1. Im dritten Jahr des Reichs Jojakims, des Königs Judas, kam
Nebukadnezar, der König zu Babel, vor Jerusalem und belagerte sie.
2. Und der HErr übergab ihm Jojakim, den König Judas, und etliche
Gefäße aus dem Hause GOttes; die ließ er führen ins Land Sinear, in
seines Gottes Haus, und tat die Gefäße in seines Gottes Schatzkasten.
3. Und der König sprach zu Aspenas, seinem obersten Kämmerer, er
sollte aus den Kindern Israel vom königlichen Stamm und Herrenkindern
wählen
4. Knaben, die nicht gebrechlich wären, sondern schöne, vernünftige,
weise, kluge und verständige, die da geschickt wären, zu dienen in des
Königs Hofe und zu lernen chaldäische Schrift und Sprache.
5. Solchen verschaffte der König, was man ihnen täglich geben sollte
von seiner Speise und von dem Wein, den er selbst trank, daß sie, also
drei Jahre auferzogen, danach vor dem Könige dienen sollten.
6. Unter welchen waren Daniel, Hananja, Misael und Asarja von den
Kindern Judas.
7. Und der oberste Kämmerer gab ihnen Namen und nannte Daniel
Beltsazar und Hananja Sadrach und Misael Mesach und Asarja Abed-Nego.
8. Aber Daniel setzte ihm vor in seinem Herzen, daß er sich mit des
Königs Speise und mit dem Wein, den er selbst trank, nicht
verunreinigen wollte, und bat den obersten Kämmerer, daß er sich nicht
müßte verunreinigen.
9. Und GOtt gab Daniel, daß ihm der oberste Kämmerer günstig und
gnädig ward.
10. Derselbe sprach zu ihm: Ich fürchte mich vor meinem Herrn, dem
Könige, der euch eure Speise und Trank verschaffet hat; wo er würde
sehen, daß eure Angesichte jämmerlicher wären denn der andern Knaben
eures Alters, so brächtet ihr mich bei dem Könige um mein Leben.
11. Da sprach Daniel zu Melzar, welchem der oberste Kämmerer Daniel,
Hananja, Misael und Asarja befohlen hatte:
12. Versuch es doch mit deinen Knechten zehn Tage und laß uns geben
Gemüse zu essen und Wasser zu trinken!
13. Und laß dann vor dir unsere Gestalt und der Knaben, so von des
Königs Speise essen, besehen; und danach du sehen wirst, danach schaffe
mit deinen Knechten.
14. Und er gehorchte ihnen darin und versuchte es mit ihnen zehn Tage.
15. Und nach den zehn Tagen waren sie schöner und baß bei Leibe denn
alle Knaben, so von des Königs Speise aßen.
16. Da tat Melzar ihre verordnete Speise und Trank weg und gab ihnen
Gemüse.
17. Aber der GOtt dieser vier gab ihnen Kunst und Verstand in allerlei
Schrift und Weisheit; Daniel aber gab er Verstand in allen Gesichten
und Träumen.
18. Und da die Zeit um war, die der König bestimmt hatte, daß sie
sollten hineingebracht werden, brachte sie der oberste Kämmerer hinein
vor Nebukadnezar.
19. Und der König redete mit ihnen, und ward unter allen niemand
erfunden, der Daniel, Hananja, Misael und Asarja gleich wäre. Und sie
wurden des Königs Diener.
20. Und der König fand sie in allen Sachen, die er sie fragte, zehnmal
klüger und verständiger denn alle Sternseher und Weisen in seinem
ganzen Reich.
21. Und Daniel lebte bis ins erste Jahr des Königs Kores.
1. Im andern Jahr des Reichs Nebukadnezars hatte Nebukadnezar einen
Traum, davon er erschrak, daß er aufwachte.
2. Und er hieß alle Sternseher, und Weisen und Zauberer und Chaldäer
zusammenfordern, daß sie dem Könige seinen Traum sagen sollten. Und sie
kamen und traten vor den König.
3. Und der König sprach zu ihnen: Ich habe einen Traum gehabt, der hat
mich erschreckt; und ich wollte gerne wissen, was es für ein Traum
gewesen sei.
4. Da sprachen die Chaldäer zum Könige auf chaldäisch: Herr König,
GOtt verleihe dir langes Leben! Sage deinen Knechten den Traum, so
wollen wir ihn deuten.
5. Der König antwortete und sprach zu den Chaldäern: Es ist mir
entfallen. Werdet ihr mir den Traum nicht anzeigen und ihn deuten, so
werdet ihr gar umkommen und eure Häuser schändlich verstöret werden.
6. Werdet ihr mir aber den Traum anzeigen und deuten, so sollt ihr
Geschenke, Gaben und große Ehre von mir haben. Darum so sagt mir den
Traum und seine Deutung!
7. Sie antworteten wiederum und sprachen: Der König säge seinen
Knechten den Traum, so wollen wir ihn deuten.
8. Der König antwortete und sprach: Wahrlich, ich merke es, daß ihr
Frist suchet, weil ihr sehet, daß mir's entfallen ist.
9. Aber werdet ihr mir nicht den Traum sagen, so gehet das Recht über
euch, als die ihr Lügen und Gedichte vor mir zu reden vorgenommen habt,
bis die Zeit vorübergehe. Darum so sagt mir den Traum, so kann ich
merken, daß ihr auch die Deutung treffet.
10. Da antworteten die Chaldäer vor dem Könige und sprachen zu ihm: Es
ist kein Mensch auf Erden, der sagen könne, das der König fordert. So
ist auch kein König, wie groß oder mächtig er sei, der solches von
irgendeinem Sternseher, Weisen oder Chaldäer fordere.
11. Denn das der König fordert, ist zu hoch, und ist auch sonst
niemand, der es vor dem Könige sagen könne, ausgenommen die Götter, die
bei den Menschen nicht wohnen.
12. Da ward der König sehr zornig und befahl, alle Weisen zu Babel
umzubringen.
13. Und das Urteil ging aus, daß man die Weisen töten sollte. Und
Daniel samt seinen Gesellen ward auch gesucht, daß man sie tötete.
14. Da vernahm Daniel solch Urteil und Befehl von dem obersten Richter
des Königs, welcher auszog, zu töten die Weisen zu Babel.
15. Und er fing an und sprach zu des Königs Vogt Arioch: Warum ist so
ein streng Urteil vom Könige ausgegangen? Und Arioch zeigte es dem
Daniel an.
16. Da ging Daniel hinauf und bat den König, daß er ihm Frist gäbe,
damit er die Deutung dem Könige sagen möchte.
17. Und Daniel ging heim und zeigte solches an seinen Gesellen,
Hananja, Misael und Asarja,
18. daß sie GOtt vom Himmel um Gnade bäten solches verborgenen Dings
halben, damit Daniel und seine Gesellen nicht samt den andern Weisen zu
Babel umkämen.
19. Da ward Daniel solch verborgen Ding durch ein Gesicht des Nachts
offenbaret.
20. Darüber lobte Daniel den GOtt vom Himmel, fing an und sprach:
Gelobet sei der Name GOttes von Ewigkeit zu Ewigkeit; denn sein ist
beides, Weisheit und Stärke!
21. Er ändert Zeit und Stunde; er setzt Könige ab und setzt Könige
ein; er gibt den Weisen ihre Weisheit und den Verständigen ihren
Verstand;
22. er offenbaret, was tief und verborgen ist; er weiß, was in
Finsternis liegt; denn bei ihm ist eitel Licht.
23. Ich danke dir und lobe dich, GOtt meiner Väter, daß du mir
Weisheit und Stärke verleihest und jetzt offenbaret hast, darum wir
dich gebeten haben; nämlich du hast uns des Königs Sache offenbaret.
24. Da ging Daniel hinauf zu Arioch, der vom Könige Befehl hatte, die
Weisen zu Babel umzubringen, und sprach zu ihm also: Du sollst die
Weisen zu Babel nicht umbringen, sondern führe mich hinauf zum Könige,
ich will dem Könige die Deutung sagen.
25. Arioch brachte Daniel eilends hinauf vor den König und sprach zu
ihm also: Es ist einer funden unter den Gefangenen aus Juda, der dem
Könige die Deutung sagen kann.
26. Der König antwortete und sprach zu Daniel, den sie Beltsazar
hießen: Bist du der mir den Traum, den ich gesehen habe und seine
Deutung zeigen kann?
27. Daniel fing an vor dem Könige und sprach: Das verborgene Ding, das
der König fordert von den Weisen, Gelehrten, Sternsehern und
Wahrsagern, stehet in ihrem Vermögen nicht, dem Könige zu sagen,
28. sondern GOtt vom Himmel, der kann verborgene Dinge offenbaren; der
hat dem Könige Nebukadnezar angezeiget, was in künftigen Zeiten
geschehen soll.
29. Dein Traum und dein Gesicht, da du schliefest, kam daher: Du,
König, dachtest auf deinem Bette, wie es doch hernach gehen würde; und
der, so verborgene Dinge offenbaret, hat dir angezeiget, wie es gehen
werde.
30. So ist mir solch verborgen Ding offenbaret, nicht durch meine
Weisheit, als wäre sie größer denn aller, die da leben, sondern darum,
daß dem Könige die Deutung angezeiget würde, und du deines Herzens
Gedanken erführest.
31. Du, König, sahst, und siehe, ein sehr groß und hoch Bild stund vor
dir, das war schrecklich anzusehen.
32. Desselben Bildes Haupt war von feinem Golde; seine Brust und Arme
waren von Silber; sein Bauch und Lenden waren von Erz;
33. seine Schenkel waren Eisen; seine Füße waren eines Teils Eisen und
eines Teils Ton.
34. Solches sahst du, bis daß ein Stein herabgerissen ward ohne Hände;
der schlug das Bild an seine Füße, die Eisen und Ton waren, und
zermalmete sie.
35. Da wurden miteinander zermalmet das Eisen, Ton, Erz, Silber und
Gold und wurden wie Spreu auf der Sommertenne; und der Wind verwebte
sie, daß man sie nirgends mehr finden konnte. Der Stein aber, der das
Bild schlug, ward ein großer Berg, daß er die ganze Welt füllete.
36. Das ist der Traum. Nun wollen wir die Deutung vor dem Könige sagen.
37. Du, König, bist ein König aller Könige, dem GOtt vom Himmel
Königreich, Macht, Stärke und Ehre gegeben hat
38. und alle; da Leute wohnen, dazu die Tiere auf dem Felde und die
Vögel unter dem Himmel in deine Hand gegeben und dir über alles Gewalt
verliehen hat. Du bist das güldene Haupt.
39. Nach dir wird ein ander Königreich aufkommen, geringer denn
deines. Da nach das dritte Königreich, das ehern ist, welches wird über
alle Lande herrschen.
40. Das vierte wird hart sein wie Eisen. Denn gleichwie Eisen alles
zermalmet und zerschlägt, ja, wie Eisen alles zerbricht, also wird es
auch alles zermalmen und zerbrechen.
41. Daß du aber gesehen hast die Füße und Zehen eines Teils Ton und
eines Teils Eisen, das wird ein zerteilt Königreich sein; doch wird von
des Eisens Pflanze drinnen bleiben, wie du denn gesehen hast Eisen mit
Ton vermenget.
42. Und daß die Zehen an seinen Füßen eines Teils Eisen und eines
Teils Ton sind, wird es zum Teil ein stark und zum Teil ein schwach
Reich sein.
43. Und daß du gesehen hast Eisen mit Ton vermenget, werden sie sich
wohl nach Menschengeblüt untereinander mengen, aber sie werden doch
nicht aneinander halten, gleichwie sich Eisen mit Ton nicht mengen läßt.
44. Aber zur Zeit solcher Königreiche wird GOtt vom Himmel ein
Königreich aufrichten, das nimmermehr zerstöret wird; und sein
Königreich wird auf kein ander Volk kommen. Es wird alle diese
Königreiche zermalmen und verstören, aber es wird ewiglich bleiben.
45. Wie du denn gesehen hast, einen Stein ohne Hände vom Berge
herabgerissen, der das Eisen, Erz, Ton, Silber und Gold zermalmet. Also
hat der große GOtt dem Könige gezeiget, wie es hernach gehen werde; und
das ist gewiß der Traum, und die Deutung ist recht.
46. Da fiel der König Nebukadnezar auf sein Angesicht und betete an
vor dem Daniel und befahl, man sollte ihm Speisopfer und Räuchopfer tun.
47. Und der König antwortete Daniel und sprach: Es ist kein Zweifel,
euer GOtt ist ein GOtt über alle Götter und ein HErr über alle Könige,
der da kann verborgene Dinge offenbaren, weil du dies verborgene Ding
hast können offenbaren.
48. Und der König erhöhete Daniel und gab ihm große und viele
Geschenke und machte ihn zum Fürsten über das ganze Land zu Babel und
setzte ihn zum Obersten über alle Weisen zu Babel.
49. Und Daniel bat vom Könige, daß er über die Landschaften zu Babel
setzen möchte Sadrach, Mesach, Abed-Nego; und er, Daniel, blieb bei dem
Könige zu Hofe.
1. Der König Nebukadnezar ließ ein gülden Bild machen, sechzig Ellen
hoch und sechs Ellen breit, und ließ es setzen im Lande zu Babel im Tal
Dura.
2. Und der König Nebukadnezar sandte nach den Fürsten, Herren,
Landpflegern, Richtern, Vögten, Räten, Amtleuten und allen Gewaltigen
im Lande, daß sie zusammenkommen sollten, das Bild zu weihen, das der
König Nebukadnezar hatte setzen lassen.
3. Da kamen zusammen die Fürsten, Herren, Landpfleger, Richter, Vögte,
Räte, Amtleute und alle Gewaltigen im Lande, das Bild zu weihen, das
der König Nebukadnezar hatte setzen lassen. Und sie mußten vor das Bild
treten, das Nebukadnezar hatte setzen lassen.
4. Und der Ehrenhold rief überlaut: Das laßt euch gesagt sein, ihr
Völker, Leute und Zungen:
5. Wenn ihr hören werdet den Schall der Posaunen, Trommeten, Harfen,
Geigen, Psalter, Lauten und allerlei Saitenspiel, so sollt ihr
niederfallen und das güldene Bild anbeten, das der König Nebukadnezar
hat setzen lassen.
6. Wer aber alsdann nicht niederfällt und anbetet, der soll von Stund
an in den glühenden Ofen geworfen werden.
7. Da sie nun höreten den Schall der Posaunen, Trommeten, Harfen,
Geigen, Psalter und allerlei Saitenspiel, fielen nieder alle Völker,
Leute und Zungen und beteten an das güldene Bild, das der König
Nebukadnezar hatte setzen lassen.
8. Von Stund an traten hinzu etliche chaldäische Männer und verklagten
die Juden,
9. fingen an und sprachen zum Könige Nebukadnezar: Herr König, GOtt
verleihe dir langes Leben!
10. Du hast ein Gebot lassen ausgehen, daß alle Menschen, wenn sie
hören würden den Schall der Posaunen, Trommeten, Harfen, Geigen,
Psalter, Lauten und allerlei Saitenspiel, sollten sie niederfallen und
das güldene Bild anbeten;
11. wer aber nicht niederfiele und anbetete, sollte in einen glühenden
Ofen geworfen werden.
12. Nun sind da jüdische Männer, welche du über die Ämter im Lande zu
Babel gesetzet hast: Sadrach, Mesach und Abed-Nego; dieselbigen
verachten dein Gebot und ehren deine Götter nicht und beten nicht an
das güldene Bild, das du hast setzen lassen.
13. Da befahl Nebukadnezar mit Grimm und Zorn, daß man vor ihn
stellete Sadrach, Mesach und Abed-Nego. Und die Männer wurden vor den
König gestellet.
14. Da fing Nebukadnezar an und sprach zu ihnen: Wie? wollt ihr,
Sadrach, Mesach, Abed-Nego, meinen Gott nicht ehren und das güldene
Bild nicht anbeten, das ich habe setzen lassen?
15. Wohlan, schicket euch! Sobald ihr hören werdet den Schall der
Posaunen, Trommeten, Harfen, Geigen, Psalter, Lauten und allerlei
Saitenspiel, so fallet nieder und betet das Bild an, das ich habe
machen lassen! Werdet ihr's nicht anbeten, so sollt ihr von Stund an in
den glühenden Ofen geworfen werden. Laßt sehen, wer der GOtt sei, der
euch aus meiner Hand erretten werde!
16. Da fingen an Sadrach, Mesach; Abed-Nego und sprachen zum Könige
Nebukadnezar: Es ist nicht not, daß wir dir darauf antworten.
17. Siehe, unser GOtt, den wir ehren, kann uns wohl erretten aus dem
glühen den Ofen, dazu auch von deiner Hand erretten.
18. Und wo er's nicht tun will, so sollst du dennoch wissen, daß wir
deine Götter nicht ehren, noch das güldene Bild, das du hast setzen
lassen; anbeten wollen.
19. Da ward Nebukadnezar voll Grimms und stellete sich scheußlich
wider Sadrach, Mesach und Abed-Nego und befahl, man sollte den Ofen
siebenmal heißer machen, denn man sonst zu tun pflegte.
20. Und befahl den besten Kriegsleuten, die in seinem Heer waren, daß
sie Sadrach, Mesach und Abed-Nego bänden und in den glühenden Ofen
würfen.
21. Also wurden diese Männer in ihren Mänteln, Schuhen, Hüten und
andern Kleidern gebunden und in den glühenden Ofen geworfen.
22. Denn des Königs Gebot mußte man eilend tun. Und man schürete das
Feuer im Ofen so sehr, daß die Männer, so den Sadrach, Mesach und Abed-
Nego verbrennen sollten, verdarben von des Feuers Flammen.
23. Aber die drei Männer Sadrach, Mesach und Abed-Nego, fielen hinab
in den glühenden Ofen, wie sie gebunden waren.
24. Da entsetzte sich der König Nebukadnezar und fuhr eilends auf und
sprach zu seinen Räten: Haben wir nicht drei Männer gebunden in das
Feuer lassen werfen? Sie antworteten und sprachen zum Könige: Ja, Herr
König!
25. Er antwortete und sprach: Sehe ich doch vier Männer los im Feuer
gehen, und sind unversehrt; und der vierte ist gleich, als wäre er ein
Sohn der Götter.
26. Und Nebukadnezar trat hinzu vor das Loch des glühenden Ofens und
sprach: Sadrach, Mesach, Abed-Nego, ihr Knechte GOttes des Höchsten,
gehet heraus und kommt her! Da gingen Sadrach, Mesach und Abed-Nego
heraus aus dem Feuer.
27. Und die Fürsten, Herren, Vögte und Räte des Königs kamen zusammen
und sahen, daß das Feuer keine Macht am Leibe dieser Männer beweiset
hatte, und ihr Haupthaar nicht versenget und ihre Mäntel nicht versehrt
waren; ja, man konnte keinen Brand an ihnen riechen.
28. Da fing an Nebukadnezar und sprach: Gelobet sei der GOtt Sadrachs,
Mesachs und Abed-Negos, der seinen Engel gesandt und seine Knechte
errettet hat, die ihm vertrauet und des Königs Gebot nicht gehalten,
sondern ihren Leib dargegeben haben, daß sie keinen Gott ehren noch
anbeten wollten ohne allein ihren GOtt.
29. So sei nun dies mein Gebot: Welcher unter allen Völkern, Leuten
und Zungen den GOtt Sadrachs, Mesachs und Abed-Negos lästert, der soll
umkommen, und sein Haus schändlich verstöret werden. Denn es ist kein
anderer GOtt, der also erretten kann als dieser.
30. Und der König gab Sadrach, Mesach und Abed-Nego große Gewalt im
Lande zu Babel.
31. König Nebukadnezar allen Völkern, Leuten und Zungen: GOtt gebe
euch viel Friede!
32. Ich sehe es für gut an, daß ich verkündige die Zeichen und Wunder,
so GOtt der Höchste an mir getan hat.
33. Denn seine Zeichen sind groß, und seine Wunder sind mächtig; und
sein Reich ist ein ewiges Reich, und seine Herrschaft währet für und für.
Kap. 4. V.1. Ich, Nebukadnezar, da ich gute Ruhe hatte in meinem
Hause, und es wohl stund auf meiner Burg,
2. sah ich einen Traum und erschrak, und die Gedanken, die ich auf
meinem Bette hatte über dem Gesichte, so ich gesehen hatte, betrübten
mich.
3. Und ich befahl, daß alle Weisen zu Babel vor mich heraufgebracht
würden, daß sie mir sageten, was der Traum bedeutete.
4. Da brachte man herauf die Sternseher, Weisen, Chaldäer und
Wahrsager, und ich erzählte den Traum vor ihnen; aber sie konnten mir
nicht sagen, was er bedeutete,
5. bis zuletzt Daniel vor mich kam, welcher Beltsazar heißt, nach dem
Namen meines Gottes, der den Geist der heiligen Götter hat. Und ich
erzählte vor ihm den Traum:
6. Beltsazar, du Oberster unter den Sternsehern, welchen ich weiß, daß
du den Geist der heiligen Götter hast und dir nichts verborgen ist,
sage das Gesicht meines Traums; den ich gesehen habe, und was er
bedeutet.
7. Dies ist aber das Gesicht, das ich gesehen habe auf meinem Bette:
Siehe, es stund ein Baum mitten im Lande, der war sehr hoch,
8. groß und dick; seine Höhe reichte bis in Himmel und breitete sich
aus bis ans Ende des ganzen Landes.
9. Seine Äste waren schön und trugen viel Früchte, davon alles zu
essen hatte. Alle Tiere auf dem Felde fanden Schatten unter ihm, und
die Vögel unter dem Himmel saßen auf seinen Asten, und alles Fleisch
nährete sich von ihm.
10. Und ich sah ein Gesicht auf meinem Bette, und siehe, ein heiliger
Wächter fuhr vom Himmel herab,
11. der rief überlaut und sprach also: Hauet den Baum um und behauet
ihm die Äste und streifet ihm das Laub ab und zerstreuet seine Früchte,
daß die Tiere, so unter ihm liegen, weglaufen, und die Vögel von seinen
Zweigen fliehen.
12. Doch laß den Stock mit seinen Wurzeln in der Erde bleiben; er aber
soll in eisernen und ehernen Ketten auf dem Felde im Grase gehen; er
soll unter dem Tau des Himmels liegen und naß werden und soll sich
weiden mit den Tieren von den Kräutern der Erde.
13. Und das menschliche Herz soll von ihm genommen und ein viehisch
Herz ihm gegeben werden, bis daß sieben Zeiten über ihm um sind.
14. Solches ist im: Rat der Wächter beschlossen und im Gespräch der
Heiligen beratschlaget, auf daß die Lebendigen erkennen, daß der
Höchste Gewalt hat über der Menschen Königreiche und gibt sie, wem er
will, und erhöhet die Niedrigen zu denselbigen.
15. Solchen Traum hab ich, König Nebukadnezar, gesehen. Du aber,
Beltsazar, sage, was er bedeute; denn alle Weisen in meinem Königreich
können mir nicht anzeigen, was er bedeute; du aber kannst es wohl, denn
der Geist der heiligen Götter ist bei dir.
16. Da entsetzte sich Daniel, der sonst Beltsazar heißt, bei einer
Stunde lang, und seine Gedanken betrübten ihn. Aber der König sprach:
Beltsazar, laß dich den Traum und seine Deutung nicht betrüben!
Beltsazar fing an und sprach: Ach, mein Herr, daß der Traum deinen
Feinden und seine Deutung deinen Widerwärtigen gälte!
17. Der Baum, den du gesehen hast, daß er groß und dick war und seine
Höhe an den Himmel reichte und breitete sich über das ganze Land,
18. und seine Äste schön und seiner Früchte viel, davon alles zu essen
hatte, und die Tiere auf dem: Felde unter ihm wohneten, und die Vögel
des Himmels auf seinen Ästen saßen:
19. das bist du, König der du so groß und mächtig bist; denn deine
Macht ist groß und reichet an den Himmel, und deine Gewalt langet bis
an der Welt Ende.
20. Daß aber der König einen heiligen Wächter gesehen hat vom Himmel
herabfahren und sagen: Hauet den Baum um und verderbet ihn, doch den
Stock mit seinen Wurzeln laßt in der Erde bleiben; er aber soll in
eisernen und ehernen Ketten auf dem Felde im Grase gehen und unter dem
Tau des Himmels liegen und naß werden und sich mit den Tieren auf dem
Felde weiden, bis über ihm sieben Zeiten um sind:
21. das ist die Deutung, Herr König, und solcher Rat des Höchsten
gehet über meinen Herrn König.
22. Man wird dich von den Leuten verstoßen, und mußt bei den Tieren
auf dem Felde bleiben; und man wird dich Gras essen lassen wie die
Ochsen; und wirst unter dem Tau des Himmels liegen und naß werden, bis
über dir sieben Zeiten um sind, auf daß du erkennest, daß der Höchste
Gewalt hat über der Menschen Königreiche und gibt sie, wem er will.
23. Daß aber gesagt ist, man solle dennoch den Stock mit seinen
Wurzeln des Baums bleiben lassen: dein Königreich soll dir bleiben,
wenn du erkannt hast die Gewalt im Himmel.
24. Darum, Herr König, laß dir meinen Rat gefallen und mache dich los
von deinen Sünden durch Gerechtigkeit und ledig von deiner Missetat
durch Wohltat an den Armen, so wird er Geduld haben mit deinen Sünden.
25. Dies alles widerfuhr dem Könige Nebukadnezar.
26. Denn nach zwölf Monden, da der König auf der königlichen Burg zu
Babel ging,
27. hub er an und sprach: Das ist die große Babel, die ich erbauet
habe zum königlichen Hause durch meine, große Macht, zu Ehren meiner
Herrlichkeit.
28. Ehe der König diese Worte ausgeredet hatte, fiel eine Stimme vom
Himmel: Dir, König Nebukadnezar, wird gesagt: Dein Königreich soll dir
genommen werden,
29. und man wird dich von den Leuten verstoßen, und sollst bei den
Tieren, so auf dem Felde gehen, bleiben; Gras wird man dich essen
lassen, wie Ochsen, bis daß über dir sieben Zeiten um sind, auf daß du
erkennest, daß der Höchste Gewalt hat über der Menschen Königreiche und
gibt sie, wem er will.
30. Von Stund an ward das Wort vollbracht über Nebukadnezar, und er
ward von den Leuten verstoßen und er aß Gras wie Ochsen, und sein Leib
lag unter dem Tau des Himmels und ward naß, bis sein Haar wuchs, so
groß als Adlersfedern, und seine Nägel wie Vogelklauen wurden.
31. Nach dieser Zeit hub ich, Nebukadnezar, meine Augen auf gen Himmel
und kam wieder zur Vernunft und lobte den Höchsten. Ich preisete und
ehrete den, so ewiglich lebet, des Gewalt ewig ist und sein Reich für
und für währet,
32. gegen welchen alle, so auf Erden wohnen, als nichts zu rechnen
sind. Er macht es, wie er will, beide, mit den Kräften im Himmel und
mit denen, so auf Erden wohnen; und niemand kann seiner Hand wehren
noch zu ihm sagen: Was machst du?
33. Zur selbigen Zeit kam ich wieder zur Vernunft, auch zu meinen
königlichen Ehren, zu meiner Herrlichkeit und, zu meiner Gestalt. Und
meine Räte und Gewaltigen suchten mich; und ward wieder in mein
Königreich gesetzt; und ich überkam noch größere Herrlichkeit.
34. Darum lobe ich, Nebukadnezar, und ehre und preise den König vom
Himmel. Denn all sein Tun ist Wahrheit, und seine Wege sind recht; und
wer stolz ist, den kann er demütigen.
1. König Belsazer machte ein herrlich Mahl tausend seinen Gewaltigen
und Hauptleuten und soff sich voll mit ihnen.
2. Und da er trunken war, hieß er die güldenen und silbernen Gefäße
herbringen, die sein Vater Nebukadnezar aus dem Tempel zu Jerusalem
weggenommen hatte, daß der König mit seinen Gewaltigen, mit seinen
Weibern und mit seinen Kebsweibern daraus tränken.
3. Also wurden hergebracht die güldenen Gefäße, die aus dem Tempel,
aus dem Hause GOttes zu Jerusalem, genommen wären; und der König, seine
Gewaltigen, seine Weiber und Kebsweiber tranken daraus.
4. Und da sie so soffen, lobten sie die güldenen, silbernen, ehernen,
eisernen, hölzernen und steinernen Götter.
5. Eben zur selbigen Stunde gingen hervor Finger, als einer
Menschenhand, die schrieben, gegenüber dem Leuchter, auf die getünchte
Wand in dem königlichen Saal. Und der König ward gewahr der Hand, die
da schrieb.
6. Da entfärbte sich der König, und seine Gedanken erschreckten ihn,
daß ihm die Lenden schütterten und die Beine zitterten.
7. Und der König rief überlaut, daß man die Weisen, Chaldäer und
Wahrsager heraufbringen sollte Und ließ den Weisen zu Babel sagen:
Welcher Mensch diese Schrift lieset und sagen kann, was sie bedeute,
der soll mit Purpur gekleidet werden und güldene Ketten am Halse tragen
und der dritte Herr sein in meinem Königreiche.
8. Da wurden alle Weisen des Königs heraufgebracht; aber sie konnten
weder die Schrift lesen noch die Deutung dem Könige anzeigen.
9. Des erschrak der König Belsazer noch härter und verlor ganz seine
Gestalt, und seinen Gewaltigen ward bange.
10. Da ging die Königin um solcher Sache willen des Königs und seiner
Gewaltigen hinauf in den Saal und sprach: Herr König, GOtt verleihe dir
langes Leben! Laß dich deine Gedanken nicht so erschrecken und entfärbe
dich nicht also!
11. Es ist ein Mann in deinem Königreich, der den Geist der heiligen
Götter hat. Denn zu deines Vaters Zeit ward bei ihm Erleuchtung
erfunden, Klugheit und Weisheit, wie der Götter Weisheit ist; und dein
Vater, König Nebukadnezar, setzte ihn über die Sternseher, Weisen,
Chaldäer und Wahrsager,
12. darum daß ein hoher Geist bei ihm funden ward, dazu Verstand und
Klugheit, Sprüche zu deuten, dunkle Sprüche zu erraten und verborgene
Sachen zu offenbaren, nämlich Daniel, den der König ließ Beltsazar
nennen. So rufe man nun Daniel; der wird sagen, was es bedeute.
13. Da ward Daniel hinauf vor den König gebracht Und der König sprach
zu Daniel: Bist du der Daniel, der Gefangenen einer aus Juda, die der
König, mein Vater, aus Juda hergebracht hat?
14. Ich habe Von dir hören sagen, daß du den Geist der heiligen Götter
habest, und Erleuchtung, Verstand und hohe Weisheit bei dir funden sei.
15. Nun hab ich vor mich fordern lassen die Klugen und Weisen, daß sie
mir diese Schrift lesen und anzeigen sollen, was sie bedeute; und sie
können mir nicht sagen, was solches bedeute.
16. Von dir aber höre ich, daß du könnest die Deutung geben und das
Verborgene offenbaren. Kannst du nun die Schrift lesen und mir
anzeigen, was sie bedeutet, so sollst du mit Purpur gekleidet werden
und güldene Ketten an deinem Halse tragen und der dritte Herr sein in
meinem Königreiche.
17. Da fing Daniel an und redete vor dem Könige: Behalte deine Gaben
selbst und gib dein Geschenk einem andern; ich will dennoch die Schrift
dem Könige lesen und anzeigen, was sie bedeute.
18. Herr König, GOtt der Höchste hat deinem Vater, Nebukadnezar,
Königreich, Macht, Ehre und Herrlichkeit gegeben.
19. Und vor solcher Macht, die ihm gegeben war, fürchteten und
scheueten sich vor ihm alle Völker, Leute und Zungen. Er tötete, wen er
wollte; er schlug, wen er wollte; er erhöhete, wen er wollte; er
demütigte, wen er wollte.
20. Da sich aber sein Herz erhub und er stolz und hochmütig ward, ward
er vom königlichen Stuhl gestoßen und verlor seine Ehre;
21. und ward verstoßen von den Leuten, und sein Herz ward gleich den
Tieren, und mußte bei dem Wild laufen und fraß Gras wie Ochsen, und
sein Leib lag unter dem Tau des Himmels und ward naß, bis daß er
lernete, daß GOtt der Höchste Gewalt hat über der Menschen Königreiche
und gibt sie, wem er will.
22. Und du, Belsazer, sein Sohn, hast dein Herz nicht gedemütiget, ob
du wohl solches alles weißt,
23. sondern hast dich wider den HErrn des Himmels erhoben, und die
Gefäße seines Hauses hat man vor dich bringen müssen; und du, deine
Gewaltigen, deine Weiber und deine Kebsweiber habt daraus gesoffen,
dazu die silbernen, güldenen, ehernen, eisernen, hölzernen, steinernen
Götter gelobet, die weder sehen, noch hören, noch fühlen; den GOtt
aber, der deinen Odem und alle deine Wege in seiner Hand hat, hast du
nicht geehret.
24. Darum ist von ihm gesandt diese Hand und diese Schrift, die da
verzeichnet stehen.
25. Das ist aber die Schrift allda verzeichnet: Mene, mene, tekel,
upharsin.
26. Und sie bedeutet dies: Mene, das ist, GOtt hat dein Königreich
gezählet und vollendet.
27. Tekel, das ist, man hat dich in einer Waage gewogen und zu leicht
funden.
28. Peres, das ist, dein Königreich ist zerteilet und den Medern und
Persern gegeben.
29. Da befahl Belsazer, daß man Daniel mit Purpur kleiden sollte und
güldene Ketten an den Hals geben; und ließ von ihm verkündigen, daß er
der dritte Herr sei im Königreich.
30. Aber des Nachts ward der Chaldäer König Belsazer getötet.
31. Und Darius aus Medien nahm das Reich ein, da er zweiundsechzig
Jahre alt war.
Kap. 6. V.1. Und Darius sah es für gut an, daß er über das ganze
Königreich setzte hundertundzwanzig Landvögte.
2. Über diese setzte er drei Fürsten, deren einer war Daniel, welchen
die Landvögte sollten Rechnung tun, und der König der Mühe überhoben
wäre.
3. Daniel aber übertraf die Fürsten und Landvögte alle, denn es war
ein hoher Geist in ihm; darum gedachte der König ihn über das ganze
Königreich zu setzen.
4. Derhalben trachteten die Fürsten und Landvögte danach, wie sie eine
Sache zu Daniel fänden, die wider das Königreich wäre; aber sie konnten
keine Sache noch Übeltat finden, denn er war treu, daß man keine Schuld
noch Übeltat an ihm finden mochte.
5. Da sprachen die Männer: Wir werden keine Sache zu Daniel finden
ohne über seinem Gottesdienst.
6. Da kamen die Fürsten und Landvögte häufig vor den König und
sprachen zu ihm also: Herr König Darius, GOtt verleihe dir langes Leben!
7. Es haben die Fürsten des Königreichs, die Herren, die Landvögte,
die Räte und Hauptleute alle gedacht, daß man einen königlichen Befehl
solle ausgehen lassen und ein streng Gebot stellen, daß, wer in dreißig
Tagen etwas bitten wird von irgendeinem Gott oder Menschen ohne von
dir, König, alleine, solle zu den Löwen in den Graben geworfen werden.
8. Darum, lieber König, sollst du solch Gebot bestätigen und dich
unterschreiben, auf daß nicht wieder geändert werde, nach dem Recht der
Meder und Perser, welches niemand übertreten darf.
9. Also unterschrieb sich der König Darius.
10. Als nun Daniel erfuhr, daß solch Gebot unterschrieben wäre, ging
er hinauf in sein Haus (er hatte aber an seinem Sommerhause offene
Fenster gegen Jerusalem). Und er fiel des Tages dreimal auf seine
Kniee, betete, lobte und dankte seinem GOtt, wie er denn vorhin zu tun
pflegte.
11. Da kamen diese Männer häufig und fanden Daniel beten und flehen
vor seinem GOtt.
12. Und traten hinzu und redeten mit dem Könige von dem königlichen
Gebot: Herr König, hast du nicht ein Gebot unterschrieben, daß, wer in
dreißig Tagen etwas bitten würde von irgendeinem Gott oder Menschen
ohne von dir, König, alleine, solle zu den Löwen in den Graben geworfen
werden? Der König antwortete und sprach: Es ist wahr, und das Recht der
Meder und Perser soll niemand übertreten.
13. Sie antworteten und sprachen vor dem Könige: Daniel, der
Gefangenen aus Juda einer, der achtet weder dich noch dein Gebot, das
du verzeichnet hast; denn er betet des Tages dreimal.
14. Da der König solches hörete, ward er sehr betrübt und tat großen
Fleiß, daß er Daniel erlösete, und mühete sich, bis die Sonne
unterging, daß er ihn errettete.
15. Aber die Männer kamen häufig zu dem Könige und sprachen zu ihm: Du
weißt, Herr König, daß der Meder und Perser Recht ist, daß alle Gebote
und Befehle, so der König beschlossen hat, sollen unverändert bleiben.
16. Da befahl der König, daß man Daniel herbrächte; und warfen ihn zu
den Löwen in den Graben. Der König aber sprach zu Daniel: Dein GOtt,
dem du ohn Unterlaß dienest, der helfe dir!
17. Und sie brachten einen Stein, den legten sie vor die Tür am
Graben; den versiegelte der König mit seinem eigenen Ringe und mit dem
Ringe seiner Gewaltigen, auf daß sonst niemand an Daniel Mutwillen übete.
18. Und der König ging weg in seine Burg und blieb ungegessen und ließ
kein Essen vor sich bringen, konnte auch nicht schlafen.
19. Des Morgens früh, da der Tag anbrach, stund der König auf und ging
eilend zum Graben, da die Löwen waren.
20. Und als er zum Graben kam, rief er Daniel mit kläglicher Stimme.
Und der König sprach zu Daniel: Daniel, du Knecht des lebendigen
GOttes, hat dich auch dein GOtt, dem du ohn Unterlaß dienest, mögen von
den Löwen erlösen?
21. Daniel aber redete mit dem Könige: Herr König, GOtt verleihe dir
langes Leben!
22. Mein GOtt hat seinen Engel gesandt, der den Löwen den Rachen
zugehalten hat, daß sie mir kein Leid getan haben. Denn vor ihm bin ich
unschuldig erfunden, so hab ich auch wider dich, Herr König, nichts
getan.
23. Da ward der König sehr froh und ließ Daniel aus dem Graben ziehen.
Und sie zogen Daniel aus dem Graben, und man spürete keinen Schaden an
ihm; denn er hatte seinem GOtt vertrauet.
24. Da hieß der König die Männer, so Daniel verklagt hatten,
herbringen und zu den Löwen in den Graben werfen samt ihren Kindern und
Weibern. Und ehe sie auf den Boden hinab kamen, ergriffen sie die Löwen
und zermalmeten auch ihre Gebeine.
25. Da ließ der König Darius schreiben allen Völkern, Leuten und
Zungen: GOtt gebe euch viel Frieden!
26. Das ist mein Befehl, daß man in der ganzen Herrschaft meines
Königreichs den GOtt Daniels fürchten und scheuen soll. Denn er ist der
lebendige GOtt, der ewiglich bleibet; und sein Königreich ist
unvergänglich, und seine Herrschaft hat kein Ende.
27. Er ist ein Erlöser und Nothelfer, und er tut Zeichen und Wunder,
beide, im Himmel und auf Erden. Der hat Daniel von den Löwen erlöset.
28. Und Daniel ward gewaltig im Königreich Darius und auch im
Königreich Kores, der Perser.
1. Im ersten Jahr Belsazers, des Königs zu Babel, hatte Daniel einen
Traum und Gesicht auf seinem Bette; und er schrieb denselbigen Traum
und verfaßte ihn also:
2. Ich, Daniel, sah ein Gesicht in der Nacht, und siehe, die vier
Winde unter dem Himmel stürmeten widereinander auf dem großen Meer.
3. Und vier große Tiere stiegen herauf aus dem Meer, eins je anders
denn das andere.
4. Das erste wie ein Löwe und hatte Flügel wie ein Adler. Ich sah zu,
bis daß ihm die Flügel ausgerauft wurden; und es ward von der Erde
genommen und es stund auf seinen Füßen wie ein Mensch, und ihm ward ein
menschlich Herz gegeben.
5. Und siehe, das andere Tier hernach war gleich einem Bären und stund
auf der einen Seite und hatte in seinem Maul unter seinen Zähnen drei
große lange Zähne. Und man sprach zu ihm: Stehe auf und friß viel
Fleisch!
6. Nach diesem sah ich, und siehe, ein ander Tier, gleich einem
Parden, das hatte vier Flügel, wie ein Vogel, auf seinem Rücken; und
dasselbige Tier hatte vier Köpfe, und ihm ward Gewalt gegeben.
7. Nach diesem sah ich in diesem Gesicht in der Nacht, und siehe, das
vierte Tier war greulich und schrecklich und sehr stark und hatte große
eiserne Zähne, fraß um sich und zermalmete, und das übrige zertrat es
mit seinen Füßen; es war auch viel anders denn die vorigen und hatte
zehn Hörner.
8. Da ich aber die Hörner schauete, siehe, da brach hervor zwischen
denselbigen ein ander klein Horn, vor welchem der vordersten Hörner
drei ausgerissen wurden; und siehe, dasselbige Horn hatte Augen wie
Menschenaugen und ein Maul, das redete große Dinge.
9. Solches sah ich, bis daß Stühle gesetzt wurden; und der Alte setzte
sich, des Kleid war schneeweiß und das Haar auf seinem Haupt wie reine
Wolle; sein Stuhl war eitel Feuerflammen, und desselbigen Räder
brannten mit Feuer.
10. Und von demselbigen ging aus ein langer feuriger Strahl.
Tausendmal tausend dieneten ihm, und zehntausendmal zehntausend stunden
vor ihm. Das Gericht ward gehalten, und die Bücher wurden aufgetan.
11. Ich sah zu um der großen Rede willen, so das Horn redete; ich sah
zu, bis das Tier getötet ward und sein Leib umkam und ins Feuer
geworfen ward,
12. und der andern Tiere Gewalt auch aus war; denn es war ihnen Zeit
und Stunde bestimmt, wie lange ein jegliches währen sollte.
13. Ich sah in diesem Gesichte des Nachts, und siehe, es kam einer in
des Himmels Wolken wie eines Menschen Sohn bis zu dem Alten und ward
vor denselbigen gebracht.
14. Der gab ihm Gewalt, Ehre und Reich, daß ihm alle Völker, Leute und
Zungen dienen sollten. Seine Gewalt ist ewig, die nicht vergehet, und
sein Königreich hat kein Ende.
15. Ich, Daniel, entsetzte mich davor, und solch Gesicht erschreckte
mich.
16. Und ich ging zu deren einem, die da stunden, und bat ihn, daß er
mir von dem allem gewissen Bericht gäbe. Und er redete mit mir und
zeigte mir, was es bedeutete.
17. Diese vier großen Tiere sind vier Reiche, so auf Erden kommen
werden.
18. Aber die Heiligen des Höchsten werden das Reich einnehmen und
werden es immer und ewiglich besitzen.
19. Danach hätte ich gerne gewußt gewissen Bericht von dem vierten
Tier, welches gar anders war denn die andern alle, sehr greulich, das
eiserne Zähne und eherne Klauen hatte, das um sich fraß und zermalmete
und das übrige mit seinen Füßen zertrat,
20. und von den zehn Hörnern auf seinem Haupt und von dem andern, das
hervorbrach, vor welchem drei abfielen, und von demselbigen Horn, das
Augen hatte und ein Maul, das große Dinge redete und größer war, denn
die neben ihm waren.
21. Und ich sah dasselbige Horn streiten wider die Heiligen und
behielt den Sieg wider sie,
22. bis der Alte kam und Gericht hielt für die Heiligen des Höchsten;
und die Zeit kam, daß die Heiligen das Reich einnahmen.
23. Er sprach also: Das vierte Tier wird das vierte Reich auf Erden
sein, welches wird mächtiger sein denn alle Reiche; es wird alle Lande
fressen, zertreten und zermalmen.
24. Die zehn Hörner bedeuten zehn Könige, so aus demselbigen Reich
entstehen werden. Nach demselben aber wird ein anderer aufkommen, der
wird mächtiger sein denn der vorigen keiner und wird drei Könige
demütigen.
25. Er wird den Höchsten lästern und die Heiligen des Höchsten
verstören und wird sich unterstehen, Zeit und Gesetz zu ändern. Sie
werden aber in seine Hand gegeben werden eine Zeit und etliche Zeiten
und eine halbe Zeit.
26. Danach wird das Gericht gehalten werden; da wird dann seine Gewalt
weggenommen werden, daß er zugrunde vertilget und umgebracht werde.
27. Aber das Reich, Gewalt und Macht unter dem ganzen Himmel wird dem
heiligen Volk des Höchsten gegeben werden, des Reich ewig ist, und alle
Gewalt wird ihm dienen und gehorchen.
28. Das war der Rede Ende. Aber ich, Daniel, ward sehr betrübt in
meinen Gedanken, und meine Gestalt verfiel; doch behielt ich die Rede
in meinem Herzen.
1. Im dritten Jahr des Königreichs des Königs Belsazer erschien mir,
Daniel, ein Gesicht nach dem, so mir am ersten erschienen war.
2. Ich war aber, da ich solch Gesicht sah, zu Schloß Susan im Lande
Elam am Wasser Ulai.
3. Und ich hub meine Augen auf und sah, und siehe, ein Widder stund
vor dem Wasser, der hatte zwei hohe Hörner, doch eins höher denn das
andere, und das höchste wuchs am letzten.
4. Ich sah, daß der Widder mit den Hörnern stieß gegen Abend, gegen
Mitternacht und gegen Mittag, und kein Tier konnte vor ihm bestehen
noch von seiner Hand errettet werden, sondern er tat, was er wollte,
und ward groß.
5. Und indem ich darauf merkte, siehe, so kommt ein Ziegenbock vom
Abend her über die ganze Erde, daß er die Erde nicht rührete; und der
Bock hatte ein ansehnlich Horn zwischen seinen Augen.
6. Und er kam bis zu dem Widder, der zwei Hörner hatte, den ich stehen
sah vor dem Wasser; und er lief in seinem Zorn gewaltiglich zu ihm zu.
7. Und ich sah ihm zu, daß er hart an den Widder kam, und ergrimmete
über ihn und stieß den Widder und zerbrach ihm seine zwei Hörner. Und
der Widder hatte keine Kraft, daß er vor ihm hätte mögen bestehen,
sondern er warf ihn zu Boden und zertrat ihn; und niemand konnte den
Widder von seiner Hand erretten.
8. Und der Ziegenbock ward sehr groß. Und da er aufs stärkste worden
war, zerbrach das große Horn; und wuchsen an des Statt ansehnliche vier
gegen die vier Winde des Himmels.
9. Und aus derselbigen einem wuchs ein klein Horn, das ward sehr groß
gegen Mittag, gegen Morgen und gegen das werte Land.
10. Und es wuchs bis an des Himmels Heer und warf etliche davon und
von den Sternen zur Erde und zertrat sie.
11. Ja, es wuchs bis an den Fürsten des Heers und nahm von ihm weg das
tägliche Opfer und verwüstete die Wohnung seines Heiligtums.
12. Es ward ihm aber solche Macht gegeben wider das tägliche Opfer um
der Sünde willen, daß er die Wahrheit zu Boden schlüge und, was er tat,
ihm gelingen mußte.
13. Ich hörete aber einen Heiligen reden; und derselbige Heilige
sprach zu einem, der da redete: Wie lange soll doch währen solch
Gesicht vom täglichen Opfer und von der Sünde, um welcher willen diese
Verwüstung geschieht, daß beide, das Heiligtum und das Heer, zertreten
werden?
14. Und er antwortete mir: Es sind zweitausend und dreihundert Tage,
von Abend gegen Morgen zu rechnen, so wird das Heiligtum Wieder
geweihet werden.
15. Und da ich, Daniel, solch Gesicht sah und hätte es gerne
verstanden, siehe, da stund es vor mir wie ein Mann.
16. Und ich hörete zwischen Ulai eines Menschen Stimme, der rief und
sprach: Gabriel, lege diesem das Gesicht aus, daß er's verstehe!
17. Und er kam hart zu mir. Ich erschrak aber, da er kam, und fiel auf
mein Angesicht. Er aber sprach zu mir: Merke auf, du Menschenkind; denn
dies Gesicht gehört in die Zeit des Endes.
18. Und da er mit mir redete, sank ich in eine Ohnmacht zur Erde auf
mein Angesicht. Er aber rührete mich an und richtete mich auf, daß ich
stund.
19. Und er sprach: Siehe, ich will dir zeigen, wie es gehen wird zur
Zeit des letzten Zorns; denn das Ende hat seine bestimmte Zeit.
20. Der Widder mit den zweien Hörnern, den du gesehen hast, sind die
Könige in Medien und Persien.
21. Der Ziegenbock aber ist der König in Griechenland. Das große Horn
zwischen seinen Augen ist der erste König.
22. Daß aber vier an seiner Statt stunden, da es zerbrochen war,
bedeutet, daß vier Königreiche aus dem Volk entstehen werden, aber
nicht so mächtig, als er war.
23. Nach diesen Königreichen, wenn die Übertreter überhandnehmen, wird
aufkommen ein frecher und tückischer König.
24. Der wird mächtig sein, doch nicht durch seine Kraft. Er wird's
wunderlich verwüsten; und wird ihm gelingen, daß er's ausrichte. Er
wird die Starken samt dem heiligen Volk verstören.
25. Und durch seine Klugheit wird ihm der Betrug geraten. Und wird
sich in seinem Herzen erheben und durch Wohlfahrt wird er viele
verderben und wird sich auflehnen wider den Fürsten aller Fürsten. Aber
er wird ohne Hand zerbrochen werden.
26. Dies Gesicht vom Abend und Morgen, das dir gesagt ist, das ist
wahr; aber du sollst das Gesicht heimlich halten, denn es ist noch eine
lange Zeit dahin.
27. Und ich, Daniel, ward schwach und lag etliche Tage krank. Danach
stand ich auf und richtete aus des Königs Geschäfte. Und verwunderte
mich des Gesichts; und niemand war, der mir's berichtete.
1. Im ersten Jahr Darius, des Sohnes Ahasveros, aus der Meder Stamm,
der über das Königreich der Chaldäer König ward,
2. in demselbigen ersten Jahr seines Königreichs merkte ich, Daniel,
in den Büchern auf die Zahl der Jahre, davon der HErr geredet hatte zum
Propheten Jeremia, daß Jerusalem sollte siebenzig Jahre wüste liegen.
3. Und ich kehrete mich zu GOtt dem HErrn, zu beten und zu flehen, mit
Fasten, im Sack und in der Asche.
4. Ich betete aber zu dem HErrn, meinem GOtt, bekannte und sprach:
Ach, lieber HErr, du größer und schrecklicher GOtt, der du Bund und
Gnade hältst denen, die dich lieben und deine Gebote halten:
5. wir haben gesündigt, unrecht getan, sind gottlos gewesen und
abtrünnig worden; wir sind von deinen Geboten und Rechten gewichen.
6. Wir gehorchten nicht deinen Knechten, den Propheten, die in deinem
Namen unsern Königen, Fürsten, Vätern und allem Volk im Lande predigten.
7. Du, HErr, bist gerecht, wir aber müssen uns schämen, wie es denn
jetzt gebet denen von Juda und denen von Jerusalem und dem ganzen
Israel, beide, denen, die nahe und ferne sind, in allen Landen, dahin
du uns verstoßen hast um ihrer Missetat willen, die sie an dir begangen
haben.
8. Ja, HErr, wir, unsere Könige, unsere Fürsten und unsere Väter
müssen uns schämen, daß wir uns an dir versündiget haben.
9. Dein aber, HErr, unser GOtt, ist die Barmherzigkeit und Vergebung.
Denn wir sind abtrünnig worden
10. und gehorchten nicht der Stimme des HErrn, unsers GOttes, daß wir
gewandelt hätten in seinem Gesetz welches er uns vorlegte durch seine
Knechte, die Propheten,
11. sondern das ganze Israel übertrat dein Gesetz und wichen ab, daß
sie deiner Stimme nicht gehorchten. Daher trifft uns auch der Fluch und
Schwur, der geschrieben stehet im Gesetz Mose, des Knechtes GOttes, daß
wir an ihm gesündiget haben.
12. Und er hat seine Worte gehalten, die er geredet hat wider uns und
unsere Richter, die uns richten sollten, daß er solch groß Unglück über
uns hat gehen lassen, daß desgleichen unter allem Himmel nicht
geschehen ist, wie über Jerusalem geschehen ist.
13. Gleichwie es geschrieben stehet im Gesetz Mose, so ist all dies
große Unglück über uns gegangen. So beteten wir auch nicht vor dem
HErrn, unserm GOtt, daß wir uns von den Sünden bekehreten und deine
Wahrheit vernähmen.
14. Darum ist der HErr auch wacker gewesen mit diesem Unglück und hat
es über uns gehen lassen. Denn der HErr, unser GOtt, ist gerecht in
allen seinen Werken, die er tut; denn wir gehorchten seiner Stimme nicht.
15. Und nun, HErr, unser GOtt, der du dein Volk aus Ägyptenland
geführet hast mit starker Hand und hast dir einen Namen gemacht, wie er
jetzt ist: wir haben ja gesündiget und, sind leider gottlos gewesen.
16. Ach HErr, um aller deiner Gerechtigkeit willen wende ab deinen
Zorn und Grimm von deiner Stadt Jerusalem und deinem heiligen Berge!
Denn um unserer Sünde willen und um unserer Väter Missetat willen trägt
Jerusalem und dein Volk Schmach bei allen, die um uns her sind.
17. Und nun, unser GOtt, höre das Gebet deines Knechts und sein Flehen
und siehe gnädiglich an dein Heiligtum, das verstöret ist, um des HErrn
willen!
18. Neige deine Ohren, mein GOtt, und höre, tue deine Augen auf und
siehe, wie wir verstört sind, und die Stadt, die nach deinem Namen
genannt ist! Denn wir liegen vor dir mit unserm Gebet, nicht auf unsere
Gerechtigkeit, sondern auf deine, große Barmherzigkeit.
19. Ach HErr, höre, ach HErr, sei gnädig, ach HErr, merke auf und tue
es und verzeuch nicht um dein selbst willen, mein GOtt! Denn deine
Stadt und dein Volk ist nach deinem Namen genannt.
20. Als ich noch so redete und betete und meine und meines Volks
Israel Sünde bekannte und lag mit meinem Gebet vor dem HErrn, meinem
GOtt, um den heiligen Berg meines GOttes,
21. eben da ich so redete in meinem Gebet, flog daher der Mann
Gabriel, den ich vorhin gesehen hatte im Gesicht, und rührete mich an
um die Zeit des Abendopfers.
22. Und er berichtete mir und redete mit mir und sprach: Daniel, jetzt
bin ich ausgegangen, dir zu berichten.
23. Denn da du anfingest zu beten, ging dieser Befehl aus, und ich
komme darum, daß ich dir's anzeige; denn du bist lieb und wert. So
merke nun darauf, daß du das Gesicht verstehest!
24. Siebenzig Wochen sind bestimmt über dein Volk und über deine
heilige Stadt, so wird dem Übertreten gewehret und die Sünde
zugesiegelt und die Missetat versöhnet und die ewige Gerechtigkeit
gebracht und die Gesichte und Weissagung zugesiegelt und der
Allerheiligste gesalbet werden.
25. So wisse nun und merke: Von der Zeit an, so ausgehet der Befehl,
daß Jerusalem soll wiederum gebauet werden, bis auf Christum, den
Fürsten, sind sieben Wochen und zweiundsechzig Wochen, so werden die
Gassen und Mauern wieder gebauet werden, wiewohl in kümmerlicher Zeit.
26. Und nach den zweiundsechzig Wochen wird Christus ausgerottet
werden und nichts mehr sein. Und ein Volk des Fürsten wird kommen und
die Stadt und das Heiligtum verstören, daß es ein Ende nehmen wird wie
durch eine Flut; und bis zum Ende des Streits wird's wüst bleiben.
27. Er wird aber vielen den Bund stärken eine Woche lang. Und mitten
in der Woche wird das Opfer und Speisopfer aufhören. Und bei den
Flügeln werden stehen Greuel der Verwüstung; und ist beschlossen, daß
bis ans Ende über die Verwüstung triefen wird.
1. Im dritten Jahr des Königs Kores aus Persien ward dem Daniel, der
Beltsazar heißt, etwas offenbaret, das gewiß ist und von großen Sachen;
und er merkte darauf und verstund das Gesicht wohl.
2. Zur selbigen Zeit war ich, Daniel, traurig drei Wochen lang.
3. Ich aß keine niedliche Speise, Fleisch und Wein kam in meinen Mund
nicht; und salbete mich auch nie, bis die drei Wochen um waren.
4. Am vierundzwanzigsten Tage des ersten Monden war ich, bei dem
großen Wasser Hiddekel
5. und hub meine Äugen auf und sah, und siehe, da stund ein Mann in
Leinwand und hatte einen güldenen Gürtel um seine Lenden.
6. Sein Leib war wie ein Türkis, sein Antlitz sah wie ein Blitz, seine
Augen wie eine feurige Fackel, seine Arme und Füße wie ein glühend Erz,
und seine Rede war wie ein groß Getön.
7. Ich, Daniel, aber sah solch Gesicht alleine, und die Männer, so bei
mir waren, sahen's nicht; doch fiel ein groß Schrecken über sie, daß
sie flohen und sich verkrochen.
8. Und ich blieb alleine und sah dies große Gesicht. Es blieb aber
keine Kraft in mir, und ich ward sehr ungestalt und hatte keine Kraft
mehr.
9. Und ich hörete seine Rede; und indem ich sie hörete, sank ich
nieder auf mein Angesicht zur Erde.
10. Und siehe, eine Hand rührete mich an und half mir auf die Kniee
und auf die Hände
11. und sprach zu mir: Du lieber Daniel, merke auf die Worte, die ich
mit dir rede, und richte dich auf; denn ich bin jetzt zu dir gesandt.
Und da er solches mit mir redete, richtete ich mich auf und zitterte.
12. Und er sprach zu mir: Fürchte dich nicht, Daniel; denn von dem
ersten Tage an, da du von Herzen begehretest zu verstehen, und dich
kasteietest vor deinem GOtt, sind deine, Worte erhöret; und ich bin
kommen um deinetwillen.
13. Aber der Fürst des Königreichs in Persienland hat mir
einundzwanzig Tage widerstanden; und siehe, Michael, der vornehmsten
Fürsten einer, kam mir zu Hilfe; da behielt ich den Sieg bei den
Königen in Persien.
14. Nun aber komme ich, daß ich dir berichte, wie es deinem Volk
hernach gehen wird; denn das Gesicht wird nach etlicher Zeitgeschehen.
15. Und als er solches mit mir redete, schlug ich mein Angesicht
nieder zur Erde und schwieg stille.
16. Und siehe, einer, gleich einem Menschen, rührete meine Lippen an.
Da tat ich meinen Mund auf und redete und sprach zu dem, der vor mir
stund: Mein Herr, meine Gelenke beben mir über dem Gesicht, und ich
habe keine Kraft mehr.
17. Und wie kann der Knecht meines Herrn mit meinem Herrn reden, weil
nun keine Kraft mehr in mir ist, und habe auch keinen Odem mehr?
18. Da rührete mich abermal an einer, gleichwie ein Mensch gestaltet,
und stärkte mich
19. und sprach: Fürchte dich nicht, du lieber Mann! Friede sei mit
dir; und sei getrost, sei getrost! Und als er mit mir redete, ermannete
ich mich und sprach: Mein Herr, rede; denn du hast mich gestärkt.
20. Und er sprach: Weißt du auch, warum ich zu dir kommen bin? Jetzt
will ich wieder hin und mit dem Fürsten in Persienland streiten; aber
wenn ich wegziehe, siehe, so wird der Fürst aus Griechenland kommen.
21. Doch will ich dir anzeigen, was geschrieben ist, das gewißlich
geschehen wird. Und ist keiner, der mir hilft wider jene denn euer
Fürst Michael.
Kap. 11. V.1. Denn ich stund auch bei ihm im ersten Jahr Darius, des
Meders, daß ich ihm hülfe und ihn stärkete.
2. Und nun will ich dir anzeigen, was gewiß geschehen soll.
2. Siehe, es werden noch drei Könige in Persien stehen; der vierte
aber wird größern Reichtum haben denn alle andern; und wenn er in
seinem Reichtum am mächtigsten ist, wird er alles wider das Königreich
in Griechenland erregen.
3. Danach wird ein mächtiger König aufstehen und mit großer Macht
herrschen, und was er will, wird er ausrichten.
4. Und wenn er aufs höchste kommen ist, wird sein Reich zerbrechen und
sich in die vier Winde des Himmels zerteilen, nicht auf seine
Nachkommen, auch nicht mit solcher Macht, wie seine gewesen ist; denn
sein Reich wird ausgerottet und Fremden zuteil werden.
5. Und der König gegen Mittag, welcher ist seiner Fürsten einer, wird
mächtig werden; aber gegen ihn wird einer auch mächtig sein und
herrschen, welches Herrschaft wird groß sein.
6. Nach etlichen Jahren aber werden sie sich miteinander befreunden;
und die Tochter des Königs gegen Mittag wird kommen zum Könige gegen
Mitternacht, Einigkeit zu machen. Aber sie wird nicht bleiben bei der
Macht des Arms, dazu ihr Same auch nicht stehen bleiben, sondern sie
wird übergeben samt denen, die sie gebracht haben, und mit dem Kinde
und dem, der sie eine Weile mächtig gemacht hatte.
7. Es wird aber der Zweige einer von ihrem Stamm aufkommen, der wird
kommen mit Heereskraft und dem Könige gegen Mitternacht in seine Feste
fallen; und wird's, ausrichten und siegen.
8. Auch wird er ihre Götter und Bilder samt den köstlichen Kleinoden,
beide, silbernen und güldenen, wegführen nach, Ägypten und etliche
Jahre vor dem Könige gegen Mitternacht wohl stehen bleiben.
9. Und wenn er durch desselbigen Königreich gezogen ist, wird er
wiederum in sein Land ziehen.
10. Aber seine Söhne werden erzürnen und große Heere zusammenbringen;
und der eine wird kommen und wie eine Flut daherfahren und jenen
wiederum vor seinen Festen reizen.
11. Da wird der König gegen Mittag ergrimmen und ausziehen und mit dem
Könige gegen Mitternacht streiten und wird solchen großen Haufen
zusammenbringen, daß ihm jener Haufe wird in seine Hand gegeben.
12. Und wird denselbigen Haufen wegführen. Des wird sich sein Herz
erheben, daß er so viel tausend daniedergelegt hat; aber damit wird er
sein nicht mächtig werden.
13. Denn der König gegen Mitternacht wird wiederum einen größern
Haufen zusammenbringen, denn der vorige war; und nach etlichen Jahren
wird er daherziehen mit großer Heereskraft und mit großem Gut.
14. Und zur selbigen Zeit werden sich viele wider den König gegen
Mittag setzen; auch werden sich etliche Abtrünnige aus deinem Volk
erheben und die Weissagung erfüllen und werden fallen.
15. Also wird der König gegen Mitternacht daherziehen und Schütte
machen und feste Städte gewinnen; und die Mittagsarme werden's nicht
können wehren, und sein bestes Volk werden nicht können widerstehen,
16. sondern er wird, wenn er an ihn kommt, seinen Willen schaffen; und
niemand wird ihm widerstehen mögen. Er wird auch in das werte Land
kommen und wird's vollenden durch seine Hand.
17. Und wird sein Angesicht richten, daß er mit Macht seines ganzen
Königreichs komme. Aber er wird sich mit ihm vertragen und wird ihm
seine Tochter zum Weibe geben, daß er ihn verderbe; aber es wird ihm
nicht geraten, und wird nichts daraus werden.
18. Danach wird er sich kehren wider die Inseln und derselbigen viele
gewinnen. Aber ein Fürst wird ihn lehren aufhören mit Schmähen, daß er
ihn nicht mehr schmähe.
19. Also wird er sich wiederum kehren zu den Festen seines Landes und
wird sich stoßen und fallen, daß man ihn nirgend finden wird.
20. Und an seiner Statt wird einer aufkommen, der wird in königlichen
Ehren sitzen wie ein Scherge. Aber nach wenig Tagen wird er brechen,
doch weder durch Zorn noch durch Streit.
21. An des Statt wird aufkommen ein Ungeachteter, welchem die Ehre des
Königreichs nicht bedacht war; der wird kommen, und wird ihm gelingen
und das Königreich mit süßen Worten einnehmen.
22. Und die Arme, die wie eine Flut daherfahren, werden vor ihm wie
mit einer Flut überfallen und zerbrochen werden, dazu auch der Fürst,
mit dem der Bund gemacht war.
23. Denn nachdem er mit ihm befreundet ist, wird er listiglich gegen
ihn handeln; und wird heraufziehen und mit geringem Volk ihn
überwältigen.
24. Und wird ihm gelingen, daß er in die besten Städte des Landes
kommen wird; und wird's also ausrichten, das seine Väter noch seine
Voreltern nicht tun konnten mit Rauben, Plündern und Ausbeuten; und
wird nach den allerfestesten Städten trachten, und das eine Zeitlang.
25. Und er wird seine Macht und sein Herz wider den König gegen Mittag
erregen mit großer Heereskraft. Da wird der König gegen Mittag gereizet
werden zum Streit mit einer großen, mächtigen Heereskraft. Aber er wird
nicht bestehen; denn es werden Verrätereien wider ihn gemacht.
26. Und eben, die sein Brot essen, die werden ihn helfen verderben und
sein Heer unterdrücken, daß gar viele erschlagen werden.
27. Und beider Könige Herz wird denken, wie sie einander Schaden tun,
und werden doch über einem Tisch fälschlich miteinander reden. Es wird
ihnen aber fehlen; denn das Ende ist noch auf eine andere Zeit bestimmt.
28. Danach wird er wiederum heimziehen mit großem Gut und sein Herz
richten wider den heiligen Bund; da wird er etwas ausrichten und also
heim in sein Land ziehen.
29. Danach wird er zu gelegener Zeit wieder gegen Mittag ziehen; aber
es wird ihm zum andernmal nicht geraten wie zum erstenmal.
30. Denn es werden Schiffe aus Chittim wider ihn kommen, daß er
verzagen wird und umkehren muß. Da wird er wider den heiligen Bund
ergrimmen und wird's ausrichten; und wird sich umsehen und an sich
ziehen, die den heiligen Bund verlassen.
31. Und es werden seine Anne daselbst stehen; die werden das Heiligtum
in der Feste entweihen und das tägliche Opfer abtun und einen Greuel
der Wüstung aufrichten.
32. Und er wird heucheln und gute Worte geben den Gottlosen, so den
Bund übertreten. Aber das Volk, so ihren GOtt kennen, werden sich
ermannen und es ausrichten.
33. Und die Verständigen im Volk werden viel andere lehren; darüber
werden sie fallen durch Schwert, Feuer, Gefängnis und Raub eine Zeitlang.
34. Und wenn sie so fallen, wird ihnen dennoch eine kleine Hilfe
geschehen. Aber viele werden sich zu ihnen tun betrüglich.
35. Und der Verständigen werden etliche fallen, auf daß sie bewähret,
rein und lauter werden, bis daß es ein Ende habe; denn es ist noch eine
andere Zeit vorhanden.
36. Und der König wird tun, was er will, und wird sich erheben und
aufwerfen wider alles, das GOtt ist; und wider den GOtt aller Götter
wird er greulich reden; und wird ihm gelingen, bis der Zorn aus sei;
denn es ist beschlossen, wie lange es währen soll.
37. Und seiner Väter GOtt wird er nicht achten; er wird weder
Frauenliebe noch einiges Gottes achten, denn er wird sich wider alles
aufwerfen.
38. Aber an des Statt wird er seinen Gott Maußim ehren; denn er wird
einen Gott, davon seine Väter nichts gewußt haben, ehren mit Gold,
Silber, Edelstein und Kleinoden.
39. Und wird denen, so ihm helfen stärken Maußim mit dem fremden Gott,
den er erwählet hat, große Ehre tun und sie zu Herren machen über große
Güter und ihnen das Land zu Lohn austeilen.
40. Und am Ende wird sich der König gegen Mittag mit ihm stoßen; und
der König gegen Mitternacht wird sich gegen ihn sträuben mit Wagen,
Reitern und viel Schiffen; und wird in die Länder fallen und verderben
und durchziehen.
41. Und wird in das werte Land fallen, und viele werden umkommen.
Diese aber werden seiner Hand entrinnen: Edom, Moab und die Erstlinge
der Kinder Ammon.
42. Und er wird seine Macht in die Länder schicken, und Ägypten wird
ihm nicht entrinnen,
43. sondern er wird durch seinen Zug herrschen über die güldenen und
silbernen Schätze und über alle Kleinode Ägyptens, Libyens und der
Möhren.
44. Es wird ihn aber ein Geschrei erschrecken von Morgen und
Mitternacht; und er wird mit großem Grimm ausziehen, willens, viele zu
vertilgen und zu verderben.
45. Und er wird das Gezelt seines Palasts aufschlagen zwischen zweien
Meeren um den werten heiligen Berg, bis mit ihm ein Ende werde; und
niemand wird ihm helfen.
Kap. 12. V.1. Zur selbigen Zeit wird der große Fürst Michael, der für
dein Volk stehet, sich aufmachen. Denn es wird eine solche trübselige
Zeit sein, als sie nicht gewesen ist, seit daß Leute gewesen sind, bis
auf dieselbige Zeit. Zur selbigen Zeit wird dein Volk errettet werden,
alle, die im Ruch geschrieben stehen.
2. Und viele, so unter der Erde schlafen liegen, werden aufwachen,
etliche zum ewigen Leben, etliche zur ewigen Schmach und Schande.
3. Die Lehrer aber werden leuchten wie des Himmels Glanz und die, so
viele zur Gerechtigkeit weisen, wie die Sterne immer und ewiglich.
4. Und nun, Daniel, verbirg diese Worte und versiegele diese Schrift
bis auf die letzte Zeit, so werden viele drüber kommen und großen
Verstand finden.
5. Und ich, Daniel, sah, und siehe, es stunden zween andere da, einer
an diesem Ufer des Wassers, der andere an jenem Ufer.
6. Und er sprach zu dem in leinenen Kleidern, der oben am Wasser
stund: Wann will's denn ein Ende sein mit solchen Wundern?
7. Und ich hörete zu dem in leinenen Kleidern, der oben am Wasser
stund; und er hub seine rechte und linke Hand auf gen Himmel und schwur
bei dem, so ewiglich lebet, daß es eine Zeit und etliche Zeiten und
eine halbe Zeit währen soll; und wenn die Zerstreuung des heiligen
Volks ein Ende hat, soll solches alles geschehen.
8. Und ich hörete es: aber ich verstund es nicht und sprach: Mein
Herr, was wird danach werden?
9. Er aber sprach: Gehe hin, Daniel; denn es ist verborgen und
versiegelt bis auf die letzte Zeit.
10. Viele werden gereiniget, geläutert und bewähret werden; und die
Gottlosen werden gottlos Wesen führen, und die Gottlosen werden's nicht
achten; aber die Verständigen werden's achten.
11. Und von der Zeit an, wenn das tägliche Opfer abgetan und ein
Greuel der Wüstung dargesetzt wird, sind tausend zweihundert und
neunzig Tage:
12. Wohl dem, der da erwartet und erreichet tausend dreihundert und
fünfunddreißig Tage!
13. Du aber, Daniel, gehe hin, bis das Ende komme, und ruhe, daß du
aufstehest in deinem Teil am Ende der Tage!