Auslegung - Hintergrund



Will man eine Schrift korrekt verstehen, so ist es notwendig, dass man zunächst einmal genau liest und das beachtet, was in der Textstelle selbst ausgesagt ist, die Aussage dann aber unbedingt in ihrem Kontext liest, denn erst mit dem Kontext wird wirklich deutlich, was mit einer Aussage gemeint ist. Auch ergibt sich oft aus dem Kontext, falls nicht schon offensichtlich in der Stelle selbst, ob und in welcher Weise der Autor Redefiguren zur Betonung bestimmter Punkte genutzt hat.

Eine weitere wichtige Sache, die zum rechten Verständnis und einer korrekten Auslegung eines Textes beachtet werden muss, ist der historische, sprachliche, kulturelle Hintergrund dessen, was in dem Text geschildert wird. Manchmal wird diesbzgl. ebenfalls von einem "Kontext" bzw. "Zusammenhang"gesprochen, etwa wenn Leser vom "historischen Kontext", kulturellen Kontext", usw. reden. Es geht hier sozusagen um das "Umfeld", in welchem sich das ereignet, was in einem Text aufgezeichnet wurde und geschrieben steht.

Historischer Hintergrund

Wenn wir die biblischen Schriften lesen, so ist es unumgänglich, dass wir den jeweiligen historischen Hintergrund beachten, wobei zwei Aspekte von Bedeutung sind: (a) der geschichtliche Hintergrund dessen, was in dem Text berichtet und von dem in dem Text geschrieben wird, und (b) der geschichtliche Hintergrund dessen, wann und von wem der Text verfasst wurde.

Um ein korrektes Verständnis eines Textes zu erlangen, müssen wir darauf achten, wann sich die in dem Text erwähnten Ereignisse ereignet haben. Man daraf also nicht etwas, was sich z.B. zu Zeiten Abrahams zutrug, in die Zeit des Mose legen, oder das, was zu Zeiten Jesu geschah, in die Zeit König Davids verlagern. Es wird unweigerlich zu einem falschen Verständnis kommen, wenn wir die geschilderten Dinge historisch falsch einordnen und dann vor einem falschen historischen Hintergrund auslegen. Zeitliche Angaben im Text werden nur dann korrekt verstanden sein, wenn der historische Hintergrund korrekt erkannt wird, z.B.: Ein zu Zeiten Abrahams noch als in der Zukunft liegendes erwähntes Ereignis mag zu Zeiten Davids bereits geschehen sein und in der Vergangenheit liegen; etwas, was ein Prophet im AT als zukünftig voraussagt, mag zu Zeiten Jesu bereits Gegenwart oder gar Vergangenheit sein, usw. Man hätte ganz offensichtlich ein falsches Verständnis, würde man diese Angaben zum historischen Hintergrund einer Sache nicht beachten.

Sehr wichtig ist es auch, dass man beachtet, wann eine Schrift geschrieben wurde, damit man die aus Sicht des Autors bzw. Schreibers gemachten zeitlichen Angaben nicht historisch falsch interpretiert. Was etwa zum Zeitpunkt der Niederschrift eines Textes Vergangenheit war, wird sicher auch heute zum Zeitpunkt des Lesens Vergangenheit sein, aber was zum Zeitpunkt der Niederschrift Gegenwart war ist heute zum Zeitpunkt des Lesens ebenfalls bereits Vergangenheit und nicht mehr weiterhin Gegenwart. Ja, sogar das, was zum Zeitpunkt der Niederschrift des Textes noch Zukunft war, ist möglicherweise heute zum Zeitpunkt des Lesens bereits Vergangenheit. Wir sehen, es ist unbedingt notwendig, auch diesen Aspekt des historischen Hintergrunds eines Textes genau zu beachten, um dann zu einem rechten Verständnis eines Textes zu gelangen.

Kultureller Hintergrund

Wenn es um die Schriften der Bibel geht, so müssen wir nicht nur beachten, dass wir Texte vor uns haben, die bereits vor ca. 2000 Jahren (und teilweise noch viel früher) verfasst wurden, sondern wir müssen ebenfalls darauf achten, dass sich das, was in den Texten geschildert wird, zum allergrößten Teil in einem ganz anderen Kulturkreis abspielte als dem, in welchem wir heute etwa in Mitteleuropa leben.

Gar manches von dem, was wir in den biblischen Schriften lesen, und da besonders in den Schriften des AT, ist uns heute vielleicht sehr fremd. Daher müssen wir darauf achten, geschilderte Handlungen und Verhaltensweisen von Menschen und die Umstände ihres Lebens vor dem kulturellen Hintergrund der damaligen orientalischen Welt zu lesen und zu verstehen. Selbst in den Schriften des AT kommen durchaus unterschiedliche kulturelle Hintergründe zum Tragen, etwa wenn wir einerseits vom Ereignissen eines nomadisch lebenden Volkes lesen und dann vom Leben etwa im Pharaonenreich Ägypten. Der kulturelle Hintergrund der Berichte über König Davids Zeit und sein Reich ist ein etwas anderer als der, dem wir ca. 1000 Jahre später in den NT Schriften zu Zeiten des Römischen Reiches begegnen.

Sprachlicher Hintergrund

Auch der sprachliche Hintergrund eines Textes ist von großer Bedeutung. Die biblischen Schriften wurden nicht in unseren heutigen modernen und uns allgemein bekannten Sprachen verfasst, sondern ursprünglich auf Hebräisch, Aramäisch und Griechisch. Zudem haben sich im Laufe der Jahrhunderte auch diese Sprachen verändert, Aramäisch vielleicht am wenigsten, so dass es wichtig ist, dass wir beim Lesen unserer Bibelausgaben darauf achthaben, dass es sich um Übersetzungen in unsere Sprachen handelt, die aber nicht notwendigerweise absolut korrekt sein müssen oder sein können. Wenn uns beim Lesen "merkwürdig" erscheinende Ausdrucksweisen begegnen, so mag dies daran liegen, dass ein in der ursprünglichen Sprache sehr wohl "ganz normaler" Ausdruck nicht ganz equivalent in unsere Sprache übersetzt bzw. übertragen wurde, vielleicht auch einfach nicht übertragen werden konnte.

Die Art und Weise, wie Menschen bestimmte Dinge in ihrer Sprache ausdrücken und beschreiben, ist von Sprache zu Sprache durchaus unterschiedlich. Einerseits liegt dies an rein sprachlichen Aspekten, weil eine Sprache vom Wortschatz und Satzbau her anders geartet ist; andererseits spielt auch der jeweilige kuturelle Hintergrund für die Nutzung der Sprache eine Rolle. Wir müssen also in den biblischen Schriften darauf achten und bemüht sein, das Gesagte vor dem Hintergrund der zu biblischen Zeiten und in den biblischen Landen benutzten Sprache zu verstehen.

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Stand: 16.02.2016