1. Es war ein Mann im Lande Uz, der hieß Hiob. Derselbe war schlecht
und recht, gottesfürchtig und meidete das Böse.
2. Und zeugete sieben Söhne und drei Töchter.
3. Und seines Viehes waren siebentausend Schafe, dreitausend Kamele,
fünfhundert Joch Rinder und fünfhundert Eselinnen und sehr viel
Gesindes; und er war herrlicher denn alle, die gegen Morgen wohneten.
4. Und seine Söhne gingen hin und machten Wohlleben, ein jeglicher in
seinem Hause auf seinen Tag; und sandten hin und luden ihre drei
Schwestern, mit ihnen zu essen und zu trinken.
5. Und wenn ein Tag des Wohllebens um war, sandte Hiob hin und
heiligte sie; und machte sich des Morgens frühe auf und opferte
Brandopfer nach ihrer aller Zahl. Denn Hiob gedachte: Meine Söhne
möchten gesündiget und GOtt gesegnet haben in ihrem Herzen. Also tat
Hiob alle Tage.
6. Es begab sich aber auf einen Tag, da die Kinder GOttes kamen und
vor den HErrn traten, kam der Satan auch unter ihnen.
7. Der HErr aber sprach zu dem Satan: Wo kommst du her? Satan
antwortete dem HErrn und sprach: Ich habe das Land umher durchzogen.
8. Der HErr sprach zu Satan: Hast du nicht achtgehabt auf meinen
Knecht Hiob? Denn es ist seinesgleichen nicht im Lande, schlecht und
recht, gottesfürchtig und meidet das Böse.
9. Satan antwortete dem HErrn und sprach: Meinest du, daß Hiob umsonst
GOtt fürchtet?
10. Hast du doch ihn, sein Haus und alles, was er hat, rings umher
verwahret. Du hast das Werk seiner Hände gesegnet, und sein Gut hat
sich ausgebreitet im Lande.
11. Aber recke deine Hand aus und taste an alles, was er hat; was
gilt's, er wird dich ins Angesicht segnen?
12. Der HErr sprach zu Satan: Siehe, alles, was er hat, sei in deiner
Hand; ohne allein an ihn selbst lege deine Hand nicht. Da ging Satan
aus von dem HErrn.
13. Des Tages aber, da seine Söhne und Töchter aßen und tranken Wein
in ihres Bruders Hause, des Erstgeborenen,
14. kam ein Bote zu Hiob und sprach: Die Rinder pflügeten, und die
Eselinnen gingen neben ihnen an der Weide;
15. da fielen die aus Reicharabien herein und nahmen sie und schlugen
die Knaben mit der Schärfe des Schwerts; und ich bin allein entronnen,
daß ich dir's ansagte.
16. Da der noch redete, kam ein anderer und sprach: Das Feuer GOttes
fiel vom Himmel und verbrannte Schafe und Knaben und verzehrete sie;
und ich bin allein entronnen, daß ich dir's ansagte.
17. Da der noch redete, kam einer und sprach: Die Chaldäer machten
drei Spitzen und überfielen die Kamele und nahmen sie und schlugen die
Knaben mit der Schärfe des Schwerts; und ich bin allein entronnen, daß
ich dir's ansagte.
18. Da der noch redete, kam einer und sprach: Deine Söhne und Töchter
aßen und tranken im Hause ihres Bruders, des Erstgebornen;
19. und siehe, da kam ein großer Wind von der Wüste her und stieß auf
die vier Ecken des Hauses und warf's auf die Knaben, daß sie starben;
und ich bin allein entronnen, daß ich dir's ansagte.
20. Da stund Hiob auf und zerriß sein Kleid und raufte sein Haupt; und
fiel auf die Erde und betete an
21. und sprach: Ich bin nackend von meiner Mutter Leibe kommen,
nackend werde ich wieder dahinfahren. Der HErr hat's gegeben, der HErr
hat's genommen; der Name des HErrn sei gelobt!
22. In diesem allem sündigte Hiob nicht und tat nichts Törichtes wider
GOtt.
1. Es begab sich aber des Tages, da die Kinder GOttes kamen und traten
vor den HErrn, daß Satan auch unter ihnen kam und vor den HErrn trat.
2. Da sprach der HErr zu dem Satan: Wo kommst du her? Satan antwortete
dem HErrn und sprach: Ich habe das Land umher durchzogen.
3. Der HErr sprach zu dem Satan: Hast du nicht acht auf meinen Knecht
Hiob gehabt? Denn es ist seinesgleichen im Lande nicht, schlecht und
recht, gottesfürchtig und meidet das Böse und hält noch fest an seiner
Frömmigkeit; du aber hast mich bewegt, daß ich ihn ohne Ursache
verderbet habe.
4. Satan antwortete dem HErrn und sprach: Haut für Haut; und alles,
was ein Mann hat, läßt er für sein Leben.
5. Aber recke deine Hand aus und taste sein Gebein und Fleisch an; was
gilt's, er wird dich ins Angesicht segnen?
6. Der HErr sprach zu dem Satan: Siehe da, er sei in deiner Hand; doch
schone seines Lebens!
7. Da fuhr der Satan aus vom Angesicht des HErrn und schlug Hiob mit
bösen Schwären von der Fußsohle an bis auf seine Scheitel.
8. Und er nahm einen Scherben und schabte sich und saß in der Asche.
9. Und sein Weib sprach zu ihm: Hältst du noch fest an deiner
Frömmigkeit? Ja, segne GOtt und stirb!
10. Er aber sprach zu ihr: Du redest, wie die närrischen Weiber reden.
Haben wir Gutes empfangen von GOtt und sollten das Böse nicht auch
annehmen? In diesem allem versündigte sich Hiob nicht mit seinen Lippen.
11. Da aber die drei Freunde Hiobs höreten all das Unglück, das über
ihn kommen war, kamen sie, ein jeglicher aus seinem Ort: Eliphas von
Theman, Bildad von Suah und Zophar von Naema. Denn sie wurden eins, daß
sie kämen, ihn zu klagen und zu trösten.
12. Und da sie ihre Augen aufhuben von ferne, kannten sie ihn nicht
und huben auf ihre Stimme und weineten; und ein jeglicher zerriß sein
Kleid und sprengeten Erde auf ihr Haupt gen Himmel.
13. Und saßen mit ihm auf der Erde sieben Tage und sieben Nächte und
redeten nichts mit ihm; denn sie sahen, daß der Schmerz sehr groß war.
1. Danach tat Hiob seinen Mund auf und verfluchte seinen Tag.
2. Und Hiob sprach:
3. Der Tag müsse verloren sein, darinnen ich geboren bin, und die
Nacht, da man sprach: Es ist ein Männlein empfangen.
4. Derselbe Tag müsse finster sein, und GOtt von oben herab müsse
nicht nach ihm fragen; kein Glanz müsse über ihn scheinen.
5. Finsternis und Dunkel müssen ihn überwältigen, und dicke Wolken
müssen über ihm bleiben, und der Dampf am Tage mache ihn gräßlich.
6. Die Nacht müsse ein Dunkel einnehmen, und müsse sich nicht unter
den Tagen des Jahres freuen, noch in die Zahl der Monden kommen.
7. Siehe, die Nacht müsse einsam sein und kein Jauchzen drinnen sein.
8. Es verfluchen sie die Verflucher des Tages, und die da bereit sind,
zu erwecken den Leviathan.
9. Ihre Sterne müssen finster sein in ihrer Dämmerung; sie hoffe aufs
Licht und komme nicht und müsse nicht sehen die Augenbrauen der
Morgenröte,
10. daß sie nicht verschlossen hat die Tür meines Leibes und nicht
verborgen das Unglück vor meinen Augen.
11. Warum bin ich nicht gestorben von Mutterleib an? Warum bin ich
nicht umkommen, da ich aus dem Leibe kam?
12. Warum hat man mich auf den Schoß gesetzet? Warum bin ich mit
Brüsten gesäuget?
13. So läge ich doch nun und wäre stille, schliefe und hätte Ruhe
14. mit den Königen und Ratsherren auf Erden, die das Wüste bauen;
15. oder mit den Fürsten, die Gold haben und ihre Häuser voll Silbers
sind;
16. oder wie eine unzeitige Geburt verborgen und nichts wäre, wie die
jungen Kinder, die das Licht nie gesehen haben.
17. Daselbst müssen doch aufhören die Gottlosen mit Toben; daselbst
ruhen doch, die viel Mühe gehabt haben.
18. Da haben doch miteinander Frieden die Gefangenen und hören nicht
die Stimme des Drängers.
19. Da sind beide klein und groß, Knecht und der von seinem Herrn frei
gelassen ist.
20. Warum ist das Licht gegeben dem Mühseligen und das Leben den
betrübten Herzen,
21. (die des Todes warten und kommt nicht, und grüben ihn wohl aus dem
Verborgenen,
22. die sich fast freuen und sind fröhlich, daß sie das Grab bekommen,)
23. und dem Manne, des Weg verborgen ist, und GOtt vor ihm denselben
bedecket?
24. Denn wenn ich essen soll, muß ich seufzen, und mein Heulen fähret
heraus wie Wasser.
25. Denn das ich gefürchtet habe, ist über mich kommen, und das ich
sorgte, hat mich getroffen.
26. War ich nicht glückselig? War ich nicht fein stille? Hatte ich
nicht gute Ruhe? Und kommt solche Unruhe!
1. Da antwortete Eliphas von Theman und sprach:
2. Du hast's vielleicht nicht gerne, so man versucht, mit dir zu
reden; aber wer kann sich's enthalten?
3. Siehe, du hast viele unterweiset und lasse Hände gestärkt;
4. deine Rede hat die Gefallenen aufgerichtet, und die bebenden Kniee
hast du bekräftiget.
5. Nun es aber an dich kommt, wirst du weich; und nun es dich trifft,
erschrickst du.
6. Ist das deine (GOttes-)Furcht, dein Trost, deine Hoffnung und deine
Frömmigkeit?
7. Lieber, gedenke, wo ist ein Unschuldiger umkommen, oder wo sind die
Gerechten je vertilget?
8. Wie ich wohl gesehen habe, die da Mühe pflügten und Unglück säeten
und ernten sie auch ein,
9. daß sie durch den Odem GOttes sind umkommen und vom Geist seines
Zorns vertilget.
10. Das Brüllen der Löwen und die Stimme der großen Löwen und die
Zähne der jungen Löwen sind zerbrochen.
11. Der Löwe ist umkommen, daß er nicht mehr raubet, und die Jungen
der Löwin sind zerstreuet.
12. Und zu mir ist kommen ein heimlich Wort, und mein Ohr hat ein
Wörtlein aus demselben empfangen.
13. Da ich Gesichte betrachtete in der Nacht, wenn der Schlaf auf die
Leute fällt,
14. da kam mich Furcht und Zittern an, und, alle meine Gebeine
erschraken.
15. Und da der Geist vor mir überging, stunden mir die Haare zu Berge
an meinem Leibe.
16. Da stund ein Bild vor meinen Augen, und ich kannte seine Gestalt
nicht; es war stille, und ich hörete eine Stimme:
17. Wie mag ein Mensch gerechter sein denn GOtt, oder ein Mann reiner
sein, denn der ihn gemacht hat?
18. Siehe, unter seinen Knechten ist keiner ohne Tadel, und in seinen
Boten findet er Torheit.
19. Wie viel mehr, die in den leimenen Häusern wohnen und welche auf
Erden gegründet sind, werden von den Würmern gefressen werden.
20. Es währet von Morgen bis an den Abend, so werden sie ausgehauen;
und ehe sie es gewahr werden, sind sie gar dahin;
21. und ihre Übrigen vergehen und sterben auch unversehens.
1. Nenne mir einen; was gilt's, ob du einen findest? Und siehe dich um
irgend nach einem Heiligen.
2. Einen Tollen aber erwürget wohl der Zorn, und den Albernen tötet
der Eifer.
3. Ich sah einen Tollen eingewurzelt, und ich fluchte plötzlich seinem
Hause.
4. Seine Kinder werden ferne sein vom Heil und werden zerschlagen
werden im Tor, da kein Erretter sein wird.
5. Seine Ernte wird essen der Hungrige, und die Gewappneten werden ihn
holen, und sein Gut werden die Durstigen aussaufen.
6. Denn Mühe aus der Erde nicht gehet, und Unglück aus dem Acker nicht
wächset,
7. sondern der Mensch wird zu Unglück geboren, wie die Vögel schweben,
emporzufliegen.
8. Doch ich will jetzt von GOtt reden und von ihm handeln,
9. der große Dinge tut, die nicht zu forschen sind, und Wunder, die
nicht zu zählen sind;
10. der den Regen aufs Land gibt und lässet Wasser kommen auf die
Straßen;.
11. der die Niedrigen erhöhet und den Betrübten emporhilft.
12. Er macht zunichte die Anschläge der Listigen, daß es ihre Hand
nicht ausführen kann.
13. Er fähet die Weisen in ihrer Listigkeit und stürzet der Verkehrten
Rat,
14. daß sie des Tages in Finsternis laufen und tappen im Mittag wie in
der Nacht;
15. und hilft dem Armen von dem Schwert und von ihrem Munde und von
der Hand des Mächtigen;
16. und ist des Armen Hoffnung, daß die Bosheit wird ihren Mund müssen
zuhalten.
17. Siehe, selig ist der Mensch, den GOtt strafet; darum weigere dich
der Züchtigung des Allmächtigen nicht!
18. Denn er verletzet und verbindet; er zerschmeißet, und seine Hand
heilet.
19. Aus sechs Trübsalen wird er dich erretten, und in der siebenten
wird dich kein Übel rühren.
20. In der Teurung wird er dich vom Tode erlösen und im Kriege von des
Schwerts Hand.
21. Er wird dich verbergen vor der Geißel der Zunge, daß du dich nicht
fürchtest vor dem Verderben, wenn es kommt.
22. Im Verderben und Hunger wirst du lachen und dich vor den wilden
Tieren im Lande nicht fürchten,
23. sondern dein Bund wird sein mit den Steinen auf dem Felde, und die
wilden Tiere auf dem Lande werden Frieden mit dir halten;
24. und wirst erfahren, daß deine Hütte Frieden hat; und wirst deine
Behausung versorgen und nicht sündigen;
25. und wirst erfahren, daß deines Samens wird viel werden und deine
Nachkommen wie das Gras auf Erden;
26. und wirst im Alter zu Grabe kommen, wie Garben eingeführet werden
zu seiner Zeit.
27. Siehe, das haben wir erforschet, und ist also; dem gehorche und
merke du dir's!
1. Hiob antwortete und sprach:
2. Wenn man meinen Jammer wöge und mein Leiden zusammen in eine Waage
legte,
3. so würde es schwerer sein denn Sand am Meer; darum ist's umsonst,
was ich rede.
4. Denn die Pfeile des Allmächtigen stecken in mir, derselben Grimm
säuft aus meinen Geist, und die Schrecknisse GOttes sind auf mich
gerichtet.
5. Das Wild schreiet nicht, wenn es Gras hat; der Ochse blöket nicht,
wenn er sein Futter hat.
6. Kann man auch essen, das ungesalzen ist? Oder wer mag kosten das
Weiße um den Dotter?
7. Was meiner Seele widerte anzurühren, das ist meine Speise vor
Schmerzen.
8. O daß meine Bitte geschähe, und GOtt gäbe mir, wes ich hoffe!
9. Daß GOtt anfinge und zerschlüge mich und ließe seine Hand gehen und
zerscheiterte mich!
10. So hätte ich noch Trost und wollte bitten in meiner Krankheit, daß
er nur nicht schonete. Habe ich doch nicht verleugnet die Rede des
Heiligen.
11. Was ist meine Kraft, daß ich möge beharren? und welch ist mein
Ende, daß meine Seele geduldig sollte sein?
12. Ist doch meine Kraft nicht steinern so ist mein Fleisch nicht ehern.
13. Habe ich doch nirgend keine Hilfe, und mein Vermögen ist weg.
14. Wer Barmherzigkeit seinem Nächsten weigert, der verlässet des
Allmächtigen Furcht.
15. Meine Brüder gehen verächtlich vor mir über, wie ein Bach, wie die
Wasserströme vorüberfließen.
16. Doch, welche sich vor dem Reif scheuen, über die wird der Schnee
fallen.
17. Zur Zeit, wenn sie die Hitze drücken wird, werden sie
verschmachten, und wenn es heiß wird, werden sie vergehen von ihrer
Stätte.
18. Ihr Weg gehet beiseit aus; sie treten auf das Ungebahnte und
werden umkommen.
19. Sie sehen auf die Wege Themas; auf die Pfade Reicharabias warten
sie.
20. Aber sie werden zuschanden werden, wenn's am sichersten ist, und
sich schämen müssen, wenn sie dahin kommen.
21. Denn ihr seid nun zu mir kommen; und weil ihr Jammer sehet,
fürchtet ihr euch.
22. Habe ich auch gesagt: Bringet her und von eurem Vermögen schenket
mir
23. und errettet mich aus der Hand des Feindes und erlöset mich von
der Hand der Tyrannen?
24. Lehret mich, ich will schweigen; und was ich nicht weiß, das
unterweiset mich.
25. Warum tadelt ihr die rechte Rede? Wer ist unter euch, der sie
strafen könnte?
26. Ihr erdenket Worte, daß ihr nur strafet, und daß ihr nur paustet
Worte, die mich verzagt machen sollen.
27. Ihr fallet über einen armen Waisen und grabet eurem Nächsten Gruben.
28. Doch weil ihr habt angehoben, sehet auf mich, ob ich vor euch mit
Lügen bestehen werde.
29. Antwortet, was recht ist; meine Antwort wird noch recht bleiben.
30. Was gilt's, ob meine Zunge unrecht habe und mein Mund Böses vorgebe?
1. Muß nicht der Mensch immer im Streit sein auf Erden, und seine Tage
sind wie eines Taglöhners?
2. Wie ein Knecht sich sehnet nach dem Schatten und ein Taglöhner, daß
seine Arbeit aus sei,
3. also habe ich wohl ganze Monden vergeblich gearbeitet, und elende
Nächte sind mir viel worden.
4. Wenn ich mich legte, sprach ich: Wann werde ich aufstehen? Und
danach rechnete ich, wenn es Abend wollte werden; denn ich war ganz ein
Scheusal jedermann, bis es finster ward.
5. Mein Fleisch ist um und um wurmig und kotig: meine Haut ist
verschrumpft und zunichte worden.
6. Meine Tage sind leichter dahingeflogen denn eine Weberspule und
sind vergangen, daß kein Aufhalten dagewesen ist.
7. Gedenke, daß mein Leben ein Wind ist, und meine Augen nicht
wiederkommen, zu sehen das Gute.
8. Und kein lebendig Auge wird mich mehr sehen. Deine Augen sehen mich
an; darüber vergehe ich.
9. Eine Wolke vergehet und fähret dahin; also, wer in die Hölle
hinunterfährt, kommt nicht wieder herauf
10. und kommt nicht wieder in sein Haus, und sein Ort kennet ihn nicht
mehr.
11. Darum will auch ich meinem Munde nicht wehren; ich will reden von
der Angst meines Herzens und will heraussagen von der Betrübnis meiner
Seele.
12. Bin ich denn ein Meer oder ein Walfisch, daß du mich so verwahrest?
13. Wenn ich gedachte, mein Bett soll mich trösten, mein Lager soll
mir's leichtern;
14. wenn ich mit mir selbst rede, so erschreckst du mich mit Träumen
und machst mir Grauen,
15. daß meine Seele wünschet erhangen zu sein, und meine Gebeine den
Tod.
16. Ich begehre nicht mehr zu leben. Höre auf von mir, denn meine Tage
sind vergeblich gewesen.
17. Was ist ein Mensch, daß du ihn groß achtest und bekümmerst dich
mit ihm?
18. Du suchest ihn täglich heim und versuchest ihn alle Stunde.
19. Warum tust du dich nicht von mir und lässest nicht ab, bis ich
meinen Speichel schlinge?
20. Habe ich gesündiget, was soll ich dir tun, o du Menschenhüter?
Warum machst du mich, daß ich auf dich stoße und bin mir selbst eine
Last?
21. Und warum vergibst du mir meine Missetat nicht und nimmst nicht
weg meine Sünde? Denn nun werde ich mich in die Erde legen; und wenn
man mich morgen suchet, werde ich nicht da sein.
1. Da antwortete Bildad von Suah und sprach:
2. Wie lange willst du solches reden und die Rede deines Mundes so
einen stolzen Mut haben?
3. Meinest du, daß GOtt unrecht richte, oder der Allmächtige das Recht
verkehre?
4. Haben deine Söhne vor ihm gesündiget, so hat er sie verstoßen um
ihrer Missetat willen.
5. So du aber dich beizeiten zu GOtt tust und dem Allmächtigen flehest,
6. und du so rein und fromm bist, so wird er aufwachen zu dir und wird
wieder aufrichten die Wohnung um deiner Gerechtigkeit willen;
7. und was du zuerst wenig gehabt hast, wird hernach fast zunehmen.
8. Denn frage die vorigen Geschlechter und nimm dir vor, zu forschen
ihre Väter.
9. (Denn wir sind von gestern her und wissen nichts; unser Leben ist
ein Schatten auf Erden.)
10. Sie werden dich's lehren und dir sagen und ihre Rede aus ihrem
Herzen hervorbringen.
11. Kann auch das Schilf aufwachsen, wo es nicht feucht stehet, oder
Gras wachsen ohne Wasser?
12. Sonst wenn's noch in der Blüte ist, ehe es abgehauen wird,
verdorret es, ehe denn man Heu machet.
13. So geht es allen denen, die GOttes vergessen, und die Hoffnung der
Heuchler wird verloren sein.
14. Denn seine Zuversicht vergehet, und seine Hoffnung ist eine
Spinnwebe.
15. Er verlässet sich auf sein Haus und wird doch nicht bestehen; er
wird sich dran halten, aber doch nicht stehen bleiben.
16. Es hat wohl Früchte, ehe denn die Sonne kommt; und Reiser wachsen
hervor in seinem Garten
17. Seine Saat stehet dicke bei den Quellen und sein Haus auf Steinen.
18. Wenn er ihn aber verschlinget von seinem Ort, wird er sich gegen
ihn stellen, als kennete er ihn nicht.
19. Siehe, das ist die Freude seines Wesens; und werden andere aus dem
Staube wachsen.
20. Darum siehe, daß GOtt nicht verwirft die Frommen und erhält nicht
die Hand der Boshaftigen,
21. bis daß dein Mund voll Lachens werde und deine Lippen voll
Jauchzens.
22. Die dich aber hassen; werden zuschanden werden, und der Gottlosen
Hütte wird nicht bestehen.
1. Hiob antwortete und sprach:
2. Ja, ich weiß fast wohl, daß also ist, daß ein Mensch nicht
rechtfertig bestehen mag gegen GOtt.
3. Hat er Lust, mit ihm zu hadern, so kann er ihm auf tausend nicht
eins antworten.
4. Er ist weise und mächtig wem ist's je gelungen, der sich wider ihn
gelegt hat?
5. Er versetzt Berge, ehe sie es inne werden, die er in seinem Zorn
umkehret.
6. Er weget ein Land aus seinem Ort, daß seine Pfeiler zittern.
7. Er spricht zur Sonne, so gehet sie nicht auf, und versiegelt die
Sterne.
8. Er breitet den Himmel aus allein und gehet auf den Wogen des Meers.
9. Er machet den Wagen am Himmel und Orion und die Glucke und die
Sterne gegen Mittag.
10. Er tut große Dinge, die nicht zu forschen sind, und Wunder, deren
keine Zahl ist.
11. Siehe, er gehet vor mir über, ehe ich's gewahr werde, und
verwandelt sich, ehe ich's merke.
12. Siehe, wenn er geschwind hinfähret, wer will ihn wiederholen? Wer
will zu ihm sagen: Was machst du?
13. Er ist GOtt, seinen Zorn kann niemand stillen; unter ihm müssen
sich beugen die stolzen Herren.
14. Wie sollt ich denn ihm antworten und Worte finden gegen ihn?
15. Wenn ich auch gleich recht habe, kann ich ihm dennoch nicht
antworten sondern ich müßte um mein Recht flehen.
16. Wenn ich ihn schon anrufe, und er mich erhöret, so glaube ich doch
nicht, daß er meine Stimme höre.
17. Denn er fähret über mich mit Ungestüm und macht mir der Wunden
viel ohne Ursache.
18. Er läßt meinen Geist sich nicht erquicken, sondern macht mich voll
Betrübnis.
19. Will man Macht; so ist er zu mächtig; will man Recht, wer will
mein Zeuge sein?
20. Sage ich, daß ich gerecht bin; so verdammet er mich doch; bin ich
fromm, so macht er mich doch zu Unrecht.
21. Bin ich denn fromm, so darf sich's meine Seele nicht annehmen. Ich
begehre keines Lebens mehr.
22. Das ist das Eine, das ich gesagt habe: Er bringet um beide den
Frommen und Gottlosen.
23. Wenn er anhebt zu geißeln, so dringet er fort bald zum Tode und
spottet der Anfechtung der Unschuldigen.
24. Das Land aber wird gegeben unter die Hand des Gottlosen, daß er
ihre Richter unterdrücke. Ist's nicht also? Wie sollte es anders sein?
25. Meine Tage sind schneller gewesen denn ein Läufer; sie sind
geflohen und haben nichts Gutes erlebt.
26. Sie sind vergangen wie die starken Schiffe, wie ein Adler fleugt
zur Speise.
27. Wenn ich gedenke, ich will meiner Klage vergessen und meine
Gebärde lassen fahren und mich erquicken,
28. so fürchte ich alle meine Schmerzen, weil ich Weiß, daß du mich
nicht unschuldig sein lässest.
29. Bin ich denn gottlos, warum leide ich denn solche vergebliche Plage?
30. Wenn ich mich gleich mit Schneewasser wünsche und reinigte meine
Hände mit dem Brunnen,
31. so wirst du mich doch tunken in Kot, und werden mir meine Kleider
scheußlich anstehen.
32. Denn er ist nicht meinesgleichen, dem ich antworten möchte, daß
wir vor Gericht miteinander kämen.
33. Es ist unter uns kein Schiedsmann, noch der seine Hand zwischen
uns beide lege.
34. Er nehme von mir seine Rute und lasse sein Schrecken von mir,
35. daß ich möge reden und mich nicht vor ihm fürchten dürfe; sonst
kann ich nichts tun, das für mich sei.
1. Meine Seele verdreußt mein Leben; ich will meine Klage bei mir
gehen lassen und reden von Betrübnis meiner Seele
2. und zu GOtt sagen: Verdamme mich nicht; laß mich wissen, warum du
mit mir haderst!
3. Gefällt dir's, daß du Gewalt tust und mich verwirfst, den deine
Hände gemacht haben, und machest der Gottlosen Vornehmen zu Ehren?
4. Hast du denn auch fleischliche Augen, oder siehest du, wie ein
Mensch siehet?
5. Oder ist deine Zeit wie eines Menschen Zeit, oder deine Jahre wie
eines Mannes Jahre,
6. daß du nach meiner Missetat fragest und suchest meine Sünde?
7. So du doch weißt, wie ich nicht gottlos sei; so doch niemand ist,
der aus deiner Hand erretten möge.
8. Deine Hände haben mich gearbeitet und gemacht alles, was ich um und
um bin; und versenkest mich sogar!
9. Gedenke doch, daß du mich aus Leimen gemacht hast, und wirst mich
wieder zu Erden machen.
10. Hast du mich nicht wie Milch gemolken und wie Käse lassen gerinnen?
11. Du hast mir Haut und Fleisch angezogen, mit Beinen und Adern hast
du mich zusammengefüget.
12. Leben und Wohltat hast du an mir getan, und dein Aufsehen bewahret
meinen Odem.
13. Und wiewohl du solches in deinem Herzen verbirgest, so weiß ich
doch, daß du des gedenkest.
14. Wenn ich sündige, so merkest du es bald und lässest meine Missetat
nicht ungestraft.
15. Bin ich gottlos, so ist mir aber wehe; bin ich gerecht, so darf
ich doch mein Haupt nicht aufheben, als der ich voll Schmach bin und
sehe mein Elend.
16. Und wie ein aufgereckter Löwe jagest du mich und handelst wiederum
greulich mit mir.
17. Du erneuest deine Zeugen wider mich und machst deines Zorns viel
auf mich; es zerplagt mich eins über das andere mit Haufen.
18. Warum hast du mich aus Mutterleibe kommen lassen? Ach, daß ich
wäre umkommen, und mich nie kein Auge gesehen hätte!
19. So wäre ich, als die nie gewesen sind, von Mutterleibe zum Grabe
gebracht.
20. Will denn nicht ein Ende haben mein kurzes Leben, und von mir
lassen, daß ich ein wenig erquickt würde,
21. ehe denn ich hingehe und komme nicht wieder, nämlich ins Land der
Finsternis und des Dunkels,
22. ins Land, da es stockdick finster ist, und da keine Ordnung ist,
da es scheinet wie das Dunkel?
Das 11. Kapitel.
1. Da antwortete Zophar von Naema und sprach:
2. Wenn einer lange geredet, muß er nicht auch hören? Muß denn ein
Wäscher immer recht haben?
3. Müssen die Leute deinem großen Schwätzen Schweigen, daß du
spottest, und niemand dich beschäme?
4. Du sprichst: Meine Rede ist rein, und lauter bin ich vor deinen
Augen.
5. Ach, daß GOtt mit dir redete und täte seine Lippen auf
6. und zeigete die heimliche Weisheit! Denn er hätte wohl noch mehr an
dir zu tun, auf daß du wissest, daß er deiner Sünden nicht aller gedenkt.
7. Meinest du, daß du So viel wissest, als GOtt weiß, und wollest
alles so vollkommen treffen als der Allmächtige?
8. Er ist höher denn der Himmel; was willst du tun? tiefer denn die
Hölle; was kannst du wissen?
9. Länger denn die Erde und breiter denn das Meer.
10. So er sie umkehrete oder verbürge oder in einen Haufen würfe, wer
will's ihm wehren?
11. Denn er kennet die losen Leute, er siehet die Untugend, und sollte
es nicht merken?
12. Ein unnützer Mann blähet sich; und ein geborener Mensch will sein
wie ein junges Wild.
13. Wenn du dein Herz hättest gerichtet und deine Hände zu ihm
ausgebreitet;
14. wenn du die Untugend, die in deiner Hand ist, hättest ferne von
dir getan, daß in deiner Hütte kein Unrecht bliebe,
15. so möchtest du dein Antlitz aufheben ohne Tadel und würdest fest
sein und dich nicht fürchten.
16. Dann würdest du der Mühe vergessen und so wenig gedenken als des
Wassers, das vorübergehet.
17. Und die Zeit deines Lebens würde aufgehen wie der Mittag, und das
Finstere würde ein lichter Morgen werden.
18. Und dürftest dich des trösten, daß Hoffnung da sei; du würdest mit
Ruhe ins Grab kommen.
19. Und würdest dich legen, und niemand würde dich aufschrecken; und
viele würden vor dir flehen.
20. Aber die Augen der Gottlosen werden verschmachten, und werden
nicht entrinnen mögen; denn ihre Hoffnung wird ihrer Seele fehlen.
1. Da antwortete Hiob und sprach:
2. Ja, ihr seid die Leute; mit euch wird die Weisheit sterben!
3. Ich habe so wohl ein Herz als ihr und bin nicht geringer denn ihr;
und wer ist, der solches nicht wisse?
4. Wer von seinem Nächsten verlachet wird, der wird GOtt anrufen, der
wird ihn erhören. Der Gerechte und Fromme muß verlachet sein
5. und ist ein verachtet Lichtlein vor den Gedanken der Stolzen,
stehet aber, daß sie sich dran ärgern.
6. Der Verstörer Hütten haben die Fülle und toben wider GOtt
türstiglich, wiewohl es ihnen GOtt in ihre Hände gegeben hat.
7. Frage doch das Vieh, das wird dich's lehren, und die Vögel unter
dem Himmel, die werden dir's sagen.
8. Oder rede mit der Erde, die wird dich's lehren, und die Fische im
Meer werden dir's erzählen.
9. Wer weiß solches alles nicht, daß des HErrn Hand das gemacht hat,
10. daß in seiner Hand ist die Seele alles des, das da lebet, und der
Geist alles Fleisches eines jeglichen?
11. Prüfet nicht das Ohr die Rede; und der Mund schmecket die Speise?
12. Ja, bei den Großvätern ist die Weisheit und der Verstand bei den
Alten.
13. Bei ihm ist Weisheit und Gewalt, Rat und Verstand.
14. Siehe, wenn er zerbricht, so hilft kein Bauen; wenn er jemand
verschleußt, kann niemand aufmachen.
15. Siehe, wenn er das Wasser verschleußt, so wird's alles dürre; und
wenn s ausläßt, so kehret es das Land um.
16. Er ist stark und führet es aus. Sein ist, der da irret, und der da
verführet.
17. Er führet die Klugen wie einen Raub und machet die Richter toll.
18. Er löset auf der Könige Zwang und gürtet mit einem Gürtel ihre
Lenden.
19. Er führet die Priester wie einen Raub und lässet es fehlen den
Festen.
20. Er wendet weg die Lippen der Wahrhaftigen und nimmt weg die Sitten
der Alten.
21. Er schüttet Verachtung auf die Fürsten und macht den Bund der
Gewaltigen los.
22. Er öffnet die finstern Gründe und bringet heraus das Dunkel an das
Licht.
23. Er macht etliche zum großen Volk und bringet sie wieder um. Er
breitet ein Volk aus und treibet es wieder weg.
24. Er nimmt weg den Mut der Obersten des Volks im Lande und macht sie
irre auf einem Umwege, da kein Weg ist,
25. daß sie in der Finsternis tappen ohne Licht; und macht sie irre
wie die Trunkenen.
1. Siehe, das hat alles mein Auge gesehen und mein Ohr gehöret, und
habe es verstanden.
2. Was ihr wisset, das weiß ich auch, und bin nicht geringer denn ihr.
3. Doch wollte ich gerne wider den Allmächtigen reden und wollte gerne
mit GOtt rechten.
4. Denn ihr deutet es fälschlich und seid alle unnütze Ärzte.
5. Wollte GOtt, ihr schwieget; so würdet ihr weise.
6. Höret doch meine Strafe und merket auf die Sache, davon ich rede.
7. Wollt ihr GOtt verteidigen mit Unrecht und für ihn List brauchen?
8. Wollt ihr seine Person ansehen? Wollt ihr GOtt vertreten?
9. Wird's euch auch wohlgehen, wenn er euch richten wird? Meinet ihr,
daß ihr ihn täuschen werdet, wie man einen Menschen täuschet?
10. Er wird euch strafen, wo ihr Person ansehet heimlich.
11. Wird er euch nicht erschrecken, wenn er sich Wird hervortun, und
seine Furcht wird über euch fallen?
12. Euer Gedächtnis wird verglichen werden der Asche, und euer Rücken
wird wie ein Leimenhaufe sein.
13. Schweiget mir, daß ich rede; es soll mir nichts fehlen.
14. Was soll ich mein Fleisch mit meinen Zähnen beißen und meine Seele
in meine Hände legen?
15. Siehe, er wird mich doch erwürgen, und ich kann's nicht erwarten;
doch will ich meine Wege vor ihm strafen.
16. Er wird ja mein Heil sein; denn es kommt kein Heuchler vor ihn.
17. Höret meine Rede und meine Auslegung vor euren Ohren!
18. Siehe, ich habe das Urteil schon gefället; ich weiß, daß ich werde
gerecht sein.
19. Wer ist, der mit mir rechten will? Aber nun muß ich schweigen und
verderben.
20. Zweierlei tu mir nur nicht, so will ich mich vor dir nicht
verbergen:
21. Laß deine Hand ferne von mir sein, und dein Schrecken erschrecke
mich nicht.
22. Rufe mir, ich will dir antworten; oder ich will reden, antworte du
mir.
23. Wie viel ist meiner Missetat und Sünden? Laß mich wissen meine
Übertretung und Sünde!
24. Warum verbirgest du dein Antlitz und hältst mich für deinen Feind?
25. Willst du wider ein fliegend Blatt so ernst sein und einen dürren
Halm verfolgen?
26. Denn du schreibest mir an Betrübnis und willst mich umbringen um
der Sünden willen meiner Jugend.
27. Du hast meinen Fuß in Stock gelegt und hast acht auf alle meine
Pfade und siehest auf die Fußtapfen meiner Füße,
28. der ich doch wie ein faul Aas vergehe und wie ein Kleid, das die
Motten fressen.
1. Der Mensch, vom Weibe geboren, lebt kurze Zeit und ist voll Unruhe,
2. gehet auf wie eine Blume und fällt ab, fleucht wie ein Schatten und
bleibet nicht.
3. Und du tust deine Augen über solchem auf, daß du mich vor dir in
das Gericht ziehest.
4. Wer will einen Reinen finden bei denen, da keiner rein ist?
5. Er hat seine bestimmte Zeit, die Zahl seiner Monden stehet bei dir;
du hast fein Ziel gesetzt, das wird er nicht übergehen.
6. Tue dich von ihm, daß er Ruhe habe, bis daß Seine Zeit komme, deren
er wie ein Taglöhner wartet.
7. Ein Baum hat Hoffnung, wenn er schon abgehauen ist, daß er sich
wieder verändere, und seine Schößlinge hören nicht auf.
8. Ob seine Wurzel in der Erde veraltet und sein Stamm in dem Staube
erstirbt,
9. grünet er doch wieder vom Geruch des Wassers und wächst daher, als
wäre er gepflanzet.
10. Wo ist aber ein Mensch, wenn er tot und umkommen und dahin ist?
11. Wie ein Wasser ausläuft aus dem See und wie ein Strom versieget
und vertrocknet,
12. so ist ein Mensch, wenn er sich legt, und wird nicht aufstehen und
wird nicht aufwachen, solange der Himmel bleibt, noch von seinem Schlaf
erweckt werden.
13. Ach, da du mich in der Hölle verdecktest und verbärgest, bis dein
Zorn sich lege, und setztest mir ein Ziel, daß du an mich denkest!
14. Meinest du, ein toter Mensch werde wieder leben? Ich harre
täglich; dieweil ich streite, bis daß meine Veränderung komme,
15. daß du wollest mir rufen, und ich dir antworten, und wollest das
Werk deiner Hände nicht ausschlagen.
16. Denn du hast schon meine Gänge gezählet; aber du wollest ja nicht
achthaben auf meine Sünde.
17. Du hast meine Übertretung in einem Bündlein versiegelt und meine
Missetat zusammengefasset.
18. Zerfällt doch ein Berg und vergehet, und ein Fels wird von seinem
Ort versetzt.
19. Wasser wäschet Steine weg, und die Tropfen flößen die Erde weg;
aber des Menschen Hoffnung ist verloren.
20. Denn du stößest ihn gar um, daß er dahinfähret, veränderst sein
Wesen und lässest ihn fahren.
21. Sind seine Kinder in Ehren, das weiß er nicht; oder ob sie geringe
sind, des wird er nicht gewahr..
22. Weil er das Fleisch an sich trägt, muß er Schmerzen haben, und
weil seine Seele noch bei ihm ist, muß er Leid fragen.
1. Da antwortete Eliphas von Theman und sprach:
2. Soll ein weiser Mann so aufgeblasene Worte reden und seinen Bauch
so blähen mit losen Reden?
3. Du strafest mit Worten, die nicht taugen, und dein Reden ist kein
nütze.
4. Du hast die Furcht fahren lassen und redest zu verächtlich vor GOtt.
5. Denn deine Missetat lehret deinen Mund also, und hast erwählet eine
schalkhafte Zunge.
6. Dein Mund wird dich verdammen, und nicht ich; deine Lippen sollen
dir antworten.
7. Bist du der erste Mensch geboren? Bist du vor allen Hügeln empfangen?
8. Hast du GOttes heimlichen Rat gehöret? und ist die Weisheit selbst
geringer denn du?
9. Was weißt du, das wir nicht wissen? Was verstehest du, das nicht
bei uns sei?;
10. Es sind Graue und Alte unter uns, die länger gelebt haben denn
deine Väter.
11. Sollten GOttes Tröstungen so geringe vor dir gelten? Aber du hast
irgend noch ein heimlich Stück bei dir.
12. Was nimmt dein Herz vor? Was siehest du so stolz?
13. Was setzt sich dein Mut wider GOtt, daß du solche Rede aus deinem
Munde lässest?
14. Was ist ein Mensch, daß er sollte rein sein, und daß der sollte
gerecht sein, der vom Weibe geboren ist?
15. Siehe, unter seinen Heiligen ist keiner ohne Tadel, und die Himmel
sind nicht rein vor ihm.
16. Wie viel mehr ein Mensch, der ein Greuel und schnöde ist, der
Unrecht säuft wie Wasser.
17. Ich will dir's zeigen, höre mir zu; und will dir erzählen was ich,
gesehen habe,
18. was die Weisen gesagt haben, und ihren Vätern nicht verhohlen
gewesen ist,
19. welchen allein das Land gegeben ist, daß kein Fremder durch sie
gehen muß.
20. Der Gottlose bebet sein Leben lang; und dem Tyrannen ist die Zahl
seiner Jahre verborgen.
21. Was er höret, das schrecket ihn; und wenn s gleich Friede ist,
fürchtet er sich, der Verderber komme;
22. glaubt nicht, daß er möge dem Unglück entrinnen, und versiehet
sich immer des Schwerts.
23. Er zeucht hin und her nach Brot und dünket ihn immer, die Zeit
seines Unglücks sei vorhanden.
24. Angst und Not schrecken ihn und schlagen ihn nieder als ein König
mit einem Heer.
25. Denn er hat seine Hand wider GOtt gestrecket und wider den
Allmächtigen sich gesträubet.
26. Er läuft mit dem Kopf an ihn und ficht halsstarriglich wider ihn.
27. Er brüstet sich wie ein fetter Wanst und macht sich fett und dick.
28. Er wird aber wohnen in verstörten Städten, da keine Häupter sind,
sondern auf einem Haufen liegen.
29. Er wird nicht reich bleiben, und sein Gut wird nicht bestehen, und
sein Glück wird sich nicht ausbreiten im Lande.
30. Unfall wird nicht von ihm lassen. Die Flamme wird seine Zweige
verdorren und durch den Odem ihres Mundes ihn wegfressen.
31. Er wird nicht bestehen, denn er ist in seinem eiteln Dünkel
betrogen, und eitel wird sein Lohn werden.
32. Er wird ein Ende nehmen, wenn's ihm uneben ist, und sein Zweig
wird nicht grünen.
33. Er wird abgerissen werden wie eine unzeitige Traube vom Weinstock,
und wie ein Ölbaum seine Blüte abwirft.
34. Denn der Heuchler Versammlung wird einsam bleiben, und das Feuer
wird die Hütten fressen, die Geschenke nehmen.
35. Er gehet schwanger mit Unglück und gebiert Mühe, und ihr Bauch
bringet Fehl.
1. Hiob antwortete und sprach:
2. Ich habe solches oft gehöret. Ihr seid allzumal leidige Tröster.
3. Wollen die losen Worte kein Ende haben? Oder was macht dich so
frech, also zu reden?
4. Ich könnte auch wohl reden wie ihr. Wollte GOtt, eure Seele wäre an
meiner Seele Statt! Ich wollte auch mit Worten an euch setzen und mein
Haupt also über euch schütteln.
5. Ich wollte euch stärken mit dem Munde und mit meinen Lippen trösten.
6. Aber wenn ich schon rede, so schonet mein der Schmerz nicht; lasse
ich's anstehen, so gehet er nicht von mir.
7. Nun aber macht er mich müde und verstöret alles; was ich bin.
8. Er hat mich runzlicht gemacht und zeuget wider mich; und mein
Widersprecher lehnet sich wider mich auf und antwortet wider mich.
9. Sein Grimm reißet, und der mir gram ist, beißet die Zähne über mich
zusammen; mein Widersacher funkelt mit seinen Augen auf mich.
10. Sie haben ihren Mund aufgesperret wider mich und haben mich
schmählich auf meine Backen geschlagen; sie haben ihren Mut miteinander
an mir gekühlet.
11. GOtt hat mich übergeben dem Ungerechten und hat mich in der
Gottlosen Hände lassen kommen.
12. Ich war reich, aber er hat mich zunichte gemacht; er hat mich beim
Hals genommen und zerstoßen und hat mich ihm zum Ziel aufgerichtet:
13. Er hat mich umgeben mit seinen Schützen; er hat meine Nieren
gespalten und nicht verschonet; er hat meine Galle auf die Erde
geschüttet;
14. er hat mir eine Wunde über die andere gemacht; er ist an mich
gelaufen wie ein Gewaltiger.
15. Ich habe einen Sack um meine Haut genähet und habe mein Horn in
den Staub gelegt.
16. Mein Antlitz ist geschwollen von Weinen, und meine Augenlider sind
verdunkelt,
17. wiewohl kein Frevel in meiner Hand ist, und mein Gebet ist rein.
18. Ach, Erde, verdecke mein Blut nicht! und mein Geschrei müsse nicht
Raum finden!
19. Auch siehe da, mein Zeuge ist im Himmel; und der mich kennet, ist
in der Höhe.
20. Meine Freunde sind meine Spötter; aber mein Auge tränet zu GOtt.
21. Wenn ein Mann könnte mit GOtt rechten wie ein Menschenkind mit
seinem Freunde!
22. Aber die bestimmten Jahre sind kommen, und ich gehe hin des Weges,
den ich nicht wiederkommen werde.
1. Mein Odem ist schwach, und meine Tage sind abgekürzt, das Grab ist
da.
2. Niemand ist von mir getäuschet, noch muß mein Auge darum bleiben in
Betrübnis.
3. Ob du gleich einen Bürgen für mich wolltest, wer will für mich
geloben?
4. Du hast ihrem Herzen den Verstand verborgen, darum wirst du sie
nicht erhöhen.
5. Er rühmet wohl seinen Freunden die Ausbeute; aber seiner Kinder
Augen werden verschmachten.
6. Er hat mich zum Sprichwort unter den Leuten gesetzt, und muß ein
Wunder unter ihnen sein.
7. Meine Gestalt ist dunkel worden vor Trauern, und alle meine Glieder
sind wie ein Schatten.
8. Darüber werden die Gerechten übel sehen, und die Unschuldigen
werden sich setzen wider die Heuchler.
9. Der Gerechte wird seinen Weg behalten, und der von reinen Händen
wird stark bleiben.
10. Wohlan, so kehret euch alle her und kommt; ich werde doch keinen
Weisen unter euch finden.
11. Meine Tage sind vergangen, meine Anschläge sind zertrennet, die
mein Herz besessen haben,
12. und haben aus der Nacht Tag gemacht und aus dem Tage Nacht.
13. Wenn ich gleich lange harre, so ist doch die Hölle mein Haus, und
in Finsternis ist mein Bett gemacht.
14. Die Verwesung heiße ich meinen Vater und die Würmer meine Mutter
und meine Schwester.
15. Was soll ich harren? und wer achtet mein Hoffen?
16. Hinunter in die Hölle wird es fahren und wird mit mir im Staube
liegen.
1. Da antwortete Bildad von Suah und sprach:
2. Wann wollt ihr der Rede ein Ende machen? Merket doch, danach wollen
wir reden.
3. Warum werden wir geachtet wie Vieh und sind so unrein vor euren
Augen?
4. Willst du vor Bosheit bersten? Meinest du, daß um deinetwillen die
Erde verlassen werde, und der Fels von seinem Ort versetzt werde?
5. Auch wird das Licht der Gottlosen verlöschen, und der Funke seines
Feuers wird nicht leuchten.
6. Das Licht wird finster werden in seiner Hütte und seine Leuchte
über ihm verlöschen.
7. Die Zugänge seiner Habe werden schmal werden, und sein Anschlag
wird ihn fällen.
8. Denn er ist mit seinen Füßen in Strick gebracht und wandelt im Netze.
9. Der Strick wird seine Fersen halten, und die Türstigen werden ihn
erhaschen.
10. Sein Strick ist gelegt in die Erde und seine Falle auf seinen Gang.
11. Um und um wird ihn schrecken plötzliche Furcht, daß er nicht weiß,
wo er hinaus soll.
12. Hunger wird seine Habe sein, und Unglück wird ihm bereitet sein
und anhangen.
13. Die Stärke seiner Haut wird verzehret werden, und seine Stärke
wird verzehren der Fürst des Todes.
14. Seine Hoffnung wird aus seiner Hütte gerottet werden, und sie
werden ihn treiben zum Könige des Schreckens.
15. In seiner Hütte wird nichts bleiben; über seine Hütte wird
Schwefel gestreuet werden.
16. Von unten werden verdorren seine Wurzeln und von oben
abgeschnitten seine Ernte.
17. Sein Gedächtnis wird vergehen im Lande, und wird keinen Namen
haben auf der Gasse.
18. Er wird vom Licht in die Finsternis vertrieben werden und vom
Erdboden verstoßen werden.
19. Er wird keine Kinder haben und keine Neffen unter seinem Volk; es
wird ihm keiner überbleiben in seinen Gütern.
20. Die nach ihm kommen, werden sich über seinen Tag entsetzen; und
die vor ihm sind, wird eine Furcht ankommen.
21. Das ist die Wohnung des Ungerechten, und dies ist die Stätte des,
der GOtt nicht achtet.
1. Hiob antwortete und sprach:
2. Was plaget ihr doch meine Seele und peiniget mich mit Worten?
3. Ihr habt mich nun zehnmal gehöhnet und schämet euch nicht, daß ihr
mich also umtreibet.
4. Irre ich, so irre ich mir.
5. Aber ihr erhebet euch wahrlich wider mich und scheltet mich zu
meiner Schmach.
6. Merket doch einst, daß mir GOtt unrecht tut und hat mich mit seinem
Jagestrick umgeben.
7. Siehe, ob ich schon schreie über Frevel, so werde ich doch nicht
erhöret; ich rufe, und ist kein Recht da.
8. Er hat meinen Weg verzäunet, daß ich nicht kann hinübergehen, und
hat Finsternis auf meinen Steig gestellet.
9. Er hat meine Ehre mir ausgezogen und die Krone von meinem Haupt
genommen.
10. Er hat mich zerbrochen um und um und läßt mich gehen, und hat
ausgerissen meine Hoffnung wie einen Baum.
11. Sein Zorn ist über mich ergrimmet, und er achtet mich für seinen
Feind.
12. Seine Kriegsleute sind miteinander kommen und haben ihren Weg über
mich gepflastert und haben sich um meine Hütte her gelagert.
13. Er hat meine Brüder ferne von mir getan, und meine Verwandten sind
mir fremd worden.
14. Meine Nächsten haben sich entzogen, und meine Freunde haben mein
vergessen.
15. Meine Hausgenossen und meine Mägde achten mich für fremd, ich bin
unbekannt worden vor ihren Augen.
16. Ich rief meinem Knecht, und er antwortete mir nicht; ich mußte ihm
flehen mit eigenem Munde.
17. Mein Weib stellet sich fremd, wenn ich ihr rufe; ich muß flehen
den Kindern meines Leibes.
18. Auch die jungen Kinder geben nichts auf mich; wenn ich mich wider
sie setze, so geben sie mir böse Worte.
19. Alle meine Getreuen haben Greuel an mir; und die ich liebhatte,
haben sich wider mich gekehret.
20. Mein Gebein hanget an meiner Haut und Fleisch, und kann meine
Zähne mit der Haut nicht bedecken.
21. Erbarmet euch mein, erbarmet euch mein, ihr, meine Freunde; denn
die Hand GOttes hat mich gerühret.
22. Warum verfolget ihr mich gleich so wohl als GOtt und könnet meines
Fleisches nicht satt werden?
23. Ach, daß meine Reden geschrieben würden! Ach, daß sie in ein Buch
gestellet würden,
24. mit einem eisernen Griffel auf Blei und zu ewigem Gedächtnis in
einen Fels gehauen würden!
25. Aber ich weiß, daß mein Erlöser lebet; und er wird mich hernach
aus der Erde auferwecken;
26. und werde danach mit dieser meiner Haut umgeben werden und werde
in meinem Fleisch GOtt sehen.
27. Denselben werde ich mir sehen, und meine Augen werden ihn schauen,
und kein Fremder. Meine Nieren sind verzehret in meinem Schoß.
28. Denn ihr sprechet: Wie wollen wir ihn verfolgen und eine Sache zu
ihm finden?
29. Fürchtet euch vor dem Schwert; denn das Schwert ist der Zorn über
die Missetat, auf daß ihr wisset, daß ein Gericht sei.
1. Da antwortete Zophar von Naema und sprach:
2. Darauf muß ich antworten und kann nicht harren.
3. Und will gerne hören, wer mir das soll strafen und tadeln; denn der
Geist meines Verstandes soll für mich antworten.
4. Weißt du nicht, daß es allezeit so gegangen ist, seit daß Menschen
auf Erden gewesen sind;
5. daß der Ruhm der Gottlosen stehet nicht lange, und die Freude des
Heuchlers währet einen Augenblick?
6. Wenngleich seine Höhe in den Himmel reichet und sein Haupt an die
Wolken rühret,
7. so wird er doch zuletzt umkommen wie ein Kot, daß die, vor denen er
ist angesehen, werden sagen: Wo ist er?
8. Wie ein Traum vergehet, so wird er auch nicht funden werden, und
wie ein Gesicht in der Nacht verschwindet.
9. Welch Auge ihn gesehen hat, wird ihn nicht mehr sehen, und seine
Stätte wird ihn nicht mehr schauen.
10. Seine Kinder werden betteln gehen, und seine Hand wird ihm Mühe zu
Lohn geben.
11. Seine Beine werden seine heimliche Sünde wohl bezahlen und werden
sich mit ihm in die Erde legen.
12. Wenn ihm die Bosheit gleich in seinem Munde wohl schmeckt, wird
sie doch ihm in seiner Zunge fehlen.
13. Sie wird aufgehalten und ihm nicht gestattet, und wird ihm
gewehret werden in seinem Halse.
14. Seine Speise inwendig im Leibe wird sich verwandeln in Otterngalle.
15. Die Güter, die er verschlungen hat, muß er wieder ausspeien; und
GOtt wird sie aus seinem Bauch stoßen.
16. Er wird der Ottern Galle saugen, und die Zunge der Schlange wird
ihn töten.
17. Er wird nicht sehen die Ströme noch die Wasserbäche, die mit Honig
und Butter fließen.
18. Er wird arbeiten und des nicht genießen; und seine Güter werden
andern, daß er deren nicht froh wird.
19. Denn er hat unterdrückt und verlassen den Armen; er hat Häuser zu
sich gerissen, die er nicht erbauet hat.
20. Denn sein Wanst konnte nicht voll werden, und wird durch sein
köstlich Gut nicht entrinnen.
21. Es wird seiner Speise nicht überbleiben; darum wird sein gut Leben
keinen Bestand haben
22. Wenn er gleich die Fülle und genug hat, wird ihm doch angst
werden; allerhand Mühe wird über ihn kommen.
23. Es wird ihm der Wanst einmal voll werden, und er wird den Grimm
seines Zornes über ihn senden; er wird über ihn regnen lassen seinen
Streit.
24. Er wird fliehen vor dem eisernen Harnisch, und der eherne Bogen
wird ihn verjagen.
25. Ein bloß Schwert wird durch ihn ausgehen, und des Schwerts Blitz,
der ihm bitter sein wird, wird mit Schrecken über ihn fahren.
26. Es ist keine Finsternis da, die ihn verdecken möchte. Es wird ihn
ein Feuer verzehren, das nicht aufgeblasen ist; und wer übrig ist in
seiner Hütte, dem wird's übel gehen.
27. Der Himmel wird seine Missetat eröffnen, und die Erde wird sich
wider ihn setzen.
28. Das Getreide in seinem Hause wird weggeführet werden, zerstreuet
am Tage seines Zorns.
29. Das ist der Lohn eines gottlosen Menschen bei GOtt und das Erbe
seiner Rede bei GOtt.
1. Hiob antwortete und sprach:
2. Höret doch zu meiner Rede und lasset euch raten!
3. Vertraget mich, daß ich auch rede, und spottet danach mein.
4. Handele ich denn mit einem Menschen, daß mein Mut hierin nicht
sollte unwillig sein?
5. Kehret euch her zu mir; ihr werdet sauer sehen und die Hand aufs
Maul legen müssen.
6. Wenn ich daran gedenke, so erschrecke ich, und Zittern kommt mein
Fleisch an.
7. Warum leben denn die Gottlosen, werden alt und nehmen zu mit Gütern?
8. Ihr Same ist sicher um sie her, und ihre Nachkömmlinge sind bei
ihnen.
9. Ihr Haus hat Frieden vor der Furcht, und GOttes Rute ist nicht über
ihnen.
10. Seine Ochsen lässet man zu, und mißrät ihm nicht; seine Kuh kalbet
und ist nicht unfruchtbar.
11. Ihre jungen Kinder gehen aus wie eine Herde, und ihre Kinder lecken.
12. Sie jauchzen mit Pauken und Harfen und sind fröhlich mit Pfeifen.
13. Sie werden alt bei guten Tagen und erschrecken kaum einen
Augenblick vor der Hölle;
14. die doch sagen zu Gott: Hebe dich von uns, wir wollen von deinen
Wegen
15. Wer ist der Allmächtige, daß wir ihm dienen sollten, oder was sind
wir gebessert, so wir ihn anrufen?
16. Aber siehe, ihr Gut stehet nicht in ihren Händen; darum soll der
Gottlosen Sinn ferne von mir sein.
17. Wie wird die Leuchte der Gottlosen verlöschen und ihr Unglück über
sie kommen! Er wird Herzeleid austeilen in seinem Zorn.
18. Sie werden sein wie Stoppeln vor dem Winde und wie Spreu, die der
Sturmwind wegführet.
19. GOtt behält desselben Unglück auf seine Kinder. Wenn er's ihm
vergelten wird, so wird man's inne werden.
20. Seine Augen werden sein Verderben sehen, und vom Grimm des
Allmächtigen wird er trinken.
21. Denn wer wird Gefallen haben an seinem Hause nach ihm? Und die
Zahl seiner Monden wird kaum halb bleiben.
22. Wer will GOtt lehren, der auch die Hohen richtet?
23. Dieser stirbt frisch und gesund in allem Reichtum und voller Genüge;
24. sein Melkfaß ist voll Milch, und seine Gebeine werden gemästet mit
Mark;
25. jener aber stirbt mit betrübter Seele und hat nie mit Freuden
gegessen;
26. und liegen gleich miteinander in der Erde, und Würmer decken sie zu.
27. Siehe, ich kenne eure Gedanken wohl und euer frevel Vornehmen
wider mich.
28. Denn ihr sprechet: Wo ist das Haus des Fürsten, und wo ist die
Hütte, da die Gottlosen wohneten?
29. Redet ihr doch davon wie der gemeine Pöbel und merket nicht, was
jener Wesen bedeutet.
30. Denn der Böse wird behalten auf den Tag des Verderbens, und auf
den Tag des Grimms bleibet er.
31. Wer will sagen, was er verdienet, wenn man's äußerlich ansiehet?
Wer will ihm vergelten, was er tut?
32. Aber er wird zum Grabe gerissen und muß bleiben bei dem Haufen.
33. Es gefiel ihm wohl der Schlamm des Bachs, und alle Menschen werden
ihm nachgezogen; und derer, die vor ihm gewesen sind, ist keine Zahl.
34. Wie tröstet ihr mich so vergeblich, und eure Antwort findet sich
unrecht.
1. Da antwortete Eliphas von Theman und sprach:
2. Was darf GOtt eines Starken, und was nützt ihm ein Kluger?
3. Meinest du, daß dem Allmächtigen gefalle, daß du dich so fromm
machest? Oder was hilft's ihm, ob du deine Wege gleich ohne Wandel
achtest?
4. Meinest du, er wird sich vor dir fürchten, dich zu strafen, und mit
dir vor Gericht treten?
5. Ja, deine Bosheit ist zu groß, und deiner Missetat ist kein Ende.
6. Du hast etwa deinem Bruder ein Pfand genommen ohne Ursache, du hast
den Nackenden die Kleider ausgezogen;
7. du hast die Müden nicht getränket mit Wasser und hast dem Hungrigen
dein Brot versagt;
8. du hast Gewalt im Lande geübet und prächtig drinnen gesessen;
9. die Witwen hast du leer lassen gehen und die Arme der Waisen
zerbrochen.
10. Darum bist du mit Stricken umgeben, und Furcht hat dich plötzlich
erschrecket.
11. Solltest du denn nicht die Finsternis sehen, und die Wasserflut
dich nicht bedecken?
12. Siehe, GOtt ist hoch droben im Himmel und siehet die Sterne droben
in der Höhe.
13. Und du sprichst: Was weiß GOtt? Sollt er, das im Dunkeln ist,
richten können?
14. Die Wolken sind seine Vordecke, und siehet nicht, und wandelt im
Umgang des Himmels.
15. Willst du der Welt Lauf achten, darinnen die Ungerechten gegangen
sind,
16. die vergangen sind, ehe denn es Zeit war, und das Wasser hat ihren
Grund weggewaschen,
17. die zu GOtt sprachen: Heb dich von uns, was sollte der Allmächtige
ihnen tun können,
18. so er doch ihr Haus mit Gütern füllete? Aber der Gottlosen Rat sei
ferne von mir!
19. Die Gerechten werden sehen und sich freuen, und der Unschuldige
wird ihrer spotten.
20. Was gilt's, ihr Wesen wird verschwinden und ihr Übriges das Feuer
verzehren!
21. So vertrage dich nun mit ihm und habe Frieden; daraus wird dir
viel Gutes kommen.
22. Höre das Gesetz von seinem Munde und fasse seine Rede in dein Herz.
23. Wirst du dich bekehren zu dem Allmächtigen, so wirst du gebauet
werden und Unrecht ferne von deiner Hütte tun,
24. so wirst du für Erde Gold geben und für die Felsen güldene Bäche;
25. und der Allmächtige wird dein Gold sein, und Silber wird dir
zugehäuft werden.
26. Dann wirst du deine Lust haben an dem Allmächtigen und dein
Antlitz zu GOtt aufheben.
27. So wirst du ihn bitten, und er wird dich hören; und wirst deine
Gelübde bezahlen.
28. Was du wirst vornehmen, wird er dir lassen gelingen; und das Licht
wird auf deinem Wege scheinen.
29. Denn die sich demütigen, die erhöhet er; und wer seine Augen
niederschlägt, der wird genesen.
30. Und der Unschuldige wird errettet werden; er wird aber errettet um
seiner Hände Reinigkeit willen.
1. Hiob antwortete und sprach:
2. Meine Rede bleibet noch betrübt; meine Macht ist schwach über
meinem Seufzen.
3. Ach, daß ich wüßte, wie ich ihn finden und zu seinem Stuhl kommen
möchte
4. und das Recht vor ihm sollte vorlegen und den Mund voll Strafe fassen
5. und erfahren die Rede, die er mir antworten, und vernehmen, was er
mir sagen würde!
6. Will er mit großer Macht mit mir rechten? Er stelle sich nicht so
gegen mich,
7. sondern lege mir's gleich vor, so will ich mein Recht wohl gewinnen.
8. Aber gehe ich nun stracks vor mich, so ist er nicht da; gehe ich
zurück, so spüre ich ihn nicht.
9. Ist er zur Linken, so ergreife ich ihn nicht; verbirget er sich zur
Rechten, so sehe ich ihn nicht.
10. Er aber kennet meinen Weg wohl. Er versuche mich, so will ich
erfunden werden wie das Gold.
11. Denn ich setze meinen Fuß auf seine Bahn und halte seinen Weg und
weiche nicht ab
12. und trete nicht von dem Gebot seiner Lippen; und bewahre die Rede
seines Mundes mehr, denn ich schuldig bin.
13. Er ist einig, wer will ihm antworten? Und er macht es, wie er will.
14. Und wenn er mir gleich vergilt, was ich verdienet habe, so ist
sein noch mehr dahinten.
15. Darum erschrecke ich vor ihm; und wenn ich's merke, so fürchte ich
mich vor ihm.
16. GOtt hat mein Herz blöde gemacht, und der Allmächtige hat mich
erschrecket.
17. Denn die Finsternis macht kein Ende mit mir, und das Dunkel will
vor mir nicht verdeckt werden.
1. Warum sollten die Zeiten dem Allmächtigen nicht verborgen sein? Und
die ihn kennen, sehen seine Tage nicht.
2. Sie treiben die Grenzen zurück; sie rauben die Herden und weiden sie.
3. Sie treiben der Waisen Esel weg und nehmen der Witwen Ochsen zu
Pfande.
4. Die Armen müssen ihnen weichen, und die Dürftigen im Lande müssen
sich verkriechen.
5. Siehe, das Wild in der Wüste gehet heraus, wie sie pflegen, frühe
zum Raub, daß sie Speise bereiten für die Jungen.
6. Sie ernten auf dem Acker alles, was er trägt, und lesen den
Weinberg, den sie mit Unrecht haben.
7. Die Nackenden lassen sie liegen und lassen ihnen keine Decke im
Frost, denen sie die Kleider genommen haben,
8. daß sie sich müssen zu den Felsen halten, wenn ein Platzregen von
den Bergen auf sie gießt, weil sie sonst keinen Trost haben.
9. Sie reißen das Kind von den Brüsten und machen's zum Waisen und
machen die Leute arm mit Pfänden.
10. Den Nackenden lassen sie ohne Kleider gehen und den Hungrigen
nehmen sie die Garben.
11. Sie zwingen sie, Öl zu machen auf ihrer eigenen Mühle und ihre
eigene Kelter zu treten, und lassen sie doch Durst leiden.
12. Sie machen die Leute in der Stadt seufzend und die Seelen der
Erschlagenen schreiend; und GOtt stürzet sie nicht.
13. Darum sind sie abtrünnig worden vom Licht und kennen seinen Weg
nicht und kehren nicht wieder zu seiner Straße.
14. Wenn der Tag anbricht, stehet auf der Mörder und erwürget den
Armen und Dürftigen; und des Nachts ist er wie ein Dieb.
15. Das Auge des Ehebrechers hat acht auf das Dunkel und spricht: Mich
siehet kein Auge; und verdecket sein Antlitz.
16. Im Finstern bricht er zu den Häusern ein. Des Tages verbergen sie
sich miteinander und scheuen das Licht.
17. Denn wo ihnen der Morgen kommt, ist's ihnen wie eine Finsternis;
denn er fühlet das Schrecken der Finsternis.
18. Er fähret leichtfertig wie auf einem Wasser dahin; seine Habe wird
geringe im Lande, und bauet seinen Weinberg nicht.
19. Die Hölle nimmt weg, die da sündigen, wie die Hitze und Dürre das
Schneewasser verzehret.
20. Es werden sein vergessen die Barmherzigen; seine Lust wird wurmig
werden; sein wird nicht mehr gedacht; er wird zerbrochen werden wie ein
fauler Baum.
21. Er hat beleidiget die Einsame, die nicht gebiert, und hat der
Witwe kein Gutes getan
22. und die Mächtigen unter sich gezogen mit seiner Kraft. Wenn er
stehet, wird er seines Lebens nicht gewiß sein.
23. Er macht ihm wohl selbst eine Sicherheit, darauf er sich verlasse;
doch sehen seine Augen auf ihr Tun.
24. Sie sind eine kleine Zeit erhaben und werden zunichte und
unterdrückt und ganz und gar ausgetilget werden, und wie die erste
Blüte an den Ähren werden sie abgeschlagen werden.
25. Ist's nicht also? Wohlan, wer will mich Lügen strafen und
bewähren, daß meine Rede nichts sei?
1. Da antwortete Bildad von Suah und sprach:
2. Ist nicht die Herrschaft und Furcht bei ihm, der den Frieden macht
unter seinen Höchsten?
3. Wer will seine Kriegsleute zählen? Und über welchen gehet nicht auf
sein Licht?
4. Und wie mag ein Mensch gerecht vor GOtt sein? Und wie mag rein sein
eines Weibes Kind?
5. Siehe, der Mond scheinet noch nicht, und die Sterne sind noch nicht
rein vor seinen Augen;
6. wieviel weniger ein Mensch, die Made, und ein Menschenkind, der Wurm?
1. Hiob antwortete und sprach:
2. Wem stehest du bei? Dem, der keine Kraft hat? Hilfst du dem, der
keine Stärke in Armen hat?
3. Wem gibst du Rat? Dem, der keine Weisheit hat? und zeigest einem
Mächtigen, wie er's ausführen soll?
4. Für wen redest du, und für wen gehet der Odem von dir?
5. Die Riesen ängsten sich unter den Wassern und die bei ihnen wohnen.
6. Die Hölle ist aufgedeckt vor ihm, und das Verderben hat keine Decke.
7. Er breitet aus die Mitternacht nirgend an und hänget die Erde an
nichts.
8. Er fasset das Wasser zusammen in seine Wolken, und die Wolken
zerreißen drunter nicht.
9. Er hält seinen Stuhl und breitet seine Wolken davor.
10. Er hat um das Wasser ein Ziel gesetzt, bis das Licht samt der
Finsternis vergehe.
11. Die Säulen des Himmels zittern und entsetzen sich vor seinem
Schelten.
12. Vor seiner Kraft wird das Meer plötzlich ungestüm, und vor seinem
Verstand erhebet sich die Höhe des Meers.
13. Am Himmel wird's schön durch seinen Wind, und seine Hand bereitet
die gerade Schlange.
14. Siehe, also gehet sein Tun, aber davon haben wir ein gering
Wörtlein vernommen. Wer will aber den Donner seiner Macht verstehen?
1. Und Hiob fuhr fort und hub an seine Sprüche und sprach:
2. So wahr GOtt lebt, der mir mein Recht nicht gehen lässet, und der
Allmächtige, der meine Seele betrübet,
3. solange mein Odem in mir ist, und das Schnauben von GOtt in meiner
Nase ist:
4. meine Lippen sollen nichts Unrechts reden, und meine Zunge soll
keinen Betrug sagen.
5. Das sei ferne von mir, daß ich euch recht gebe; bis daß mein Ende
kommt, will ich nicht weichen von meiner Frömmigkeit.
6. Von meiner Gerechtigkeit, die ich habe, will ich nicht lassen; mein
Gewissen beißt mich nicht meines ganzen Lebens halber.
7. Aber mein Feind wird erfunden werden ein Gottloser, und der sich
wider mich auflehnet, ein Ungerechter.
8. Denn was ist die Hoffnung des Heuchlers, daß er so geizig ist, und
GOtt doch seine Seele hinreißet?
9. Meinest du, daß GOtt sein Schreien hören wird, wenn die Angst über
ihn kommt?
10. Wie kann er an dem Allmächtigen Lust haben und GOtt etwa anrufen?
11. Ich will euch lehren von der Hand GOttes; und was bei dem
Allmächtigen gilt, will ich nicht verhehlen.
12. Siehe, ihr haltet euch alle für klug. Warum gebt ihr denn solch
unnütze Dinge vor?
13. Das ist der Lohn eines gottlosen Menschen bei GOtt und das Erbe
der Tyrannen, das sie von dem Allmächtigen nehmen werden:
14. Wird er viel Kinder haben, so werden sie des Schwerts sein; und
seine Nachkömmlinge werden des Brots nicht satt haben.
15. Seine Übrigen werden im Tode begraben werden, und seine Witwen
werden nicht weinen.
16. Wenn er Geld zusammenbringet wie Erde und sammelt Kleider wie
Leimen,
17. so wird er es wohl bereiten; aber der Gerechte wird es anziehen,
und der Unschuldige wird das Geld austeilen.
18. Er bauet sein Haus wie eine Spinne, und wie ein Hüter einen
Schauer machet.
19. Der Reiche, wenn er sich legt, wird er s nicht mitraffen; er wird
seine Augen auftun, und da wird nichts sein.
20. Es wird ihn Schrecken überfallen wie Wasser; des Nachts wird ihn
das Ungewitter wegnehmen.
21. Der Ostwind wird ihn wegführen, daß er dahinfähret, und Ungestüm
wird ihn von seinem Ort treiben.
22. Er wird solches über ihn führen und wird sein nicht schonen; es
wird ihm alles aus seinen Händen entfliehen.
23. Man wird über ihn mit den Händen klappen und über ihn zischen, da
er gewesen ist.
1. Es hat das Silber seine Gänge und das Gold seinen Ort, da man es
schmelzt.
2. Eisen bringet man aus der Erde, und aus den Steinen schmeltzt man
Erz.
3. Es wird je des Finstern etwa ein Ende, und jemand findet ja zuletzt
den Schiefer tief verborgen.
4. Es bricht ein solcher Bach hervor, daß, die darum wohnen, den Weg
daselbst verlieren; und fällt wieder und schießt dahin von den Leuten.
5. Man bringet auch Feuer unten aus der Erde, da doch oben Speise auf
wächst.
6. Man findet Saphir an etlichen Orten und Erdenklöße, da Gold ist.
7. Den Steig kein Vogel erkannt hat und kein Geiersauge gesehen.
8. Es haben die stolzen Kinder nicht drauf getreten, und ist kein Löwe
drauf gegangen.
9. Auch legt man die Hand an die Felsen und gräbet die Berge um.
10. Man reißet Bäche aus den Felsen; und alles, was köstlich ist,
siehet das Auge.
11. Man wehret dem Strom des Wassers und bringet, das verborgen
drinnen ist, ans Licht.
12. Wo will man aber Weisheit finden, und wo ist die Stätte des
Verstandes?
13. Niemand weiß, wo sie liegt, und wird nicht funden im Lande der
Lebendigen.
14. Der Abgrund spricht: Sie ist in mir nicht; und das Meer spricht:
Sie ist nicht bei mir.
15. Man kann nicht Gold um sie geben, noch Silber darwägen, sie zu
bezahlen.
16. Es gilt ihr nicht gleich ophirisch Gold oder köstlicher Onyx und
Saphir.
17. Gold und Demant mag ihr nicht gleichen, noch um sie gülden Kleinod
wechseln.
18. Ramoth und Gabis achtet man nicht. Die Weisheit ist höher zu wägen
denn Perlen.
19. Topasius aus Mohrenland wird ihr nicht gleich geschätzt, und das
reinste Gold gilt ihr nicht gleich.
20. Woher kommt denn die Weisheit, und wo ist die Stätte des Verstandes?
21. Sie ist verhohlen vor den Augen aller Lebendigen, auch verborgen
den Vögeln unter dem Himmel.
22. Die Verdammnis und der Tod sprechen: Wir haben mit unsern Ohren
ihr Gerücht gehöret.
23. GOtt weiß den Weg dazu und kennet ihre Stätte.
24. Denn er siehet die Enden der Erde und schauet alles, was unter dem
Himmel ist.
25. Da er dem Winde sein Gewicht machte und setzte dem Wasser sein
gewisses Maß,
26. da er dem Regen ein Ziel machte und dem Blitz und Donner den Weg,
27. da sah er sie und erzählete sie, bereitete sie und erfand sie;
28. und sprach zum Menschen: Siehe, die Furcht des HErrn, das ist
Weisheit, und meiden das Böse, das ist Verstand.
1. Und Hiob hub abermal an seine Sprüche und sprach:
2. O daß ich wäre wie in den vorigen Monden, in den Tagen, da mich
GOtt behütete,
3. da seine Leuchte über meinem Haupte schien, und ich bei seinem
Licht in der Finsternis ging;
4. wie ich war zur Zeit meiner Jugend, da GOttes Geheimnis über meiner
Hütte war;
5. da der Allmächtige noch mit mir war und meine Kinder um mich her;
6. da ich meine Tritte wusch in Butter, und die Felsen mir Ölbäche
gossen;
7. da ich ausging zum Tor in der Stadt und ließ meinen Stuhl auf der
Gasse bereiten;
8. da mich die Jungen sahen und sich versteckten, und die Alten vor
mir aufstunden;
9. da die Obersten aufhöreten zu reden, und legten ihre Hand auf ihren
Mund;
10. da die Stimme der Fürsten sich verkroch, und ihre Zunge an ihrem
Gaumen klebte.
11. Denn welches Ohr mich hörete, der preisete mich selig, und welches
Auge mich sah, der rühmte mich.
12. Denn ich errettete den Armen, der da schrie, und den Waisen, der
keinen Helfer hatte.
13. Der Segen des, der verderben sollte, kam über mich; und ich
erfreuete das Herz der Witwe.
14. Gerechtigkeit war mein Kleid, das ich anzog wie einen Rock; und
mein Recht war mein fürstlicher Hut.
15. Ich war des Blinden Auge und des Lahmen Füße.
16. Ich war ein Vater der Armen; und welche Sache ich nicht wußte, die
erforschete ich.
17. Ich zerbrach die Backenzähne des Ungerechten und riß den Raub aus
seinen Zähnen.
18. Ich gedachte: Ich will in meinem Nest ersterben und meiner Tage
viel machen wie Sand.
19. Meine Saat ging auf am Wasser; und der Tau blieb über meiner Ernte.
20. Meine Herrlichkeit erneuerte sich immer an mir; und mein Bogen
besserte sich in meiner Hand.
21. Man hörete mir zu, und schwiegen und warteten auf meinen Rat.
22. Nach meinen Worten redete niemand mehr; und meine Rede troff auf
sie.
23. Sie warteten auf mich wie auf den Regen und sperreten ihren Mund
auf als nach dem Abendregen.
24. Wenn ich sie anlachte, wurden sie nicht zu kühn darauf, und das
Licht meines Angesichts machte mich nicht geringer.
25. Wenn ich zu ihrem Geschäfte wollte kommen, so mußte ich obenan
sitzen und wohnete wie ein König unter Kriegsknechten, da ich tröstete,
die Leid trugen.
1. Nun aber lachen mein, die jünger sind denn ich, welcher Väter ich
verachtet hätte, zu stellen unter meine Schafhunde,
2. welcher Vermögen ich für nichts hielt, die nicht zum Alter kommen
konnten,
3. die vor Hunger und Kummer einsam flohen in die Einöde, neulich
verdorben und elend worden,
4. die da Nesseln ausrauften um die Büsche, und Wacholderwurzel war
ihre Speise;
5. und wenn sie die herausrissen, jauchzeten sie drüber wie ein Dieb.
6. An den grausamen Bächen wohneten sie, in den Löchern der Erde und
Steinritzen.
7. Zwischen den Büschen riefen sie und unter den Disteln sammelten sie,
8. die Kinder loser und verachteter Leute, die die Geringsten im Lande
waren.
9. Nun bin ich ihr Saitenspiel worden und muß ihr Märlein sein.
10. Sie haben einen Greuel an mir und machen sich ferne von mir und
schonen nicht, vor meinem Angesicht zu speien.
11. Sie haben mein Seil ausgespannet und mich zunichte gemacht und das
Meine abgezäumet.
12. Zur Rechten, da ich grünete, haben sie sich wieder mich gesetzt
und haben meinen Fuß ausgestoßen; und haben über mich einen Weg
gemacht, mich zu verderben.
13. Sie haben meine Steige zerbrochen; es war ihnen so leicht, mich zu
beschädigen, daß sie keiner Hilfe dazu bedurften.
14. Sie sind kommen, wie zur weiten Lücke herein, und sind ohne
Ordnung dahergefallen.
15. Schrecken hat sich gegen mich gekehret und hat verfolget wie der
Wind meine Herrlichkeit und wie eine laufende Wolke meinen glückseligen
Stand.
16. Nun aber gießt sich aus meine Seele über mich, und mich hat
ergriffen die elende Zeit.
17. Des Nachts wird mein Gebein durchbohret allenthalben, und die mich
jagen, legen sich nicht schlafen.
18. Durch die Menge der Kraft werde ich anders und anders gekleidet;
und man gürtet mich damit wie mit dem Loch meines Rocks.
19. Man hat mich in Kot getreten und gleich geachtet dem Staub und
Asche.
20. Schreie ich zu dir, so antwortest du mir nicht; trete ich hervor,
so achtest du nicht auf mich.
21. Du bist mir verwandelt in einen Grausamen und zeigest deinen Gram
an mir mit der Stärke deiner Hand.
22. Du hebest mich auf und lässest mich auf dem Winde fahren und
zerschmelzest mich kräftiglich.
23. Denn ich weiß, du wirst mich dem Tode überantworten; da ist das
bestimmte Haus aller Lebendigen.
24. Doch wird, er nicht die Hand ausstrecken ins Beinhaus, und werden
nicht schreien vor seinem Verderben.
25. Ich weinete ja in der harten Zeit, und meine Seele jammerte der
Armen.
26. Ich wartete des Guten, und kommt das Böse; ich hoffte aufs Licht,
und kommt Finsternis.
27. Meine Eingeweide sieden und hören nicht auf; mich hat überfallen
die elende Zeit.
28. Ich gehe schwarz einher, und brennet mich doch keine Sonne nicht;
ich stehe auf in der Gemeine und schreie.
29. Ich bin ein Bruder der Schlangen und ein Geselle der Straußen.
30. Meine Haut über mir ist schwarz worden, und meine Gebeine sind
verdorret vor Hitze.
31. Meine Harfe ist eine Klage worden und meine Pfeife ein Weinen.
1. Ich habe einen Bund gemacht mit meinen Augen, daß ich nicht achtete
auf eine Jungfrau.
2. Was gibt mir aber GOtt zu Lohn von oben? und was für ein Erbe der
Allmächtige von der Höhe?
3. Sollte nicht billiger der Ungerechte solch Unglück haben, und ein
Übeltäter so verstoßen werden?
4. Siehet er nicht meine Wege und zählet alle meine Gänge?
5. Hab ich gewandelt in Eitelkeit? oder hat mein Fuß geeilet zum Betrug?
6. So wäge man mich auf rechter Waage, so wird GOtt erfahren meine
Frömmigkeit.
7. Hat mein Gang gewichen aus dem Wege und mein Herz meinen Augen
nachgefolget, und ist etwas in meinen Händen beklebet,
8. so müsse ich säen, und ein anderer fresse es, und mein Geschlecht
müsse ausgewurzelt werden.
9. Hat sich mein Herz lassen reizen zum Weibe, und habe an meines
Nächsten Tür gelauert,
10. so müsse mein Weib von einem andern geschändet werden, und andere
müssen sie beschlafen.
11. Denn das ist ein Laster und eine Missetat für die Richter.
12. Denn das wäre ein Feuer, das bis ins Verderben verzehrete und all
mein Einkommen auswurzelte.
13. Hab ich verachtet das Recht meines Knechts oder meiner Magd, wenn
sie eine Sache wider mich hatten,
14. was wollte ich tun, wenn GOtt sich aufmachte, und was würde ich
antworten, wenn er heimsuchte?
15. Hat ihn nicht auch der gemacht, der mich in Mutterleibe machte,
und hat ihn im Leibe ebensowohl bereitet?
16. Hab ich den Dürftigen ihre Begierde versagt und die Augen der
Witwen lassen verschmachten?
17. Hab ich meinen Bissen allein gegessen, und nicht der Waise auch
davon gegessen?
18. Denn ich, habe mich von Jugend auf gehalten wie ein Vater; und von
meiner Mutter Leibe an hab ich gerne getröstet.
19. Hab ich jemand sehen umkommen, daß er kein Kleid hatte, und den
Armen ohne Decke gehen lassen?
20. Haben mich nicht gesegnet seine Seiten, da er von den Fellen
meiner Lämmer erwärmet ward?
21. Hab ich meine Hand an den Waisen gelegt, weil ich mich sah im Tor
Macht zu helfen haben,
22. so falle meine Schulter von der Achsel, und mein Arm breche von
der Röhre.
23. Denn ich fürchte GOtt, wie einen Unfall über mich, und könnte
seine Last nicht ertragen.
24. Hab ich das Gold zu meiner Zuversicht gestellet und zu dem
Goldklumpen gesagt Mein Trost?
25. Hab ich mich gefreuet, daß ich groß Gut hatte und meine Hand
allerlei erworben hatte?
26. Hab ich das Licht angesehen, wenn es helle leuchtete, und den
Mond, wenn er voll ging?
27. Hat sich mein Herz heimlich bereden lassen, daß meine Hand meinen
Mund küsse?
28. Welches ist auch eine Missetat für die Richter; denn damit hätte
ich verleugnet GOtt von oben.
29. Hab ich mich gefreuet, wenn's meinem Feinde übel ging, und habe
mich erhaben, daß ihn Unglück betreten hatte?
30. Denn ich ließ meinen Mund nicht sündigen, daß er wünschte einen
Fluch seiner Seele.
31. Haben nicht die Männer in meiner Hütte müssen sagen: O wollte
GOtt, daß wir von seinem Fleisch nicht gesättiget würden!
32. Draußen mußte der Gast nicht bleiben, sondern meine Tür tat ich
dem Wanderer auf.
33. Hab ich meine Schalkheit wie ein Mensch gedeckt, daß ich heimlich
meine Missetat verbärge?
34. Hab ich mir grauen lassen vor der großen Menge, und hat die
Verachtung der Freundschaften mich abgeschreckt? Ich blieb stille und
ging nicht zur Tür aus.
35. Wer gibt mir einen Verhörer, daß meine Begierde der Allmächtige
erhöre, daß jemand ein Buch schriebe von meiner Sache?
36. So wollt ich's auf meine Achseln nehmen und mir wie eine Krone
umbinden.
37. Ich wollte die Zahl meiner Gänge ansagen und wie ein Fürst wollte
ich sie darbringen.
38. Wird mein Land wider mich schreien und miteinander seine Furchen
weinen;
39. hab ich seine Früchte unbezahlt gegessen und das Leben der
Ackerleute sauer gemacht,
40. so wachsen mir Disteln für Weizen und Dornen für Gerste. Die Worte
Hiobs haben ein Ende.
1. Da höreten die drei Männer auf, Hiob zu antworten, weil er sich für
gerecht hielt.
2. Aber Elihu, der Sohn Baracheels, von Bus, des Geschlechts Ram, ward
zornig über Hiob, daß er seine Seele gerechter hielt denn GOtt.
3. Auch ward er zornig über seine drei Freunde, daß sie keine Antwort
fanden und doch Hiob verdammeten.
4. Denn Elihu hatte geharret, bis daß sie mit Hiob geredet hatten,
weil sie älter waren denn er.
5. Darum, da er sah, daß keine Antwort war im Munde der drei Männer,
ward er zornig.
6. Und so antwortete Elihu, der Sohn Baracheels, von Bus, und sprach:
Ich bin jung, ihr aber seid alt; darum hab ich mich gescheuet und
gefürchtet, meine Kunst an euch zu beweisen.
7. Ich dachte: Laß die Jahre reden, und die Menge des Alters laß
Weisheit beweisen.
8. Aber der Geist ist in den Leuten, und der Odem des Allmächtigen
macht sie verständig.
9. Die Großen sind nicht die Weisesten, und die Alten verstehen nicht
das Recht.
10. Darum will ich auch reden; höre mir zu! Ich will meine Kunst auch
sehen lassen.
11. Siehe, ich habe geharret, daß ihr geredet habt; ich habe
aufgemerkt auf euren Verstand, bis ihr träfet die rechte Rede,
12. und habe achtgehabt auf euch; aber siehe, da ist keiner unter
euch, der Hiob strafe oder seiner Rede antworte.
13. Ihr werdet vielleicht sagen: Wir haben die Weisheit getroffen, daß
Gott ihn verstoßen hat, und sonst niemand.
14. Die Rede tut mir nicht genug; ich will ihm nicht so nach eurer
Rede antworten.
15. Ach! sie sind verzagt, können nicht mehr antworten, sie können
nicht mehr reden.
16. Weil ich denn geharret habe, und sie konnten nicht reden (denn sie
stehen still und antworten nicht mehr),
17. will doch ich mein Teil antworten und will meine Kunst beweisen;
18. Denn ich bin der Rede so voll, daß mich der Odem in meinem Bauche
ängstet.
19. Siehe, mein Bauch ist wie der Most, der zugestopfet ist, der die
neuen Fässer zerreißet.
20. Ich muß reden, daß ich Odem hole; ich muß meine Lippen auftun und
antworten.
21. Ich will niemandes Person ansehen und will keinen Menschen rühmen.
22. Denn ich weiß nicht, wo ich's täte, ob mich mein Schöpfer über ein
kleines hinnehmen würde.
1. Höre doch, Hiob, meine Rede und merke auf alle meine Worte!
2. Siehe, ich tue meinen Mund auf, und meine Zunge redet in meinem
Munde.
3. Mein Herz soll recht reden, und meine Lippen sollen den reinen
Verstand sagen.
4. Der Geist GOttes hat mich gemacht, und der Odem des Allmächtigen
hat mir das Leben gegeben.
5. Kannst du, so antworte mir; schicke dich gegen, mich und stelle dich!
6. Siehe ich bin GOttes ebensowohl als du, und aus Leimen bin ich auch
gemacht.
7. Doch du darfst vor mir nicht erschrecken, und meine Hand soll dir
nicht zu schwer sein.
8. Du hast geredet vor meinen Ohren, die Stimme deiner Rede mußte ich
hören:
9. Ich bin rein, ohne Missetat, unschuldig und habe keine Sünde.
10. Siehe, er hat eine Sache wider mich funden, darum achtet er mich
für seinen Feind.
11. Er hat meinen Fuß in Stock gelegt und hat alle meine Wege verwahret.
12. Siehe, eben daraus schließe ich wider dich, daß du nicht recht
bist; denn GOtt ist mehr weder ein Mensch.
13. Warum willst du mit ihm zanken, daß er dir nicht Rechenschaft gibt
alles seines Tuns?
14. Denn wenn GOtt einmal etwas beschließt, so bedenket er's nicht
erst her nach.
15. Im Traum des Gesichts in der Nacht, wenn der Schlaf auf die Leute
fällt, wenn sie schlafen auf dem Bette,
16. da öffnet er das Ohr der Leute und schreckt sie und züchtiget sie,
17. daß er den Menschen von seinem Vorhaben wende und beschirme ihn
vor Hoffart.
18. Und verschonet seiner Seele vor dem Verderben und seines Lebens,
daß es nicht ins Schwert falle.
19. Er straft ihn mit Schmerzen auf seinem Bette und alle seine
Gebeine heftig;
20. und richtet ihm sein Leben so zu, daß ihm vor der Speise ekelt,
und seine Seele, daß sie nicht Lust zu essen hat.
21. Sein Fleisch verschwindet, daß er nicht wohl sehen mag, und seine
Beine werden zerschlagen, daß man sie nicht gerne ansiehet,
22. daß seine Seele nahet zum Verderben und sein Leben zu den Toten.
23. So dann ein Engel, einer aus tausend, mit ihm redet, zu
verkündigen dem Menschen, wie er solle recht tun,
24. so wird er ihm gnädig sein und sagen: Er soll erlöset werden, daß
er nicht hinunterfahre ins Verderben; denn ich habe eine Versöhnung
funden.
25. Sein Fleisch grüne wieder wie in der Jugend, und laß ihn wieder
jung werden.
26. Er wird GOtt bitten; der wird ihm Gnade erzeigen und wird sein
Antlitz sehen lassen mit Freuden und wird dem Menschen nach seiner
Gerechtigkeit vergelten.
27. Er wird vor den Leuten bekennen und sagen: Ich wollte gesündiget
und das Recht verkehret haben, aber es hätte mir nichts genützet.
28. Er hat meine Seele erlöset, daß sie nicht führe ins Verderben,
sondern mein Leben das Licht sähe.
29. Siehe, das alles tut GOtt zwei oder dreimal mit einem jeglichen,
30. daß er seine Seele herumhole aus dem Verderben und erleuchte ihn
mit dem Licht der Lebendigen.
31. Merke auf, Hiob, und höre mir zu, und schweige, daß ich rede!
32. Hast du aber was zu sagen, so antworte mir; sage her, bist du
recht, ich will's gerne hören.
33. Hast du aber nichts, so höre mir zu und schweige, ich will dich
die Weisheit lehren.
1. Und Elihu antwortete und sprach:
2. Höret, ihr Weisen, meine Rede, und ihr Verständigen, merket auf mich!
3. Denn das Ohr prüfet die Rede, und der Mund schmecket die Speise.
4. Laßt uns ein Urteil erwählen, daß wir erkennen unter uns, was gut
sei.
5. Denn Hiob hat gesagt: Ich bin gerecht, und GOtt weigert mir mein
Recht.
6. Ich muß lügen, ob ich wohl recht habe, und bin gequälet von meinen
Pfeilen, ob ich wohl nichts verschuldet habe.
7. Wer ist ein solcher wie Hiob, der da Spötterei trinket wie Wasser
8. und auf dem Wege gehet mit den Übeltätern und wandelt mit den
gottlosen Leuten?
9. Denn er hat gesagt: Wenn jemand schon fromm ist, so gilt er doch
nichts bei GOtt.
10. Darum höret mir zu, ihr weisen Leute: Es sei ferne, daß GOtt
sollte gottlos sein und der Allmächtige ungerecht,
11. sondern er vergilt dem Menschen, danach er verdienet hat, und
trifft einen jeglichen nach seinem Tun.
12. Ohne Zweifel, GOtt verdammet niemand mit Unrecht, und der
Allmächtige beuget das Recht nicht.
13. Wer hat, das auf Erden ist, verordnet, und wer hat den ganzen
Erdboden gesetzt?
14. So er sich's würde unterwinden, so würde er aller Geist und Odem
zu sich sammeln.
15. Alles Fleisch würde miteinander vergehen, und der Mensch würde
wieder zu Asche werden.
16. Hast du nun Verstand, so höre das und merke auf die Stimme meiner
Rede.
17. Sollte einer darum das Recht zwingen, daß er's hasset? Und daß du
stolz bist, solltest du darum den Gerechten verdammen?
18. Sollt einer zum Könige sagen: Du loser Mann! und zu den Fürsten:
Ihr Gottlosen!?
19. Der doch nicht ansiehet die Person der Fürsten und kennet den
Herrlichen nicht mehr denn den Armen; denn sie sind alle seiner Hände
Werk.
20. Plötzlich müssen die Leute sterben und zu Mitternacht erschrecken
und vergehen; die Mächtigen werden kraftlos weggenommen.
21. Denn seine Augen sehen auf eines jeglichen Wege, und er schaut
alle ihre Gänge.
22. Es ist kein Finsternis noch Dunkel, daß sich da möchten verbergen
die Übeltäter.
23. Denn es wird niemand gestattet, daß er mit GOtt rechte.
24. Er bringet der Stolzen viel um, die nicht zu zählen sind, und
stellet andere an ihre Statt,
25. darum daß er kennet ihre Werke und kehret sie um des Nachts, daß
sie zerschlagen werden.
26. Er wirft die Gottlosen über einen Haufen, da man's gerne siehet,
27. darum daß sie von ihm weggewichen sind und verstunden seiner Wege
keinen,
28. daß das Schreien der Armen mußte vor ihn kommen, und er das
Schreien der Elenden hörete.
29. Wenn er Frieden gibt, wer will verdammen? und wenn er das Antlitz
verbirget, wer will ihn schauen unter den Völkern und Leuten?
30. Und läßt über sie regieren einen Heuchler, das Volk zu drängen.
31. Ich muß für GOtt reden und kann's nicht lassen.
32. Hab ich's nicht getroffen, so lehre du mich's besser; hab ich
unrecht gehandelt, ich will's nicht mehr tun.
33. Man wartet der Antwort von dir, denn du verwirfst alles; und du
hast's angefangen und nicht ich. Weißest du nun was, so sage an!
34. Weise Leute lasse ich mir sagen, und ein weiser Mann gehorchet mir.
35. Aber Hiob redete mit Unverstand, und seine Worte sind nicht klug.
36. Mein Vater! laß Hiob versucht werden bis ans Ende, darum daß er
sich zu unrechten Leuten kehret.
37. Er hat über seine Sünde dazu noch gelästert; darum laß Ihn
zwischen uns geschlagen werden und danach viel wider GOtt plaudern.
1. Und Elihu antwortete und sprach:
2. Achtest du das für recht, daß du sprichst: Ich bin gerechter denn
GOtt?
3. Denn du sprichst: Wer gilt bei dir etwas? Was hilft's, ob ich mich
ohne Sünde mache?
4. Ich will dir antworten ein Wort und deinen Freunden mit dir.
5. Schaue gen Himmel und siehe, und schaue an die Wolken, daß sie dir
zu hoch sind.
6. Sündigest du, was kannst du mit ihm machen? Und ob deiner Missetat
viel ist, was kannst du ihm tun?
7. Und ob du gerecht seiest, was kannst du ihm geben, oder was wird er
von deinen Händen nehmen?
8. Einem Menschen, wie du bist, mag wohl etwas tun deine Bosheit und
einem Menschenkinde deine Gerechtigkeit.
9. Dieselbigen mögen schreien, wenn ihnen viel Gewalt geschieht, und
rufen über den Arm der Großen,
10. die nicht danach fragen, wo ist GOtt, mein Schöpfer, der das
Gesänge macht in der Nacht,
11. der uns gelehrter macht denn das Vieh auf Erden und weiser denn
die Vögel unter dem Himmel?
12. Aber sie werden da auch schreien über den Hochmut der Bösen, und
er wird sie nicht erhören.
13. Denn GOtt wird das Eitle nicht erhören, und der Allmächtige wird
es nicht ansehen.
14. Dazu sprichst du, du werdest ihn nicht sehen. Aber es ist ein
Gericht vor ihm; harre sein nur,
15. ob sein Zorn bald nicht heimsucht, und sich nicht annimmt, daß
soviel Laster da sind.
16. Darum hat Hiob seinen Mund um sonst aufgesperrt und gibt stolze
Teiding vor mit Unverstand.
1. Elihu redete weiter und sprach:
2. Harre mir noch ein wenig, ich will dir's zeigen; denn ich habe noch
von GOttes wegen was zu sagen.
3. Ich will meinen Verstand weit holen und meinen Schöpfer beweisen,
daß er recht sei.
4. Meine Reden sollen ohne Zweifel nicht falsch sein, mein Verstand
soll ohne Wandel vor dir sein.
5. Siehe, GOtt verwirft die Mächtigen nicht; denn er ist auch mächtig
von Kraft des Herzens.
6. Den Gottlosen erhält er nicht, sondern hilft dem Elenden zum Rechten.
7. Er wendet seine Augen nicht von dem Gerechten und die Könige läßt
er sitzen auf dem Thron immerdar, daß sie hoch bleiben.
8. Und wo Gefangene liegen in Stöcken und gebunden mit Stricken
elendiglich,
9. so verkündiget er ihnen, was sie getan haben, und ihre Untugend,
daß sie mit Gewalt gefahren haben.
10. Und öffnet ihnen das Ohr zur Zucht und sagt ihnen, daß sie sich
von dem Unrechten bekehren sollen.
11. Gehorchen sie und dienen ihm, so werden sie bei guten Tagen alt
werden und mit Lust leben.
12. Gehorchen sie nicht, so werden sie ins Schwert fallen und
vergehen, ehe sie es gewahr werden.
13. Die Heuchler, wenn sie der Zorn trifft, schreien sie nicht, wenn
sie gefangen liegen;
14. so wird ihre Seele mit Qual sterben und ihr Leben unter den Hurern.
15. Aber den Elenden wird er aus seinem Elend erretten und dem Armen
das Ohr öffnen in Trübsal.
16. Er wird dich reißen aus dem weiten Rachen der Angst, die keinen
Boden hat; und dein Tisch wird Ruhe haben, voll alles Guten.
17. Du aber machst die Sache der Gottlosen gut, daß ihre Sache und
Recht erhalten wird.
18. Siehe zu, daß dich nicht vielleicht Zorn beweget habe, jemand zu
plagen, oder groß Geschenk dich nicht gebeuget habe.
19. Meinest du, daß er deine Gewalt achte, oder Gold, oder irgend eine
Stärke oder Vermögen?
20. Du darfst der Nacht nicht begehren, die Leute an ihrem Ort zu
überfallen.
21. Hüte dich und kehre dich nicht zum Unrecht, wie du denn vor Elend
angefangen hast.
22. Siehe, GOtt ist zu hoch in seiner Kraft; wo ist ein Lehrer, wie er
ist?
23. Wer will über ihn heimsuchen seinen Weg, und wer will zu ihm
sagen: Du tust unrecht?
24. Gedenke, daß du sein Werk nicht wissest, wie die Leute singen.
25. Denn alle Menschen sehen das, die Leute schauen's von ferne.
26. Siehe, GOtt ist groß und unbekannt; seiner Jahre Zahl kann niemand
forschen.
27. Er macht das Wasser zu kleinen Tropfen und treibt seine Wolken
zusammen zum Regen,
28. daß die Wolken fließen und triefen sehr auf die Menschen.
29. Wenn er vornimmt, die Wolken auszubreiten, wie sein hoch Gezelt,
30. siehe, so breitet er aus seinen Blitz über dieselben und bedecket
alle Enden des Meers.
31. Denn damit schreckt er die Leute und gibt doch Speise die Fülle.
32. Er decket den Blitz wie mit Händen und heißt es doch wiederkommen.
33. Davon zeuget sein Geselle, nämlich des Donners Zorn in Wolken.
1. Des entsetzt sich mein Herz und bebet.
2. Lieber, höret doch, wie sein Donner zürnet, und was für Gespräch
von seinem Munde ausgehet!
3. Er siehet unter allen Himmeln, und sein Blitz scheinet auf die
Enden der Erde.
4. Dem nach brüllet der Donner, und er donnert mit seinem großen
Schall, und wenn sein Donner gehöret wird, kann man's nicht aufhalten.
5. GOtt donnert mit seinem Donner greulich und tut große Dinge, und
wird doch nicht erkannt.
6. Er spricht zum Schnee, so ist er bald auf Erden, und zum
Platzregen, so ist der Platzregen da mit Macht.
7. Alle Menschen hat er in der Hand als verschlossen, daß die Leute
lernen, was er tun kann.
8. Das wilde Tier gehet in die Höhle und bleibt an seinem Ort.
9. Von Mittag her kommt Wetter und von Mitternacht Kälte.
10. Vom Odem GOttes kommt Frost, und große Wasser, wenn er auftauen
läßt.
11. Die dicken Wolken scheiden sich, daß es helle werde, und durch den
Nebel bricht sein Licht.
12. Er kehret die Wolken, wo er hin will, daß sie schaffen alles, was
er ihnen gebeut, auf dem Erdboden,
13. es sei über ein Geschlecht oder über ein Land, so man ihn
barmherzig findet.
14. Da merke auf, Hiob; stehe, und vernimm die Wunder GOttes!
15. Weißt du, wenn GOtt solches über sie bringt und wenn er das Licht
seiner Wolken läßt hervorbrechen?
16. Weißt du, wie sich die Wolken ausstreuen? Welche Wunder die
Vollkommenen wissen.
17. Daß deine Kleider warm sind, wenn das Land stille ist vom
Mittagswind?
18. Ja, du wirst mit ihn die Wolken ausbreiten, die fest stehen wie
ein gegossener Spiegel.
19. Zeige uns, was wir ihm sagen sollen; denn wir werden nicht dahin
reichen vor Finsternis.
20. Wer wird ihm erzählen, daß ich rede? So jemand redet, der wird
verschlungen.
21. Jetzt siehet man das Licht nicht, das in den Wolken helle
leuchtet; wenn aber der Wind wehet, so wird's klar.
22. Von Mitternacht kommt Gold zu Lob vor dem schrecklichen GOtt.
23. Den Allmächtigen aber mögen sie nicht begreifen, der so groß ist
von Kraft; denn er wird von seinem Recht und guter Sache nicht
Rechenschaft geben.
24. Darum müssen ihn fürchten die Leute; und er fürchtet sich vor
keinem, wie weise sie sind.
1. Und der HErr antwortete Hiob aus einem Wetter und sprach:
2. Wer ist der, der so fehlet in der Weisheit und redet so mit
Unverstand?
3. Gürte deine Lenden wie ein Mann; ich will dich fragen, lehre mich!
Wo warest du, da ich die Erde gründete? Sage mir's, bist du so klug?
5. Weißt du, wer ihr das Maß gesetzt hat, oder wer über sie eine
Richtschnur gezogen hat?
6. Oder worauf stehen ihre Füße versenket? Oder wer hat ihr einen
Eckstein gelegt,
7. da mich die Morgensterne miteinander lobeten, und jauchzeten alle
Kinder GOttes?
8. Wer hat das Meer mit seinen Türen verschlossen, da es herausbrach
wie aus Mutterleibe,
9. da ich's mit Wolken kleidete und in Dunkel einwickelte, wie in
Windeln,
10. da ich ihm den Lauf brach mit meinem Damm und setzte ihm Riegel
und Tür
11. und sprach: Bis hieher sollst du kommen und nicht weiter; hie
sollen sich legen deine stolzen Wellen!?
12. Hast du bei deiner Zeit dem Morgen geboten und der Morgenröte
ihren Ort gezeiget,
13. daß die Ecken der Erde gefasset und die Gottlosen
herausgeschüttelt würden?
14. Das Siegel wird sich wandeln wie Leimen, und sie stehen wie ein
Kleid.
15. Und den Gottlosen wird ihr Licht genommen werden; und der Arm der
Hoffärtigen wird zerbrochen werden.
16. Bist du in den Grund des Meers kommen und hast in den Fußtapfen
der Tiefen gewandelt?
17. Haben sich dir des Todes Tore je aufgetan? Oder hast du gesehen
die Tore der Finsternis?
18. Hast du vernommen, wie breit die Erde sei? Sage an, weißt du
solches alles?
19. Welches ist der Weg, da das Licht wohnet, und welches sei der
Finsternis Stätte,
20. daß du mögest abnehmen seine Grenze und merken den Pfad zu seinem
Hause?
21. Wußtest du, daß du zu der Zeit solltest geboren werden und wieviel
deiner Tage sein würden?
22. Bist du gewesen, da der Schnee herkommt, oder hast du gesehen, wo
der Hagel herkommt,
23. die ich habe verhalten bis auf die Zeit der Trübsal und auf den
Tag des Streits und Kriegs?
24. Durch welchen Weg teilet sich das Licht, und auffähret der Ostwind
auf Erden?
25. Wer hat dem Platzregen seinen Lauf ausgeteilet und den Weg dem
Blitze und Donner,
26. daß es regnet aufs Land, da niemand ist, in der Wüste, da kein
Mensch ist,
27. daß er füllet die Einöden und Wildnis und macht, daß Gras wächset?
28. Wer ist des Regens Vater? Wer hat die Tropfen des Taues gezeuget?
29. Aus wes Leibe ist das Eis gegangen? Und wer hat den Reif unter dem
Himmel gezeuget,
30. daß das Wasser verborgen wird wie unter Steinen und die Tiefe oben
gestehet?
31. Kannst du die Bande der sieben Sterne zusammenbinden, oder das
Band des Orion auflösen?
32. Kannst du den Morgenstern hervorbringen zu seiner Zeit, oder den
Wagen am Himmel über seine Kinder führen?
33. Weißt du, wie der Himmel zu regieren ist? Oder kannst du ihn
meistern auf Erden?
34. Kannst du deinen” Donner in der Wolke hoch herführen? Oder wird
dich die Menge des Wassers verdecken?
35. Kannst du die Blitze auslassen, daß sie hinfahren und sprechen:
Hie sind wir?
36. Wer gibt die Weisheit ins Verborgene? Wer gibt verständige Gedanken?
37. Wer ist so weise, der die Wolken erzählen könnte? Wer kann die
Wasserschläuche am Himmel verstopfen,
38. wenn der Staub begossen wird, daß er zuhaufe läuft und die Klöße
aneinander kleben?
39. Kannst du der Löwin ihren Raub zu jagen geben und die jungen Löwen
sättigen,
40. daß sie sich legen in ihre Stätte und ruhen in der Höhle, da sie
lauern?
41. Wer bereitet dem Raben die Speise, wenn seine Jungen zu GOtt rufen
und fliegen irre, wenn sie nicht zu essen haben?
Kap. 39. V.1. Weißt du die Zeit, wann die Gemsen auf den Felsen
gebären? Oder hast du gemerkt, wann die Hirsche schwanger gehen?
2. Hast du erzählet ihre Monden, wann sie voll werden? Oder weißt du
die Zeit, wann sie gebären?
3. Sie beugen sich, wenn sie gebären, und reißen sich und lassen aus
ihre Jungen.
4. Ihre Jungen werden feist und mehren sich im Getreide; und gehen aus
und kommen nicht wieder zu ihnen.
5. Wer hat das Wild so frei lassen gehen? Wer hat die Bande des Wildes
aufgelöset,
6. dem ich das Feld zum Hause gegeben habe und die Wüste zur Wohnung?
7. Es verlacht das Getümmel der Stadt; das Pochen des Treibers höret
es nicht.
8. Es schauet nach den Bergen, da seine Weide ist, und suchet, wo es
grün ist.
9. Meinest du, das Einhorn werde dir dienen und Werde bleiben an
deiner Krippe?
10. Kannst du ihm dein Joch anknüpfen, die Furchen zu machen, daß es
hinter dir brache in Gründen?
11. Magst du dich auf es verlassen, daß es so stark ist, und wirst es
dir lassen arbeiten?
12. Magst du ihm trauen, daß es deinen Samen dir wiederbringe und in
deine Scheune sammle?
13. Die Federn des Pfauen sind schöner denn die Flügel und Federn des
Storchs,
14. der seine Eier auf der Erde lässet und läßt sie die heiße Erde
ausbrüten.
15. Er vergisset, daß sie möchten zertreten werden und ein wild Tier
sie zerbreche.
16. Er wird so hart gegen seine Jungen, als wären sie nicht sein,
achtet es nicht, daß er umsonst arbeitet.
17. Denn GOtt hat ihm die Weisheit genommen und hat ihm keinen
Verstand mitgeteilet.
18. Zu der Zeit, wenn er hoch fähret, erhöhet er sich und verlachet
beide Roß und Mann.
19. Kannst du dem Roß Kräfte geben, oder seinen Hals zieren mit seinem
Geschrei?
20. Kannst du es schrecken wie die Heuschrecken? Das ist Preis seiner
Nase, was schrecklich ist.
21. Es stampfet auf den Boden und ist freudig mit Kraft und zeucht aus
den Geharnischten entgegen.
22. Es spottet der Furcht und erschrickt nicht und fleucht vor dem
Schwert nicht,
23. wenngleich wider es klinget der Köcher und glänzet beide Spieß und
Lanze.
24. Es zittert und tobet und scharret in die Erde und achtet nicht der
Trommeten Hall.
25. Wenn die Trommete fast klinget, spricht es: Hui! und riecht den
Streit von ferne, das Schreien der Fürsten und Jauchzen.
26. Fleuget der Habicht durch deinen Verstand und breitet seine Flügel
gegen Mittag?
27. Fleuget der Adler auf deinen Befehl so hoch, daß er sein Nest in
der Höhe macht?
28. In Felsen wohnet er und bleibt auf den Klippen an Felsen und in
festen Orten.
29. Von dannen schauet er nach der Speise, und seine Augen sehen ferne.
30. Seine Jungen saufen Blut; und wo ein Aas ist, da ist er.
31. Und der HErr antwortete Hiob und sprach:
32. Wer mit dem Allmächtigen hadern will, soll's ihm der nicht
beibringen? Und wer GOtt tadelt, soll's der nicht verantworten?
33. Hiob aber antwortete dem HErrn und sprach:
34. Siehe, ich bin zu leichtfertig gewesen, was soll ich antworten?
Ich will meine Hand auf meinen Mund legen.
35. Ich habe einmal geredet, darum will ich nicht mehr antworten;
hernach will ich's nicht mehr tun.
1. Und der HErr antwortete Hiob aus einem Wetter und sprach:
2. Gürte wie ein Mann deine Lenden; ich will dich fragen, lehre mich!
3. Solltest du mein Urteil zunichte machen und mich verdammen, daß du
gerecht seiest?
4. Hast du einen Arm wie GOtt und kannst mit gleicher Stimme donnern,
als er tut?
5. Schmücke dich mit Pracht und erhebe dich; zeuch dich löblich und
herrlich an!
6. Streue aus den Zorn deines Grimms; schaue an die Hochmütigen, wo
sie sind; und demütige sie.
7. Ja, schaue die Hochmütigen, wo sie sind, und beuge sie und mache
die Gottlosen dünne, wo sie sind.
8. Verscharre sie miteinander in der Erde und versenke ihre Pracht ins
Verborgene,
9. so will ich dir auch bekennen, daß dir deine rechte Hand helfen kann.
10. Siehe, der Behemoth, den ich neben dir gemacht habe, frißt Heu wie
ein Ochse.
11. Siehe, seine Kraft ist in seinen Lenden und sein Vermögen im Nabel
seines Bauchs.
12. Sein Schwanz strecket sich wie eine Zeder, die Adern seiner Scham
starren wie ein Ast.
13. Seine Knochen sind wie fest Erz, seine Gebeine sind wie eiserne
Stäbe.
14. Er ist der Anfang der Wege GOttes; der ihn gemacht hat, der greift
ihn an mit seinem Schwert.
15. Die Berge tragen ihm Kräuter, und alle wilden Tiere spielen
daselbst.
16. Er liegt gern im Schatten, im Rohr und im Schlamm verborgen.
17. Das Gebüsch bedeckt ihn mit seinem Schatten, und die Bachweiden
bedecken ihn.
18. Siehe, er schluckt in sich den Strom und achtet es nicht groß;
läßt sich dünken, er wolle den Jordan mit seinem Munde ausschöpfen.
19. Noch sähet man ihn mit seinen eigenen Augen, und durch Fallstricke
durchbohret man ihm seine Nase.
20. Kannst du den Leviathan ziehen mit dem Harnen und seine Zunge mit
einem Strick fassen?
21. Kannst du ihm eine Angel in die Nase legen und mit einem Stachel
ihm die Backen durchbohren?
22. Meinest du, er werde dir viel Flehens machen oder dir heucheln?
23. Meinest du, daß er einen Bund mit dir machen werde, daß du ihn
immer zum Knecht habest?
24. Kannst du mit ihm spielen wie mit einem Vogel, oder ihn deinen
Dirnen binden?
25. Meinest du, die Gesellschaften werden ihn zerschneiden, daß er
unter die Kaufleute zerteilet wird?
26. Kannst du das Netz füllen mit seiner Haut und die Fischreusen mit
seinem Kopf?
27. Wenn du deine Hand an ihn legst, so gedenke, daß ein Streit sei,
den du nicht ausführen wirst.
28. Siehe, seine Hoffnung wird ihm fehlen; und wenn er sein ansichtig
wird, schwinget er sich dahin.
Kap. 41. V.1. Niemand ist so kühn, der ihn reizen darf; wer ist denn,
der vor mir stehen könne?
2. Wer hat mir was zuvor getan, daß ich's ihm vergelte? Es ist mein,
was unter allen Himmeln ist.
3. Dazu muß ich nun sagen, wie groß, wie mächtig und wohl geschaffen
er ist.
4. Wer kann ihm sein Kleid aufdecken? Und wer darf es wagen, ihm
zwischen die Zähne zu greifen?
5. Wer kann die Kinnbacken seines Antlitzes auftun? Schrecklich stehen
seine Zähne umher.
6. Seine stolzen Schuppen sind wie feste Schilde, fest und enge
ineinander.
7. Eine rührt an die andere, daß nicht ein Lüftlein dazwischengehet.
8. Es hängt eine an der andern, und halten sich zusammen, daß sie sich
nicht voneinander trennen.
9. Sein Niesen glänzet wie ein Licht; seine Augen sind wie die
Augenlider der Morgenröte.
10. Aus seinem Munde fahren Fackeln, und feurige Funken schießen heraus.
11. Aus seiner Nase gehet Rauch wie von heißen Töpfen und Kessel.
12. Sein Odem ist wie lichte Lohe, und aus seinem Munde gehen Flammen.
13. Er hat einen starken Hals; und ist seine Lust, wo er etwas
verderbet.
14. Die Gliedmaßen seines Fleisches hangen aneinander und halten hart
an ihm, daß er nicht zerfallen kann.
15. Sein Herz ist so hart wie ein Stein und so fest wie ein Stück vom
untersten Mühlstein.
16. Wenn er sich erhebt, so entsetzen sich die Starken; und wenn er
daherbricht, so ist keine Gnade da.
17. Wenn man zu ihm will mit dem Schwert, so regt er sich nicht; oder
mit Spieß, Geschoß und Panzer.
18. Er achtet Eisen wie Stroh und Erz wie faul Holz.
19. Kein Pfeil wird ihn verjagen; die Schleudersteine sind wie Stoppeln.
20. Den Hammer achtet er wie Stoppeln; er spottet der bebenden Lanze.
21. Unter ihm liegen scharfe Steine und fährt über die scharfen Felsen
wie über Kot.
22. Er macht, daß das tiefe Meer siedet wie ein Topf, und rührt es
ineinander, wie man eine Salbe menget.
23. Nach ihm leuchtet der Weg, er macht die Tiefe ganz grau.
24. Auf Erden ist ihm niemand zu gleichen; er ist gemacht ohne Furcht
zu sein.
25. Er verachtet alles, was hoch ist; er ist ein König über alle
Stolzen.
1. Und Hiob antwortete dem HErrn und sprach:
2. ich erkenne, daß du alles vermagst, und kein Gedanke ist dir
verborgen.
3. Es ist ein unbesonnener Mann, der seinen Rat meinet zu verbergen.
Darum bekenne ich, daß ich habe unweislich geredet, das mir zu hoch ist
und nicht verstehe.
4. So erhöre mm, laß mich reden; ich will dich fragen, lehre mich!
5. Ich habe dich mit den Ohren gehöret, und mein Auge siehet dich auch
nun.
6. Damm schuldige ich mich und tue Buße in Staub und Asche.
7. Da nun der HErr diese Worte mit Hiob geredet hatte; sprach er zu
Eliphas von Theman: Mein Zorn ist ergrimmet über dich und über deine
zween Freunde; denn ihr habt nicht recht von mir geredet wie mein
Knecht Hiob.
8. So nehmet nun sieben Farren und sieben Widder und gehet hin zu
meinem Knechte Hiob und opfert Brandopfer für euch und laßt meinen
Knecht Hiob für euch bitten. Denn ihn will ich ansehen, daß ich euch
nicht sehen lasse, wie ihr Torheit begangen habt; denn ihr habt nicht
recht von, mir geredet wie mein Knecht Hiob.
9. Da gingen hin Eliphas von Theman, Bildad von Suah und Zophar von
Naema und taten, wie der HErr ihnen gesagt hatte. Und der HErr sah an
Hiob.
10. Und der HErr wendete das Gefängnis Hiobs, da er bat für seine
Freunde. Und der HErr gab Hiob zwiefältig so viel, als er gehabt hatte.
11. Und es kamen zu ihm alle seine Brüder und alle seine Schwestern
und alle, die ihn vorhin kannten, und aßen mit ihm in seinem Hause und
kehreten sich zu ihm und trösteten ihn über allem Übel, das der HErr
über ihn hatte kommen lassen. Und ein jeglicher gab ihm einen schönen
Groschen und ein gülden Stirnband.
12. Und der HErr segnete hernach Hiob mehr denn vorhin, daß er kriegte
vierzehntausend Schafe und sechstausend Kamele und tausend Joch Rinder
und tausend Esel.
13. Und kriegte sieben Söhne und drei Töchter.
14. Und hieß die erste Jemima, die andere Kezia und die dritte Keren-
Hapuch.
15. Und wurden nicht so schöne Weiber funden in allen Landen als die
Töchter Hiobs. Und ihr Vater gab ihnen Erbteil unter ihren Brüdern.
16. Und Hiob lebte nach diesem hundertundvierzig Jahre, daß er sah
Kinder und Kindeskinder bis in das vierte Glied.
17. Und Hiob starb alt und lebenssatt.