von nun an nicht mehr von diesem Gewächs
des Weinstocks trinken bis an den Tag, da ich's neu trinken werde mit
euch in meines Vaters Reich.

30. Und, da sie den Lobgesang gesprochen hatten, gingen sie hinaus an
den Ölberg.

31. Da sprach JEsus zu ihnen: In dieser Nacht werdet ihr euch alle
ärgern an mir; denn es stehet geschrieben: Ich werde den Hirten
schlagen, und die Schafe der Herde werden sich zerstreuen.

32. Wenn ich aber auferstehe, will ich vor euch hingehen in Galiläa.

33. Petrus aber antwortete und sprach zu ihm: Wenn sie auch alle sich
an dir ärgerten, so will ich doch mich nimmermehr ärgern.

34. JEsus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir, in dieser Nacht, ehe
der Hahn krähet, wirst du mich dreimal verleugnen.

35. Petrus sprach zu ihm: Und wenn ich mit dir sterben müßte, so will
ich dich nicht verleugnen. Desgleichen sagten auch alle Jünger.

36. Da kam JEsus mit ihnen zu einem Hof, der hieß Gethsemane, und
sprach zu seinen Jüngern: Setzet euch hier, bis daß ich dorthin gehe
und bete.

37. Und nahm zu sich Petrus und die zween Söhne des Zebedäus und fing
an zu trauern und zu zagen.

38. Da sprach JEsus zu ihnen: Meine Seele ist betrübt bis an den Tod;
bleibet hier und wachet mit mir!

39. Und ging hin ein wenig, fiel nieder auf sein Angesicht und betete
und sprach: Mein Vater, ist's möglich, so gehe dieser Kelch von mir;
doch nicht, wie ich will, sondern wie du willst.

40. Und er kam zu seinen Jüngern und fand sie schlafend und sprach zu
Petrus: Könnet ihr denn nicht eine Stunde mit mir wachen?

41. Wachet und betet, daß ihr nicht in Anfechtung fallet. Der Geist
ist willig; aber das Fleisch ist schwach.

42. Zum andernmal ging er wieder hin, betete und sprach: Mein Vater,
ist's nicht möglich, daß dieser Kelch von mir gehe, ich trinke ihn
denn; so geschehe dein Wille.

43. Und er kam und fand sie abermal schlafend, und ihre Augen waren
voll Schlafs.

44. Und er ließ sie und ging abermal hin und betete zum drittenmal und
redete dieselbigen Worte.

45. Da kam er zu seinen Jüngern und sprach zu ihnen: Ach, wollt ihr
nun schlafen und ruhen? Siehe, die Stunde ist hier, daß des Menschen
Sohn in der Sünder Hände überantwortet wird.

46. Stehet auf, laßt uns gehen! Siehe, er ist da, der mich verrät!

47. Und als er noch redete, siehe, da kam Judas, der Zwölfen einer,
und mit ihm eine große Schar mit Schwertern und mit Stangen von den
Hohenpriestern und Ältesten des Volks.

48. Und der Verräter hatte ihnen ein Zeichen gegeben und gesagt:
Welchen ich küssen werde, der ist's; den greifet.

49. Und alsbald trat er zu JEsu und sprach: Gegrüßet seiest du, Rabbi!
und küssete ihn.

50. JEsus aber sprach zu ihm: Mein Freund, warum bist du kommen? Da
traten sie hinzu und legten die Hände an JEsum und griffen ihn.

51. Und siehe, einer aus denen, die mit JEsu waren, reckte die Hand
aus und zog sein Schwert aus und schlug des Hohenpriesters Knecht und
hieb ihm ein Ohr ab.

52. Da sprach JEsus zu ihm: Stecke dein Schwert an seinen Ort; denn
wer das Schwert nimmt, der soll durchs Schwert umkommen.

53. Oder meinest du, daß ich nicht könnte meinen Vater bitten, daß er
mir zuschickte mehr denn zwölf Legionen Engel?

54. Wie würde aber die Schrift erfüllet? Es muß also gehen.

55. Zu der Stunde sprach JEsus zu den Scharen: Ihr seid ausgegangen
als zu einem Mörder mit Schwertern und mit Stangen, mich zu fahen; bin
ich doch täglich gesessen bei euch und habe gelehret im Tempel, und ihr
habt mich nicht gegriffen.

56. Aber das ist alles geschehen, daß erfüllet würden die Schriften
der Propheten. Da verließen ihn alle Jünger und flohen.

57. Die aber JEsum gegriffen hatten, führeten ihn zu dem Hohenpriester
Kaiphas, dahin die Schriftgelehrten und Ältesten sich versammelt hatten.

58. Petrus aber folgte ihm nach von ferne bis in den Palast des
Hohenpriesters und ging hinein und setzte sich zu den Knechten, auf daß
er sähe, wo es hinaus wollte.

59. Die Hohenpriester aber und Ältesten und der ganze Rat suchten
falsch Zeugnis wider JEsum, auf daß sie ihn töteten,

60. und fanden keins. Und wiewohl viel falsche Zeugen herzutraten,
fanden sie doch keins. Zuletzt traten herzu zween falsche Zeugen

61. und sprachen: Er hat gesagt: Ich kann den Tempel GOttes abbrechen
und in dreien Tagen denselben bauen.

62. Und der Hohepriester stund auf und sprach zu ihm: Antwortest du
nichts zu dem, was diese wider dich zeugen?

63. Aber JEsus schwieg stille. Und der Hohepriester antwortete und
sprach zu ihm: Ich beschwöre dich bei dem lebendigen GOtt, daß du uns
sagest, ob du seiest Christus, der Sohn GOttes.

64. JEsus sprach zu ihm: Du sagst es. Doch sage ich euch: Von nun an
wird's geschehen, daß ihr sehen werdet des Menschen Sohn sitzen zur
Rechten der Kraft und kommen in den Wolken des Himmels.

65. Da zerriß der Hohepriester seine Kleider und sprach: Er hat GOtt
gelästert; was bedürfen wir weiter Zeugnis? Siehe, jetzt habt ihr seine
Gotteslästerung gehört.

66. Was dünkt euch? Sie antworteten und sprachen: Er ist des Todes
schuldig.

67. Da speieten sie aus in sein Angesicht und schlugen ihn mit
Fäusten. Etliche aber schlugen ihn ins Angesicht

68. und sprachen: Weissage uns, Christe, wer ist's, der dich schlug?

69. Petrus aber saß draußen im Palast. Und es trat zu ihm eine Magd
und sprach: Und du warest auch mit dem JEsu aus Galiläa.

70. Er leugnete aber vor ihnen allen und sprach: Ich weiß nicht, was
du sagest.

71. Als er aber zur Tür hinausging, sah ihn eine andere und sprach zu
denen, die da waren: Dieser war auch mit dem JEsu von Nazareth.

72. Und er leugnete abermal und schwur dazu: Ich kenne den Menschen
nicht.

73. Und über eine kleine Weile traten hinzu, die da stunden, und
sprachen zu Petrus: Wahrlich, du bist auch einer von denen; denn deine
Sprache verrät dich.

74. Da hub er an sich zu verfluchen und zu schwören: Ich kenne den
Menschen nicht. Und alsbald krähete der Hahn.

75. Da dachte Petrus an die Worte JEsu, da er zu ihm sagte: Ehe der
Hahn krähen wird, wirst du mich dreimal verleugnen. Und ging hinaus und
weinte bitterlich.

Das 27. Kapitel

1. Des Morgens aber hielten alle Hohenpriester und die Ältesten des
Volks einen Rat über JEsum, daß sie ihn töteten.

2. Und banden ihn, führeten ihn hin und überantworteten ihn dem
Landpfleger Pontius Pilatus.

3. Da das sah Judas, der ihn verraten hatte, daß er verdammt war zum
Tode, gereuete es ihn und brachte herwieder die dreißig Silberlinge den
Hohenpriestern und den Ältesten

4. und sprach: Ich habe übel getan, daß ich unschuldig Blut verraten
habe.

5. Sie sprachen: Was gehet uns das an? Da siehe du zu! Und er warf die
Silberlinge in den Tempel, hub sich davon, ging hin und erhängte sich
selbst.

6. Aber die Hohenpriester nahmen die Silberlinge und sprachen: Es
taugt nicht, daß wir sie in den Gotteskasten legen; denn es ist Blutgeld.

7. Sie hielten aber einen Rat und kauften einen Töpfersacker darum zum
Begräbnis der Pilger.

8. Daher ist derselbige Acker genannt der Blutacker bis auf den
heutigen Tag.

9. Da ist erfüllet, was gesagt ist durch den Propheten Jeremia, da er
spricht: Sie haben genommen dreißig Silberlinge, damit bezahlet ward
der Verkaufte, welchen sie kauften von den Kindern Israel,

10. und haben sie gegeben um einen Töpfersacker, als mir der HErr
befohlen hat.

11. JEsus aber stund vor dem Landpfleger. Und der Landpfleger fragte
ihn und sprach: Bist du der Juden König? JEsus aber sprach zu ihm: Du
sagst es.

12. Und da er verklagt ward von den Hohenpriestern und Ältesten,
antwortete er nichts.

13. Da sprach Pilatus zu ihm: Hörest du nicht, wie hart sie dich
verklagen?

14. Und er antwortete ihm nicht auf ein Wort, also daß sich auch der
Landpfleger sehr verwunderte.

15. Auf das Fest aber hatte der Landpfleger die Gewohnheit, dem Volk
einen Gefangenen loszugeben, welchen sie wollten.

16. Er hatte aber zu der Zeit einen Gefangenen, einen sonderlichen vor
andern, der hieß Barabbas.

17. Und da sie versammelt waren, sprach Pilatus zu ihnen: Welchen
wollt ihr, daß ich euch losgebe, Barabbas oder JEsus, von dem gesagt
wird, er sei Christus?

18. Denn er wußte wohl, daß sie ihn aus Neid überantwortet hatten.

19. Und da er auf dem Richterstuhl saß, schickte sein Weib zu ihm und
ließ ihm sagen: Habe du nichts zu schaffen mit diesem Gerechten; ich
habe heute viel erlitten im Traum von seinetwegen.

20. Aber die Hohenpriester und die Ältesten überredeten das Volk, daß
sie um Barabbas bitten sollten und JEsum umbrächten.

21. Da antwortete nun der Landpfleger und sprach zu ihnen: Welchen
wollt ihr unter diesen zweien, den ich euch soll losgeben? Sie
sprachen: Barabbas.

22. Pilatus sprach zu ihnen: Was soll ich denn machen mit JEsu, von
dem gesagt wird, er sei Christus? Sie sprachen alle: Laß ihn kreuzigen!

23. Der Landpfleger sagte: Was hat er denn Übels getan? Sie schrieen
aber noch mehr und sprachen: Laß ihn kreuzigen!

24. Da aber Pilatus sah, daß er nichts schaffete, sondern daß ein viel
größer Getümmel ward, nahm er Wasser und wusch die Hände vor dem Volk
und sprach: Ich bin unschuldig an dem Blut dieses Gerechten; sehet ihr
zu!

25. Da antwortete das ganze Volk und sprach: Sein Blut komme über uns
und über unsere Kinder!

26. Da gab er ihnen Barabbas los; aber JEsum ließ er geißeln und
überantwortete ihn, daß er gekreuziget würde.

27. Da nahmen die Kriegsknechte des Landpflegers JEsum zu sich in das
Richthaus und sammelten über ihn die ganze Schar.

28. Und zogen ihn aus und legten ihm einen Purpurmantel an

29. und flochten eine Dornenkrone und setzten sie auf sein Haupt und
ein Rohr in seine rechte Hand und beugten die Kniee vor ihm und
verspotteten ihn und sprachen: Gegrüßet seiest du, der Juden König!

30. Und speieten ihn an und nahmen das Rohr und schlugen damit sein
Haupt.

31. Und da sie ihn verspottet hatten, zogen sie ihm den Mantel aus und
zogen ihm seine Kleider an und führeten ihn hin, daß sie ihn kreuzigten.

32. Und indem sie hinausgingen, fanden sie einen Menschen von Kyrene
mit Namen Simon; den zwangen sie, daß er ihm sein Kreuz trug.

33. Und da sie an die Stätte kamen mit Namen Golgatha, das ist
verdeutschet Schädelstätte,

34. gaben sie ihm Essig zu trinken, mit Galle vermischt; und da er's
schmeckte, wollte er nicht trinken.

35. Da sie ihn aber gekreuziget hatten, teilten sie seine Kleider und
warfen das Los darum, auf daß erfüllet würde, was gesagt ist durch den
Propheten: Sie haben meine Kleider unter sich geteilet und über mein
Gewand haben sie das Los geworfen.

36. Und sie saßen allda und hüteten sein.

37. Und oben zu seinen Häupten hefteten sie die Ursache seines Todes
beschrieben, nämlich: Dies ist JEsus, der Juden König.

38. Und da wurden zween Mörder mit ihm gekreuziget, einer zur Rechten
und einer zur Linken.

39. Die aber vorübergingen, lästerten ihn und schüttelten ihre Köpfe

40. und sprachen: Der du den Tempel GOttes zerbrichst und bauest ihn
in dreien Tagen, hilf dir selber! Bist du GOttes Sohn, so steig herab
vom Kreuz.

41. Desgleichen auch die Hohenpriester spotteten sein samt den
Schriftgelehrten und Ältesten und sprachen:

42. Andern hat er geholfen und kann sich selber nicht helfen. Ist er
der König Israels, so steige er nun vom Kreuz, so wollen wir ihm glauben.

43. Er hat GOtt vertraut, der erlöse ihn nun, lüstet's ihn; denn er
hat gesagt: Ich bin GOttes Sohn.

44. Desgleichen schmäheten ihn auch die Mörder, die mit ihm
gekreuziget waren.

45. Und von der sechsten Stunde an ward eine Finsternis über das ganze
Land bis zu der neunten Stunde.

46. Und um die neunte Stunde schrie JEsus laut und sprach: Eli, Eli,
lama asabthani? das ist: Mein GOtt, mein GOtt, warum hast du mich
verlassen?

47. Etliche aber, die da stunden, da sie das höreten, sprachen sie:
Der ruft den Elia.

48. Und bald lief einer unter ihnen, nahm einen Schwamm und füllete
ihn mit Essig und steckte ihn auf ein Rohr und tränkte ihn.

49. Die andern aber sprachen: Halt, laß sehen, ob Elia komme und ihm
helfe!

50. Aber JEsus schrie abermal laut und verschied.

51. Und siehe da, der Vorhang im Tempel zerriß in zwei Stücke, von
oben an bis unten aus.

52. Und die Erde erbebete, und die Felsen zerrissen, und die Gräber
taten sich auf, und stunden auf viel Leiber der Heiligen, die da
schliefen,

53. und gingen aus den Gräbern nach seiner Auferstehung und kamen in
die Heilige Stadt und erschienen vielen.

54. Aber der Hauptmann und die bei ihm waren und bewahreten JEsum, da
sie sahen das Erdbeben und was da geschah, erschraken sie sehr und
sprachen: Wahrlich, dieser ist GOttes Sohn gewesen!

55. Und es waren viel Weiber da, die von ferne zusahen, die da JEsu
waren nachgefolget aus Galiläa und hatten ihm gedienet,

56. unter welchen war Maria Magdalena und Maria, die Mutter des
Jakobus und Joses, und die Mutter der Kinder des Zebedäus.

57. Am Abend aber kam ein reicher Mann von Arimathia, der hieß Joseph,
welcher auch ein Jünger JEsu war.

58. Der ging zu Pilatus und bat ihn um den Leib JEsu. Da befahl
Pilatus, man sollte ihm ihn geben.

59. Und Joseph nahm den Leib und wickelte ihn in eine reine Leinwand.

60. Und legte ihn in sein eigen neu Grab, welches er hatte lassen in
einen Felsen hauen, und wälzte einen großen Stein vor die Tür des
Grabes und ging davon.

61. Es war aber allda Maria Magdalena und die andere Maria, die
setzten sich gegen das Grab.

62. Des andern Tages, der da folgt nach dem Rüsttag, kamen die
Hohenpriester und Pharisäer sämtlich zu Pilatus

63. und sprachen: Herr, wir haben gedacht, daß dieser Verführer
sprach, da er noch lebte: Ich will nach dreien Tagen auferstehen.

64. Darum befiehl, daß man das Grab verwahre bis an den dritten Tag,
auf daß nicht seine Jünger kommen und stehlen ihn und sagen zum Volk:
Er ist auferstanden von den Toten, und werde der letzte Betrug ärger
denn der erste.

65. Pilatus sprach zu ihnen: Da habt ihr die Hüter; gehet hin und
verwahret, wie ihr wisset.

66. Sie gingen hin und verwahreten das Grab mit Hütern und
versiegelten den Stein.

Das 28. Kapitel

1. Am Abend aber des Sabbats, welcher anbricht am Morgen des ersten
Feiertages der Sabbate, kam Maria Magdalena und die andere Maria, das
Grab zu besehen.

2. Und siehe, es geschah ein groß Erdbeben. Denn der Engel des HErrn
kam vom Himmel herab, trat hinzu und wälzte den Stein von der Tür und
setzte sich darauf.

3. Und seine Gestalt war wie der Blitz und sein Kleid weiß wie der
Schnee.

4. Die Hüter aber erschraken vor Furcht und wurden, als wären sie tot.

5. Aber der Engel antwortete und sprach zu den Weihern: Fürchtet euch
nicht; ich weiß, daß ihr JEsum, den Gekreuzigten, suchet.

6. Er ist nicht hier; er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt
her und sehet die Stätte, da der HErr gelegen hat!

7. Und gehet eilend hin und saget es seinen Jüngern, daß er
auferstanden sei von den Toten. Und siehe, er wird vor euch hingehen
nach Galiläa; da werdet ihr ihn sehen. Siehe, ich hab's euch gesagt.

8. Und sie gingen eilend zum Grabe hinaus mit Furcht und großer Freude
und liefen, daß sie es seinen Jüngern verkündigten. Und da sie gingen,
seinen Jüngern zu verkündigen,

9. siehe, da begegnete ihnen JEsus und sprach: Seid gegrüßet! Und sie
traten zu ihm und griffen an seine Füße und fielen vor ihm nieder.

10. Da sprach JEsus zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Gehet hin und
verkündiget es meinen Brüdern, daß sie gehen nach Galiläa; daselbst
werden sie mich sehen.

11. Da sie aber hingingen, siehe, da kamen etliche von den Hütern in
die Stadt und verkündigten den Hohenpriestern alles, was geschehen war.

12. Und sie kamen zusammen mit den Ältesten und hielten einen Rat und
gaben den Kriegsknechten Gelds genug

13. und sprachen: Saget, seine Jünger kamen des Nachts und stahlen
ihn, dieweil wir schliefen.

14. Und wo es würde auskommen bei dem Landpfleger, wollen wir ihn
stillen und schaffen, daß ihr sicher seid.

15. Und sie nahmen das Geld und taten, wie sie gelehret waren. Solches
ist eine gemeine Rede worden bei den Juden bis auf den heutigen Tag.

16. Aber die elf Jünger gingen nach Galiläa auf einen Berg, dahin
JEsus sie beschieden hatte.

17. Und da sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder; etliche aber
zweifelten.

18. Und JEsus trat zu ihnen, redete mit ihnen und sprach: Mir ist
gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.

19. Darum gehet hin und lehret alle Völker und taufet sie im Namen des
Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes!

20. Und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe! Und
siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.